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Sonntag, 12. November 2017

HANSEPERSONALITY Michael Kruse: Zukunft des Medienstandorts Hamburg auf der Tagesordnung

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Mit stolzen 10,2 Prozent liberaler Zweitstimmen zur Bundestagswahl und einem desaströsen Abschneiden der Scholz-SPD mit 23,5% weht ein rauherer Wind durchs Rathaus. Hamburgs 1. Liberaler knüpfte die Koalition zum Gewinn des ITS-Weltkongresses denn auch gleich als "Stauhauptstadt" mit "desolater Verkehrssituation" auf. 


Hamburgs digitaler Oppositionschef Michael Kruse
Michael Kruse ist mit 34 Jahren jüngster Co-Fraktionschef aller Zeiten in der Hamburgischen Bürgerschaft - aktuell vorgestellt bei den Kollegen der "Welt". Bereits als parlamentarischer Geschäftsführer der Hamburger Liberalen schenkte er dem Rot-Grünen Senat bei ihren Digitalisierungsprojekten und der Hafenpolitik kräftig ein. 

Wie beurteilt einer der engagiertesten Digitalpolitiker die Bemühungen der Stadt auf dem Weg zur vernetzten City? Was sagt der führende Liberale zu den digitalen Aktivitäten in Hafen und HHLA? Und was schreibt der Oppositionschef dem Senat ins Stammbuch? Unser HANSEPERSONALITY ist der neue Fraktionsvorsitzende der FDP in der Hamburgischen Bürgerschaft - Michael Kruse:


Digitale Verwaltung Hamburg

Bei unserem ersten Sonntags-Interview brachtest Du auf den Punkt: Die Digitalisierung führt bei Rot-Grün ein "stiefmütterliches Dasein". Mittlerweile ist der Senat einen Schritt weiter: Vier Behörden arbeiten an digitalen Themen. Künftig soll die Senatskanzlei die Aktivitäten koordinieren. Zufrieden?

Dass der Senat die Kompetenzen für den Digitalbereich erst aufsplittet, um sie dann wieder zusammenzuführen, hat wertvolle Zeit gekostet. Natürlich ist das Thema Digitalisierung so wichtig, dass die Kompetenzen an einem zentralen Ort gebündelt werden müssen. Ich habe aber Zweifel, ob eine rein koordinierende Rolle des neuen Amtes in der Senatskanzlei ausreichen wird.

Die Stadt hat ein Angebot für die Besetzung des Chief Digital Officer abgegeben. Nach Abschluss der Ausschreibungsphase scheint es jetzt loszugehen. Bringt ein CDO unterhalb der Staatsräteebene in den zuständigen Ressorts die gewünschte Dynamik in der digitalen Entwicklung der Hansestadt? 

Das muss das Ziel sein. Allerdings zeigt sich in dieser Position die verzweifelten Bemühungen des Senats, sich ein digitales Image zu verpassen, anstatt die Digitalisierung der Verwaltung tatsächlich voranzutreiben. Zunächst wurde die Stelle eines Chief Information Officer (CIO) eingerichtet, nun wurde ein weiterer außertariflicher, hoch dotierter Posten geschaffen. Eine zusätzliche Stelle ohne Weisungskompetenz bringt Hamburg aber nicht voran.


Digitaler Verkehr Hamburg

Zur Entscheidung, den ITS-Weltkongress für intelligente Verkehrssysteme 2021 in Hamburg auszurichten hast Du die kleine Keule rausgeholt: Hamburg sei "Stauhauptstadt" mit "desaströser Verkehrssituation". Ist der ITS-Kongress keine Chance, zum "Musterschüler" zu werden?

Die erfolgreiche Bewerbung Hamburgs für den ITS-Weltkongress ist zu begrüßen: Das Großereignis wird die drastisch wachsenden Verkehrsprobleme Hamburgs schonungslos offenlegen. Im Bereich der Hafenverkehre trägt der Senat mit seiner Gebührenerhöhung für Binnenschiffer sogar aktiv dazu bei, dass ökologisch und ökonomisch vorteilhafte Transporte verteuert werden. Der ITS-Kongress ist eine Chance, aber ich sehe nicht, dass der Scholz-Senat sie nutzt.

Schauen wir uns die Projekte von HOCHBAHN, MOIA und switchh an, muss die Metropole Berlin eigentlich laut losheulen. Die Mobilitätspartnerschaften mit BMW, Daimler, Deutscher Bahn und VW sind doch richtig fortschrittlich. Wie will die FDP Hamburgs Straßenverkehr digital vernetzen? 

Der technologische Fortschritt verlangt leistungsfähige Kommunikationsnetze, bei denen z. B. Maschinen, Automaten und Fahrzeuge untereinander oder über Leitstellen verbunden sind. Die geplante Einstellung einzelner Projekte von "smartPORTlogistics" zeigt, dass Hamburg weit davon entfernt ist, intelligente Verkehrsprojekte zu präsentieren, die über die Pilotphase hinauskommen. 

Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells

Der Senat müsste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die notwendige Verkehrsbeschleunigung für eine Metropole zu erreichen. Dazu gehört die Einführung des lange angekündigten Verkehrsmodells, mit dem man Konfliktsituationen im Straßenraum bestmöglich abfedern kann, aber auch eine dynamische Ampelsteuerung, die nicht stumpf vor sich hinschaltet, egal, wie die Verkehrslage gerade ist.

Digitaler Hafen Hamburg

Die Digitalisierung im Hafen scheint nicht immer schon Realität zu sein: HHLA-Chefin Titzrath wiederholt seit Längerem den Wunsch, "Motor des Digitalen Wandels" werden zu wollen. Die Branche gilt nicht unbedingt als "digitale Boheme". Wie lange kann der Hafen hinter Rotterdam und Antwerpen hinterher laufen?


Kenner in Hafen- und Digitalwirtschaft: Michael Kruse
Hamburg verliert zunehmend den Anschluss – ohne die Fahrrinnenanpassung wird sich diese
Tendenz verstärken. Nur vier Prozent der Betriebe im Hafen verfügen über schnelles Internet, da müssen Senat und HPA endlich ihre Hausaufgaben machen. 

Unternehmen im Hafen besser als ihr Ruf

Tatsächlich sind die Unternehmen im Hafen aber fortschrittlicher als ihr Ruf: Die Truck-Appointment-Systeme der Terminalbetreiber in Hamburg zeigen, dass die Digitalisierungs-Fortschritte im Hamburger Hafen von privaten Unternehmen ausgehen. Ich freue mich, dass Frau Titzrath diesen Wandel mit der HHLA bestmöglich gestalten möchte.

Die Behörde BWVI ist dabei, die Logistik-Initiative neu und zukunftsweisend auszurichten. Der Digital Hub Logistics startet nach kurzer Anlaufphase in erste konkrete Digitalprojekte. Müsste die FDP nicht Applaus klatschen und einladen, mitzumachen?

Beide Initiativen sind wichtig für Hamburg, und deshalb unterstützen wir sie auch aus der Opposition heraus. Mit dem Leiter des Digital Hub Logistics habe ich mich gerade am Rande des 69. Eisbeinessens der Schiffsmakler ausgetauscht. Bei der Logistik-Initiative machen wir immer noch Druck, dass die Mitgliedschaft im ersten Jahr kostenlos wird für Start-ups. Das hatte die Bürgerschaft nämlich auf unsere Initiative hin Anfang des Jahres beschlossen.

Digitale Wirtschaft Hamburg

HANSEVALLEY hat die Medienförderung der Hansestadt als ineffektiv und verfilzt kritisiert. Neue Medienplayer, wie Microsoft, Ströer oder YouTube feiern ihre Newsrooms und damit die nächste Party in Berlin. Hat Hamburg als "Medienhauptstadt" den Anschluss gegen Berlin verloren?

Berlin hat lange Zeit Medien aus Hamburg weggelockt. Es ist wichtig, dass sich dies in Zukunft nicht fortsetzt. Hamburg und Berlin sind stark im Agenturbereich aufgestellt, gerade auch in Hamburg gibt es wichtige Medien- und Digitalagenturen. Weil wir aber auch kritische Entwicklungen im Print-Bereich sehen, wird der Ausschuss für Wirtschaft, Medien und Innovation sich am 23. November auf unsere Initiative hin mit der Zukunft des Medienstandorts Hamburg befassen.

Es gibt laut Monitoring mehr als 600 Startups an der Elbe, nach unserer Zählung allein mehr als 40 Startups in Logistik, Luftfahrt und Mobilität. Der Anfang 2016 mit den Stimmen der Opposition verabschiedete Wachstums-Fonds lässt jedoch auf sich warten. Verpasst Hamburg den Zug?

Wir hätten uns sehr gewünscht, dass der Innovations-Wachstumsfonds schneller an den Start geht. Allerdings geht es um viel Steuergeld und da haben wir als Freie Demokraten durchaus Verständnis dafür, dass der Senat lieber etwas vorsichtiger und bedachter vorgehen möchte, anstatt sich zu verlaufen. 

Startups und KMU bei der Entwicklung neuer Stadtteile berücksichtigen

Letztendlich ist dieser Fonds aber nur eines von vielen Instrumenten, um die Rahmenbedingungen für Startups am Standort Hamburg zu verbessern. Weitere Maßnahmen, wie die Einführung eines bürokratiefreien ersten Jahres, und die Berücksichtigung von kleineren Unternehmen und Startups bei der Entwicklung neuer Stadtteile – wie aktuell von uns gefordert beim Konzept Stromaufwärts an Elbe und Bille – müssen folgen.

Digitaler Ausblick Hamburg

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: Gesetzt den Fall, die FDP kommt nach den nächsten Wahlen in die Regierung und stellt den Wirtschaftssenator der Hansestadt: Welche drei digitalen Aufgaben würdest Du der Koalition ins Regierungsprogramm schreiben?

1. Am Ende der nächsten Legislaturperiode muss Hamburg flächendeckend Breitbandinternet haben, und da reden wir nicht wie der rot-grüne Senat über 30 Mbit/s. 

2. Die Hamburger Verwaltung muss digitalisiert sein. Es kann doch nicht sein, dass der rot-grüne Senat unter Digitalisierung versteht, dass ich mir einen Termin online buchen kann. Kundenzentren als Service-Zentren am Bürger verstehen ist die Grundlage. Die Kür besteht darin, dass ich als Bürger für viele Dienstleistungen der Verwaltung nicht mehr zum Amt muss, sondern sie zuhause erledigen kann. 

3. Den konsequenten Einsatz von digitaler Technologie in den Lehr- und Lerneinrichtungen der Stadt. Für den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erfolg Hamburgs ist es wichtig, dass alle Menschen sicher und gut ausgebildet in die digitale Zukunft gehen. 

*  *  *

Vielen Dank für die interessanten Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Michael Kruse mit aktuellen News auf Facebook:

Michael Kruse zu Internet, Medien und Digitales:

HANSEPERSONALITY Michael Kruse:

HANSESTATEMENT:

Sonntag, 21. Mai 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Henneke Lütgerath: Eine internationale Messe für digitale Produkte in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Es wir alles digitalisiert, was digitalisiert werden kann," spitzt Deutschlands EU-Kommissar Günther Oetinger auf dem Norddeutschen Wirtschaftstag des CDU-Wirtschaftsrats am 11. Mai d. J. im Grand-Eysee Hotel Hamburg zu. Die Digitalisierung werde ganze Branchen umwälzen, fokussiert Wirtschaftsrats-Präsident Werner Bahlsen. Der Landesvorsitzende der Hamburger CDU-Wirtschaftsorganisation, Dr. Henneke Lüttgerath, mahnt: "Die Art zu wirtschaften, steht in grundsätzlichem Wandel."

Die Hamburger Christdemokraten haben anläßlich des 6. Wirtschaftstages der Hanseländer mit Ihrer Wirtschaftsorganisation ein Positionspapier zur digitalen Zukunft der Freien und Hansestadt veröffentlicht. Mit umfassenden Forderungen zu Digitaler Bildung, Digitalen Plattformen, Digitalen Technologien und Digitalen Lösungen setzt die Union an Alster und Elbe ein Zeichen. Ein guter Anlaß, konkret nachzufragen. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Henneke Lütgerath, Landesvorsitzender des CDU-Wirtschaftsrats in Hamburg:



Hamburgs Wirtschaftsrats-Chef
Dr. Henneke Lütgerath
Foto: Wirtschaftsrat Hamburg
Schule und Studium zählen zu den entscheidenden Stützpfeilern, als Wirtschaftsmetropole auch in Zukunft geeignete Fach- und Führungskräfte zu gewinnen. Die Elternkammer fordert drahtloses Internet in allen Klassenzimmern. Der neue Handelskammer-Präses fordert Tablets für alle Auszubildenden und Ausbilder. Welche Ansätze verfolgen Sie in den Bereichen Digitale Bildung und Digitaler Campus?

Digitale Bildung bedeutet vor allem, die Lernmethoden zu ändern, nicht aber die Inhalte.
Das Lehren und Lernen mit digitalen Medien muss – wie Lesen, Schreiben und Rechnen – zur selbstverständlichen Praxis im Unterricht werden. Wie gut das funktioniert, hängt letztlich von der digitalen (Aus-)Bildung der Lehrkräfte ab. Der Einsatz digitaler Medien muss daher zum integralen Bestandteil der Lehreraus- und Fortbildung werden. In der öffentlichen Diskussion kommt dieser Aspekt oft zu kurz. Die rein technische Ausstattung sagt noch gar nichts über die Qualität der Digitalen Bildung aus.

Anders als der Begriff es vielleicht vermuten lässt, denken wir beim Stichwort Digitaler Campus nicht an eine Onlineuniversität. Ähnlich dem "Einstein Center Digital Future“ in Berlin fordern wir ein Kooperationsprojekt zwischen den drei großen Hochschulen der Hansestadt (UHH, TUHH, HAW) und ortansässigen Unternehmen, insbesondere KMUs. Ziel sollen angewandte Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie der Technologietransfer in für Hamburgs praxisrelevanten Informatikbereichen sein, z.B. Smart Logistics, Smart Harbour oder E-Government.

Eine solche Kooperation, die wir "Hamburg Digital“ nennen, kann ein wegweisender Accelerator sein, in dem kreative Köpfe digitale Geschäftsideen entwickeln und diese in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kunden, also Unternehmen, Konsumenten und Behörden, zur Marktreife bringen.


Die Hamburger Wirtschaft ist geprägt von starken, internationalen Dienstleistungsbranchen, wie Schifffahrt, Logistik, Handel oder Medien. Der Senat unterstützt Zukunftsinitiativen, wie das "Deutsche Maritime Zentrum", den "Digital Logistics Hub" und den "Digial-Space Hammerbrooklyn". Welche Technologien und Initiativen helfen aus Ihrer Sicht, die Wettbewerbsfähigkeit Hamburgs zu sichern und zu stärken?

Durch die Digitalisierung forciert, hat der E-Commerce in den letzten zwei, drei Jahren drastisch zugelegt – und damit auch der Lieferverkehr. Hamburgs ohnehin volle Straßen sind noch stärker belastet. Und dieser Trend wird sich fortsetzen, wenn mehr und mehr Onlinehändler Same-Day Delivery anbieten. 

Deshalb halten wir das von der Logistik-Initiative Hamburg ins Leben gerufene Projekt "Smart Last Mile Logistics“ – kurz SMILE – für eines der wichtigsten Digitalprojekte der Hansestadt. Durch alternative Zustellprozesse, alternative Antriebe, ein intelligentes Verkehrsmanagement und alternative Transportsysteme soll die Lieferung auf der „letzten Meile“ nachhaltiger und effizienter werden. Das schont nicht nur die Nerven der Verkehrsteilnehmer, sondern senkt auch die Schadstoffbelastung – ganz ohne Fahrverbote!

Genauso wichtig ist für uns die Innovationsallianz NEW 4.0 zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Das Projekt erforscht u. a. am Energie-Campus CC4E in Bergedorf innovative Lösungen für das Jahrhundertprojekt Energiewende. Dabei geht es um Echtzeitvernetzung, Datenanalyse, Sektorkopplung, Power-to-X-Lösungen – letztlich die ganzheitliche Systemintegration von Erneuerbaren Energien. Die Technologien, die hier in der Metropolregion Hamburg erforscht werden, haben großes Potenzial Auslandsmärkte zu erschließen und die deutsche Energiewende zu einem Exportschlager zu machen. 

Der Senat plant mit der HOCHBAHN und zusammen mit Daimler in Zukunftsthemen, wie Elektromobilität, Brennstoffzellen-Infrastruktur und digitale Mobilitätsplattformen zu kooperieren. Welche Zukunftstechnologien sehen Sie im Fokus für neue wirtschaftliche Chancen und was sollte der Senat hier konkret unternehmen?

Aus unserer Sicht ist Medizin 4.0 ein heißes Thema für Hamburg. Aufgrund des demografischen Wandels und der Zunahme chronisch-degenerativer Erkrankungen bietet allein der Markt der Patientenüberwachung, wo digitale Telemedizin-Lösungen gefragt sind, ein ungeheures Potenzial. Schätzungen zufolge wird das globale Marktvolumen für mobile Gesundheitsanwendungen bis 2020 auf 50 bis 60 Milliarden US-Dollar anwachsen. Wer sich als Vorreiter im Markt der Patientenüberwachung bzw. der Telemedizin positioniert, erschließt einen Zukunftsmarkt. Mit einer ohnehin starken Gesundheitswirtschaft im Rücken bringt Hamburg hierfür alle Voraussetzungen mit.

Das Problem sind die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland, die die Anwendung von Telemedizin erschweren. Daher fordern wir vom Senat u. a., dass er sich auf Länder- und Bundesebene für die Klärung haftungs-, datenschutz- und berufsrechtlicher Fragen einsetzt, auf eine Modifikation des Fernbehandlungsverbots hinwirkt und für einheitliche regulatorische Rahmbedingungen, z.B. hinsichtlich der Datenformate, eintritt. Auch sollten Gründungen und Ausgründungen im Bereich Telemedizin incentiviert werden.

Es gibt diverse Netzwerke und Initiativen, die die Digitalisierung begleiten, z. B. das IT-Netzwerk "Hamburg@Work", die Branchencluster der Hansestadt und die Hamburg Digital Community NEXTHANSE. Sie fordern einen "Digitalisierungskatalysator" für Hamburg in Zusammenarbeit mit Handelskammer, Messe und Hochschulen. Was können wir uns darunter vorstellen?

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um technische und wirtschaftliche Aspekte. Auch rechtliche, ethische und soziale Fragen müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Dafür braucht es internationale, anwendungsorientierte Plattformen, die die Digitalisierung antreiben und gestalten. Diese bezeichnen wir als Digitalisierungskatalysatoren. Wir fordern, dass sich Hamburg zum Initiator und Betreiber eines solchen Katalysators macht.

Konkret stellen wir uns drei Foren vor, die durch Hamburg organisiert und moderiert werden:

  • Eine internationale Präsenzmesse für digitale Produkte und Leistungen mit angeschlossenem Präsenzkongress im Zweijahresrhythmus
  • eine virtuelle, im Quartalsrhythmus zu wechselnden Schwerpunktthemen stattfindende Fachmesse für digitale Produkte und Leistungen und 
  • ein permanenter virtueller Kongress, der als Diskurs- und meinungsbildender Raum zu verschiedenen, auch interdisziplinären Themen dient.

Die wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit dieses Katalysators muss gewährleistet sein. Daher schlagen wir für die Trägerschaft eine Stiftung vor, deren Entscheidungsgremien sich so zusammensetzen und erneuern, dass Fremdeinflüsse so weit wie möglich ausgeschlossen sind. Die laufenden Kosten sollen idealerweise über Teilnahmegebühren und Eintrittsgelder gedeckt werden.

Der Senat arbeitet mit seiner "Digital First"-Strategie an elektronischen Bürgerservices rund um hamburg.de und das geplante Servicekonto. Über das "HamburgGateway" sind laut Senator Carsten Brosda bereits rd. 80 Verwaltungsverfahren verfügbar. Was fordern Sie vom Hamburger Senat in Sachen "Digital First" besser oder mehr zu machen?

Wir haben noch unsere Zweifel, dass hinter "Digital First“ auch wirklich eine ausgereifte Strategie steckt. Die Digitalisierung der Verwaltung muss bedeuten, auch den ganzen Apparat hinter den Kulissen zu digitalisieren. Wenn die Bürger oder Firmen online einen Antrag stellen, in den Behörden aber alles wieder ausgedruckt wird, ist das keine Digitalisierung. Zudem braucht es eine zukunftssichere, technologische Basis. Das Wort "Blockchain“ haben wir im Kontext von "Digital First" aber noch nicht gehört. Ganz konkret fordern wir außerdem, dass Unternehmensanmeldungen, also Gründungen, komplett digital möglich und binnen 24 Stunden abgeschlossen sein müssen.

Die Idee des Servicekontos finden wir gut und zeitgemäß. Es liefert die Basis für die vom Wirtschaftsrat geforderte „Behörden-App“, die den Hamburgern unterwegs Zugriff auf sämtliche Funktionen ihres Servicekontos bieten und die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Mobilgeräten im Alltag ausschöpfen soll. Ein Beispiel: Über den Beschleunigungssensor des Smartphones könnte die App während der Autofahrt Schlaglöcher identifizieren und die Geodaten weiterleiten. Quasi ohne Personalaufwand wüsste die Stadt genau, wo Straßenarbeiten notwendig sind. Solche Ideen müssen Eingang in "Digital First“ finden.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage. Wenn Sie die Aktivitäten des Hamburger Senats mit der Standortinitiative "Digitale Stadt", der Behördeninitiative "Digital First" und der Hochschulinitiative "Ahoi.Digital" überblicken: Wie gut ist unsere Wirtschaftsmetropole auf die "Digitale Bugwelle" vorbereitet oder wie weit müssen wir uns auf "Hochwasser" in Hamburgs Wirtschaft gefasst machen? 

Ein konkretes Wort zu „Ahoi.Digital“: Die 35 neuen Professuren und bis zu 1.500 zusätzlichen Informatik-Studienplätze sind gut, aber nicht ausreichend. Berlin plant zum Vergleich 100 neue Professuren für IT & Entrepreneurship, 50 davon sind nach unserem Kenntnisstand schon auf dem Weg. Bislang hat der Hamburger Senat die Informatik vernachlässigt, auf dem Arbeitsmarkt fehlen Experten. Viele Start-ups sourcen aus diesem Grund Entwicklungsarbeiten nach Osteuropa und Russland aus. Google eröffnet sein neues Entwicklungszentrum mit bis 800 IT-Ingenieuren nicht am Standort Hamburg, sondern in München, da LMU & TU in diesem Bereich wesentlich besser aufgestellt sind als die Hamburger Hochschulen.

Vielen Dank für die offenen Antworten!

Das Interview führte Thomas Keup.

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 Hamburg Digital Background: 

Positionspapier Digitale Agenda für Hamburg:

Impressionen Norddeutscher Wirtschaftstag:

CDU-Wirtschaftsrat Hamburg:


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