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Donnerstag, 24. Oktober 2019

HANSEPERSONALITY Tobias Rothkegel: Online-Cookies - aus dem Esel wird kein Pferd.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Zuhören, analysieren, Lösungen finden: Spezialist Tobias Rothkegel.
Foto: Karsten Eichhorn, Hamburg
Kochbücher, Rücksäcke und Turnschuhe - sie verfolgen uns über Wetter-Portale, Nachrichten-Streams und TV-Programme hinweg. Schuld sind hinterlistige "Kekse", die sich als kleine Textprogramme auf unserem Browser einnisten - und mit Produkten nerven, die wir nicht haben wollen. Die 1,7 Mrd. € schwere Performance-Marketing-Industrie von Dmexco bis OMR spioniert uns aus bis aufs Unterhemd.

Hinter Cookies und penetranten Rücksäcken steckt eine Branche, die mit tausend Tricks und noch mehr Druck versucht, uns immer wieder zum Online-Shopping zu treiben. Doch jetzt schlägt das Gesetz zurück: Schluss mit erschlichenen Cookies, Schluss mit fadenscheinigen Begründungen. In der Hamburger Online-Marketing-Szene können schon mal die Koffer gepackt werden.

Der Hamburger Rechtsanwalt Tobias Rothkegel ist Experte für Datenschutz und Datennutzung sowie technologiezentrierte und datengetriebene Geschäftsmodelle. Er ist zu Hause in Technologien, Medien und in der Kommunikation - und unser Experte für "Cookies", die alles andere als lecker sind. Unser HANSEPERSONALITY ist Osborne Clarke-Anwalt Tobias Rothkegel:

Zum Auftakt eine ganz persönliche Frage an Dich als Online-User: Nerven Dich Rucksäcke und Turnschuhe, die Dich über diverse Internet-Seiten hinweg verfolgen? Und wie stehst Du zu Ad Blockern? Jetzt ist die Stunde der Wahrheit!


Entweder ich bin für diese Art von Marketing nicht empfänglich oder mittlerweile abgestumpft. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals etwas gekauft bzw. bestellt zu haben, nur weil es mir im Rahmen eines Werbebanners oder ähnlichem vorgeschlagen worden ist. Grundsätzlich ist mir die signifikante Bedeutung von Werbung für die Wirtschaft sowie insbesondere für die Finanzierung von kostenfreien Inhalten im Internet durchaus bewusst. 

Status Quo: Nicht die nötige Transparenz für den Nutzer.

Gleichwohl nervt es unfassbar, wenn man gewisse Seiten vor lauter Bannern, Popups u. ä. gar nicht mehr besuchen bzw. die dortigen Inhalte nicht mehr rezipieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass auf zahlreichen Webseiten mehrere Analyse- und Tracking-Cookies eingesetzt werden und dabei oftmals nicht die nötige Transparenz für den Nutzer geschaffen wird. Insofern sind auch deren Interessen an einem möglichst ungestörten Surfen sowie an dem Schutz ihrer Privatsphäre zu berücksichtigen.

Online-Marketing-Cookie-Praxis: Die Geister, die ich rief ...

In den letzten Jahren ist diese Balance nach meinem Empfinden sehr zulasten der Nutzer gekippt. Der Erfolg von Ad Blockern sowie die gegenwärtige Rechtsprechung des EuGH, nicht nur im Hinblick auf die Voraussetzungen für Marketing-Cookies, sondern auch auf die gemeinsame Verantwortlichkeit von Webseitenbetreibern für die Einbindung von Social-Plugins, sind eine direkte Reaktion darauf. Die Geister, die ich rief, wenn Du so willst.

Es ist fast untergegangen: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die in Deutschland gängige Praxis zur Einbindung von Cookies nicht den europarechtlichen Vorgaben entspricht. Was heißt das für Webseitenbetreiber und E-Commerce-Anbieter?

Diese werden größtenteils ihre Cookie-Praktiken fundamental überdenken und überarbeiten müssen. Hintergrund der ganzen Debatte ist, dass der Einsatz von Cookies zu Werbezwecken in Deutschland bislang zulässig war bzw. streng genommen per Gesetz nach wie vor auch noch zulässig ist, solange der Nutzer dem nicht widerspricht. Die korrespondierende europarechtliche Vorgabe sieht jedoch seit 2009 vor, dass das Setzen von Cookies zu solchen Zwecken stets der Einwilligung der Nutzer bedarf.

Anerkannt unzureichende deutsche Widerspruchslösung.

Da es sich hierbei im Gegensatz etwa zur allbekannten DSGVO jedoch um eine Richtlinie handelt, müssen diese Vorgaben durch die Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. So ergeben sich auch die von Land zu Land teilweise unterschiedlichen Regelungen sowie insbesondere die wohl allgemein anerkannt unzureichende deutsche Widerspruchslösung. 

Tracking-Cookies: Eine Einwilligung wird erforderlich sein.

Dies hat der EuGH nunmehr auch bestätigt und statuiert, dass für nicht „unbedingt erforderliche“ Cookies eine Einwilligung der Nutzer eingeholt werden muss. Der BGH muss nunmehr entscheiden, was dies für die bisherige deutsche Regelung bedeutet. Klar ist jedoch, dass die Widerspruchslösung so nicht bestehen bleiben und – wie auch immer im Endeffekt begründet – eine Einwilligung erforderlich sein wird.

Unzählige Tracking-Anbieter spionieren uns als Leser oder Online-Shopper systematisch aus. Wenn Europa mit dem Cookie-Urteil und der E-Privacy-Verordnung den Riegel endgültig vorschiebt: Ist das das Ende des Performance-Marketings, wie wir es bislang kennen?

Für die Online-Marketing-Welt ist das natürlich ein Paukenschlag. Auf der Hand liegt, dass die Conversion-Rate bei der Widerspruchslösung um ein Vielfaches höher ist, als wenn ich im Vorfeld von jedem Nutzer eine Einwilligung erfragen muss. Hierbei ist zu beachten, dass der EuGH auch bereits vorselektierte Ankreuzfelder als nicht hinreichend ansieht. Entsprechendes wird für kleine, leicht übersehbare Cookie-Banner gelten, bei denen durch Weitersurfen eine entsprechende Einwilligung konkludent erteilt werden soll. Das Ende des Performance-Marketings wird es nicht bedeuten.

Eine erhebliche Konsolidierung des Marktes zu erwarten.

Es ist jedoch zu erwarten, dass eine erhebliche Konsolidierung des Markts eintreten wird. Insofern werden Webseiten-Betreiber durch die neue Rechtsprechung – auch im Hinblick auf eine mögliche datenschutzrechtliche Mitverantwortung – gezwungen, sich viel bewusster mit den von ihnen eingesetzten Diensten und Tools zu befassen. Es entspricht eher der Regel, dass Webseitenbetreiber keine Ahnung davon haben, was mit den Daten ihrer Nutzer eigentlich passiert. Dabei haben sie oftmals nicht einmal Schuld daran, da viele solcher Dienste eine Blackbox darstellen. 

Zahlreiche Tracking-Anbieter werden es nicht überleben.

Mit diesem Scheuklappen-Denken werden sie jedoch in vielen Fällen so nicht mehr länger durch die Tür kommen. Dies wird einerseits dazu führen, dass Webseitenbetreiber genauer überlegen werden, welche Analyse-, Tracking- und Retargerting-Dienste sowie Tools sie auch wirklich benötigen. Anderseits werden die Anbieter solcher Dienste stärker die Karten auf den Tisch legen müssen. Dieses Umdenken werden zahlreiche Tracking-Anbieter nicht überleben.

Nun haben wir alle gelernt: Wo ein Urteil ist, bedarf es einer Auslegung. Wie könnten Cookies und damit verbundene Analyse-Tools hinten durch die kalte Küche doch noch zu unseren Nutzerdaten und unserem Surfverhalten kommen. Gibt es womöglich noch ein Schlupfloch?

Die durch das Urteil bestätigte Cookie-Regelungen sind schon äußerst streng. Gänzlich ohne Einwilligung wird es – jedenfalls legal – nicht mehr gehen. Aber Werbe-Cookies sind ja nicht per se tot. Es müssen nur neue, rechtskonforme Einwilligungsmechanismen gefunden werden. So ist zu beachten, dass weder das Gesetz noch der EuGH eine ausdrückliche Einwilligung voraussetzt. So verbleibt nach wie vor grundsätzlich Raum für konkludente, mithin durch schlüssiges Verhalten erteilte Einwilligungen. 

Werbe-Einwilligungen: Die Anbieter müssen kreativ werden.

Solch implizierte Einwilligungen müssen jedoch per Gesetz „unmissverständlich“ sein. Demnach müssen die Anbieter hier kreativ werden. Das Fenster für derartige Einholungsmechanismen ist infolge des Urteils jedoch erheblich kleiner geworden. Denkbar ist der Einsatz alternativer Technologien, die nicht unter die Cookie-Regelung fallen; wie auch immer diese aussehen mögen. Quatsch sind hingegen etwaige Versuche, die auf den Endgeräten der Nutzer abgelegten Dateien nicht als „Cookies“ sondern als „Token“, „Local Storage“ oder wie auch immer zu bezeichnen. 

Cookies, Token, Local Storage? Aus dem Esel wird kein Pferd.

Aus dem Esel wird kein Pferd, nur weil ich ihn als Pferd bezeichne. Auch wird abzuwarten sein, welche Cookie-Regelung die im nächsten oder übernächsten Jahr zu erwartende ePrivacy-Verordnung mit sich bringen wird. Ziemlich sicher ist zwar, dass es bei dem grundsätzlichen Einwilligungserfordernis bleiben wird. Gegenwärtig werden jedoch gewisse Ausnahmen diskutiert, wie etwa für werbefinanzierte Webseiten. Wir werden sehen, wie stark die Lobbyarbeit sich dann im Gesetzestext niederschlagen wird.


Nehmen wir an, der Wildwuchs mit unendlich gesammelten Daten über unser Surfverhalten hat ein Ende: Wie könnte die Vermarktung redaktioneller Inhalte von Online-Publishern und der Vertrieb von Produkten via Internet in Zukunft aussehen? Welche Alternativen siehst Du als Jurist?

Meines Erachtens ist eine entsprechende, zukünftige Ausnahme für werbefinanzierte Inhalte nicht unwahrscheinlich. Dies erscheint mir auch im Rekurs auf die eingangs angesprochenen Interessenausgleich zwischen Nutzern und Webseitenbetreibern als angemessene Lösung. Insofern muss beachtet werden, dass zahlreiche Webseiten ausschließlich über Werbung finanziert werden. Ich sehe auch nicht, dass sich dies in Zukunft ändern wird. So ist die Erwartungshaltung der Nutzer auch, die allermeisten Webseiteninhalte kostenfrei rezipieren zu können. 

Was es heute umsonst gibt, wird zukünftig auch nicht bezahlt.

So faszinierend ich etwa blockchain-gestützte Micro-Payment-Lösungen finde, glaube ich nicht, dass hierdurch das Konsumverhalten der Nutzer maßgeblich beeinflusst werden kann. Was es heute umsonst gibt, für das wird zukünftig auch nicht bezahlt werden. Daher gehe ich auch nicht davon aus, dass sich Abo-Modelle in der Breite durchsetzen werden. Für wahrscheinlich halte ich, dass Webseiten immer mehr zu „Cookie-Walls“ greifen werden. Wenn man den jeweiligen Dienst umsonst nutzen möchte, muss man eben Werbe-Cookies akzeptieren. Alternativ kann man für die Nutzung Betrag X bezahlen. 

Kein Zwang, einen Dienst umsonst und werbefrei anzubieten.

Inwieweit ein solches Vorgehen datenschutzrechtlich zulässig ist, ist bislang wenig ergründet. Maßgebliche Fragestellung ist hierbei, ob eine so erteilte Einwilligung als freiwillig angesehen werden kann. Ich erachte dies als durchaus vertretbar, da vor dem Hintergrund der neben dem informationellen Selbstbestimmungsrecht ebenfalls grundrechtlich geschützten unternehmerischen Freiheit niemand gezwungen werden kann, einen Dienst umsonst und werbefrei anzubieten.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Du arbeitest in Hamburg als Rechtsanwalt mit Technologie-Themen, wie Datenschutz und Datennutzung, E-Commerce, aber auch der Blockchain. Hand aufs Herz: Was läuft bei uns in Sachen Technologien und deren Förderung richtig gut? Und wo könnte man noch eine Schüppe zulegen?


Da ich besonderes Interesse an der Blockchain-Technologie habe und darin massives Transformationspotential sehe, freut es mich sehr, dass in Hamburg gerade im vergangenen Jahr deutlich mehr „Buzz“ um das Thema entstanden ist. Die Blockchance-Konferenz ist hier ein super Beispiel für diese Entwicklung. So wird auch immer mehr internationales Tech-Publikum auf Hamburg aufmerksam. Super ist auch, dass immer mehr Rückendeckung seitens offizieller Einrichtungen, wie der Bürgerschaft, der Handelskammer, der Senatskanzlei u. a. kommt. 

Rückendeckung für Technologie: Die Politik muss am Ball bleiben.

Hamburg war sehr lange – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung – von der Verlags- und Online-Marketing-Branche dominiert. Daher begrüße ich diese Entwicklung sehr. Die Politik muss jetzt jedoch am Ball bleiben. Auch entwickeln immer mehr mit hinreichendem Kapital ausgestattete Hamburger Traditionsunternehmen langsam Interesse an neuen Technologien, sei es Blockchain, AI oder IoT im Zusammenhang mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Hier sehe ich auch einen klaren Standortvorteil im Vergleich etwa zu Berlin. Gleichwohl ist dies nur ein Anfang. 

Für Hamburg halte ich es für besonders zielführend, stärker darauf zu setzen, den hier ansässigen Unternehmen das Potential all dieser neuen Technologien für die Transformation ihres jeweiliges Geschäftsmodell vor Augen zu führen.

Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Cookie-Richtlinie und die Folgen (EN):

Rechtsanwalt Dr. Tobias Rothkegel bei Osborne Clarke Hamburg:

Kommentar zu Cookies und Targeting im Online-Marketing auf Adzine:

*  *  *

Sonntag, 10. Juni 2018

HANSEMARKETING: Werbung ist tot, es lebe der Service!

HAMBURG DIGITAL AUTOREN

von Daniel Engemann, Gründer von 6ft Rabbit Productions

Setzt moderne Video-Kampagnen um: Daniel Engemann
Foto: Ministry Group

Vor allem im digitalen Kontext fällt es Unternehmen zunehmend schwerer, kommunikativ aus der Masse herauszustechen. 'Baut Beziehungen zu euren Kunden auf', sagen Experten. Leichter gesagt, als getan. Seine Marke im Umfeld von Display Ads, Social Media und Co. vernünftig an den Mann zu bringen, ist weitaus komplizierter als die DSGVO. Ein Ausweg könnte folgender Gedanke sein: Weg von der Werbung - und hin zu Service.

Was damit gemeint ist? Ein echter Mehrwert für den User! Das mag an dieser Stelle nach einer Platitüde klingen, konkrete Handlungsvorschläge gibt es später im Text. Fangen wir mit einem Beispiel an:

Der Unterschied zwischen McDonald’s und Tesla dürfte leicht auszumachen sein, genauso ihre Positionierung und die Zielgruppe. Diesen Grad von Alleinstellung zu erreichen ist schwierig – möchte sich eine Marke gegenüber anderen abheben, muss sie sich präsentieren. Deswegen ist es umso wichtiger, dass Marken einen emotionalen Mehrwert anbieten, um eine dauerhafte Beziehung zu ihren Kunden aufzubauen. 

Informationsüberlastung beim User 

Werbung hatte immer – in einem gewissen Rahmen – das Ziel, zu emotionalisieren. Dies allerdings immer sehr produktbezogen, was der heutigen Vielzahl an Kommunikationsmöglichkeiten nicht mehr gerecht wird. Daraus ergibt sich ein Wandel vom Produkt- zum Kommunikationswettbewerb. Dieses steigende Informationsangebot geht jedoch mit einer begrenzten Aufnahmefähigkeit der User einher. 

Es besteht das Phänomen der Informationsüberlastung. Dies bewirkt zwei zentrale Veränderungen beim Kunden: eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit und eine oberflächliche Informationsverarbeitung. Empirische Studien belegen dies: Weniger als 5% der gebotenen Informationen werden vom Rezipienten aufgenommen (Kroeber-Riel/Esch, 2004, S. 16 f.). Ja, diese Studie ist alt. Dazu gleich mehr. 

Aufmerksamkeit geringer als beim Goldfisch: richtig oder wahr? Egal! 

Hinzu kommt, dass für den User eine Vielzahl an alternativen Informationsquellen und Entertainment-Optionen verfügbar sind. Dies führt zu einer sehr kurzen Aufmerksamkeitsspanne und einer hohen Sprunghaftigkeit. Wer kennt nicht den Goldfisch-Vergleich von Microsoft aus dem Jahre 2015? Dort wurde herausgefunden, dass Menschen ihre Aufmerksamkeit im Schnitt kürzer aufrechterhalten können, als Goldfische. Zwar gibt es berechtigte Zweifel an diesem Ergebnis, aber dennoch: Irgendwas wird dran sein. 

Diesen allgemeinen Trend der Informationsüberlastung hat die CMF Basisstudie aus dem Jahr 2016 belegt. Denn die Investitionen im Content Marketing scheinen aktuell enorm anzuziehen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz lag die Erhöhung im Vergleich zu 2014 bei 18,9 Prozent. Dies soll sich perspektivisch bis zum Jahr 2020 um weitere 25% ausweiten.

Was also bringt den User dazu, eine Beziehung zur Marke aufzubauen? 

Hier ist zunächst interessant, seine oder ihre Erwartungshaltung zu kennen. Die Hauptgründe für Videokonsum sind erstens Entertainment, zweitens der Wunsch nach Erklärung und Anleitung. Aktuellen Neuigkeiten, “Tipps und Ratschläge” sowie Service und Beratungsangebote sind zudem die Inhalte, die am meisten konsumiert werden. 

Daraus lässt sich das eindeutige Bedürfnis nach einem relevanten Mehrwert ableiten. Aber nicht nur der Nutzen ist Entscheidend, auch die Werte einer Marke sind ein wichtiges Argument für eine nachhaltige Beziehung, da emotionale Faktoren beim Menschen stets eine große Rolle spielen. Weshalb sonst sollten Agenturen zur Weihnachtszeit produkt- und markenferne Spots drehen, die (fast) nichts außer Emotionen vermitteln? 

Wie lässt sich diese Erkenntnis nun in die Praxis überführen? 

Eine mögliche Analogie wäre ein “Tinder für Marken” – schlicht zur Erklärung. Hierbei bekäme der User ein Bild und eine kurze Beschreibung eines Unternehmens vorgesetzt und er würde sich innerhalb von Sekunden für einen Swipe nach rechts (Interesse) oder nach links (Desinteresse) entscheiden. 

Was müsste das Tinderprofil einer Marke also leisten, damit Interesse entsteht? Mit dem Versuch, die eigenen Kernwerte und einen Ausblick auf den Nutzen/Mehrwert in der Länge eines Tinder-Profiltextes zu formulieren, ist die Marke automatisch gezwungen, die richtigen Fragen zu stellen. Nämlich: 
  • Wen spreche ich an? 
  • Welche Grundwerte vertrete ich?
  • Was ist der Mehrwert und wo erreiche ich den User? 

Weitere praktische Fragen, um geplante kommunikative Maßnahmen zu überprüfen, sind: 

  • Hilft die geplante Maßnahme dabei, Zeit zu sparen? 
Videoproduktion mit bezahlbarem Aufwand.
Foto: 6ft Rabbit
Die unmittelbare Verfügbarkeit von Informationen ist eine der größten Stärken des Internets. Warum nicht also unmittelbar praktische Informationen bereitstellen – für einen User, der gerade am Schreibtisch sitzt? 

Wenn eine Marke Produkte anbietet, die erklärungsintensiv sind, ist dieses Vorgehen besonders nützlich. In ein Fachgeschäft gehen und mich beraten lassen oder interaktive Videos ansehen? Habe ich die Wahl, entscheide ich mich stets für den einfachen Weg. 

  • Hilft die geplante Maßnahme dabei, den Informations-Overload zu reduzieren? 
Gerade bei komplexen Produkten ist das Informationsbedürfnis groß. Bietet mir eine Marke gezielte, leicht zu konsumierende Häppchen an, die bereits sortiert sind, muss ich deutlich weniger recherchieren und ich befinde mich direkt im Markenumfeld. Ergo: Das positive Aha-Erlebnis steht direkt mit einer Marke im Zusammenhang. Fachinformationen – auch selbstkritische – erhöhen die Glaubwürdigkeit und schaffen Vertrauen. So können auf unterschiedlichen Wegen Entscheidungshilfen angeboten werden.


  • Hilft die Maßnahme, zu emotionalisieren? 
Klingt vielleicht unromantisch, aber die Beziehung zwischen Mensch und Marke entsteht auf vielen Ebenen ähnlich wie zwischen Mensch und Mensch. Denn hier zählen nicht nur harte Fakten, sondern Werte. Kommuniziert mir eine Marke ihren Wertekanon, mit dem ich mich identifizieren kann, entsteht Sympathie. Des Weiteren spielen nicht nur durch Geschichten, sondern auch Ehrlichkeit, Integrität, Gegenseitigkeit und das Gefühl, verstanden zu werden, eine Rolle.


  • Biete ich eine Hilfestellung für ein Problem? 
EDEKA-Rezeptstrategie via App-
Screenshot: 6ft Rabbit
Erhalte ich wiederholt Unterstützung bei alltäglichen Problemen (Tutorials), oder inspiriert mich die
Marke mit Tipps (Rezepte), entwickle ich automatisch eine positive Wahrnehmung und erhöhe meine Interaktion. Hilfestellungen können aber auch in einem ganz direkten Austausch stattfinden, beispielsweise über soziale Kanäle. Sind diese kompetent, ehrlich und im gewissen Rahmen handlungsbefugt moderiert, bietet dies ebenfalls einen direkten Mehrwert.


  • Hilft die geplante Maßnahme dabei, zu unterhalten? 
Grundsätzlich möchte ich Spaß haben. Fühle ich mich gut unterhalten, werde ich auch sehr viel aufgeschlossener sein, mich weiter mit einem Absender auseinanderzusetzen. Grundsätzlich gehe ich gerne eine Beziehung ein, wenn diese meinen Alltag bereichert.

Mein Fazit: 

Klassische Kampagnen und TV-Spots haben nach wie vor ihre Berechtigung. Die Kanäle zur Kundeninteraktion haben sich lediglich vervielfacht und müssen (!) strategisch unabhängig voneinander betrachtet werden. Es ist also unerlässlich für Unternehmen, Inhalte ​sehr relevant zu gestalten und einen ​echten​ Mehrwert anzubieten. Simple Marken- und Produktkommunikation stumpft den Betrachter nur weiter ab. 

Außerdem ist eine Kontinuität der Inhalte wichtig. Dabei geht es allerdings nicht um Masse! Nicht die Menge an Kommunikation ist entscheidend, sondern der Kontext. Sprich: ​Wo und wann erreiche ich meinen Kunden? Was erwartet – und was benötigt er?​ Aus diesem Kontext entsteht Relevanz. Und aus Relevanz ein Mehrwert.

Über Daniel Engemann:

Gründer von 6ft Rabbit Productions,
ein Unternehmen der Ministry Group, Hamburg

Daniel Engemann ist Gründer von 6ft Rabbit Productions. Mit seinem digitalen Background entwickelt er seit zwölf Jahren Online-Kampagnen und bewegte Bilder für Konzernmarken und Mittelständler als Creative Director, Produzent und Regisseur. 

Mit 6ft Rabbit Productions bietet er umfassende Beratung, Analyse, Konzeption und die individuelle Umsetzung digitaler Kommunikationsmaßnahmen an. Seit drei Jahren ist auch die Realisierung von 360°-Videos und Virtual-Reality Lösungen Teil der Expertise. Weitere Informationen unter 6ft Rabbit Productions.


 Hamburg Digital Background: 

HANSEFUTURE: Hacker School Hamburg - damit Kids künftig coden können:
https://hh.hansevalley.de/2018/05/hansefuture-hacker-school-hamburg.html

Deutsche Startups: Storytelling oder: Warum hören wir gern Geschichten?
https://www.deutsche-startups.de/2013/07/23/storytelling-geschichten-erzaehlen/

Mittwoch, 14. März 2018

HANSECHAMPIONS: Der digitale Postbote aus der Speicherstadt

HAMBURG DIGITAL REPORT

Hamburg-Hauptbahnhof: 500.000 Hanseaten und Pendler, Touristen und Durchreisende laufen täglich an den 12 Bahnsteiggleisen auf Deutschlands meist frequentiertem Fernbahnhof vorbei. Auf dem Südsteg zwischen Kirchenallee und Mönckebergstraße werden am Tunnel Steintorwall die Blicke von einer überdimensionalen Werbetafel eingefangen. Den bewegten Bildern kann sich niemand entziehen - flankiert von bewegter Werbung zwischen den Treppen.


Referenz Hörmann Forum
Foto: Kommatec Redaction
Was auf Bahnhöfen, an Haltestellen, auf Mittelstreifen und an Kreuzungen von Außenwerbern wie Stroer und Wall-Decaux unser Auge einfängt, gibt es auch im Heinemann Duty-Free-Shop auf dem Hamburg Airport, in mehr als 80 Filialen der HDI-Versicherung, in den SB-Zonen der Frankfurter Sparkasse oder in den Geschäftsstellen der AOK in Baden-Württemberg. Eine pfiffige Firma aus der Speicherstadt sorgt dafür, dass wir in Geschäften, Hotels und Museen das zu sehen bekommen, was wichtig ist. Ein Hamburg Digital Report.

Der Showroom für digitale Werbung auf dem 1. Boden des Speichers am Alten Wandrahm ist wie ein Zauberwald. Mit Überschreiten eines Bodendisplays füllt sich die interaktive Werbefläche mit digitalen Kaffeebohnen eines Hamburger Rösters. Wenige Meter entfernt präsentiert ein mannhoher LG-Kühlschrank mit eingelassenem Display seine gut gekühlten Getränke. An der gegenüberliegenden Seite lässt ein überdimensionales Kosmetikregal die Herzen der weiblichen Kundschaft höher schlagen - unterstützt von einem digitalen Werbedisplay in der Mitte. 


Referenz Gärtner Internationale Möbel
Foto: Kommatec Redaction
Mehr als 30 Displays und Exponate präsentiert das Hamburger Unternehmen Kommatec Redaction hier auf 400 qm des alten Lagerhauses. 9 verschiedene Szenarien können Kunden und Interessenten live vor Ort kennenlernen - von der Kaffeebohnen-Promotion über Wartezimmer-TV bis zu interaktiven Preisschildern für den Einzelhandel. 13.000 sogenannte Playouts laufen weltweit mit dem "Display Star" - der Digital Signage Software von Kommatec Redaction aus der Speicherstadt, die die digitalen Postboten in allen Größen und mit unterschiedlichsten Aufgaben zum Leben erweckt.

20% Umsatzplus durch Fahrstuhldisplays im Hotel

Im Mittelpunkt der Informations- und Werbetechnik stehen Bewegtinhalte für Einzelhändler, Dienstleister, Museen, Hotels und Konferenzräume. Statische Werbung gewinnt nur zu 3% unsere Aufmerksamkeit, bewegten Inhalten kann sich niemand entziehen. Unternehmen, wie die AOK Süd-West, BASF, Bosch, Golf House, HDI oder Skandia Versicherung setzen auf die Kreativität des 18-köpfigen Teams. 5 Softwareentwickler kümmern sich um die Weiterentwicklung der Software auf digitalen Displays an Wänden und Türen, in Böden, Kassen- und Wartezonen. 
Unternehmer mit Leib und Seele: Fabian Scholz
Foto: Kommatec Redaction

Der Markt ist hart umkämpft. 260 Wettbewerber gibt es, die Hamburger sind unter den Top Ten - vor allem in der DACH-Region. Und die Technologie wirkt: die Fahrstuhlwerbung auf Displays im Mandarin Oriental Hotel in Genf brachte 10-15% Umsatzsteigerungen in Gastronomie und Bügelservice. Das Dorint Hotel an der Kölnmesse konnte sogar über 20% Umsatzplus durch bewegte Werbung auf Fahrstuhldisplays vermelden. Für den Hamburger Gründer und Geschäftsführer Fabian Scholz die beste Referenz, mit seiner Software und modernen Displays etwas Besonderes zu zaubern.

Fabian Scholz: "Kunden wollen über Inhalte reden"

Vor 20 Jahren verkaufte der heutige 43-jährige Familienvater in Norddeutschland Konferenz- und Medientechnik. 1999 macht sich der erfolgreiche Verkäufer mit Konferenz- und Seminartechnik selbstständig, vertreibt digitale Schilder für Konferenzräume in Hotels. Eine Revolution für das Hotel Adlon am Brandenburger Tor, denn zuvor mussten Mitarbeiter über Stunden die aktuelle Beschilderung Buchstabe für Buchstabe zusammenstecken. Mit Verlegung seiner Firma von Berlin nach Hamburg siedelt sich der engagierte Unternehmer am Holländischen Brook an, dem heutigen Alten Wandrahm.



Referenz Golf House
Foto: Kommatec Redaction
Früh erkannte der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann für Kfz-Zubehör, dass die Zukunft in der Software liegt. Mit Beginn seiner Unternehmerkarriere liegen die Preise für Displays bei 8.000,- €, heute kosten sie lediglich 1.000,- €. Das Geheimnis liegt im Bespielen der unintelligenten Bildschirme: "Ob wir mit der Software einen Konferenzraum beschriften oder in der BMW-Welt in München die Werbung für den neuen 5er läuft, ist für die Software das Gleiche." 2010 verliert er den Auftrag für die Ausstattung von Reisebüros mit Werbestehlen. Er gewinnt eine wertvolle Erfahrung: "Kunden wollen über Inhalte reden". Fortan werden Werber seine Kunden, denen es um Content geht.

"Ich möchte ein Komma setzen und weitergehen"

Kommatec entwickelt sich zur Agentur und geht weg vom Softwarehaus. Im Mittelpunkt der Beratung stehen die Möglichkeiten für Inhalte, nicht die Technik. Statt Displays zu bepreisen, sprechen Fabian Scholz und sein Team über Kampagnenziele. Heute nutzen Banken und Versicherungen die interaktiven Lösungen, gefolgt von Einzelhändlern und Kioskketten, Industrieunternehmen mit Mitarbeiterinformationen und Sicherheitsvideos oder Museen, wie das Leica Museum in Wetzlar. 70% der Aufträge macht das Lösungsgeschäft aus, rd. 30% entfallen auf die Software.


Referenz Gasteig München
Foto: Kommatec Redaction
"Ich möchte ein Komma setzen, wo andere einen Punkt sehen", fasst der Bergedorfer im Recherchegespräch auf dem alten Speicherboden zusammen, und ergänzt: "Ich möchte ein ganzheitliches Angebot erarbeiten, von der Idee über die Konzeption bis zur Umsetzung und zur Wartung und Pflege." In dieser Breite sind nur wenige Anbieter unterwegs - ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Mit dem Blick in die Ferne eröffnet Fabian Scholz ganz neue Möglichkeiten: "Der Kunde kann sich sich ein eigenes Fernsehen aufbauen." Ob Teppiche, Nagellack oder Kaffeewelt - mit seinem Erfolgsrezept erwirtschaftet der clevere Kaufmann rd. 3 Mio. € im Jahr.

"Versuch' nicht gleich in den Olymp aufzusteigen"

Dabei sind die bewegten Inhalte in Einzelhandel oder Hotellerie erst der Anfang. Mit dem Smartphone können Kunden via Beacon wiedererkannt werden. Die Gesichtserkennung mittels Webcam liest in Geschäften die Stimmung, das Alter, Geschlecht oder die Ethnie aus - und präsentiert personalisierte Inhalte. "Das alles können wir bereits heute", freut sich der Hamburger Unternehmer. Tracking, Identifikation, Gesichtserkennung und Gestensteuerung - die Werbung lernt gerade laufen. Zugleich warnt Scholz vor zu viel Euphorie: "Wenn Du vom Poster kommst, versuch' nicht gleich in den Olymp aufzusteigen."

Im Hamburger Hauptbahnhof müssen wir uns auf der Werbewand bis auf Weiteres noch mit der Uhrzeit auf der nachgebildeten Bahnhofsuhr begnügen. Und ein angeheiterter "Captain Morgan" fliegt mit seinem Bier alle paar Minuten regungslos durch die Displays am Bahnsteig. Schauen wir mal, wann die Werbetafeln unseren Hunger erkennen und uns ins Restaurant einladen.

 Hamburg Digital Background: 

Kommatec Redaction GmbH:
www.kommatec-red.de

Mittwoch, 17. Januar 2018

HANSECREATIVE: Die dänische Poststation - Heimat digitaler Häuptlinge in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Grafik: IN.D Hamburg
 Journalismus, Kommunikation und Marketing - in keiner Kreativbranche bleibt nach der Digitalisierung ein Stein auf dem anderen. Vor 35 Jahren begann die Hochblüte der Werbung in Deutschland. Namen, wie Springer & Jacobi halfen der noch jungen Agenturszene auf die Sprünge. Heute sind es Jung von Matt oder die Elbkinder, die in der Hansestadt den Takt angeben. In Zeiten von Online Marketing, Digital Signage und Virtual Products sind Werber und der Nachwuchs gefordert, den Anschluss nicht zu verlieren.

3D-Hologramme, VR-Games und 4D-Animationen gehören zum guten Ton kreativer Konzepte und multimedialer Präsentationen. In einer vor 250 Jahren eröffneten dänischen Poststation an der Esplanade schicken 35 Dozenten heute jedes Jahr junge Kreative auf ihren Weg in die Welt der Werbung. Das "Haus Esplanade" mit seiner alten Bäckerei im Hinterhaus ist mit dem Institut of Design die Heimat für frische Ideen und knackige Digital-Kampagnen des kreativen Hamburger Nachwuchses. Ein Hamburg Digital Report:

Von der Poststation zur digitalen Design-Tempel
Foto: HANSEVALLEY
Ein kleiner Hinterhof mitten in der Hamburger Neustadt - an der berühmten Colonnade auf dem Weg zum pulsierenden Jungfernstieg. Das liebevoll restaurierte Fachwerk des "Haus Esplanade" lässt ahnen: hier sind Geschichte und Geschichten zu Hause. 100 Jahre ist die ehemalige Bäckerei alt. Eine überdimensionale, beleuchtete Wandgrafik überragt die schmalen Stufen in die alte Backstube im 1. Stock: "There is no elevator to success. You have to take the stairs." hat eine Absolventin kreativ an die Wand gezaubert. Es ist ein besonderes Willkommen in einer besonderen Schule, die eigentlich Designer, Texter und Konzpetionierer trainiert.







Klare Ansage und kein Lippenbekentnis der IN.D
Foto: HANSEVALLEY
"Wir bilden die Häuptlinge von morgen aus", sagt Institutsleiterin Ulrike Krämer nicht ohne Stolz. Der Anspruch ist hoch: Die private Fachschule setzt auf den Führungsnachwuchs. Im Vergleich zu anderen Schulen, wie HMS oder das DMI an der HAW Hamburg, stehen die Softskills im Mittelpunkt: Präsentieren und Verkaufen gehören zu den vorrangigen Aufgaben eines erfolgreichen Kreativen in 2017. "Es geht darum, sich zu vermitteln", erläutert die emsige Leiterin im Hausbesuch an der Esplanade. Ehrgeiz, Anspruch und Durchsetzungsvermögen gehören zu den Schlüsselfaktoren, die im Berufsleben den Unterschied machen.

Hamburg, 10.30 Uhr, Regen und Wind: Die Digitalisierung kommt ...

Rolf Jeissing ist der Mann hinter der Idee. Vor 35 Jahren wollte er mehr machen, als nur eine Werbe- und eine Packungsagentur zu leiten. Der "Erfinder" der "3 Wetter Taft"-Werbung stand vor der Alternative: 'Schreibe ich ein Buch? Kaufe ich ein Weinschloß? Oder gründe ich eine Schule?' Die zumeist 18-24-jährigen Studenten sind im dankbar, dass es kein Weinkeller wurde. Waren es im 1. Jahr ganze 25 Schüler und im 2. Jahr immerhin schon 75, konnte er im 3. Jahr das ganze Haus anmieten. Der Werber aus Leidenschaft hatte einen Nerv getroffen.


Beweise des Erfolgs: Urkunden renommierter Wettbewerbe.
Foto: HANSEVALLEY
Das Curriculum der Fachschule wurde nach den Anforderungen der Werbeagenturen geschrieben. So war die IN.D die erste Privatschule Hamburgs mit IT-basierter Ausbildung. Das ist in den vergangenen 37 Jahren so geblieben. Die Klassen brillieren mit ausgezeichneten Gewinnern in allen Kategorien: ADC Nachwuchswettbewerbe, DDP Dialog Marketing-Awards, IF Students Awards, GWA Cross-Media-Kampagnen-Gewinner, GWA App-Kampagnen-Gewinner, Neptun Talents Awards in Hamburg, Spotlight-Awards in Baden-Würtemberg. Der Empfangsbereich ziert das Who-is-who der renommiertesten Auszeichnungen. "Wir gewinnen jedes Jahr mehr als 10 Preise", weiß Leiterin Ulrike Krämer zu berichten.

Von der Werbung zum digitalen Kommunikationsdesign


Eröffnungskampagne der IND-Studenten.
Foto/Grafik: IND Hamburg
Die Idee dahinter ist so einfach wie logisch: "Wir fordern das kreative Potenzial unserer Studenten so ab, daß Sie Preise gewinnen", pointiert die seit 14 Jahren an der Spitze der IN.D stehende Chefin. Jüngstes Beispiel: die Eröffnungskampagne für das modernisierte Planetarium. Die Schüler der Meisterklasse machten aus dem renovierungsbedürftigen Denkmal im Stadtpark ein Sternentheater - mit interaktiven Postern, in frischer Optik, mit pfiffigen Sprüchen und einem Look-and-Feel, das Lust auf Sterne macht. Ulrike Krämer sieht ihre Studenten denn auch als Akteure in einem 'Innovation Lab' für begeisternde Ideen.


Dreh- und Angelpunkt der Studiengänge ist das Thema Kommunikationsdesign, also die Kunst, in Bild, Grafik und Formen Botschaften und Emotionen zu transportieren. Das Kreativ-Thema war einst eine künstlerische Disziplin. Schließlich ging und geht es auch um Typografie und Visualisierungen. Lehrgänge, wie der Digital Designer oder der International Visual & Digital Designer lassen ahnen: Was digital werden kann, wird digital.


Digitale Abschlussarbeiten an der IN.D in Hamburg.
Foto: HANSEVALLEY
Von 3D über 4D bis zu Augmented & Virtual Reality

Hamburg ist die Keimzelle kreativer, inhabergeführter Agenturen. Ob Werbung, Kampagnen oder Text - längst sind alle verfügbaren Medientechnologien in den Unterricht eingezogen: Ob 3D-Hologramme, VR-Games oder 4D-Animationen - die jungen Profis erlernen dank erfahrener Praktiker, was heute und morgen up-to-date ist: Die Geschichte Caspar David Friedrichs ist an der IN.D ebenso als visualisiertes Gedicht erlebbar, wie ein CSR-Report für Lego mit Augmented Reality-Elementen. Der Hamburger Kreativnachwuchs wird in insgesamt 6 Fächern ebenso als Generalisten, wie als Spezialisten ausgebildet.


Stolze Absolvent*innen mit Ulrike Krämer und Rolf Jeissing
Foto: IN.D
Von der Strategie über den Text und die Kreation bis zur digitalen Umsetzung und technologischen Innovationen - An der Esplanade gilt: "Denke wild, werde Häuptling." Die langjährige Innovatorin des Instituts fasst ihr Aufgabe an der digitalen Designschule so zusammen: "Ich liebe es zu gestalten, sowohl Menschen als auch Dinge." Im IN.D hat sie die "unbearbeiteten Dinge" vor sich - und ist begeistert von jedem einzelnen Absolventen, der nach 3 bis 4 Jahren seine Stärken entwickelt hat und über sich hinaus gewachsen ist.


Schulleiterin Ulrike Krämer und ihr Motto.

Neue Disziplinen: Digitalberatung und -Produkte

Die bis zu 150 Studenten im alten Fachwerk wissen um die Fortschrittlichkeit. Denn die 35 Dozenten bringen ihre Erfahrungen in den Unterricht ein. So können Neuigkeiten aus der Praxis direkt in die Lehre fließen. Längst ist das Institute of Design keine reine Schmiede für den Agenturnachwuchs mehr. Rd. 50% aller Absolventen gehen in Digitalagenturen oder in die Produktentwicklung auf Unternehmensseite. Als jüngstes Angebot hat Ulrike Krämer einen Digitalen Designer für Absolventen ins Studienprogramm aufgenommen. Denn entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern die Bereitschaft wild zu sein, um künftig ein digitaler Häuptling zu werden."


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 Hamburg Digital Background 

Institute of Design, Hamburg:


Sonntag, 30. April 2017

HANSEPERSONALITY Ralf Scharnhorst: "Die Welt stellt sich gerade auf den Kopf."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

"Ich fand Marketing schon immer spannend", pointiert der bekannte Hamburger Medienexperte seine Passion. 1996 war er bei der DMS Mediaagentur einer von 5 Mediaplanern für Onlinewerbung in Deutschland. 1998 leitete der Diplom-Kaufmann als einer der ersten Mitarbeiter der Hamburger Marketingagentur SinnerSchrader die Mediaplanung. 


Mit seiner Agentur findet er heute neue Wege für effizientes Onlinemarketing. An der Macromedia Hochschule lehrt er Onlinewerbung und Mediaplanung. Als Boardmitglied der D3con unterstützt er eine der führenden Konferenzen zur Zukunft der Displaywerbung in unserer Stadt. Unser HANSEPERSONALITY ist Ralf Scharnhorst:



Hamburgs Online-Marketing-Experte Ralf Scharnhorst
Die Werbung ist im Umbruch. Bislang wurde mit großen Etats in Fernsehspots, Printanzeigen oder Plakatwerbung investiert. Heute spielen Plattformen, wie Facebook und Google ganz vorn mit. Was hat sich mit online verfügbaren Werbeplätzen geändert?

Wo Werbung ungebündelt vom Inhalt ausgespielt werden kann, entsteht eine Vielfalt der Zielgruppen-Auswahl. Die Frage ist nicht mehr nur: werbe ich auf RTL oder SAT1, im Spiegel oder der Bild. Es kann sein: Will ich Freunde von Kino-Fans erreichen, die nach einer Geschenkidee suchen - mit Werbung für einen Kino-Gutschein? Oder Profi-Fotografen, die nach Zubehör suchen?


Wie können kleine und mittelständische Unternehmen von Onlinewerbung - sei es als Text- oder Bild-Ads - profitieren? Und worauf sollten Sie achten, um Budgets nicht ineffizient zum offenen Fenster rauszuwerfen? Ihre Ratschläge als langjähriger Experte!

Mut schlägt Budget! Die kurzen Entscheidungswege von Mittelständlern sind da ein Vorteil. So können sie einerseits aufmerksamkeitsstärkere Inhalte produzieren. Andererseits kennen kleinere Unternehmen oft ihre Zielgruppe besser. Und sie sind oft in der Lage, ganz natürlich auf die Fragen zu antworten, die sie über Social Media erreichen - weil sie ihr Produkt kennen. 



Ich sehe da drei Evolutionsstufen: Als erstes gab es nur Maßschneider, die in direktem Kontakt mit ihrem Kunden waren. Dann kam die Massenproduktion mit Fabriken und Fliessbändern - sie brauchte Werbung in Massenmedien und hatte als Rückkanal nur die indirekte Marktforschung. Und jetzt befinden wir uns auf der dritten Stufe, wo sich nicht nur Produktionsmöglichkeiten, sondern auch Marketing und Vertrieb demokratisieren. 

Für Brauereien, deren Marke nur in halb Deutschland erhältlich war, war Fernsehwerbung immer halb so effizient wie für die „Fernseh-Brauereien“ mit national deckender Distribution. Online-Video-Ads dagegen lassen sich präzise auf das Vertriebsgebiet aussteuern. So bekommen kleinere Anbieter die gleiche Marketing-Effizienz, wie bisher nur die großen. 

Facebook und Google organisieren Roadshows, um Mittelständler für ihre Werbeformate zu gewinnen. Welche Werbekanäle sind neben den globalen Online- und Social Media Plattformen für Kundengruppen interessant?

Jeder Werbungtreibende findet seine Nische, oft ist es nur ein langer Weg bis dorthin. Für die meisten ist Suchmaschinen-Marketing der effizenteste Kanal, sie beginnen damit. Aber was, wenn nach dem Produkt nicht gesucht wird? Hier ist oft Facebook die erste Wahl - und auch sonst durch seine detaillierte Aussteuerbarkeit und Datenmenge oft eine Empfehlung. Im Prinzip ist das schon datengetriebenes Marketing, aber noch nicht ganz „Programatic“.

Das kann seine Vorteile ausspielen, wenn man alle erhältlichen Datenquellen zusammenführt. Gerade im Bereich der Business-to-Business-Kommunikation haben aber auch die Klassiker unter den Online-Kanälen noch ihre Berechtigung: E-Mail-Marketing, Sponsorings oder Festplatzierungen auf themenspezifischen Sites - wir scheuen uns da nicht, bei spezialisierten Websites die digitale Werbung noch mit einem Fax einzubuchen.

Henry Ford sagte: „Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“ Wie hoch ist der Anteil ineffizient eingesetzter "Werbedollars" heute in Zeiten online messbarer Werbung?

Vorweg: „Man kann sich schlecht dagegen wehren, welche Zitate einem hundert Jahre später im Internet in den Mund gelegt werden“ - sagte angeblich Einstein. Aber egal, von wem das Zitat nun stammt: daran arbeitet der Berufsstand der Mediaplaner noch heute. Wir haben heute aber mehr Technik, Rechenleistung und Daten. Daher sind wir bei gefühlt nur noch 20%, gemessen aber manchmal bei 99% verschwendetem Budget, wenn nur bei jedem 100sten User ein Kauf gemessen werden kann. 

Anders gesehen: Man startet Kampagnen so wie man denkt, dass sie am besten funktionieren. Weil es aber so viele Einfluss-Faktoren gibt, sollte man gerade beim Start Vielfalt erlauben, damit man auch unerwartete Nischen nutzen kann. Und die Kombination aus menschlicher Erfahrung, Phantasie und technischer Rechenleistung führt dann dazu, dass die Kampagne anhand der gemessenen Ergebnisse immer weiter optimiert wird. 

Dennoch: so lange der Mensch nicht zum Konsum gezwungen wird, bleibt der Erfolg der Werbung immer risikobehaftet. 

Aus Zeitungen werden Portale, Aus Antennen-TV wird Streaming, aus Plakaten werden Bildschirme. Früher wurden Plakate für 10 Tage gebucht, heute kann Werbung im 15 Minuten-Takt geschaltet werden. Was erwartet uns als Nächstes in der digitalen Werbung?
Nach und nach werden alle Medien digital. Am Bahnhof hängen immer weniger Plakate und immer mehr Bildschirme. Das hat drei Effekte: Aus Standbild wird Video, kürzere und damit günstigere Zeiträume sind buchbar und es ergeben sich weitere Möglichkeiten, die Zielgruppe auszuwählen - in diesem Beispiel nach Uhrzeit und Wochentag. 

Medienunternehmen wie Verlage, aber auch MySpace und StudiVZ dachten irgendwann, ihre technische Entwicklung sei abgeschlossen. Es übernahmen die IT-Unternehmen. Von Google, Amazon, Facebook und Apple müssen wir lernen: Wir befinden uns noch am ersten Tag der Entwicklung.

Wie beurteilen Sie Natural User Interfaces, wie Amazon Alexa, Microsofts Hololens oder Snapchats Spectacles in Sachen Werbevermarktung? Entstehen hier gerade die milliardenschweren Marketingkanäle der nächsten Jahrzehnte?

Die Werbungtreibenden wollen Aufmerksamkeit, dabei ist ihnen das Medium zunächst egal. Sie folgen also der Mediennutzung der Zielgruppen. Die Menschen ändern ihre Gewohnheiten langsamer und eher am Nutzen orientiert als an den technischen Möglichkeiten. Dennoch sollten wir uns an der enormen Geschwindigkeit orientieren, mit der sich die IT weiterentwickelt. 

Das Moore’sche Gesetz ist bislang ungebrochen: Verdoppelung der Rechenkapazität ca. alle eineinhalb Jahre bei gleichbleibendem Preis - das kann man sich beispielsweise für Autos nicht vorstellen.
 
Das führte dazu, dass der Computer in kurzer Zeit seinen Weg aus dem Rechenzentrum im Keller auf den Schreibtisch und danach in unsere Hosentasche gefunden hat. Er setzt schon an zum nächsten Sprung. Für Werbung aber gilt: um so näher sie uns kommt, um so stärker kann sie stören. Daher brauchen wir mehr Fingerspitzengefühl bei der Entwicklung neuer Werbeformen. 

Aber freuen wir uns erst einmal darüber: Nach über zwei Jahrhunderten Tastatur und über 30 Jahren Maus kommt endlich Bewegung in die Schnittstelle Mensch-Maschine. Facebook arbeitet sogar gerade daran, dass wir direkt aus dem Gehirn posten können. Und da sich Facebook ausschliesslich durch Werbung finanziert, müssen sich zumindest die Werbungstreibenden keine Sorgen deshalb machen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Hamburg ist einer der führenden Medien- und Marketingstandorte, einschl. der Vertriebsbüros amerikanischer Plattformen. Was sollte Hamburg heute unternehmen, um auch in Zukunft in Medien und Marketing vorn mitzuspielen?

Es gibt da ja die deutsche Haltung „Politik soll alles retten“ und die amerikanische: "Stadt und Staat sollten nur möglichst wenig stören". Meine liegt dazwischen: Die Stadt kann nur einen guten Nährboden schaffen. Und das geht durch Bildung für alle und erschwingliche, kurzfristig mietbare Büroräume, die Vernetzung ermöglichen. 

An der Hochschule versuche ich, den Studierenden die Alternative zum Angestellten-Leben aufzuzeigen: Wenn Ihr eine Idee habt, die Eure Chefs nicht verstehen, probiert sie selber aus! Und das haben schon einige getan. Ich glaube, es liegt nicht an den Studierenden, dass wir hier weniger Gründer haben als in den USA, sondern an den Hochschulen. Aber ich habe erlebt, wie Google und Facebook nach Hamburg kamen: am Ende ist es der reine Zufall, dass die richtigen Leute am richtigen Ort sind.

Vielen Dank für die tollen Insides!

Das Interview führte Thomas Keup.

Über Ralf Scharnhorst, Inhaber Scharnhorst Media

Seit 1996 ist Ralf Scharnhorst Online-Mediaplaner, 2008 hat er Scharnhorst Media gegründet und entwickelt Marketing-Strategien - oft mit anschliessender Umsetzung. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Mit dem Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt. Scharnhorst leitet den Competence Circle Media-Management im Deutschen Marketing Verband und lehrt an der Macromedia Hochschule. 


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 Hamburg Digital Background: 

Ralf Scharnhorst bei XING:
https://www.xing.com/profile/Ralf_Scharnhorst 

Ralf Scharnhorst: 10 Thesen zur Zukunft des Marketing

https://onlinemarketing.de/news/werbung-ohne-pc-zielgruppe-10-thesen-zukunft-marketing

Scharnhorst Media Beratung und Planung
https://www.scharnhorstmedia.com/


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________


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