Posts mit dem Label Plattformgeschäft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Plattformgeschäft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. Januar 2019

HANSEBUSINESS: Digitale Lösungen für Einzelhandel und Handwerk in Hamburg.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die Freie und Hansestadt in Digitalisierung und Transformation
Grafik: Handelskammer Hamburg/gutentag-hamburg.de

Das WeltWirtschaftsInstitut HWWI hat in einer aktuellen Studie für das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg Rahmenbedingungen für die Entwicklung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) in der Hansestadt erarbeitet. Zu den Hauptforderungen gehören die Kooperation des Einzelhandels wie auch das Handwerks untereinander, verbunden mit dem Aufbau gemeinsamer Onlineplattformen für den Vertrieb und gemeinsamer, digitaler Infrastrukturen für Fertigung und Logistik. Dazu sollten KMU ihre Mitarbeiter für das Geschäft in der digital-vernetzten Welt flexibel und fortlaufend schulen. Ein Hamburg Digital Report:

Für den lokalen Einzelhandel schlägt die Studie eine Digitalisierungstrategie mit gemeinsamen Vertriebsplattformen vor (vgl. "Online City Wuppertal") - inkl. gemeinsamer Shopsysteme, Schulungen und Lieferservices. So können lokale Betriebe auf der "letzten Meile" durch gemeinsame Lager vor Ort, taggleiche Lieferung, gemeinsame Paketstationen (vgl. "Kiekmo") und Kuriere mit Lastenfahrrädern (vgl. "City-Logistik" Hamburg) gegen Online-Riesen und nationale Paketdienste punkten.

Auch im regional verankerten Handwerk gehen die Wissenschaftler für die Zukunft von gemeinsamen digitalen Vertriebsplattformen aus. Die digitalen Systeme sollten auch Online-Schnittstellen für die Wartung von technischen Anlagen bei Kunden besitzen. Als besonders erfolgversprechend nennen die Autoren der Studie die Kooperation verschiedener Gewerke in einem Quartier mit dem Ziel eines ganzheitlichen, abgestimmten Angebots auf lokaler Ebene.

Vernetzung und Kooperation, Plattformen und Shared Services

In Sachen Infrastruktur schlagen die Herausgeber produzierenden Betrieben vor, sich in lokalen Gewerbehöfen (vgl. "Handwerkerhof Ottensen") zusammenzuschließen und dort digitale Technologien wie den 3D-Druck zu nutzen. 3D-Druckzentren könnten sowohl für gewerbliche wie für private Aufträge vor Ort zur Verfügung stehen und die Entwicklung von Konsumenten als Produzenten (vgl. "Prosumenten") im Quartier fördern.

Im Bereich Verkehr schlägt das Papier die Einführung einer City-Maut und ein Peak-Load-Pricing vor, um Stadtteile von Parksuchverkehr durch Pendler und unnötigen Lieferverkehren seitens LKW und Kleintransportern zu entlasten. Neben gemeinsamen Lagern und Zustellern lokaler Händler können z. B. Restaurants außerhalb der Öffnungszeiten als Abholstationen für Pakete dienen (vgl. "Shared Spaces"). Generell sollte die Stadt bei Ihren ITS-Moblitätsanstrengungen Arbeitsstätten und Einzelhandel in den Stadtteilen mit berücksichtigen.

HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel spricht Klartext.
Foto: HWWI

HWWI-Direktor Prof. Dr. Henning Vöpel sagt gegenüber HANSEVALLEY zu den Kernpunkten der Studie: 

"Die digitale Transformation von Unternehmen und Städten weist viele gemeinsame Handlungsfelder auf, so dass eine gemeinsame Strategie sinnvoll ist, um die Transformation wechselseitig zu beschleunigen. Quartiere können die Potenziale der Dezentralisierung, die aus der Digitalisierung resultieren, nutzen, um über Communities und Plattformen integrierte Lösungen zu entwickeln, z. B. im Bereich der Logistik und des Handwerks.

Als Bindeglied können laut Studie z. B. die öffentliche Verwaltung, Mobilitätsangebote und die Energieversorger dienen.

Als besondere Herausforderungen für Unternehmen nennt die Studie die zunehmende Geschwindigkeit der Veränderungen durch digitale Entwicklungen sowie parallel stattfindende Umbrüche. Dies birgt ebenso Risiken durch steigende Komplexität wie auch Chancen durch mögliche Synergien. Bei den Lösungen pointiert das HWWI sowohl auf branchenspezifische Veränderungen wie auf die Auflösung klassischer Branchengrenzen, z. B. durch Plattformen.

Geschwindigkeit und Komplexität, Branchen und Plattformen 

Die Studie legt ihren Schwerpunkt auf kleine und mittelständische Unternehmen. Mit 102.000 Betrieben stellen KMU mehr als 99% aller Unternehmen an Alster und Elbe. Die Studie beleuchtet u. a. die Chancen für 16.000 Einzelhandelsbetriebe und 5.200 Gastronomieeinrichtungen in den Bezirken. Mit 16.000 Handwerksbetrieben und 10.200 Produktionsunternehmen ist das verarbeitende Gewerbe ein weiterer wichtiger Faktor zur Transformation der Wirtschaft in Hamburg.

Damit kleine und mittelständische Unternehmen ihre Chancen wahrnehmen können, fordert die Erhebung im Auftrag des Hamburger Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 berufs- und lebensbegleitende Bildungs- und Qualifizierungsangebote. Diese müssen zunehmend von Unternehmen selbst angeboten werden. Daneben sollte die Stadt öffentliche Angebote mit der betrieblichen Weiterbildung stärker abstimmen. Vermittler zwischen städtischen und privaten Aktivitäten können branchenübergreifende "Cross-Cluster"-Initiativen sein.

Ergebnisse und Herausforderungen, Lösungen und Best Practices

Am 31. Januar d. J. lädt das Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg unter dem Titel "Die intelligente Stadt" zu einer Informationsveranstaltung in das HWWI ein. Dort werden die Ergebnisse der Studie sowie Lösungen und Best Practices im Detail vorgestellt und anschließend Chancen sowie Herausforderungen für Handel, Handwerk und Logistik diskutiert. Interessenten können sich online kostenlos anmelden. Die Studie "Mittelständische Unternehmen als Teil der Smart City" kann beim beim HWWi heruntergeladen werden. 

 Hamburg Digital Background: 

Studie "Mittelständische Unternehmen als Teil der Smart City" - HWWI:

Veranstaltung "Die intelligente Stadt" - Mittelstand 4.0 Kompetenzzentrum Hamburg:

Infoportal Digitalisierung - Handelskammer Hamburg:

Donnerstag, 12. Juli 2018

HANSEINSURANCE: Aus dunklen Datenkellern in neue Servicewelten.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Airbnb, Netflix, Spotify & Co. - globale Plattformen erobern Märkte, besetzen Kundenzugänge, bieten Mehrwerte, machen Anbieter zu unsichtbaren Lieferanten. Keine Dienstleistung ist vor ihren Ökosystemen sicher. Beispiel: Die Versicherungsbranche. Das Münchener Vergleichsportal Check24 ist in den Markt eingebrochen, bestimmt die Regeln bei Auswahl, Entscheidung und Belieferung mit der traditionellen Leistung der Risikoabsicherung.





Amazons Apothekendienst, Apple Health und Googles Verily saugen über E-Commerce, Smartphones, Smartwatches und Sprachassistenten persönliche Daten - blasen zur Eroberung des nächsten großen Marktes: der Gesundheitsindustrie. In Hamburg rüstet sich ein Konsortium um die Signal-Iduna, den GAFAs das Feld nicht zu überlassen. Im Mittelpunkt: eine Echtzeit-Datenplattform, eigene Kundenzugänge und Kollaboration mit externen Partnern. Ein Hamburg Digital Report:



SDA-Direktor Dr. Stephan Hans
Foto: SDA
Service Dominierte Logik, kurz: SDL - die Idee hinter Plattformen ist eigentlich ein alter Hut. Seit 2004 forschen Wissenschaftler an der Ablösung der Industriedenke. Die Idee: Produkte werden unbedeutender, Leistungen werden wichtiger. "Eigentlich kauft man nicht mehr das Produkt, sondern das Bündel der Services drumherum", erklärt der 39-jährige Kommunikationswissenschaftler Dr. Stephan Hans im quirligen WeWork am Axel-Springer-Platz. Der Ostfriese ist Geschäftsführender Direktor der SDA, einer europäischen AG. "Open Industry Solutions" steht auf seine Visitenkarte, aber was heißt das?

Es geht um die von Steve Vago und Robert Lusch maßgeblich forcierte Service-Philosophie, mehr 10 Jahre alten IT-Systemen bei Deutschlands Versicherungs-Dinosauriern und dem heran rollenden Tsunami durch Tech-Giganten und ihrem ungestillten Hunger auf Daten, um das nächste Geschäftsfeld für sich zu erobern. Nach Musik- und Filmindustrie, nach Hotel- und Taxidienstleistungen geht es der Versicherungsbranche an den Krage. Den seit 2009 in Hamburg beheimateten Wissenschaftler treibt eine Frage um: "Wie sieht die IT-Zukunft in einer Service-Welt aus?"

Im Keller der Versicherer lagern ungehobene Datenschätze.


SDA-Aufsichtsrat Dr. Markus Warg
Foto: Signal-Iduna
Prof. Dr. Markus Warg ist nicht nur Sparringspartner des Chief Business Development Officers und zweifachen Familienvaters. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender der SDA, IT-Vorstand der in Hamburg und Dortmund beheimateten Signal-Iduna Versicherung und Professor für Service Design und Risikomanagement. In seiner Doppelrolle stellt der Ökonom und langjährige Bank- und Versicherungsexperte die richtigen Fragen: Was will der Kunde wirklich? Wie will der Kunde einen Service buchen - und wieder loswerden? Welche Abrechnung ist für den Nutzer am Interessantesten?

Während Startups - wie das von uns vorgestellte Kasko - mittels Whitelabelservices digitale Vertriebskanäle für neue Versicherungsprodukte unabhängig von den Branchentankern aufbauen, lagern in den Kellern von Signal-Iduna, Hanse-Merkur & Co. ungehobene Datenschätze. Ideal zur Befriedigung echter Kundenbedürfnisse - fernab von schnellen und kurzfristig generierten Absatzmärkten. Genau um diese Schätze in steinzeitlich anmutenden Datenbanken und mit vorsinnflutlichen Schnittstellen kümmert sich das Hamburger Gemeinschaftsunternehmen SDA - mit seinen Investoren Signal-Iduna, IBM und dem IT-Dienstleister MSG.

Ökosysteme, um mit Dienstleistungen Werte zu schaffen.

Die Idee von SDA ist so einfach wie logisch: Auf der einen Seite stehen Frontend-Services für B2C und B2B - online, mobil oder voice - um mit Interessenten und Versicherten zu kommunizieren. Auf der zweiten Seite stehen Zugänge zu Partnern, die Dienstleistungen erbringen, z. B. Dienste zum Scannen oder Drucken sowie Abrechnugnsdienste für Rechnungsprüfung und Bezahlung. Auf der dritten Seite stehen die Versicherungen mit dunklen Kellern voller Daten und einem Software-Zoo voller Fachanwendungen. Dazwischen sitzt die SDA, zusammen mit IBM als Cloud- und Datenprofi und der MSG als Profil im "Keller". Das, was SDA mit der Signal-Iduna entwickelt, ist mit Open Source Technologien von Anfang ein offener Ansatz, denn im Keller sieht es fast überall genauso aus.

Im Gegensatz zu anderen Tech-Riesen denkt man in Hamburg nicht über Plattformen nach, weil es Plattforen sind. Vielmehr geht es um Ökosysteme, die mittels Dienstleistungen neue Werte schaffen - für Nutzer wie für Anbieter. Das ist auch unbedingt notwendig. Denn der Krankenversicherer Signal-Iduna hat diverse Partner, mit denen er kooperiert: Agenten und Makler, Praxen und Krankenhäuser, Apotheken und Pharmahersteller. Dabei steht der Kundenkontakt im Mittelpunkt. Ist er verloren, sind alle Bemühungen umsonst. Umso wichtiger ist es, die Datensilos mit der Historie seiner Kunden zu heben und zu nutzen. Denn der Versicherer SignalIduna hat diverse Partner, mit denen er bereits kooperiert oder in Zukunft zusammenarbeiten möchte.


Kunden-App mit intelligenter Anbindung ans Data-Backend
Grafik: SDA SE

Richtig Spaß macht der Plattform-as-a-Service-Ansatz, denkt man künftige Möglichkeiten z. B. im Gesundheitssektor. Wenn die Gesundheitsakte von Techniker Krankenkasse und IBM, die Fallakte von UKE, Vivantes oder Helios und die Fitness-Apps von Adidas aka Runtastic im Rahmen gesetzlicher Möglichkeiten zusammenspielen, können anonymisierte Daten eine Qualität in Diagnose, Therapie und Kur bringen, die sonst nur den großen Datensammlern aus den USA möglich sind. Was für den Gesundheitssektor möglich wird, ist ebenso im Pflegesektor machtbar, was im Pflegesektor machbar ist, könnte ebenso in der Altersvorsorge entwickelt werden.

Die im Sommer 2016 zunächst innerhalb der Signal-Iduna getestete Plattform-Technologie wurde im Dezember des Jahres ein eigenes Unternehmen. Aktuell arbeitet das Hamburger Team mit 20 festen Mitarbeitern und fast 80 Köpfen Manpower einschl. Mitarbeitern bei IBM Global Business Services und MSG. Die sorgen dafür, dass Services im Frontend in Echtzeit laufen können, die Datenverarbeitung im Backend davon aber abgekoppelt sein kann. Und sie gewährleisten, dass die zertifizierte, regulierte Backend-Systeme ohne Sorge angekoppelt werden können.

Kein Fuß in der Haustür der Kunden ist kritisch bis tödlich.

Stephan Hans hat eine klare Botschaft an Versicherer: "Ihr seid für den Kunden in Zukunft nur relevant, wenn ihr Servicewelten in einem eigenem Ökosystem aufbaut": Geht des Kundenkontakt an Check24, ist er für lange Zeit verloren. Ist die Schnittstelle von einem fremden Ökosystem besetzt, gibt es keine aktuellen Daten zum Aufbau von Serviceangeboten. Ein Teufelskreislauf, der kaum zu durchbrechen ist. Der langjährige Berater warnt: Im nächsten Schritt lauert die künstliche Intelligenz. Hier keinen Fuß in der Haustür der Kunden zu haben, ist kritisch bis tödlich.

Haben Startups das Asset schneller und flexibler Kundeninteraktionen liegt für die Versicherer der Goldschatz im eigenen Keller: die Datenhistorie aus den Kundenbeziehungen. Und die wird bis heute selten bis nie genutzt, um besser zu werden und sich gegen  neue Herausforderer aus der Plattform-Ökonomie zu wappnen. Einige Player haben den Schuss gehört, z. B. die Allianz mit der DAK, ihrem IT-Dienstleister Bitmarck, dem IT-Riesen Atos und einer Reihe von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen oder die Techniker zusammen mit IBM, den Krankenversicherern Central, DKV, Signal-Iduna, dem UKE und den Klinikriesen Helios und Vivantes aus Berlin.

Das Rennen ist eröffnet. Der Wettlauf um Partner, Daten und Services hat begonnen. Die SDA von Signal-Iduna, IBM und MSG setzt auf eine offene Cloudarchitektur, die modulare, quelloffene Docker-Entwicklungsumgebung. Als einer der ersten externen Partner konnte die Alte Leipziger/Hallesche für eine eigene Gesundheitsplattform gewonnen werden. Dreh- und Angelpunkt des Ansatzes sind Schnittstellen und Adapter, die alles mit allem lauffähig machen können. Schauen wir mal, welches Konsortium das Rennen macht - und ob die US-Techriesen noch zu stoppen sind.



 Hamburg Digital Background: 

HANSEINSURTECH: Schnelle Lösugnen aus der Werft für den Linienbetrieb.
https://hh.hansevalley.de/2018/07/hanseinsurtech-insurtech-werft.html

HANSESTARTUP Kasko: "Wir verkaufen eigentlich nur Schaufeln."
https://hh.hansevalley.de/2018/06/hansestartup-kasko.html


Dr. Stephan Hans, SDA SE:
www.xing.com/profile/Stephan_Hans2/cv

Prof. Dr. Markus Warg, FH Wedel:
www.fh-wedel.de/mitarbeiter/mwa/

Service-Dominierte Logik:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service-Dominant_Logic

Service-Dominierte Architektur:
https://de.wikipedia.org/wiki/Service_Dominierte_Architektur

Sonntag, 24. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Olaf Rotax: "Da muss mehr sein als das, was wir heute haben."

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

20 Jahre digitaler Background, über 100 Transformationsprojekte in mehr als 50 Konzernen, Familienunternehmen und Startups. Mit der Erfahrung von tchibo.de, otto.de, shopping24.de, karstadt.de ist der gebürtige Hamburger Olaf Rotax ausgewiesener E-Commerce-Spezialist. Der Buchautor zur "Web-Exzellenz im E-Commerce" sieht sich jedoch als Generalist für die Transformation von Unternehmen.


Visionär mit klaren Vorstellungen: Olaf Rotax
Foto: dgroup
Seit 4 Jahren beschäftigt sich der 45-jährige Vater dreier Kinder mit der dgroup um Verständnis zu Wirtschaft und Technologien sowie Kultur und Politik Chinas, baut Brücken zwischen Berlin und Peking, Hamburg und Shanghai. Der Blick nach Osten eröffnet neue Perspektiven - zu Plattformen, Ecosystemen und künstlicher Intelligenz. Wo ist Europas Platz zwischen Darvinismus und Sozialismus? Ein Hamburg Digital Interview mit dem Visionär und Innovator Olaf Rotax:

Während Ihres Schülerpraktikums erlebten Sie mit 16 Jahren in einem großen Verlagshaus, dass hochspezialisierte Lochkartenprogrammierer auf Grund verjährter Kompetenzen in die Kantine versetzt wurden. Haben Sie sich an der FH Wedel zum Wirtschafts-Ingenieur ausbilden lassen, um als Generalist niemals in die Gefahr geraten, aussortiert zu werden und - bildlich gesprochen - in die Kantine versetzt zu werden?

Am Ende hat mich das Erlebnis sicherlich dazu gebracht, nicht nur auf die ursprünglich favorisierte Informatik und eine praxisnahe Ausbildung zu setzen. Viel entscheidender war aber, dass ich mich dadurch schon sehr früh mit Megatrends auseinandergesetzt habe, die unser Leben in Zukunft verändern können – und dabei stößt man zwangsläufig auf den Wirtschaftsingenieur als „Brückenbauer“ der Veränderungen und Disziplinen. Der damit verbundene Anspruch, dass dafür durchschnittliche Leistung nicht ausreicht, hat mich dann zusätzlich angespornt.

Trainee bei Tchibo, Nr. 4. mit E-Mail-Adresse @tchibo.de, Entrepreneur bei der Gründung von tchibo.de, Mitarbeiter Nr. 14 für "Neue Medien" bei otto.de, Gründer der E-Commerce-Agentur Mindwyse und der Beratungsfirma Diligenz, Gründer der Digitalberatung dgroup, nach der Übernahme Vorzeigeexperte bei Accenture, Brückenbauer zwischen Europa und China. Wann werden Sie mit Ihrem Erreichten zufrieden sein?

Zuerst einmal klar und deutlich: Das klingt nach einem klaren Plan von Anfang an, ist aber eine Kombination aus Chance, Glück und sicherlich dem Streben nach „da muss mehr sein, als das, was wir heute haben“. Ich habe früh Chancen bekommen, mich mit neuen Dingen auseinanderzusetzen und die Freiheiten erhalten, diese dann auch konsequent zu verfolgen. Dafür bin ich meinen Führungskräften in den ersten 10 Jahren meiner Entwicklung sehr dankbar – dabei bin ich hier sicherlich nicht immer nur den „eingetretenen“ Weg gegangen, durfte auch mal Fehler machen. 


Olaf Rotax - Gründer und Geschäftsführer der dgroup
Foto: dgroup
Die Selbständigkeit und der gemeinsame Firmenaufbau mit meinen Partnern hat mich dann erst einmal Demut gelehrt, aber ebenso wieder bestärkt, dass beim Zusammenkommen einer klaren Vision und eines starken Teams fast alles möglich ist. Plus die Erkenntnis nach fast 20 Jahren Auseinandersetzung mit „What‘s Next“ – was viele heute mit Digitaler Transformation gleichsetzen - dass ich mich noch einmal verändern muss, wenn ich die Zukunft wirklich aktiv gestalten möchte. 

Zufrieden werde ich realistisch sein, wenn ich dazu beigetragen habe, für meine drei Kinder das Gute von heute mit dem Neuen von Morgen verbunden zu haben. Ich habe eine klar positive Vision unserer Zukunft und möchte sicherstellen, dass diese auch so eintritt.



Sämtliche intellektuellen Modelle, die heute z. B. von Startups umgesetzt werden, stammen aus der Zeit zwischen 1998 und 2000, z. B. Online-Bestellungen, Abo-Modelle über das Netz oder Vermittlungsplattformen. Gibt es überhaupt eine wirklich neue Methode, wenn selbst "KI" bereits 1956 erstmals beschrieben wurde. Ist das alles nur "alter Wein in neuen Schläuchen"?


Ein sehr fairer Punkt. Intellektuell wurde „Digital“ zwischen 1995 und 2000 quasi vollständig durchdacht, wenn auch auf Basis damaliger Technologie und ihrer entsprechenden Adaption. Was wir heute sehen, ist tatsächlich auf dem Meta-Level gleich zu dem vor 20 Jahren, aber eben der aktuellen Technologie und verzögert laufend technologischer Adaption angepasst. Die kurzfristige Veränderung zur Kernvision der Zukunft um 2000 wurde unterschätzt, die langfristige Wahrscheinlichkeit der dann iterierten Vision wird aber nach wie vor unterschätzt. 

Wie schnell dann Veränderung ablaufen kann, können wir aktuell am besten in China beobachten, wenn eine Nation aktuell einfach eine Stufe in der Entwicklung überspringt. Und die aktuelle Erkenntnis, dass Spitzenleistung und Innovation eigene Organisationsformen braucht, ist eigentlich auch bereits seit Jahrzehnten und nicht erst seit ein paar Jahren bekannt. Ich möchte es mal so ausdrücken: 


Alle Einzelteile waren eigentlich schon immer da – sie werden aktuell nur neu geordnet und mit neuen Methoden zusammengebaut.

Seit rd. 5 Jahren kommen die Innovationen zunehmend aus China. Alibaba will ein voll automatisches Lager in Hamburg errichten. Sie haben im vergangenen Jahr mit dem "D20 Sino-German Digital Leadership Forum" eine Brücke zwischen Hamburg und Hangzhou, zwischen Deutschland und China gebaut. Warum sollten wir uns auf den "Silicon Dragon" einlassen?

Wenn es um (digitale) Trends geht, haben wir uns angewöhnt, zunächst nach Westen ins Silicon Valley zu schauen. Das ist nach wie vor nicht vollkommen falsch, aber definitiv nicht mehr ausreichend. China verbinden wir wiederum viel zu sehr mit einem Niedriglohn-Produktionsland oder großen Entwicklungsabsatzmarkt für unsere westlichen Produkte. 


Weiß, was in China online, mobil und digital passiert.
Foto: dgroup
Was wir lange Zeit übersehen haben ist, dass China zwar am Anfang gut kopiert hat, aber längst mit hoher Agilität iteriert und weiterentwickelt. WeChat ist keine WhatsApp-Kopie, sondern WhatsApp plus Paypal plus Amazon plus X – WeChat ist ein neuartiges Ecosystem, dass jetzt wiederum von WhatsApp und Facebook teilweise kopiert wird.  Bei der technologischen Adaption hat China die Entwicklung der letzten Jahre bei uns einfach übersprungen – Online Retail ist bereits größer als der klassische Retail und das „New-Retail-Konzept“ aus China wird realistisch ein weiteres Role-Model auch im Westen werden. 

Die alles entscheidende Frage wird sein: wird es auch „echte“ Innovation aus China geben? Die Zeichen stehen dabei sehr positiv – bei Future Mobility, Future Banking, New Retail und Technologien wie Quantum Computing, AI und Blockchain ist China bereits auf Augenhöhe und zum Teil führend. 


Wer also Zukunft gestalten möchte, sollte sich auf den „Silicon Dragon“ einlassen!

Europa steckt in der Zwickmühle: Einerseits die Vereinigten Staaten mit den GAFAs (Google, Apple, Facebook, Amazon), andererseits China mit den BAT-Riesen Baidoo (Suche), Alibaba (E-Commerce) und Tencent (u.a. WeChat-Services). Auf beiden Seiten massive Anstrengungen in datenbasierte Geschäftsmodelle. Wie kommt das zersplitterte Europa aus dieser Zwickmühle heraus?


Klare Worte, klare Perspektiven: Wie soll unsere Zukunft aussehen?
Foto: dgroup
Zunächst einmal muss man sich klarmachen, dass es eigentlich keinen Grund gibt, warum es keine „dritte Lösung“ aus Europa geben sollte. Mir persönlich würde eine pluralistische Welt mit Alternativen besser gefallen als eine Welt, in der nicht zwangsläufig europäische Werte im Vordergrund stehen. Gleichzeitig ist aber auch eine realistische Einschätzung, dass kein Einzelspieler aus Europa in der Lage sein wird eine echte Alternative zu den skalierenden aktuellen Eco-Systemen aufzubauen, von Nöten. 

Es ist uns bereits einmal gelungen beim ursprünglichen Aufbau der Europäischen Union Einzelinteressen zu Gunsten eines größeren Ganzen zurückzustellen – jetzt müssen wir zeigen, dass wir trotz aktueller wiedererstarktem Eigeninteressenfokus gemeinsam etwas sehr Lohnenswertes schaffen können, denn wie bereits gesagt – die kurzfristige Auswirkung von GAFA und BAT auf unsere Wirtschaft und Werte wird vielleicht zum Teil überschätzt, die langfristige Wirkung ohne Veränderung bei uns aber sehr naiv unterschätzt. 


Wir brauchen – wie übrigens vorbildlich orchestriert und gemanagt in China – eine digitale Zukunftsvision von Europa als drittem Eco-System neben GAFA und BAT.

Die Entwicklung geht vom klassischen Geschäftsmodell zur offenen Plattform, daraus zum umfassenden Eco-System und über allem steht eine konsolidierende Künstliche Intelligenz (AI). Sie sagen: die GAFAs werden bei der Datenauswertung zusammenarbeiten, im chinesischen System ist dies keine Frage. Was bedeutet es für international agierende Player aus Deutschland und Europa, wenn alles auf Artificial Intelligence hinausläuft?

Lassen Sie es mich so sagen: Weder die USA noch China überlassen die Entwicklung zum Aufbau des AI Meta-Ecosystems dem Zufall oder der reinen freien Marktentwicklung. Eine Dualität aus Förderung, Lenkung und Protektionismus eigener Lösungen ermöglicht es neuen Spielern, kritische Masse zu entwickeln und diese effektiv einzusetzen. Beide Faktoren werden bei uns in Europa viel zu wenig koordiniert und viel zu wenig auf ein klares Ziel gerichtet angewendet. Das Spiel um die Führungsplätze in der neuen Weltliga AI wird im Doppelpass zwischen Politik und Wirtschaft und mit hohem Einsatz gespielt. 


Hat eine konkrete Idee für das datenbasierte Europa.
Foto; dgroup
Für das Einzelunternehmen mache ich gerne folgende bewusst vereinfachte Rechnung auf: Der Aufbau eines wirklich relevanten und überlebensfähigen dritten AI Meta-Ecosystems wird vermutlich über die nächsten 10 Jahre mehr als 1.000 Milliarden kosten. Kein Einzelunternehmen wird diese Mittel alleine aufbringen können. 1.000 Unternehmen mit jeweils 1 Milliarde in einer neuen Art von "Genossenschaft" könnten das aber erreichen. Aktuell sind es diese 1.000 Unternehmen, die entscheiden müssen, ob sie mit ihren aktuellen Daten lieber für kurzfristigen Erfolg die AI der bestehenden Eco-Systeme GAFA und BAT füttern wollen oder den „Rohstoff der Zukunft Daten“ für eine eigene gemeinschaftliche Plattform einzusetzen.

Zu guter Letzt unser Hamburg-Frage: Sie sind gebürtiger Hamburger, leben heute mit ihrer Familie in Rellingen bei Pinneberg. Sie haben fast 10 Jahre für Tchibo und Otto das Online-Geschäft aufgebaut. Hand aufs Herz: Wie gut ist die Hamburger Wirtschaft aus Ihrer Sicht auf die digital-vernetzte Daten-Zukunft vorbereitet? Der Medienstandort ist bekanntermaßen bereits verloren das Marketing ist eine globale Disziplin. Wo hat die Hamburger Wirtschaft deutlichen Nachholbedarf?

Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass wir noch in keiner Disziplin aus meiner Sicht final verloren haben, auch wenn in der zweiten Halbzeit schon einige Zeit verstrichen ist, wir nicht vorne liegen und nun das Spiel umstellen müssen. Am Ende sind es drei Dinge, die ich mir wünschen würde: 

1. Mehr Mut für echte disruptive Visionen für unsere Stadt genauso, wie für die hier führenden Unternehmen – Wir werden zwar noch Jahre vom Erreichten profitieren, aber müssen heute bereits den Grundstein für die nächste Generation von digitalisierten Geschäftsmodellen legen 


Zwei, die Brücken bauen: Petra Vorsteher (Smaato) und Olaf Rotax.
Foto: dgroup
2. Mehr Kooperation zwischen den Unternehmen und der Regierungsseite – keiner wird das Ziel alleine erreichen und unsere historische Partnerschaft zwischen Hamburg und China wird eine wichtige Brücke für uns sein 

3. Mehr Fokus auf Agilität – unsere Welt wird sich immer schneller verändern und die meisten Unternehmen sind nach wie vor für ein relativ stabiles Umfeld organisiert – eine exponentielle Zukunft braucht aber exponentielle Unternehmensorganisationen.

*  *  *

Herzlichen Dank für die zukunftsweisenden Antworten!
Das Interview führte Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Xing - Business-Profil von Olaf Rotax:
https://www.xing.com/profile/Olaf_Rotax/

Turi2 - Homescreen von Olaf Rotax:
http://www.turi2.de/allgemein/mein-homescreen-olaf-rotax/

dgroup - Ein Unternehmen von Accenture:
www.dgroup.com

Mittwoch, 6. Juni 2018

HANSECHAMPION Health AG: Richtige Rechnungen für alle Patienten.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Die Digitalisierung fragt nicht, bevor sie ein Geschäftsmodell umbricht. Das gilt für Hamburger Handelshäuser, Paketlogistiker und Finanzdienstleister. Neue Technologien und Startups greifen Stammhalter an, ohne vorher nett zu fragen. Beispiel: das zum Otto-Inkasso-Dienstleister EOS gehörende Factoring-Unternehmen Health AG. Eine Bank kommt um die Ecke, und kauft einfach Rechnungen auf. Plötzlich ist nichts mehr so, wie es 10 gute Jahre lang war. 


Nach 12 Jahren zurück nach vorn: Vorstände Törper und Schäfer
Foto: Health AG

Beim Finanzdienstleister Health AG am Lübeckertordamm klingeln die Alarmglocken. Die Vorstände reagieren: Mindchange, Technologien und der Plattformgedanke ziehen ein beim Spezialisten für Zahnarztrechnungen - zusammen mit konsequenten Entscheidungen, mutigen Investitionen und einem Geschäftsmodell, dass fast nichts mehr mit schnöden Rechnungen zu tun hat. Ein Hamburg Digital Report:

Berlin, Hohenzollerndamm, im Süd-Westen der Hauptstadt: Auf dem Empfangstresen der kleinen aber feinen Zahnarztpraxis liegt ein blau-weißer Flyer. 'Information zur Patienten-Ratenzahlung' ist auf dem Faltblatt mit Antragsformular und Lastschriftmandat zu lesen. Der Absender: Die Kundenbetreuung der Health AG am Lübeckertordamm in Hamburg, genauer gesagt: Die EOS Health Honoramanagement AG, ein Unternehmen der EOS-Gruppe und Teil der Otto Group. Gut 2 Millionen Zahnarztrechnungen übernimmt die AG pro Jahr, bietet Zahnarztkunden bequeme Ratenzahlungen an. Ein klares Geschäftsmodell.

2005 wurde die Factoringfirma als Teil des größten deutschen Inkasso-Dienstleisters EOS gegründet. Seit mehr als 12 Jahren geht es für den Hamburger Finanzdienstleister aufwärts. Im Geschäftsjahr 2017/2018 betrug das Rechnungsvolumen 746 Millionen Euro. Damit ist die Health AG führender Anbieter für das Management von Zahnarztrechnungen. Doch die Digitalisierung ist auch am Lübeckertordamm vorbeikommen und hat die Vorstände Jens Törper und Uwe Schäfer aus ihren Träumen gerissen. Was passiert, wenn jemand das angestammte Geschäft mit neuesten Technologien und höchster Dynamik angreift? 

Vom Finanzdienstleister zur Technologiefirma

Vor 2 Jahren entscheidet der Vorstand: Wir bauen eine neue Company. Wir fangen nochmal von vorn an. Wir überlassen den Markt nicht dem Zufall. Die Entscheider holen mit dem Softwaretechniker Jan Schellenberger einen CTO an Board. Der dreifache Familienvater aus Eppendorf leitet zuvor als IT- und Personalvorstand über 5 Jahre die Digitalisierung bei Hamburgs bekannter Familienreederei Rickmers, kennt sich mit digitalen Produkten aus und scheut sich nicht, seinen neuen Co-Vorständen zu sagen was geht, und was nicht. Diese treffen eine klare Entscheidung: 'Wir wollen die Veränderung'. Aus dem Finanzdienstleister soll etwas Neues werden.


Hebt die Health AG auf die nächste Stufe: CTO Jan Schellenberger
Foto: Health AG
Der Markt ist kein stiller, blauer Ozean mehr. Diverse Dienstleister tummeln sich im Zahnarztbecken. Da werden Praxen mit 0,1 Prozent geringeren Kosten abgeworben. Für die erfolgsverwöhnte Health AG ein "roter Ozean" voller "Haifische" - der Markt ist ungemütlich geworden. Der Hamburger Schellenberger macht im Rechercheinterview klar, wie die Transformation gelingen kann: "Ich darf Steine ins Wasser verwerfen. Ich darf aufrütteln. Ich darf neue Sachen einführen." Und der HAW-Diplom-Ingenieur hat sich nicht die fortschrittlichste Branche ausgesucht: 10-15 Jahre alte Software, mehr als 40 Individuallösungen gibt es im Markt, jede proprietär und kaum fit für die Zukunft.

Health AG + Nubologic = neue Praxissteuerung

Zu allem Überfluss kommt ein Verband Deutscher Dentalsoftware Unternehmen. Mehr als 20 Jahre im Markt hat der VDDS nach eigenen Angaben die Anbieter von 80% aller Praxisprogrammen als Mitglieder. Das selbsternannte Ziel: "Gemeinsame IT-Standards". Da klingelt in den Ohren eines ehemaligen IT-Verbands-Pressechefs die ganze Sammlung der Alarmglocken. Die Argumentation ist - wie die Verbands-Website zeigt - Grundlage für das Geschäftsmodell: 'Der Verband entwickelt Schnittstellen zum sicheren Datenaustausch zwischen verschiedenen Systemen'. Das Geheimnis heißt "VDDS-Transfer" - die verbandseigene Umsatzspinne im Netz.

Die Health AG trifft eine weitreichende Entscheidung: für eine eigene, webbasierte Praxissteuerung. Nur, wer die Technik im Griff hat, kann Neues in den Markt bringen. Die Hamburger rüsten auf. In gut 2 Jahren wächst die Zahl der Mitarbeiter von 120 auf rd. 270 Profis - davon allein 80 interne und externe IT-Experten, die das Factoring-Unternehmen zur Tech-Company erweitern. Die Idee: eine webbasierte Praxissteuerung als Plattform zusammen mit einer KI-basierten Rechnungsprüfung. Im Februar 2016 läuft den Hamburgern der Zufall übern Weg: Mit der Norderstedter 5-Mann IT-Firma Nubologic kaufen sich die EOS-Profis das Grundgerüst für die künftige Businessplattform.

Alles, was der Teufel wie das Weihwasser meidet.

Ein niedriger 2-stelliger Millionenbetrag fließt bis heute in die Entwicklung. 30 Zahnarztpraxen gehören zu den "First Movern" - testen die Zukunft des Praxismanagements im Livebetrieb. Jan Schellenberger führt mit "Hēa" alles ein, was die Mitglieder des VDDS meiden, wie der Teufel das Weihwasser: cloudbasierte Skalierbarkeit, offene Schnittstellen, Bezahlung nach Patienten, die wichtigsten Features inklusive. Dazu eine Aufklärungs-App für die Beratung und Dokumentation - ohne extra Kosten. Allein mit der Service-App verdienen klassische Softwareanbieter zwischen 600,- und 1.200,- € - im Monat. 5 Jahre gibt sich das Hamburger Unternehmen Zeit, mit der neuen Praxissoftware wirtschaftlich erfolgreich zu sein.  


Terminmanagement inkl.: Die Praxissteuerung Hēa
Foto: EOS / Health AG
Für Praxen ist der Sprung in die digital-vernetzte Welt durchaus leistbar: Je nach Anzahl der Behandler schlagen rd. 5.500,- bis 9.500,- € Startinvestitionen zu Buche. Die monatlichen Kosten für den Cloud-Service liegen bei rd. 400,- € (für 1 Arzt in der Praxis) bis zu rd. 1.000,- € (für 3 Ärzte). Dazu kommen rd. 100,- € für die digitale Rechnungsprüfung namens "Hēa Analytics". Mit 9.000 Abrechnungsregeln überprüft die künstliche Intelligenz der Kölner Cognotect GmbH angeschlossenen Zahnärzten ihre Zahnarztrechnungen - unabhängig von neuer Praxissoftware. Einen Schritt weiter hilft Hēa Ratio, korrekte Rechnungen zu erstellen - mit fremder oder neuer Praxissoftware aus Hamburg.

Eine richtige Rechnung für alle Patienten.

Was banal klingt, ist der Schmerz jeder Krankenversicherung: unkorrekte, unvollständige und sogar unwahre Zahnarztabrechnungen. Die Spannbreite reicht von nicht weitergebildeten Abrechnungs-Mitarbeiter*innen bis zu Zahnärzten, die sich einen "Extraschluck aus der Pulle" genehmigen. Genau an diesem Punkt wird das Engagement der Hamburger durchaus kniffelig: 2 Mio. Rechnungen kaufen sie im Jahr auf - und ahnen schon heute, was alles nicht sauber aufgeführt wurde. Mit einer selbstlernenden Intelligenz aus Köln könnten die "schwarze Schafe" in Sekundenschnelle auffliegen. 

"Mir geht es einzig darum, Augenhöhe zwischen allen Beteiligten herzustellen", sagt Schellenberger. Denn für ihn geht es um die richtige Rechnung im Interesse des Patienten - und die gleiche Rechnung für die gleiche Leistung für alle Patienten. Stellt sich die Frage, warum ein Factoring-Dienstleister 80 Mann in der IT beschäftigt, mehr als 10 Mio. Euro für eine neue Praxissoftware an die Hand nimmt und sich mit dem Branchenverband der Software-Anbieter anlegt? Beim Stichwort Daten und Auswertung wird dem interessierten Leser klar: Es geht nicht um eine Software und nicht nur um eine Rechungsprüfung. Es geht darum, wer in Zukunft mit Zahnärzten erfolgreich zusammenarbeiten wird.

Alexa, ich habe eine Teilkrone eingesetzt. 


Health AG-Workshop mit Zahnarzt-Mitarbeitern
Foto: Health AG
Wenn wir jetzt Amazon Alexa oder Google Home mit ins Spiel bringen, fängt die Geschichte an, spannend zu werden. Das Szenario: Die Zahnärztin am Berliner Hohenzollerndamm spricht direkt nach der Behandlung ihre Tätigkeiten in einen Assistenten. Dieser wertet anhand von Millionen vorliegender Beispiele die richtigen Abrechnungspunkte nach aktuell 9.000 Regeln aus. Ein Webservice erstellt automatisch eine garantiert richtige Rechnung - eine Rechnung, über die sich Krankenversicherungen, Zahnarztpraxen und Versicherte nicht mehr streiten. Und auf Wunsch geht die zur Ratenzahlung automatisch zum Factoring an den Hamburger Lübeckertordamm.

Mehr als 600 Partner arbeiten im Programm "Co-Evolution" bereits zusammen mit der Health AG an der Zukunft einer vernetzen, automatisierten und kundenorientierten Zahnarztpraxis. Im Partnerprogramm engagieren sich Zahnarztpraxen und Praxismitarbeiter, entwickeln 4 mal im Jahr in Kreativlabs Lösungen für die Praxis der Zukunft. Schwere Zeiten für Branchenverbände, die auf einer proprietären Schnittstelle sitzen und hoffen, dass es die nächsten 10 Jahre weiterhin gut geht. Die Vorstände der Health AG wollten vor 3 Jahren ihren Nachteil als traditioneller Finanzdienstleister in den Vorteil einer Technologiefirma wandeln. Könnte sein, dass sich der Wind gerade dreht.






 Hamburg Digital Background: 

Health AG - Webbasierte Praxisverwaltung "Hēa":
http://www.healthag.de/praxissteuerung/

Health AG - Intelligenter Rechnungsservice "Hēa Ratio":
https://www.healthag.de/abrechnung/hea-ratio/

Health AG - Partnerprogramm "Co-Evolution":
http://co-evolution.jetzt/

Cognotect - Künstliche Intelligenz für Geschäftsprozesse:
http://www.cognotekt.com/

Mutterkonzern EOS-Gruppe bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/EOS_Gruppe

Sonntag, 25. Februar 2018

HANSEVISION: Gut für die Haspa. Gut für Hamburg.

HAMBURG DIGITAL VISION

Am vergangenen Mittwoch lud die Hamburger Sparkasse zur Bilanzpressekonferenz in ihre frisch aufgemöbelte Zukunftsfiliale an die Osterstraße ein. Eine Woche zuvor hatte ich die Gelegenheit, die "Osterstraße 4.0" persönlich kennenzulernen und mir das Konzept der Nachbarschaftsfiliale in Eimsbüttel vorstellen zu lassen. Bei genauem Hinsehen kommt bei der Haspa jetzt zusammen, was zusammengehört, mit dem - hamburgisch bescheiden - persönlichsten Multikanalbanking aller Zeiten.

Vor einem Jahr gab Haspa-Chef Harald Vogelsang den größten, sichtbaren Teil der Veränderungen bei Deutschlands Sparkasse Nr. 1 auf Gut Witzhave bekannt, ließ eine Woche später mit der Integration von "Heute in Hamburg" in die Digitaltochter "Haspa Next" durchschimmern, wohin die Reise geht. 12 Monate später wird deutlich: hier baut sich ein 43 Mrd. € schwerer "Mega-Frachter" mit 130 "Filial-Containern", 5.000 Mann Besatzung und einer Handvoll "digitaler Schlepper" bei voller Fahrt gerade selbst um. Eine Hamburg Digital Vision:


AR-Brille statt Kaffeesatz: Immer wieder spannend.
Foto: Absolute Software
Voller Freude über eine exklusive Meldung verkündete das bekannt-dynamische Abendblatt am Donnerstag seinen treuen Abonnenten: 'Haspa-Berater verraten ihre Hobbies'. Was für die Kollegen eine Schlagzeile und der Aufmacher gleich in 2 Artikeln wert war, ist bei genauerem Hinsehen nur ein kleiner Baustein der größten deutschen Sparkasse auf dem Weg in die Zukunft: mit der Nachbarschaftsfiliale 4.0, dem digitalen Beraterfinder, der Nachbarschafts-App "Kiekmo", der jungen Freizeit-App "Aino", der Kundenbindungs-App "Joker" und der Digital-Tochter "Haspa Next" - schräg gegenüber der Abendblatt-Redaktion.

Nach einem spannenden Interview im Kontorhaus "Börsenburg", dem Live-Test der Kundenschließfächer an der Ottenser Landstraße, einem Hintergrundgespräch mit Haspa-Digitalchef Tobias Lücke, der Vor Ort-Recherche in der Nachbarschaftsfiliale an der Osterstraße und aktuellen Nachrichtenmeldungen zu "Aino", "Kiekmo" inkl. Lieferdienst sowie der "Filiale 4.0" beginne ich zu verstehen, warum Haspa-Chef Harald Vogelsang zufrieden lächelt, wenn er in dunkelblauen Chinos das versammelte Presse-Corps stolz durch seine neue Flaggschiff-Filiale führt. 

Die "Yomo"-App: Beerdigung 1. Klasse aus Hamburg

In 3 Jahren sieht die Haspa komplett anders aus, als heute: Dann werden auch Harald Vogelsangs Vorstandskollegen am Morgen der Bilanzpressekonferenz keine Tränen mehr in den Augen haben, zu ihren Anzügen keine Krawatte mehr tragen zu müssen. Schon heute geht man an der Osterstraße zum Lachen nicht mehr in den Keller, hat der Eimsbütteler Filialleiter Andreas Emme zusammen mit rd. 130 Leitungskollegen vor 1,5 Jahren mit Business Cashual den Schritt zum Banking auf Augenhöhe eingeleitet. Genau das setzt der Beraterfinder fort, wenn er Kunden die Chance gibt selbst zu entscheiden, mit wem man über sein Geld sprechen will. Begonnen hat das 2015 mit der Persönlichkeits-Offensive "Meine Bank heißt".

Und wo geht die "Next" Generation hin, um im Hamburger Wording von Acceleratoren, Corporate Startups und Medienkampagne zu bleiben? Mit FAZ, Handelsblatt und Manager Magazin bekam die Crème de la Crème des deutschen Qualitätsjournalismus in dieser Woche Schnappatmung bei der Meldung des "Finanz-Szene"-Blogs, die Haspa verschiebe den Launch des jungen "Yomo"-Kontos auf 2019 - auf die Zeit nach der Migration des Kernbanksystems. Der HANSETECHTEST von "Yomo" Anfang Dezember vergangenen Jahres zeigte bereits: Einen toten Gaul sollte man nicht um jeden Preis weiter reiten. Womit das Thema "Beerdigung 1. Klasse" für uns abgeschlossen ist.

"Aino" als Basis für das junge Haspa-Digitalmodell


Weiss, was er tut: Haspa-Chef Vogelsang.
Foto: HANSEVALLEY
Auch bei jungen Kunden ist die Haspa weiter, als es das Stochern der publizistischen Edelfedern im Heuhaufen vermuten lässt. Mit "Joker intro" und "Joker unicus" hat die Bank junge Konten, die zwar Geld kosten, mit gratis Handy-Versicherung, Rabatten auf Handyverträge und -reparaturen, Kino- und Konzerttickets, Café- und Restaurantbesuche sowie auf Stadträder sowie mit einer internationalen Studentenrabattkarte aber vieles haben, was man brauchen kann. Sollte die "S-Banking"-App aus der "Yomo"-Schmiede Starfinanz 2019 nicht mehr das Goldene vom Ei sein, könnten die Hamburger mit der Frankfurter Sparkasse kooperieren und die "1822 mobile"-App übernehmen. Nur so eine Idee.

Mit der Freizeit-Anwendung "Aino" baut die Haspa zudem ein mächtiges Tool für die Ansprache und Bindung junger Nutzer zwischen 18 und 30 Jahren auf. Mit 220.000 Facebook-Fans der "Heute in Hamburg"-Community, 150.000 Downloads und 50.000 aktiven Nutzern im Monat hat "Aino" in den vergangenen 9 Monaten eine starke Basis für ein neues Digitalgeschäft aufgebaut. Laut Haspa-Chef Harald Vogelsang soll der Service mit aktuell 40 Rabatt- und Serviceangeboten schon bald - hamburgisch bescheiden - kostendeckend arbeiten. Verknüpft man die jungen Mehrwert-Konten mit der jungen Freitzeit-App würde ein "Next Joker" entstehen ... können.

Junge Kunden bei "Next Haspa" + "Next Joker"

Der Blick auf die Seite der Innovationstochter und Digitalgarage "Haspa Next" zeigt, worauf man sich konzentriert: junge Zielgruppen, redaktionelle Inhalte, neue Geschäftsmodelle, attraktive Vermarktung, höchste Usibility und mobile Services auf Android und iOS. Alles, was "Yomo" leider nie hatte. Da "Haspa Next"- und Digital-Chef Tobias Lücke direkt an Harald Vogelsang berichtet - und dieser auch gern mal persönlich vorbeischaut -, ist die Gefahr gering, dass Bedenkenträger aus den Untiefen der 190 Jahre alten Sparkasse zu sehr dabei stören, den "Mega-Frachter" mit seinen digitalen Schleppern neu auszurichten.

Stellt sich die Frage, wie eine "Next Haspa" mit "Next Joker" aussehen könnte. Ich skizziere die neue Welt unter folgenden Premissen: 1. Die quietschbunte "Yomo"-Fast-schon-so-gut-wie-Banking-App ruht im Sparkassen Innovations-Hub in Hammerbrook in Frieden. 2. Die Berliner Startupbank "N26" kann die Haspa mit gut 1,4 Mio. Privatkunden in Hamburg und der Region leider nicht vom Sockel schubsen. 3. Hamburg kauft auch weiterhin in Hamburg, wie wir es gelernt haben. 4. Lebensmittel und Weinflaschen lassen trotz intensivster Bemühungen von "Haspa Next" leider noch nicht beamen. Aber Spaß beiseite.

Wertschöpfung 4.0: Finden, Kaufen & Bezahlen

Denkt im Traum nicht daran, N26 Kunden zu schenken.
Foto: HANSENVALLEY
Als "Next Haspa"-Kunde mit "Next Joker" bekomme ich über die Hamburger Community-App "Aino" einen "fetten Deal". Als Berliner "N26"-Kunde könnte ich über den Affiliate-Link beim Haspa-Geschäftspartner ein paar Prozente absahnen. Als "Next Haspa"-User wird das ganze richtig interessant: Über "Aino" bekomme ich einen "Next Joker" als Gutschein-Code oder buche das Ganze gleich in der App - inkl. Abbuchung vom Konto. Denn Zahlungsverkehr kann man ja am Adolphsplatz - ob mit "Paydirekt" oder einem beliebterereren Service .... Den Rest macht Versandpartner Hermes bis zur Haustür oder - weil günstiger - der lokale Händler direkt ins "Kiekmo"-Schließfach.

Schon freut sich ein glücklicher Haspa-Geschäftskunde einem glücklichen Haspa-Privatkunden per "Next Joker" Produkte zum Glücklichsein verkauft zu haben, promotet über die Marketing-Plattform "Aino", provisioniert über das junge Mehrwert-Programm "Next Joker", abgebucht über das pfiffige "Next Haspa"-Konto und abgerechnet über den Zahlungsverkehr der Hamburger Sparkasse. Das ist dann eine neue Wertschöpfungskette, mit Geschäfts- und Privatkunden als Plattformpartner, der Hamburger Sparkasse als vertrauensvollem Vermittler und einem lukrativen Geschäftsmodell - von Affiliate-Marketing bis zum Schließfach-Service. Gut für Hamburg - und die Haspa.

Next: Promotion, Provisionen, Plattformpartner

Angenommen, die Haspa baut ihre Marktposition mit "allem außer Banking" so aus, dann entstunde eine lokale Vermittlungs- und Vermarktungsplattform. Wie wahrscheinlich ist das? Nun: Jeder in Hamburg kennt die Haspa, die Meisten nutzen sie privat oder geschäftlich, sie ist auch 2018 mit knapp 130 Filialen weiterhin fast überall. Die Schließfächer werden nach Testlauf in den westlichen Bezirken jetzt in den östlichen Bezirken und an zentralen Punkten aufgestellt. Erste Haspa-Geschäftspartner testen bereits den Multikanal-Vertrieb von Gutscheinen bis Schließfachservice. Ok, und die Haspa-Strategie?

Die klassische Digitalstrategie nicht nur Hamburger Unternehmen umfasst im Kern drei Schritte: 1. Digitalisierung der Geschäftsprozesse: Mit "OSPlus" modernisiert die Haspa ihr Kernbanksystem und macht sich in den kommenden 1,5 Jahren zukunftsfähig. 2. Digitalisierung der Kundenbeziehung: Mit "Joker"-App, "Kiekmo"-App und junger "Aino"-App ist dieser Schritt aktuell in der Umsetzung. Kommen wir zu 3. Digitalisierung des Geschäfsmodells: Da Banking bereits digital ist, macht es Sinn, über alles nachzudenken, was rund um die Bank stattfindet. Und damit sind wir bei Promotion, Provisionen und Plattformpartner. Passt.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

HANSEBANKING: Osterstraße 4.0 - eine Bank für Menschen, und ihr Geld.
http://hh.hansevalley.de/2018/02/hansebanking-haspa-filiale40.html

HANSECITYLIFE: Haspa-Schließfächer für reisende Journalisten: Kiekmo - dat geiht!
http://hh.hansevalley.de/2018/01/hansecitylife-kiekmo-schliefacher.html

HANSETECHTEST: Der Sparkasse neue Kleider: die YOMO-App.
http://hh.hansevalley.de/2017/12/hansetechtest-yomo-haspa.html

HANSEFUTURE: AINO - ein "WeChat"-Bot, der Hamburg kann.
http://hh.hansevalley.de/2017/06/hansefuture-aino-app.html

HANSEPERSONALITY Dr. Harald Vogelsang: 
Digitale Agenda, Investitionen und Bildungsoffensive für Hamburg 4.0
http://hh.hansevalley.de/2017/03/hanspersonality-dr-harald-vogelsang.html

HANSESTARTUPS: "Next" Chance für "Heute in Hamburg".
http://hh.hansevalley.de/2017/03/hansestartups-haspa-heuteinhamburg.html