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Dienstag, 3. März 2020

HANSESTATEMENT: Die Hamburg-Box – Einmalige Innovation oder nur ein Etikettenschwindel?

HAMBURG DIGITAL STATEMENT
- von Landeskorrespondent Gerd Kotoll -
- 1.200+ Leser. Und Sie. -

Die Macher der Hamburg-Box bei der Premiere in Barmbek.
Foto: Hochbahn

Für eine Stahlbox mit rund 100 unterschiedlich großen Fächern im Packstation-Design war es ein größerer Auflauf am Montag-Mittag in der S-Bahn-Station Barmbek, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Landeskorrespondent Gerd Kotoll war live dabei - und achtete auf die Details hinter der Box.

Ohne Frage: Die Idee hinter der schlichten "Hamburg-Box" ist gut. Päckchen und Pakete, die ich online bestellt habe, kann ich quasi im Vorbeigehen abholen – solange mich mein Weg an eine der jetzt 15, später vielleicht einmal 50 Stationen vorbeiführt.

Faktisch ist Sie ohne Zweifel ein Gewinn für alle Beteiligten: Die Paketdienste haben weniger erfolglose Zustellungen und die Online-Kunden müssen nicht erst von zu Hause wieder los, um mit der Benachrichtigungskarte in der Hand im Paketshop am A. d. W. ihre Sendung abzuholen.

Eine Hamburger Paketstation ohne Amazon und DHL

Kannte man bislang vor allem die Paketstationen einzelner Anbieter, wie Amazon und DHL, kommt jetzt die neudeutsch "White Label" genannte Lösung: eine Box für alle Paketdienste.
Für alle? Äh, leider nein. Denn weder Amazon noch DHL sind bei der "Hamburg-Box" dabei. Das Fehlen des gelben Platzhirsches mit immer noch mehr als 50 % Marktanteil wurde deswegen von Box-Partner Hochbahn laut beklagt.

Vielleicht liegt das Fehlen von DHL (Amazon wurde irgendwie vergessen) aber auch daran, dass das schlichte Design der Box eben doch keine "White Label-Lösung" ist, wie behauptet. Denn der "Erfinder" der Box, das Hamburger Unternehmen ParcelLock, gehört zufällig den Paketdienstleistern DPD und Hermes.

Einmalige Innovation oder nur ein Etikettenschwindel?

"White Label" steht drauf, ist aber nicht drin? Hm?! Nun, wenn nicht drin ist, was drauf ist, dann nennt man das andernorts Etikettenschwindel. In Hamburg nennt man das - wie so oft - hingegen "einmalig". So oft, wie in Hamburg das Etikett "einmalig" aufgeklebt wird, kann einem davon geradezu schwindelig werden. 

Erst recht, wenn man die Erfahrung gemacht hat, dass es mit der "Einmaligkeit" nicht so einmalig weit her ist. So auch hier: Denn es gibt die ParcelLock-Box bereits, u. a. in Wuppertal. Ebenso wie vergleichbare Lösungen, teilweise sogar technisch deutlich anspruchsvoller. Pssst! Da war die Bahn auch schon mal Partner, z. B. am "Innovationsbahnhof" Berlin-Südkreuz zusammen mit EDEKA. 

Die "ganze Stadt im Blick" - außer Bergedorf und Harburg.

Ebenso oft wie "einmalig" wird die berühmte "letzte Meile“ (Meile? Ja klar! Die "letzten 1,6 km" klingt ja auch einfach irgendwie nicht so) ins Spiel gebracht. So auch hier. D
ie nicht mal 10 m breite "Hamburg-Box" als Überbrückung der "letzten Meile". Nur, wer genauer hinsieht erkennt, dass die letzte Meile höchst unterschiedlich lang sein kann.

Treue Leser kennen es schon von Moia, dessen "Geschäftsgebiet“ bestimmte Stadteile nicht abdeckt. Auch bei der "Hamburg-Box" hat man nicht die "ganze Stadt im Blick". Und genau deswegen ist die letzte Meile für Menschen aus Bergedorf oder Harburg viiieeel viiieeel länger, da in diesen Bezirken erstmal keine "Hamburg-Box" stehen wird.

Die "Hamburg-Box": Wieder nur ein Innenstadt-Ding?

Vor dem Hintergrund, dass im kommenden Jahr die Stadt Gastgeber des ITS Weltkongresses sein wird, sollte man aber erwarten können, das ITS genau den Impuls setzt, intelligente Lösungen für alle Menschen in Hamburg zu schaffen (vgl. Intelligente Transport Systeme).

Immerhin können sich Menschen im schleswig-holsteinischen Halstenbek oder Wedel über mehr Service freuen - solange sie nicht via Amazon oder DHL beliefert werden. Ansonsten sehen die Verantwortlichen das vielleicht mehr als so ein "Innenstadt-Ding". Und dass einige Bezirke einfach nicht urban genug sind. So, so.

Sorry, es hat gerade geklingelt. Ich muss zur Tür: Könnte der DHL-Bote sein ...

*  *  *

Donnerstag, 11. Juli 2019

HANSEBUSINESS: Paketzustellung: Fiege's Engel zeigen den Hermes Boten, wie's geht.

HAMBURG DIGITAL REPORT


Fiege schickt Engel in die Feierabend-Zustellung
Foto: Angel bringt's

Pakete, die nicht zugestellt werden. Paketfahrer, die ihre Touren nicht schaffen. Paketdienste, die Beschwerden mit Hinhalte-Hotlines und juristischer Keule abwimmeln. Die tägliche Praxis bei DHL, DPD, GLS, Hermes & Co. ist ein dauerhaftes Ärgernis. Weniger als 50% aller Pakete werden beim ersten Versuch erfolgreich dem Empfänger zugestellt. Selbst "Same Day Delivery" klappt bei der Berliner Hermes-Startuptochter Liefery nicht ohne schwerwiegende Probleme.

Ein E-Commerce-Logistiker und zwei ehemalige Hermes-Manager wollen das ändern. Im Digital Hub Logistics Hamburg arbeitet ein 7-köpfiges Team an der Zukunft der "letzten Meile" für Pakete. Was die "Hermes Boten" täglich nicht packen, wollen "Fiege's Engel" dafür rocken. Ein Hamburg Digital Report über Schmuddelkinder im E-Commerce, Paketsklaven und Zustellengel "Made in Hamburg":

Das Internet, unendliche Weiten: Der Onlinehändler Notebooksbilliger.de aus Saarstedt entpuppt sich bei der Lieferung als Schmuddelkind unter den Elektronikversendern. Der Hardliner der Kistenschieber (743 Mio. € Umsatz in 2017) verspricht kostenpflichtig "Same Day Delivery" - bricht dreist sein Versprechen. Auch die "Next Day Delivery" wird versemmelt. Erst am dritten Tag schafft es der "Beste Online-Shop" laut NTV überhaupt, zu liefern. Dabei wimmelt die Hermes-Tochter Liefery dreist jede Verantwortung ab. Ein dokumentierter Einzelfall, der kein Einzelfall ist. Aber mit jeder Menge schöner "Hygiene-Siegel" auf notebooksbilliger.de, die irgendwie gekauft wirken ...

Die Krönig des "Einkaufserlebnisses" in Saarstedt: ein abfällig agierender Geschäftsführer Oliver Hellmold. Zitat: "Ich lese Ihre Seite nicht, dann rege ich mich nicht auf. Und Sie kaufen nicht mehr online ein. Dann regen Sie sich nicht auf. Und finden vielleicht irgend etwas Anderes, wo Sie drüber schreiben können. Oder auch nicht. Wird ja an mir vorbei gehen." Gründer Arnd v. Wedemeyer tritt auf Facebook gleich nochmal nach: "Hatten bei notebooksbilliger.de auch Kontakt zu dieser Person. Er konstruiert offensichtlich Probleme, um Reichweite zu generieren." Wie war das gleich mit "Der Fisch stinkt immer vom Kopf her"?


Elektronik-Onlinehändler mit fragwürdigen Versandpraktiken.
Foto: RaBoe@Wikipedia, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Unhaltbare Versprechen + dreistes Brechen = 31,5 Mrd. € Amazon-Umsatz 

Arnd W. - Markenzeichen bei Facebook und Instagram: Bascap, Hipster-Vollbart, Goldkette -  bezeichnet sich als "Fitnessmodel" und "Influenza". Vielleicht ist das der Grund, warum er Probleme nicht löst, sondern pöbelt. die Methoden seiner Saarstedter Firma inkl. Hermes und Kuriertochter Liefery sind jedenfalls tägliche Praxis in Deutschland. Je nach Zustellgebiet versaut es der eine oder der andere Paketdienst. Zitat einer Amazon-Supporterin: "Da können sie alle in einen Sack stecken und draufhauen - und treffen keinen Falschen." Dagegen gewinnt Amazon den Krieg im E-Commerce durch Service - mit hochgerechnet 13,2 Mrd. € Eigenumsatz und 18,3 Mrd. Marktplatzerlösen - nur in Deutschland, nur in 2018. Zum Vergleich: Otto.de erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr 3,2 Mrd. €. 

Das Problem bleibt: Pakete, die nie ankommen. Sendungen, die in Paketshops abgeworfen werden - vor allem aber Zustellversuche, wenn niemand zu Hause ist, weil bei der Arbeit - um das sauer verdiente Geld anschließend bei Amazon, Otto, Zalando & Co. (und nicht bei Notebooksbilliger.de) wieder auszugeben. Doch die Servicewüste Deutschland wird langsam bewässert. Der Grevener Logistiker und E-Commerce-Spezialist Fiege hat in Hamburg "Angel bringt's" gegründet. Ok, kommt nach den "Hermes-Boten" mit "Fiege's Engeln" die nächste Enttäuschung in der Paketzustellung um die Ecke? Offensichtlich gibt es Versender, deren Patentrezept nicht prekär beschäftigte Paketsklaven sind.

"Wir wollen jetzt kundenorientiert sein", so die Paketdienste

Die Idee ist so einfach, wie logisch: 'Bringe mir das Paket, wenn ich da bin. Und gebe mir ein Zeitfenster von 2 Stunden, damit ich mich drauf einrichten kann. Und sage mir rechtzeitig Bescheid, wenn Du in den nächsten 30 Minuten um die Ecke kommst.' Klingt logisch. Für DHL, Hermes & Co. jedoch böhmische Dörfer. Die entscheidenden Fragen der lieben Konkurrenz dazu: 'Wer zahlt's denn?' Und: 'Wer soll's machen?' Genau diese Fragen hat "Angel" beantwortet: Eine "Premium-Zustellung" bringt stationären Händlern etwas, die a) hochwertige Güter glücklichen Kunden nach Hause bringen lassen wollen, b) Händlern, die im harten Wettbewerb wirklich einen Unterschied machen wollen und c) Kunden, die ihre Ware hier und jetzt bekommen wollen.

Hier werden nicht die überlasteten Zustellnetze inkl. buckelnder Paketfahrer mit weiteren Lastzügen an die Wand gefahren. Zitat eines lokalen DPD-Managers: "Wir sind bereits an der Wand und versuchen täglich, die Katastrophe abzuwenden." Dabei macht die Tochter der französischen Post gerade einmal 1 Mio. Pakete am Tag. Das Geheimnis liegt ein wenig verborgen: Hinter der "Angel"-eigenen IT-Plattform und den B2B-Apps für die Zustellung verbergen sich Zusteller von Zeitungsverlagen. Diese sind lediglich 4 Stunden am Tag damit ausgelastet, Hamburger Abendblatt & Co. von Blankenese bis Bergedorf zu bringen. Wie wäre es also, wenn Zeitungsfahrer am Abend Pakete zustellen? Gefragt, gesagt, getan.

Wenn Karstadt-Kaufhof versteht, dass online auch gut geht

Einer der ersten Partner ist der Warenhaus-Konzern Karstadt-Kaufhof. Wer auf der Mönckebergstraße in eines der beiden Kaufhäuser geht, kann sich ausgewählte Produkte in der "Same Day Delivery" für 5,- € extra nach Hause liefern lassen (allerdings eine, die funktioniert). Das geht neben Hamburg auch in Berlin und München sowie der Karstadt-Heimat Essen und in Mühlheim/Ruhr. Nicht genug: 150 Artikel können auch online am selben Abend auf dem Wohnzimmertisch liegen, darunter Bestseller und Werbeware, wie z. B. ein AEG Akku-Staubsauger oder ein Steiff Teddybär. Und weil Otto.de jetzt staunt und Notebooksbilliger.de raus ist, machen wir noch ein wenig weiter.

In Hamburg liefern "Fiege's Angel" u. a. für den Pharmaservice einer Apotheke Laborproben. Außerdem transportieren die fleißigen Engel rund um die Alster Pakete im "Same Day Delivery" für Zalando und in Berlin Frischfleisch für verwöhnte Vierbeiner. Und im Auftrag eines Online-Händlers können sich die Hauptstädter Liquids für E-Zigaretten auch nach Feierabend an die Wohnungstür bringen lassen. In 8 Städten inkl. 5 Karstadt-Kaufhof-Standorten können heute bereits Zeitungszusteller Kunden abends glücklich machen. Weitere 20 Städte sind in der Planung. Für das kommende Jahr arbeiten die "Angel" aus dem Logistik-Hub in der Speicherstadt am großen Roll-out. 

Erwartungsgewissheit + Nachhaltigkeit: "Angel bringt's"

Das Beste kommt jedoch erst (und jetzt müssen Saarstedter Notebook-Schieber mit Hipster-Nase ganz tapfer sein): Die Zustellquote von "Angel bringt's" liegt bei 99% erfolgreicher Paketübergabe an den Empfänger - beim ersten Mal. Was wie der 5-Jahr-Plan der DDR-Staatspost klingt, ist die logische Konsequenz aus a) fest vereinbartem Liefertag, b) fest vereinbartem Zeitfenster und c) konkretem 30 Minuten-Zustellfenster. Stellt sich die klitzekleine Gretchenfrage: Was ist umweltfreundlicher? Pakete, die teilweise mehrfach um den Block gefahren werden (was DPD bis zu 1 Woche schafft)? Kunden, die am Samstag mit dem schicken SUV mit Vollgas bei Postfiliale und Paketshop anrauschen? Oder Pakete, die beim 1. Versuch da hinkommen, wo sie hingehören?


Wenn's DHL, Hermes & Co. nicht packen, macht's Amazon halt selbst.
Foto: HANSEVALLEY - Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg 

Wenn Verbraucher sicher sein können, dass ihre bestellte Ware genau dann ankommt, wenn sie Zeit haben, wenn Verbraucher sicher sein können, dass ihre bestellte Ware so schnell ankommt, wie sie sie benötigen, dann sind Verbraucher auch bereit, ein paar Euro mehr zu bezahlen, um Zeit und Ärger zu sparen. "Prime Now" lässt grüßen. Alles andere endet in gebrochenen Lieferversprechen, gebrochenen Paketfahrern und gebrochenen Kundenbeziehungen - die Amazon gern jederzeit aufsammelt, um mit dem Wissen um gehaltene Versprechen und gelieferte Sicherheit die nächsten Milliarden zu verdienen. Vielleicht wäre das ja eine Idee für Hamburgs Handelsriesen, in der digital-vernetzten Zeit anzukommen, oder auch nicht ...


*  *  *

 Hamburg Digital Service: 

Homepage Angel bringt's: "Alles zu Deiner Zeit"
angelbringts.de/

DVZ: "Angel bringt's kooperiert mit Shipcloud"
dvz.de/rubriken/land/kep/detail/news/fiege-tochter-angel-kooperiert-mit-shipcloud.html

Digital Hub Logistics Hamburg
digitalhublogistics.hamburg/

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: Die Schmuddelkinder des E-Commerce: About You, Shoop & Co.
hansevalley.de/2018/08/hansetechtest-e-commerce-kundendienst.html

HANSEFAIL: Lässt Deutsche Post DHL Kunden für Profitmaximierung sterben?
hansevalley.de/2017/04/hansefail-lasst-deutsche-post-dhl.html

HANSEBUSINESS: "About Frust" - Einmal Online-Katastrophe und Retoure.
hansevalley.de/2017/01/hansehermes-about-frust.html

Sonntag, 2. April 2017

HANSEFAIL: Lässt Deutsche Post DHL Kunden für Profitmaximierung sterben?

HAMBURG DIGITAL NOTFALL

Aus aktuellem Anlass gibt es heute kein Hamburg Digital Interview. Stattdessen veröffentliche ich einen aktuellen Erlebnisbericht mit DHL Paket.

Thomas Keup, Chefredakteur

+++ DHL Paket lässt Zustelltermin für Medikamente platzen +++ Beschwerde wird ohne Dringlichkeit weitergegeben +++ Kundendienst-Mitarbeiter kennen Eskalationspläne nicht +++ Teamleitung weigert sich, Zustellung zu eskalieren +++ Pressesprecher wiegelt mit juristischer Keule ab +++ Deutsche Post DHL nimmt Lebensbedrohung wissentlich in Kauf +++ HANSEVALLEY warnt vor Medikamenten-Versand mit DHL Paket +++

Nach einer dreitägigen Geschäftsreise in die Niederlande erwartete ich am gestrigen Samstag eine fest vereinbarte Wunschzustellung durch DHL. Doch: Die Deutsche Post DHL schaffte es innerhalb weniger Wochen erneut, eine Sendung im Zustelldepot "zu vergessen", anstatt sie korrekt auszuliefern. Leider handelt es sich nicht um Turnschuhe oder Technik, die weder verderben noch auf den Tag genau zugestellt werden müssen. Die Brisanz:

In dem nicht zugestellten Paket befinden sich wichtige Medikamente.

Der telefonische Kundendienst von DHL Paket ist in der Situation offensichtlich genauso hilf- und machtlos, wie ich und jeder Leser von HANSEVALLEY. Die Servicemitarbeiterin Frau K. (vollständiger Name liegt der Redaktion vor) bestätigte mir, die selben Informationen zum Paket in ihrem System zu sehen, wie ich. Der Status: "Die Sendung wird bis zur Zustellung am Wunschtag gelagert" - siehe Screenshot:

Status im DHL-Portal paket.de auch am Tag nach geplanter Zustellung.
Screenshot: Thomas Keup

Ich versuchte der Call-Center-Agentin aus Bonn deutlich zu machen, dass ich in eine kritische Situation komme, die mich zwingt, womöglich ins Krankenhaus gehen zu müssen, sollte ich die Sendung nicht rechtzeitig bekommen. Die Supporterin versuchte zwar, mit ihrem Teamleiter eine Lösung zu finden. Unterm Strich vertröstete sie mich jedoch auf ein weiteres Telefonat nach 18.00 Uhr, da bis zu diesem Zeitpunkt zugestellt werde. Offensichtlich hatte sie dann Feierabend, frei nach der Devise "Nach mir die Sinnflut".

Beschwerdeaufnahme ohne ein Wort zu dringlichen Medikamenten.

Die Mitarbeiterin im 1st-Level-Kundendienst versicherte, keine weiteren Möglichkeiten zur Lösung des Problems zu haben. Ich bat sie, den Fall unverzüglich zu eskalieren und kündigte eine Vorstands-Beschwerde an. Alles, was sie mir anbot, war die schriftliche Aufnahme des Falles, die Weiterleitung an die zuständige Abteilung und die Prüfung des Problems. Wann dies geschieht, wusste sie nicht.

Wie sich in einem 2. Telefonat mit dem DHL-Kundendienst um 18.30 Uhr herausstellte, hatte die Supporterin aus dem 1. Telefonat die Medikamente und ihre Dringlichkeit mit keinem Wort in der Beschwerde erwähnt. Auf Nachfrage des 2. Supporters bei seinem Teamleiter lehnte dieser eine "Priorität-A"-Eskalation ab. Grund: Ich teile einem Paketversender nicht die Namen meiner Medikamente mit. DHL nimmt damit billigend in Kauf, dass ich durch die verschuldete Nicht-Belieferung in Gefahr gerate.

Wer sich auf DHL verlässt, ist verlassen.
Foto: Deutsche Post DHL
Auf Leben und Tod der Unwilligkeit von DHL Paket ausgeliefert.

Nach früheren Reklamationen habe ich die Telefon-Nr. und E-Mail-Adresse des 2. Level-Supports - auch "Vorstands-Support" genannt. Leider ist die Abteilung in Monheim nahe Leverkusen am Wochenende nicht besetzt. Die Mitarbeiter können Zustellbasen direkt kontakten und Lösungen beschleunigen. Der Telefon-Anschluss war am Samstag um 16.00 Uhr nicht erreichbar. 

Damit bin ich als Paketempfänger bei Deutsche Post DHL auf Leben und Tot der Unzuverlässigkeit oder Unwilligkeit der für mich zuständigen Zustellbasis mit überforderten, unmotivierten und schlecht bezahlten Zustellern ausgeliefert. In diesem konkreten Fall hat mich Deutsche Post am heutigen Samstag wissentlich in eine kritische Lage gebracht. 

Rechtsbelehrung statt umgehende Hilfestellung durch die Pressestelle.

Um das Problem doch noch lösen zu können, habe ich in der Konzern-Pressestelle in Bonn angerufen. Der Wochenend-Notdienst der DPDHL-Pressestelle, Jens-Uwe Hogarth aus der Pressestele Nord in Hamburg, teilte mir am Samstag um 16.30 Uhr mit, dass er keinerlei Zugriff auf Sendungen habe und sie nicht beschleunigen könne. Im Gegensatz zur Call-Center-Mitarbeiterin betonte er, dass ich um diese Zeit nicht mehr mit einer Zustellung rechnen könne.

Auf meinen Hinweis, wichtige Medikamente zu erwarten, hielt mir der für Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zuständige Sprecher ein Grundsatzreferat über meine Rechte, bzw., das ich keine Rechte habe. Er betonte, dass ich die Sendung zwar bezahlen würde, ich mich jedoch an meinen Online-Händler - hier die Luitpold-Apotheke in Bad Steben - wenden müsse. Der Händler sei Vertragspartner von DHL Paket. Damit würgte der Pressesprecher das Gespräch vorsätzlich ab.

DHL Paket nimmt offensichtlich lebensbedrohliche Gefährdung in Kauf.

Mit Ende der möglichen Zustellzeit am Samstag-Abend musste ich entmutigt feststellen: 
Deutsche Post DHL sind vereinbarte Wunschtermine zur Zustellung offensichtlich ziemlich gleichgültig. Der Kundendienst von DHL Paket hat entweder keinerlei Möglichkeiten, Probleme zu lösen oder weigert sich, diese einzusetzen. Der Vorstands-Support ist am Wochenende nicht besetzt. Und die Konzern-Pressestelle wiegelt mit der juristischen Keule jegliche Hilfestellung ab.

Fazit: Da ich am Montag-Früh auf Geschäftsreise bin, kann ich das für Samstag mit DHL vereinbarte Paket mit Medikamenten nicht entgegennehmen. Da ich die gesamte Woche für HANSEVALLEY unterwegs bin, ist eine Abholung in der nächsten Postbank-Filiale nicht möglich. Damit habe ich keine Chance, die Medizin - wie geplant und vereinbart - in Empfang zu nehmen. Damit komme ich in eine Situation, die DHL verantwortet.

Verantwortlich: Paket-Vorstand Jürgen Gerdes
Foto: Deutsche Post DHL
Nach dem aktuellen Erlebnis stelle ich fest: 

  • Deutsche Post DHL nimmt in Kauf, dass auf Grund der Zustellpolitik Kunden in bedrohliche Situationen kommen können. 
  • Es ist DPDHL offenbar wichtiger, Kosten zu reduzieren und die Qualität der "letzten Meile" in Frage zu stellen, anstatt eine zuverlässige Zustellung zu gewährleisten. 
  • Es handelt sich nicht um bedauerliche Einzelfälle, da sich unzuverlässige und geplatzte Zustellungen häufen.
  • Bei Kritik holen Presseverantwortliche die juristische Keule heraus, um Kritiker mundtot zu machen (siehe oben). 
  • Eine Lieferung lebenswichtiger Medikamente mit DHL kann im Krankenhaus enden - oder schlimmer.

Das Qualitätsmanagement der Deutschen Post DHL ist aus meiner Sicht nicht das Papier wert, auf dem es zertifiziert wurde. Kostenreduzierung und Gewinnmaximierung im Interesse der Aktionäre werden offenbar systematisch über Zuverlässigkeit und Qualitätsstandards gestellt. Der zuständige Paket- und E-Commerce-Vorstand Jürgen Gerdes bewegt sich auf einem schmalen Grad, der schnell in Fahrlässigkeit enden kann.

Dieser Fall wird an den Vorstand von Deutsche Post DHL als Vorstandsbeschwerde weitergeleitet. Er wird der Aufsichtsbehörde Bundesnetzagentur als offizielle Beschwerde mitgeteilt und dieser Beitrag geht Kollegen in verschiedenen Redaktion in Hamburg und Berlin zur Recherche und Berichterstattung zu.

 Weitergehende Informationen zum Thema: 

Erlebnis-Bericht zur mangelhaften Zustellqualität der Otto-Tochter Hermes: