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Donnerstag, 24. Oktober 2019

HANSEPERSONALITY Tobias Rothkegel: Online-Cookies - aus dem Esel wird kein Pferd.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Zuhören, analysieren, Lösungen finden: Spezialist Tobias Rothkegel.
Foto: Karsten Eichhorn, Hamburg
Kochbücher, Rücksäcke und Turnschuhe - sie verfolgen uns über Wetter-Portale, Nachrichten-Streams und TV-Programme hinweg. Schuld sind hinterlistige "Kekse", die sich als kleine Textprogramme auf unserem Browser einnisten - und mit Produkten nerven, die wir nicht haben wollen. Die 1,7 Mrd. € schwere Performance-Marketing-Industrie von Dmexco bis OMR spioniert uns aus bis aufs Unterhemd.

Hinter Cookies und penetranten Rücksäcken steckt eine Branche, die mit tausend Tricks und noch mehr Druck versucht, uns immer wieder zum Online-Shopping zu treiben. Doch jetzt schlägt das Gesetz zurück: Schluss mit erschlichenen Cookies, Schluss mit fadenscheinigen Begründungen. In der Hamburger Online-Marketing-Szene können schon mal die Koffer gepackt werden.

Der Hamburger Rechtsanwalt Tobias Rothkegel ist Experte für Datenschutz und Datennutzung sowie technologiezentrierte und datengetriebene Geschäftsmodelle. Er ist zu Hause in Technologien, Medien und in der Kommunikation - und unser Experte für "Cookies", die alles andere als lecker sind. Unser HANSEPERSONALITY ist Osborne Clarke-Anwalt Tobias Rothkegel:

Zum Auftakt eine ganz persönliche Frage an Dich als Online-User: Nerven Dich Rucksäcke und Turnschuhe, die Dich über diverse Internet-Seiten hinweg verfolgen? Und wie stehst Du zu Ad Blockern? Jetzt ist die Stunde der Wahrheit!


Entweder ich bin für diese Art von Marketing nicht empfänglich oder mittlerweile abgestumpft. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, jemals etwas gekauft bzw. bestellt zu haben, nur weil es mir im Rahmen eines Werbebanners oder ähnlichem vorgeschlagen worden ist. Grundsätzlich ist mir die signifikante Bedeutung von Werbung für die Wirtschaft sowie insbesondere für die Finanzierung von kostenfreien Inhalten im Internet durchaus bewusst. 

Status Quo: Nicht die nötige Transparenz für den Nutzer.

Gleichwohl nervt es unfassbar, wenn man gewisse Seiten vor lauter Bannern, Popups u. ä. gar nicht mehr besuchen bzw. die dortigen Inhalte nicht mehr rezipieren kann. Hinzu kommt der Umstand, dass auf zahlreichen Webseiten mehrere Analyse- und Tracking-Cookies eingesetzt werden und dabei oftmals nicht die nötige Transparenz für den Nutzer geschaffen wird. Insofern sind auch deren Interessen an einem möglichst ungestörten Surfen sowie an dem Schutz ihrer Privatsphäre zu berücksichtigen.

Online-Marketing-Cookie-Praxis: Die Geister, die ich rief ...

In den letzten Jahren ist diese Balance nach meinem Empfinden sehr zulasten der Nutzer gekippt. Der Erfolg von Ad Blockern sowie die gegenwärtige Rechtsprechung des EuGH, nicht nur im Hinblick auf die Voraussetzungen für Marketing-Cookies, sondern auch auf die gemeinsame Verantwortlichkeit von Webseitenbetreibern für die Einbindung von Social-Plugins, sind eine direkte Reaktion darauf. Die Geister, die ich rief, wenn Du so willst.

Es ist fast untergegangen: Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass die in Deutschland gängige Praxis zur Einbindung von Cookies nicht den europarechtlichen Vorgaben entspricht. Was heißt das für Webseitenbetreiber und E-Commerce-Anbieter?

Diese werden größtenteils ihre Cookie-Praktiken fundamental überdenken und überarbeiten müssen. Hintergrund der ganzen Debatte ist, dass der Einsatz von Cookies zu Werbezwecken in Deutschland bislang zulässig war bzw. streng genommen per Gesetz nach wie vor auch noch zulässig ist, solange der Nutzer dem nicht widerspricht. Die korrespondierende europarechtliche Vorgabe sieht jedoch seit 2009 vor, dass das Setzen von Cookies zu solchen Zwecken stets der Einwilligung der Nutzer bedarf.

Anerkannt unzureichende deutsche Widerspruchslösung.

Da es sich hierbei im Gegensatz etwa zur allbekannten DSGVO jedoch um eine Richtlinie handelt, müssen diese Vorgaben durch die Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt werden. So ergeben sich auch die von Land zu Land teilweise unterschiedlichen Regelungen sowie insbesondere die wohl allgemein anerkannt unzureichende deutsche Widerspruchslösung. 

Tracking-Cookies: Eine Einwilligung wird erforderlich sein.

Dies hat der EuGH nunmehr auch bestätigt und statuiert, dass für nicht „unbedingt erforderliche“ Cookies eine Einwilligung der Nutzer eingeholt werden muss. Der BGH muss nunmehr entscheiden, was dies für die bisherige deutsche Regelung bedeutet. Klar ist jedoch, dass die Widerspruchslösung so nicht bestehen bleiben und – wie auch immer im Endeffekt begründet – eine Einwilligung erforderlich sein wird.

Unzählige Tracking-Anbieter spionieren uns als Leser oder Online-Shopper systematisch aus. Wenn Europa mit dem Cookie-Urteil und der E-Privacy-Verordnung den Riegel endgültig vorschiebt: Ist das das Ende des Performance-Marketings, wie wir es bislang kennen?

Für die Online-Marketing-Welt ist das natürlich ein Paukenschlag. Auf der Hand liegt, dass die Conversion-Rate bei der Widerspruchslösung um ein Vielfaches höher ist, als wenn ich im Vorfeld von jedem Nutzer eine Einwilligung erfragen muss. Hierbei ist zu beachten, dass der EuGH auch bereits vorselektierte Ankreuzfelder als nicht hinreichend ansieht. Entsprechendes wird für kleine, leicht übersehbare Cookie-Banner gelten, bei denen durch Weitersurfen eine entsprechende Einwilligung konkludent erteilt werden soll. Das Ende des Performance-Marketings wird es nicht bedeuten.

Eine erhebliche Konsolidierung des Marktes zu erwarten.

Es ist jedoch zu erwarten, dass eine erhebliche Konsolidierung des Markts eintreten wird. Insofern werden Webseiten-Betreiber durch die neue Rechtsprechung – auch im Hinblick auf eine mögliche datenschutzrechtliche Mitverantwortung – gezwungen, sich viel bewusster mit den von ihnen eingesetzten Diensten und Tools zu befassen. Es entspricht eher der Regel, dass Webseitenbetreiber keine Ahnung davon haben, was mit den Daten ihrer Nutzer eigentlich passiert. Dabei haben sie oftmals nicht einmal Schuld daran, da viele solcher Dienste eine Blackbox darstellen. 

Zahlreiche Tracking-Anbieter werden es nicht überleben.

Mit diesem Scheuklappen-Denken werden sie jedoch in vielen Fällen so nicht mehr länger durch die Tür kommen. Dies wird einerseits dazu führen, dass Webseitenbetreiber genauer überlegen werden, welche Analyse-, Tracking- und Retargerting-Dienste sowie Tools sie auch wirklich benötigen. Anderseits werden die Anbieter solcher Dienste stärker die Karten auf den Tisch legen müssen. Dieses Umdenken werden zahlreiche Tracking-Anbieter nicht überleben.

Nun haben wir alle gelernt: Wo ein Urteil ist, bedarf es einer Auslegung. Wie könnten Cookies und damit verbundene Analyse-Tools hinten durch die kalte Küche doch noch zu unseren Nutzerdaten und unserem Surfverhalten kommen. Gibt es womöglich noch ein Schlupfloch?

Die durch das Urteil bestätigte Cookie-Regelungen sind schon äußerst streng. Gänzlich ohne Einwilligung wird es – jedenfalls legal – nicht mehr gehen. Aber Werbe-Cookies sind ja nicht per se tot. Es müssen nur neue, rechtskonforme Einwilligungsmechanismen gefunden werden. So ist zu beachten, dass weder das Gesetz noch der EuGH eine ausdrückliche Einwilligung voraussetzt. So verbleibt nach wie vor grundsätzlich Raum für konkludente, mithin durch schlüssiges Verhalten erteilte Einwilligungen. 

Werbe-Einwilligungen: Die Anbieter müssen kreativ werden.

Solch implizierte Einwilligungen müssen jedoch per Gesetz „unmissverständlich“ sein. Demnach müssen die Anbieter hier kreativ werden. Das Fenster für derartige Einholungsmechanismen ist infolge des Urteils jedoch erheblich kleiner geworden. Denkbar ist der Einsatz alternativer Technologien, die nicht unter die Cookie-Regelung fallen; wie auch immer diese aussehen mögen. Quatsch sind hingegen etwaige Versuche, die auf den Endgeräten der Nutzer abgelegten Dateien nicht als „Cookies“ sondern als „Token“, „Local Storage“ oder wie auch immer zu bezeichnen. 

Cookies, Token, Local Storage? Aus dem Esel wird kein Pferd.

Aus dem Esel wird kein Pferd, nur weil ich ihn als Pferd bezeichne. Auch wird abzuwarten sein, welche Cookie-Regelung die im nächsten oder übernächsten Jahr zu erwartende ePrivacy-Verordnung mit sich bringen wird. Ziemlich sicher ist zwar, dass es bei dem grundsätzlichen Einwilligungserfordernis bleiben wird. Gegenwärtig werden jedoch gewisse Ausnahmen diskutiert, wie etwa für werbefinanzierte Webseiten. Wir werden sehen, wie stark die Lobbyarbeit sich dann im Gesetzestext niederschlagen wird.


Nehmen wir an, der Wildwuchs mit unendlich gesammelten Daten über unser Surfverhalten hat ein Ende: Wie könnte die Vermarktung redaktioneller Inhalte von Online-Publishern und der Vertrieb von Produkten via Internet in Zukunft aussehen? Welche Alternativen siehst Du als Jurist?

Meines Erachtens ist eine entsprechende, zukünftige Ausnahme für werbefinanzierte Inhalte nicht unwahrscheinlich. Dies erscheint mir auch im Rekurs auf die eingangs angesprochenen Interessenausgleich zwischen Nutzern und Webseitenbetreibern als angemessene Lösung. Insofern muss beachtet werden, dass zahlreiche Webseiten ausschließlich über Werbung finanziert werden. Ich sehe auch nicht, dass sich dies in Zukunft ändern wird. So ist die Erwartungshaltung der Nutzer auch, die allermeisten Webseiteninhalte kostenfrei rezipieren zu können. 

Was es heute umsonst gibt, wird zukünftig auch nicht bezahlt.

So faszinierend ich etwa blockchain-gestützte Micro-Payment-Lösungen finde, glaube ich nicht, dass hierdurch das Konsumverhalten der Nutzer maßgeblich beeinflusst werden kann. Was es heute umsonst gibt, für das wird zukünftig auch nicht bezahlt werden. Daher gehe ich auch nicht davon aus, dass sich Abo-Modelle in der Breite durchsetzen werden. Für wahrscheinlich halte ich, dass Webseiten immer mehr zu „Cookie-Walls“ greifen werden. Wenn man den jeweiligen Dienst umsonst nutzen möchte, muss man eben Werbe-Cookies akzeptieren. Alternativ kann man für die Nutzung Betrag X bezahlen. 

Kein Zwang, einen Dienst umsonst und werbefrei anzubieten.

Inwieweit ein solches Vorgehen datenschutzrechtlich zulässig ist, ist bislang wenig ergründet. Maßgebliche Fragestellung ist hierbei, ob eine so erteilte Einwilligung als freiwillig angesehen werden kann. Ich erachte dies als durchaus vertretbar, da vor dem Hintergrund der neben dem informationellen Selbstbestimmungsrecht ebenfalls grundrechtlich geschützten unternehmerischen Freiheit niemand gezwungen werden kann, einen Dienst umsonst und werbefrei anzubieten.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Du arbeitest in Hamburg als Rechtsanwalt mit Technologie-Themen, wie Datenschutz und Datennutzung, E-Commerce, aber auch der Blockchain. Hand aufs Herz: Was läuft bei uns in Sachen Technologien und deren Förderung richtig gut? Und wo könnte man noch eine Schüppe zulegen?


Da ich besonderes Interesse an der Blockchain-Technologie habe und darin massives Transformationspotential sehe, freut es mich sehr, dass in Hamburg gerade im vergangenen Jahr deutlich mehr „Buzz“ um das Thema entstanden ist. Die Blockchance-Konferenz ist hier ein super Beispiel für diese Entwicklung. So wird auch immer mehr internationales Tech-Publikum auf Hamburg aufmerksam. Super ist auch, dass immer mehr Rückendeckung seitens offizieller Einrichtungen, wie der Bürgerschaft, der Handelskammer, der Senatskanzlei u. a. kommt. 

Rückendeckung für Technologie: Die Politik muss am Ball bleiben.

Hamburg war sehr lange – jedenfalls in der öffentlichen Wahrnehmung – von der Verlags- und Online-Marketing-Branche dominiert. Daher begrüße ich diese Entwicklung sehr. Die Politik muss jetzt jedoch am Ball bleiben. Auch entwickeln immer mehr mit hinreichendem Kapital ausgestattete Hamburger Traditionsunternehmen langsam Interesse an neuen Technologien, sei es Blockchain, AI oder IoT im Zusammenhang mit der Digitalisierung ihrer Geschäftsmodelle. Hier sehe ich auch einen klaren Standortvorteil im Vergleich etwa zu Berlin. Gleichwohl ist dies nur ein Anfang. 

Für Hamburg halte ich es für besonders zielführend, stärker darauf zu setzen, den hier ansässigen Unternehmen das Potential all dieser neuen Technologien für die Transformation ihres jeweiliges Geschäftsmodell vor Augen zu führen.

Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Urteil des Europäischen Gerichtshofes zur Cookie-Richtlinie und die Folgen (EN):

Rechtsanwalt Dr. Tobias Rothkegel bei Osborne Clarke Hamburg:

Kommentar zu Cookies und Targeting im Online-Marketing auf Adzine:

*  *  *

Dienstag, 14. Mai 2019

HANSETECHTEST: MOIA - Versuchskaninchen für Bananen-Software.

HAMBURG DIGITAL TECHTEST
2.100+ Leser. Und Sie.

"Moia" Pressetermin am 15. April '19 in der Hafencity.
Foto: "Moia"


* Update 17.05.19* Es riecht nach dem Skandal des Jahres: Der VW-Tochter "Moia" sollen von ehemaligen Entwicklern die Algorithmen für die Betriebssoftware des Sammel-Fahrdienstes geklaut worden sein. Folge: Eine Hamburger Software-Firma musste offenbar im Tiefflug eine Ersatzplattform zusammenschrauben. Wenn sich die Informationen erhärten, hat "Moia" Mitte April d. J. vor laufenden Kameras den Start einer wohl nicht funktionierenden Mobilitätsplattform verkündet.

HANSEVALLEY testete 2 und 4 Wochen nach dem offiziellen Start den Sammel-Fahrdienst von Barmbek an die Binnenalster, vom Hauptbahnhof nach Ottensen und von St. Pauli zur Messe - mit z. T. katastrophalen Ergebnissen. Ohne Anmeldung und außerhalb der Spitzenzeiten wollten wir wissen: Hält der hochgejubelte Taxiersatz, was Volkswagen-Konzern, Wirtschaftsbehörde und Hochbahn-Vorstand vollmundig versprechen? Ein Hamburg Digital Techtest ohne rosarote Brille:

Donnerstag-Morgen, halb Zehn in Hamburg. Die Aufgabe ist einfach: eine rd. 5,5 km lange Strecke von der Hamburger Straße zum Neuen Jungfernstieg. Eine gute Gelegenheit, den Versprechungen von VW und seiner gehippsterten Mobilitäts-Tochter "Moia" auf den Zahn zu fühlen. Die App ist installiert, Kreditkarten hinterlegt, der Spaß kann losgehen - theoretisch. Denn für die bestellte Fahrt ist weder sofort noch innerhalb von 5 Minuten ein Wagen verfügbar, in Barmbek-Süd, nicht etwa am Airport - außerhalb des Berufsverkehrs und versprochenen 100+ Shuttle-Fahrzeugen auf der Straße.


Angeblich über 100 "Moia"-Shuttles
und 10.000 virtuelle Haltestellen in Hamburg.
Foto: "Moia"

100.000 Fahrten will "Moia" laut PR bislang bedient haben und obendrauf viele Fahrten haben absagen müssen. Zugleich jammert die VW-Tochter über Leerfahrten. Wie beim Magazin "Fink" geschildert, erleben auch wir leere "Moias" auf der Straße und Testfahrten ohne Zwischenstopps - mitten am Tag, mitten in der Stadt. HANSEVALLEY erfährt: Statt der versprochenen gut 100 "Moias" sind aktuell gerade einmal rd. 70 Kleinbusse auf der Straße. Grund: Der Fahrdienst findet einfach keine Fahrer. Statt gesuchter 500 Kutscher können bei "Moia" nur gut 200 unter Vertrag stehen, bei rd. 3 Fahrern pro Fahrzeug.

"Moia": Eine Software, die sabbelt was sie halt will ...

Damit ist klar, warum "Moia" so lange braucht: Es dauert 14 Minuten, bis der so coole Fahrdienst beim ersten Test einen Wagen um die halbe Außenalster aus Eppendorf an den Start bekommt. Und dann zeigt sich, dass VW und Software zwei Dinge sind, die seit der Diesel-Tricksereien nicht zusammenpassen: Die von einer Hamburger Softwarefirma mitentwickelte IT-Plattform zeigt 14 Minuten Fußweg zur virtuellen Haltestelle Wohldorfer Straße 1 an. Komisch, denn genau vor jener Haustür stehe ich bereits bei der Bestellung. 

Screenshot der "Moia"-App vor dem Start.
Foto: HANSEVALLEY
Auch im direkten Vergleich mit dem konkurrierenden Sammel-Fahrdienst "Clever Shuttle" der Deutschen Bahn schwächelt "Moia" bereits bei der Standort-Erkennung während der Buchung. Bei der VW-Tochter muss man die Start-Adresse für eine Fahrt manuell eingeben. Beim Bahn-Venture aus Berlin reicht das Handy mit seinem GPS - mit exakter Adresserkennung. Dies ist bei einem Haustür-Service entscheidend. Die "Moia"-Informatiker im Hamburger "WeWork" am Axel-Springer-Platz sehen dafür wohl eher keine Notwendigkeit.

"Moia": Wenn die App Dir sagt, Du willst doch woanders hin ...

Und damit geht der Streß erst los: Denn die Wahl der Mastercard wird bei unserer ersten Fahrt erst gar nicht akzeptiert, trotz freigeschalteter und gedeckter Kreditkarte - im 4. Monat nach Beginn der Testphase in Hamburg. Natürlich können auch die Softwareentwickler mal einen schlechten Tag haben. Oder Volkswagen hat an der falschen Stelle gespart. Was mir in der Fahrgast-Version der App auffällt, ist auch für den Fahrer merkwürdig. Ist hier etwa nur eine 60%-Lösung am Werk?

Was beim Start nicht funktioniert, funktioniert am Ziel erst Recht nicht: Statt uns wie gewünscht zur Hausnr. 14 zu fahren, behauptet die App bei unserer 2. Testfahrt Stein und Bein, dass wir unbedingt zur Hausnr. 140 wollen sollen müssen - und speichert dies gegen unseren Wunsch als unfreiwilliges Ziel ab. Dies hat nichts mit einer virtuellen Haltestelle zu tun, denn die ist gar nicht in der Straße. Hier müssen Fahrgäste aufpassen, nicht zum "A.sch der Heide" gebracht zu werden, weil eine Software mit schweren Bugs meint, dies über den Kopf der Kunden hinweg entscheiden zu dürfen.


"Moia"-CEO Robert Henrich nimmt es mit der Qualität
seines Dienstes nicht immer so ganz genau.
Foto: HANSEVALLEY


Bei unserer zweiten Testfahrt erfahren wir noch mehr Interessantes: Zeigt die eingebaute Serviceanzeige mit Streckenansicht und zusteigenden Passagieren einen "Blue Screen" an, muss der Fahrer den ganzen Wagen ausschalten und neu starten. Wir sprechen von einem Monitor mit Streckenanzeige - allerdings auch von Volkswagen und Software ... Irgendwie erinnert das an ICE-Wagons mit kaputten Displays - nur das uns dort eine Steinzeitversion von DOS und Windows entgegen winken.

Wer mit "Moia" fährt, kann was erleben -
nur kein versprochenes Internet ...
Screenshot: HANSEVALLEY
Wir machen uns mit "Vehicle-Hamburg-101", "Vehicle-Hamburg-86" und "Vehicle-Hamburg-50" aka "E-Crafter" aus dem Osnabrücker VW-Werk auf den Weg zu unseren Terminen - ins Fairmont Hotel Vier Jahreszeiten, zum Stadtmagazin "Szene" und zur OMR in die Messehallen. Im netten Plausch erfahre ich von den äußerst umsichtigen Fahrern, dass sowohl Singles als auch ganze Familien den Sammelfahrdienst nutzen. Besonders stolz ist der seit März engagierte Fahrer unseres ersten Tests auf die Services an Board, wie die USB-Steckdosen und das freie WLAN. Und dann schnappt die Techtest-Falle wieder zu ...


"Moia": Wehe dem, Du brauchst dringend mal Internet ...


Während der 27-minütigen Premierenfahrt lässt sich das aktuelle iPhone nicht in das mobile Internet des Fahrzeugs einbuchen. Auf die Frage, ob der Fahrer den mobilen Internet-Router nicht erneut starten könne, damit sich die SIM-Karte neu ins Netz einbucht, erhalte ich eine Konzernantwort: Er gebe das Problem gern weiter, könne selbst aber nichts daran ändern. Das heißt im Klartext: Für alle Fahrten in "Moia 101" gibt es an diesem Tag kein funktionierendes Internet. Beim zweiten und dritten Test bucht das Smartphone sofort in den Router ein - im Prinzip also schnell verfügbares Web, im Prinzip ...

Mit großem Interesse beobachte ich die Fahrer unserer Tests, wie sie auf der App ihrer Android-Tablets immer wieder die Route checken. Eine kleine Recherche bei "Fink" fördert zu Tage: Die Fahrer folgen willfährig der App, komme was wolle. Fahrgäste berichten über Twitter, mit großen Umwegen durch die Stadt chauffiert worden zu sein - ohne Mitfahrer. Offensichtlich versucht Volkswagen sämtliche Logik - und damit Flexibilität - von den Fahrern auf die Software zu verlagern. Was dabei rauskommt, erleben wir täglich bei unflexiblen Paketfahrern von DHL und DPD über GLS bis Hermes. Der Grund dafür wird ein  wenig später deutlich.



"Moia" unterwegs im hippen Szene-Viertel?
Foto: "Moia"

"Moia": Wenn Du Pech hast, wartest Du 30 Minuten im Regen ...

Die Tatsache blind gehorchender Fahrer bricht uns beim dritten Test fast das Genick: 20 Minuten sollte die grenzwertige Wartezeit sein, fast 30 Minuten wurden es im Nieselregen, denn der Fahrer wurde einmal die Hafenstraße runter und die Reeperbahn wieder raufgeschickt - ohne Fahrgast, ohne Sinn und Verstand. Dabei schummelte sich die App mit der Verspätung mehrmals um die Wahrheit. Der Fahrer konnte und durfte nichts tun, denn er muss blind der App folgen - notfalls auch ins Nirvana. Drei - in Worten: drei - verfügbare "Clever Shuttle" fuhren direkt an unserer virtuellen "Moia"-Haltestelle vorbei.

Besser Du läufst, als auf "Moia" zu warten.
Screenshot: HANSEVALLEY
"Moia": Für 15 Minuten Fußweg sinnfrei um den Block kutschiert ...

Für eine 1,1 km lange Strecke von St. Pauli zur Messe hätten wir zu Fuß 14 Minuten gebraucht, mit Bus und Fußweg laut Google Maps und Echtzeit-Verbindungen des HVV 13 Minuten. Es wurden unfassbare 42 Minuten inkl. 30 Minuten Warten im Regen - und einer weiteren Fahrt im Kreis. Nach diesem Erlebnis kommen wir zu dem Ergebnis: Die eingesetzte Software fällt leider unter die Kategorie "Schrott". Der Fahrdienst ist damit ohne Wenn und Aber unzuverlässig. Dies bestätigen uns Netzwerkpartner auf der OMR mit ihren Erlebnissen. Vertrauen gebrochen. 

Nun kann ein kleines Online-Magazin um der Aufmerksamkeit willen kräftige Worte wählen, um Missstände aufzudecken. Doch auch das große "Hamburger Abendblatt" musste bei einem Test vom U-Bhf. Wandsbek Markt zur Elbphilharmonie genau das gleiche Chaos erleben: Wie die Online-Grafik zeigt, brauchte "Moia" geschlagene 58 Minuten - mit 14 Minuten Wartezeit. Die U-Bahn fuhr mit Umsteigen in 31 Minuten an "Moia" vorbei und das Taxi schaffte es dank intelligenter Entscheidung des Fahrers über die Route in lockeren 25 Minuten. Wir bleiben dabei: Das Bereitstellen und das Routing der goldfarbenen Kleinbusse ist eine Katastrophe.

"Moia" & Co. testen App-Fahrdienste für autonome Services

Ein Blick hinter die Kulissen bringt zum Vorschein: Alle "Ridesharing"-Dienste fahren aktuell im Testmodus, ohne wirtschaftlich zu sein. Und die "Moia"-Presseverantwortlichen jammern gern eine Runde extra deswegen im "Abendblatt". "Berlkönig" von Daimler, "Clever Shuttle" der Deutschen Bahn und "Moia" von Volkswagen hoffen auf das autonome Fahren - und fahren deshalb auf festen Routen. Nur autonom können die taxiähnlichen Dienste jemals kostendeckend werden. Bei "Moia" sind die Fahrer fest angestellt, haben geregelte Schichten und die Wagen fahren im Drei-Schicht-Betrieb. Das kostet Personal - und ist neben unausgereifter Software der entscheidende Grund für die Unwirtschaftlichkeit.


Englische Elektro-Großraumtaxen von Volvo in Hamburg als
Zubringerdienst in Osdorf und Lurup erfolgreich.
Foto: HANSEVALLEY

Lediglich "Ioki" in Osdorf und Lurup fährt als Sammeldienst mit englischen Volvo-Großraumtaxen schon heute in die Erfolgszone - zwischen S-Bahnhöfen und Wohnquartieren, eingebunden in den HVV-Nahverkehr und mit Unterstützung der im Westen Hamburgs zuständigen VHH-Busbetriebe. Um die Kosten zu decken, hat "Ioki" neben dem regulären HVV-Fahrpreis eine Servicepauschale eingeführt. Das wird dem Erfolg keinen Abbruch bescheren, denn mit den britischen Taxen können Kinderwagen ebenso zur Bahn kommen, wie Rollstuhlfahrer. Ein sinnvoller Service, der gern genutzt wird, wie die Tabelle zeigt.


Fakten des Mobilitätsberaters Christian Mehlert von KCW aus Berlin:
Nur "Ioki"
verkehrt zum HVV-Tarif plus Servicepauschale - 
und deshalb erfolgreich. Grafik: Christian Mehlert, KCW

"Moia": Konzerndenke fernab digitaler Kunden-Services ...

Für Fahrgäste ist der von uns in der Hamburger City getestete "Ridesharing"-Dienst "Moia" ein nicht empfehlenswertes Angebot - sondern ein Testballon mit Fahrgästen als unfreiwillige Versuchskaninchen, die nicht einmal darüber aufgeklärt werden. Da tröstet das bunt flackernde Werbedisplay hinter der Fahrerkanzel nicht drüber hinweg, wenn es funktioniert. Ja, es ist eine komfortable Fahrt in bequemen Einzelsesseln. Das "Moia +6" genannte Elektroshuttle bietet deutlich höheren Komfort, als abgeranzte Taxen mit unfähigen oder illegalen Droschkenkutschern. 

Eine gelungene Fahrt endet bei "Moia" leider nicht mit einer individuellen Möglichkeit zur Bewertung von Fahrt und Fahrer über Sternchen, wie bei "Mytaxi" - sondern mit dem Ausquetschen von Trinkgeld und einer magern Auswahl zwischen sehr guter und schlechter Fahrt. Offensichtlich wissen die Verantwortlichen in Berlin, Hannover und Hamburg, dass sie Fahrgäste als Versuchskanickel für eine "Bananen-Software" (reift beim Kunden...) um den Block schicken. Lediglich die automatische Abrechnung im Hintergrund ohne extra Freigabe per Swipe gefällt im Alltagseinsatz. 

Sammel-Shuttle sind kein Ersatz für fehlende Busse und Bahnen.
Grafik: Christian Mehlert, KCW

Bleibt die Frage, ob Sammel-Mietwagen überhaupt Sinn machen, in Metropolregionen mit gut ausgebauten Bus- und Bahnverbindungen in den Innenstädten. Die Antwort lautet: "Nein, aber.." Wie der Berliner Mobilitäts-Experte Christian Mehlert auf einer Diskussion der DVWG in Hamburg klarmacht, bringen die Shuttles nur etwas in den Außenbezirken (siehe "Ioki"), spät Abends und an Wochenenden - also immer dann, wenn es dünn wird mit Bussen und Bahnen. Genau dort will und wird sich "Moia" aber nie tummeln - wie die Karte mit heutigem und künftigen "Bediengebiet" zeigt:





Volkswagen geht - ebenso wie Daimler und die Deutsche Bahn - in den Innenstädten in direkte Konkurrenz zu Bussen, Bahnen und Taxen. Unter der Headline "App-Fahrdienste: ÖPNV-Ersatz für Faule?!" bringt Experte Christian Mehlert auf den Punkt: 50% der Nutzer kommen vom ÖPNV, weitere 43% von Taxen und Mietwagen a la "Uber". Das fand die Transportbehörde von New York schon 2017 in einer Umfrage und im Vergleich von Car Sharing- und App-Fahrdiensten heraus. Entweder hat die städtische Hamburger Hochbahn nicht genau hingeschaut, oder sie folgt blindlings politischen Entscheidungen...


App-Fahrdienste stehlen Bussen, Bahnen und Taxen das Geschäft.
Studie "Citywide Mobility Services", New York, August 2017.
Grafik: Christian Mehlert, KCW

Seit dieser Woche ist der Service nicht nur unschön, jetzt ist er auch noch deutlich teurer. Schluss mit dem Anfix-Angebot, sich für 5,- € durch die halbe Stadt kutschieren zu lassen. Jetzt richtet sich der Fahrpreis nach Strecke, Wochentag und Uhrzeit. Damit wird es nicht nur ärgerlich, vom hochgejazzten Fahrdienst im Regen stehen gelassen zu werden, sondern auch noch teuer. Schon heute scheinen die rd. 50 "Clever Shuttles" der Bahn immer wieder schneller vor Ort zu sein - mit individueller Abholung vor der Haustür und einer Software-Plattform, die nicht die Kinderkrankheiten von "Moia" besitzt, wie wir getestet haben.

An dieser Stelle bleibt ein übler Beigeschmack, dass Volkswagen im Schulterschluss mit der Hamburger Wirtschaftsbehörde ihre 1.000 geplanten Shuttles offensichtlich um jeden Preis in den Testmarkt Hamburg drücken will, um gegen BMW und Daimler, Deutscher Bahn, Uber & Co. in Berlin und anderen Großstädten bei neuen Fahrdiensten nicht die rote Laterne in die Hand gedrückt zu bekommen. Schließlich bietet auch "Mytaxi" Sammelfahrten zum günstigen Festpreis an und kündigt für die Zukunft weitere, eigene Dienste an. 


In Berlin verboten, in Hamburg gefeiert: "Moia"-Shuttledienst.
Foto: "Moia"

Der Hamburg Digital Techtest zeigt: "Moia" hat seine Betriebssoftware nicht im Griff. Eine Erfahrung, die unsere Fahrer bestätigen - trotz unangenehmer Selbstbeweihräucherung der PR im "Moia"-Blog. Obendrauf: Die einfache Übung mobilen Internets scheint für die VW-Tochter ein nicht immer überwindbares Hindernis zu sein. Ob bei 70 tatsächlich fahrenden oder maximal 200 genehmigten Bussen auf Hamburgs Straßen. 


"Moia"-Chefs (außen) mit Hochbahn-Vorstand Falk
 und Verkehrssenator Michael Westhagemann (2.v.r.).
Foto: Twitter @bwvi_hh

Es bleibt Ernüchterung, denn das, was "Moia" mit rd. 100 Mio. € VW-Kapital, massiven Werbekampagnen und herbeigeredeten Vorschusslorbeeren an Alster und Elbe abliefert, ist kein bisschen besser, als "Berlkönig" von Daimler und den Berliner Verkehrsbetrieben oder der bundesweite "Clever Shuttle" der Deutschen Bahn. Der Hamburger Wirtschaftssenator sollte vielleicht ein wenig vorsichtiger sein, wessen Loblieb er ungeprüft nachsingt.

HANSETECHEST "Moia" in Hamburg:

Illustration: "Moia"

Gesamturteil: MANGELHAFT.
Vorsicht: Fahrgäste sind Versuchskaninchen!


Hinweis der Redaktion:
* Update *

Wir haben die Presseverantwortlichen von "Moia" mit den Missständen konfrontiert. Sie hatten vorab die Möglichkeit, den Beitrag zu lesen und Stellung zu beziehen. Wir sind bereit gewesen, ihre Position mit zu veröffentlichen. Ergebnis: "Moia" spielt toter Käfer. Kein Wort des Bedauerns, kein Wort der Entschuldigung gegenüber seinen Kunden. 

Wir können dies bei aller Abwegung nur als Versuch des Verschweigens und Vertuschens werten. Offensichtlich hat bei "Moia" das große Stühlerücken begonnen. So sollen wesentliche Teile des Teams am Axel-Springer-Platz ausgetauscht werden, berichten Informanten. Kein Wunder, dass die VW-Tochter auf Tauchstation geht. Mal schauen, wann Schluss ist mit dem millionenschweren Versagen ...

"Gefährdet der Anbieter Hamburgs Busse und Bahnen? Rot-Grün wittert eine gesetzliche Bevorzugung. Moia aber kritisiert die Taxi-Lobby" (Paid)
abendblatt.de/hamburg/article225966345/Moia-Busse-Bahnen-OePNV-HVV-Buergerschaft-Antrag-SPD-Gruene-Fahrdienste-Taxi-Debatte.html

"Bringen Moia und Co. mehr Verkehr in die Stadt?" (Paid)
abendblatt.de/wirtschaft/article225896473/Warum-Moia-und-Co-doch-nicht-die-Loesung-sind.html

"Moia, Taxi, U-Bahn: Wer ist zuerst bei der Elbphilharmonie?" (Paid)
abendblatt.de/hamburg/article217240767/Moia-Taxi-U-Bahn-Wer-ist-zuerst-bei-der-Elbphilharmonie.html

 Hamburg Digital Background: 

HANSETECHTEST: Die Schmuddelkinder des E-Commerce - About You, Shoop & Co.

HANSETECHTEST: Die Freenet Hotspot-App - kost' fast gar nix - bringt auch nix! 

Sonntag, 1. Juli 2018

HANSEMEDIA: Exklusiver Rundgang durch die Zentrale von Google in Hamburg

HAMBURG DIGITAL MEDIA

Zu Gast bei Google an der ABC-Straße in der Neustadt
Foto: HANSEVALLEY

Oktober 2001: Der amerikanische Suchmaschinen-Anbieter eröffnet in einem unscheinbaren Bürogebäude an der ABC-Straße in der Neustadt seine deutsche Hauptverwaltung. 13 Mitarbeiter gehören zum Gründungsteam des amerikanischen Technologieanbieters aus Mountain View. 

Mai 2007: Google Germany stellt der Öffentlichkeit seine erweiterten und modernisierten Büros im ABC-Bogen unweit des Gänsemarkts vor. Auf 5 Etagen arbeiten mittlerweile 300 Mitarbeiter für den Technologiekonzern. In Hamburg wird das Deutschlandgeschäft für Google und YouTube gesteuert.

Google kümmert sich in Hamburg um zentrale Aufgaben für Deutschland, wie den Branchenvertrieb der Werbeprodukte, das Marketing für Hardware-, Software- und Servicemarken sowie zusammen mit einer Hamburger Agentur die Kommunikation mit Medien und Partnern.

März 2018: Der Tech-Riese eröffnet an seinem über 9 Stockwerke ausgebauten Deutschlandsitz in der Freien und Hansestadt den zweiten dauerhaften Standort der firmeneigenen Bildungseinrichtung - die Google Zukunftswerkstatt. Mehr als 500 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile bei Google in Hamburg.

HANSEVALLEY hatte die Chance, zusammen mit weiteren Redaktionen die Zentrale an der ABC-Straße hinter den Kulissen kennenzulernen. Mit diesem Fotoalbum bietet das Hamburg Digital Magazin einen aktuellen Einblick in die bunte Arbeitswelt an der ABC-Straße 19. Viel Spaß beim Entdecken!

Google Germany Hamburg

Google betreibt neben der Deutschlandzentrale einen Entwicklungsstandort mit dem Schwerpunkt Datenschutz in München, der auf bis zu 800 Techis ausgebaut werden soll. Außerdem ist Google in Berlin mit einem Hauptstadtbüro präsent. Weltweit unterhält Google mehr als 70 Niederlassungen in über 40 Ländern sowie 6 regionale "Campus"-Startup-Zentren in London, Madrid, Sao Paulo, Seoul, Tel Aviv und Warschau. 

Struktur von Alphabet und Google im Überblick.
Infographik: Googlewatchblog

Die Google-Holding Alphabet Inc. hat im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz i. H. v. 110 Mrd. $ und einen Gewinn von 12,7 Mrd. $ erwirtschaftet. Die Konzern beschäftigt mit Stand März 2018 weltweit mehr als 85.000 Mitarbeiter und ist mit einem Wert von 732,844 Milliarden US-Dollar die zweitwertvollste Marke der Welt - hinter Apple und vor Microsoft, Amazon und Facebook.

Zu den Hauptwettbewerbern von Google gehören die weiteren "GAFAs": Amazon (Produktsuche, AWS, Appstore, Echo mit Alexa, Fire TV), Apple (iOS, iPhone, iPad, App Store, iCloud) Facebook (Facebook Ads/Mobile Ads) und Microsoft (Bing, Ads, Office, Cloud Services). Dazu kommen die chinesischen "BAT"-Riesen Baidoo (Suche), Alibaba (E-Commerce) und Tensent (WeChat, Internet-Services).

 Hamburg Digital Background: 

Google WatchBlog: Google eröffnet Zukunftswerkstatt in Hamburg
www.googlewatchblog.de/2018/03/google-zukunftswerkstatt-hamburg-digitale/

Google Zukunftswerkstatt: Das digitale Bildungsprogramm für Deutschland
https://learndigital.withgoogle.com/zukunftswerkstatt

Glasdoor: Google Job-Angebote in Hamburg
www.glassdoor.de/Jobs/Google-Hamburg-Jobs-EI_IE9079.0,6_IL.7,14_IC2804376.htm?filter.radius=31

Google in der Wikipedia: Alle Zahlen und Fakten
https://de.wikipedia.org/wiki/Google

Mittwoch, 31. Mai 2017

HANSEONLINE: Schnell und sicher ... geht in Deutschland eigentlich gar nicht!

Hamburg ist in Sachen Breitband vorn mit dabei: 95% aller Haushalte können schon heute mit 50 Mbit/s und schneller surfen. Mit 7,5 Mio. € aus dem Verkehrs- und Infrastrukturministerium und 15 Mio. € Mitteln aus der "Digitalen Dividende" will Hamburg ab Sommer die "weißen Flecken" schließen, vor allem in Wandsbek und am Altonaer Volkspark, in Vier- und Marschlande sowie Gebieten in Rissen und Sülldorf.

Was für Privathaushalte hoffnungsvoll aussieht, ist für Hamburgs Wirtschaft manchmal mehr als schwierig. Ein Viertel der 1.700 Betriebe im Hamburger Hafens werden erst jetzt im Rahmen der Initiative "Hafen-Internet Hamburg" durch 1&1 Versatel nach und nach mit Breitband erschlossen. Das hilft beim Zugang zum World Wide Web. Doch was ist mit dem schnellen Datenaustausch und der -speicherung?

Frank Brügman und Matthias Krueger sind Hamburgs Onliner der 1. Stunde. 1995 gründeten Sie an der Elbe die Broadnet AG, die aus dem Richtfunkanbieter Mediascape hervorging. Mit einem eigenen Backbone, DSL-Leitungen und Richtfunkstrecken versorgten die Hamburger 77 deutsche Städte mit schnellen Verbindungen. Jetzt sind die Internetpioniere wieder da - und lösen ein großes Problem. Ein Hamburg Digital Report:



Ein universeller Service für den Datenaustausch - Made in Hamburg.
Illustration: Cloudplan
Internetexperten nennen Sie die "letzte Meile". Für viele Anwender ist sie häufig sogar "das Letzte". Frank Brügman und Matthias Krueger nennen Sie den "Flaschenhals". Der Übergang vom öffentlichen zum privaten Netz in Bürohaus oder Gewerbebetrieb ist ein Ärgernis. Wenn es um große Datenmengen geht, wird der Flaschenhals zur Businessbremse. Asynchrone Leitungen bieten schnelle Downloads, doch beim Upload müssen meist wenige MBits reichen.

Medizinische Bilddateien über 30 GByte Größe, 4K-Videos von Multimediaagenturen, 2 GByte große Grafikdateien oder Builds von neuen Games auf dem Weg zu Lizenzgebern  - eine schnelle Anbindung im Upload ist immer mehr geschäftskritisch. Genau hier droht das Business stillzustehen. Für große Organisationen kein Problem. Sie bauen eine "Private Cloud" mit Rechenzentren, schnellen Datenleitungen, reduntanten Zugängen und Notfallmanagement auf.


Eine Postkarte in die Wolke schicken?

Viele kleine und mittlere Unternehmen lagern ihre Daten einfach in Cloud-Speichen aus - z. B. Amazon, Apple, Dropbox, Google oder Microsoft. Die US-Anbieter freuen sich über jeden Kunden und die Chance, die Daten auswerten zu können. Wenn sie selbst nicht neugierig sind, sorgt Vater Staat für tiefen Einblick. Mit dem "BND-Gesetz" kann die Abteilung "Horch & Guck" ganz legal auf den DE-CIX zugreifen und Telekom-Leitungen abhören.


Damit nicht genug: Ab Mai 2018 bekommen Firmen Schwierigkeiten, wenn sie die Daten ihrer Kunden nicht umfassend schützen. Mit der EU-Datengrundschutz-Verordnung GDPR werden professionelle Nutzer verpflichtet, sich um die Daten ihres Geschäfts zu kümmern. Doch kleine Betrieb können sich weder den Aufwand, noch die Kosten oder das Personal leisten, um selbst eine umfassende IT zu betreiben. Genau hier setzen die Hamburger Digitalunternehmer an.

Eine Private Cloud für jede Firma.
Highspeed-Datenaustausch über Firewalls hinaus.
Grafik: Cloudplan

Über 2 Jahre haben Sie am Prototypen gearbeitet, bis zu 12 Mann waren in der Aufbauphase damit beschäftigt. Anfang 2016 war es dann soweit: Mit einer umfassenden Anwendung für physische wie virtuelle Server, Desktops wie Laptops und Tablets wie Smartphone wollen die Gründer von Cloudplan die Officeumgebung revolutionieren. Dreh- und Angelpunkt ist eine direkte Verbindung zwischen allen wichtigen Geräten in Rechenzentrum, Großraumbüro und Hosentasche.

Dank Peer-to-Peer-Technologie können kleine wie größere Unternehmen ihre ganz eigene "Private Cloud" betreiben. Statt Dateien via Web unverschlüsselt Kollegen in öffentlichen Speichern abzulegen, tauscht man mit Hilfe von Cloudplan Dateien direkt aus - und das mit 256-bit AES-Verschlüsselung auf Militärstandard. Das funktioniert sowohl innerhalb eines Büros oder einer Firma als auch mit Kunden und Partnern am anderen Ende Stadt oder der Welt via Webzugriff.

Sicher vor und hinter der Firewall.

Die Apps auf Servern, Clients und Mobile Devices laufen sowohl vor als auch hinter Firewalls. Ein lokaler Server dient als Datenspeicher für die Geräte. So werden die Daten von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und von Abteilung zu Abteilung in LAN-Geschwindigkeit innerhalb der eigenen Organisation verschickt. Mit einem lokalen Datenserver und einem optionalen Cloudspeicher kommen alle Geräte jederzeit zu neuen Daten und haben automatisch ein Datenbackup.


Erfahrenes Gründer- und Tech-Team von Cloudplan
Foto: Cloudplan
Mehr als 500 Kunden nutzen die neue Lösung aus Hamburg bereits, z. B. das Immobilienstartup "Hello Monday" vom Sandtorkai. Cloudplan bietet ein einfaches SaaS-Mietmodell, dass gerade für kleinere Firmen interessant ist: Mit 10,- €/Monat können 2 Desktops und 3 Mobile Devices vernetzt werden, für 17,- €/Monat gibt es dazu eine Serverlizenz einschl. Monitoring. Welches mobile Betriebssystem und welche Hardware zum Einsatz kommen, spielt keine Rolle.

Die private Cloud aus Winterhude.

Dateien können - wie bei Office-Dokumenten in öffentlichen Cloudspeichern - mit Lese-, Kommentar- und Schreibrechten versehen und diese auch wieder eingeschränkt werden. Im nächsten Schritt planen die Macher aus Winterhude, den Service weltweit über das WAN anzubieten. Denkt man das Konzept vernetzter Geräte inkl. Datenauschtausch weiter, ist die Vernetzung unter Maschinen im Internet of Things die logische Konsequenz.

Während viele darüber stöhnen, dass globale Dienste immer mehr Services erfolgreich anbieten, unternehmen Frank Brügman und Matthias Krueger im pfiffigen Hamburg etwas, damit unsere Daten sowohl intern als auch im Austausch mit Kunden sicher verschickt und empfangen werden können. Das die pfiffige Idee mit einer Finanzierung des neuen Innovationsstarter Fonds Hamburg II im oberen sechsstelligen Bereich finanziert wurde, ist vielleicht eine der besten Investitionen für unsere digitale Metropole Hamburg.





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 Hamburg Digital Background: 

Cloudplan P2P-Private Cloud
https://www.cloudplan.net/

Innovationsstarter Fonds Hamburg
http://innovationsstarter.com/home/innovationsstarter-fonds/


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________


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