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Samstag, 6. Oktober 2018

HANSECODEWEEK: Roboter bauen, programmieren lernen und in 3D drucken.

HAMBURG DIGITAL SPEZIAL

Am vergangenen Samstag aht die Code Week Hamburg in der Zentralbibliothek am Hühnerposten ihre Pforten geöffnet. Ein gigantischer Roboter aus Luftballons begrüßte die Besucher und steht als Beispiel für das Verhältnis zwischen Mensch und Technik. 200 Kids und Jugendliche erwarteten Luftballonketten mit Computer-Geheimcodes, Workshops und Mitmachstationen, z. B. um LED-Schmuck zu gestalten, Roboter durch ein Labyrinth zu steuern oder ihr Informatik-Talent testen. Der Nachmittag war Auftakt für mehr als 90 Veranstaltungen der Code Week Hamburg vom 6. bis 21. Oktober '18.

Die Code Week Hamburg - ein Erlebnis für Kids und Jugendliche.
Grafik: Körber-Stiftung

Die Vereinigung der Hamburger IT- und Digitalexperten begrüßt die Code Week Hamburg. Der IT Executive Club unterstützt die gute Sache mit seinen Mitgliedsunternehmen und deren Workshops. HANSEVALLEY hatte die Chance, im Vorfeld der größten Veranstaltung ihrer Art mit dem Beauftragten für den IT- und Digitalnachwuchs der IT-Expertenvereinigung "ITEC" - Sven Heinsen - zu sprechen. Ein Hamburg Digital Spezial zur Code Week Hamburg 2018:

Lachende Schülerinnen beim Basteln ihrer eigenen VR-Brillen, konzentrierte Nachwuchsingenieure, die mit Lötkolben arbeiten, begeisterte Kids, die am Notebook die Faszination IT entdecken: 2 Wochen lang bekommen Schüler und Jugendliche in über 90 Events rund um Alster und Elbe ihre ganz persönliche Chance, IT und das Internet live zu entdecken. Damit ist unsere Stadt auf dem besten Weg, mit der 6. Code Week Hauptstadt des Tech-Nachwuchses zu werden. Mit bundesweit 425 Veranstaltungen im vergangenen Jahr ist die von der Europäischen Union initiierte Code Week eine der erfolgreichsten Eventreihen, Kinder und Jugendliche auf ein Leben in der digital-vernetzten Welt vorzubereiten.


Lachende Kinder mit VR-Brillen - gibt es etwas Schöneres?
Foto: Sandra Schinck 

Mitgliedsunternehmen des IT Executive Clubs laden Schüler und Jugendliche zu spannenden Aktionen ein: So bietet z. B. Otto.de am 11. Oktober einen Kurs zum Roboter programmieren mit "Lego Mindstorms" an. Der "ITEC" nutzt zudem seine Mitgliederplattform und sein Netzwerk, um die Relevanz der Initiative zu verdeutlichen und für die Zukunft noch mehr Unternehmen zu motivieren, Workshops bei der Code Week anzubieten. Es ist Sven Heinsen, Beauftragter für den IT- und Digitalnachwuchs besonders wichtig, dass möglichst viele Schüler und Jugendliche daran teilnehmen. Aber worum geht es eigentlich neben Spiel und Spaß?

Digital kompetent, wie man IT und das Internet nutzt.

Sven Heinsen vom IT Executive Club Hamburg erklärt die wichtigsten Aufgaben der 2 Wochen: „Digitale Souveränität bedeutet, digitale Medien selbstbestimmt und unter eigener Kontrolle zu nutzen und sich an die ständig wechselnden Anforderungen in einer digitalisierten Welt passen zu können. Wenn wir im IT Executive Club von digitaler Souveränität sprechen, geht es uns um zwei wichtige Elemente. 1. die digitale Kompetenz und 2. die digitale Mündigkeit von Schülern und Jugendlichen."


Bauklötzer staunen ... ist der Anfang von allem.
Foto: Sandra Schinck

Der Diplominformatiker macht klar, dass es sich bei digitaler Kompetenz um das Wissen rund um die IT-Welt handelt. Dazu gehören Kenntnisse in Coding, aber auch das Verständnis, wie Computer funktionieren. Zur digitalen Kompetenz gehört für den 49-Jährigen aber auch, zu wissen, wie Know how im Internet bestmöglich genutzt werden kann. Und das hat nicht zuletzt etwas mit IT-Nachwuchs zu tun: Der IT-Fachkräftemangel behindert Innovationen, Digitalisierung und Wachstum auch in Hamburg. Um diesem zu begegnen, ist es unverzichtbar, frühzeitig Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Informationstechnik spielerisch näher zu bringen.

Digital fit, was Internet-Dienste bewirken (können).

Die digitale Mündigkeit betrifft aus Sicht von Heinsen eher das Wissen um die Wirkung, die digitale Medien haben können. Viele Jugendliche lernen sehr schnell, digitale Plattformen zu bedienen, oftmals leider ohne gleichzeitig die enormen Risiken vermittelt zu bekommen. Stundenlanges "Binge Watching" auf Amazon Prime, Netflix oder YouTube ist eines der bekannten Beispiele. Der verantwortungsvolle Umgang sollte gelernt werden. Hier sind sowohl die Schule als auch die Eltern manchmal überfordert. Digitale Mündigkeit bedeutet aber auch zu lernen, wann man mal „abschaltet“.


Spannende Möglichkeiten, die man auch abschalten kann.
Foto: Sandra Schinck

Der Geschäftsmann und Nachwuchsbeauftragte begrüßt die Code Week Hamburg: "Sie ist aus unserer Sicht eine wichtige Initiative, weil sie hilft, eine Lücke zu schliessen, die im Bildungssystem noch herrscht bzw. im Übergang vom schulischen zum beruflichen Leben." Für Heinsen sind die einzelnen Aktionen im Rahmen der Code Week eine notwendige Erweiterung der schulischen Digitalbildung und helfen, sowohl die digitale Befähigung als auch die digitale Mündigkeit zu fördern. "Beides braucht unsere Gesellschaft und auch der Wirtschaftsstandort Hamburg, um seine führende Position beibehalten zu können."

IT-Professionals für den IT-Nachwuchs an der Alster.

Im Rahmen der Code Week kann man auf vielfache Art mit dem IT Executive Club und seinen Mitgliedern in Kontakt kommen. Am einfachsten ist es, wenn die Schüler und Jugendlichen direkt an den Aktionen der Unternehmen – z. B. der Otto Group – teilnehmen. 
Selbstverständlich wird der Club auch die Auftaktveranstaltung am 6.10. in der Zentralbibliothek am Hühnerposten begleiten.

Experimentieren und zum Experten werden - auf der Code Week.
Foto: Sandra Schinck

Die Bildungsinitiative des IT Executive Clubs greift aber noch weite: Sie unterstützt Schule, Ausbildung und Hochschule, jungen Menschen IT-Themen näher zu bringen und nachhaltiges Interesse sowie Kompetenz für IT und Digitalisierung zu fördern. Mit dem "ITEC Cares Award" honoriert und prämiert der Club jährlich drei herausragende Initiativen mit einem Preisgeld von 6.000,- €. "ITEC Cares" würdigt das Engagement und schafft Sichtbarkeit für die vielfältigen Ansätze. Damit will der IT Executive Club Verantwortung für die digitale Kompetenz und Mündigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen übernehmen.

"Digital Medien werden unsere zukünftige Entwicklung prägen."

Sven Heinsen hat eine klare Botschaft an die mehreren tausend jungen Teilnehmer in den zwei Wochen Hamburger Code Week: "Wir können alle Teilnehmer nur dazu aufrufen, sich mit digitalen Medien intensiv zu beschäftigen – sie werden unsere zukünftige Entwicklung prägen und fehlende Kenntnisse werden im Berufsleben ein echter Nachteil sein. Und, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt, kann man auch entdecken, wieviel Spass in diesem Themengebiet stecken kann und welche Chancen darin entstehen können." 


"It's cool, men". Kommt vorbei!
Foto: Sandra Schinck

Neben Sprachkenntnissen wird aus Sicht des Experten die Digitalkompetenz für die vernetzte und globalisierte Welt zum wichtigsten Erfolgsbaustein werden. Viele Jugendliche können diese Chance nicht nutzen, weil ihnen der richtige Zugang fehlt und später eine gewisse Furcht existiert. Die Körber-Stiftung und die Bücherhallen als Veranstalter der Code Week Hamburg ermöglichen diesen Zugang gemeinsam mit Initiativen der Coding- und Maker-Szene sowie Vertretern aus Hochschulen und Unternehmen. HANSEVALLEY leistet seinen Beitrag für das digitale Hamburg.

 Hamburg Digital Background: 

Code Week Hamburg 2018 Programmüberblick:

Code Week Hamburg: Otto.de - Lego Mindstorms Workshop

Sonntag, 17. Juni 2018

HANSEPERSONALITY Christian Pfromm: Digitalisierung ist Chefsache!

HAMBIRG DIGITAL INTERVIEW

Deutschlands Metropolen stehen im Wettbewerb: Modernste Forschung mit den klügsten Köpfen, starke Wirtschaft und erstklassige Infrastruktur, attraktive Jobs und gute Lebensbedingungen. Startups gehen nach Berlin, Tech-Companies nach München. Hamburg muss Tempo machen. Die Bahn schließt die Wirtschaftsmetropole noch schneller an die Hauptstadt an. Der Druck auf die Freie und Hansestadt wächst, die Digitalisierung wartet nicht.


Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Der Senat hat mit "Digitaler Stadt", "Digital First", intelligentem Verkehr und einem Chief Digital Officer Weichen gestellt. Jetzt kommt's drauf an: Wacht Helmut Schmidts "schöne Schlafende" endlich auf - oder "verpennt" sie es, wie es der Berliner sagt? Hamburgs Chief Digital Officer Christian Pfromm steht exklusiv Rede und Antwort, was auf der Brücke und im Maschinenraum der Digitalen und Hansestadt geplant ist. Ein Hamburg Digital Interview:

HAMBURG DIGITAL SERVICES:


Digital First-Plattform, Service-Konto und neue Dienste:

Staatsrat Dr. Christoph Krupp hat für den Herbst die "Digital First"-Plattform als Ablösung für das bisherig Behördenportal "Hamburg Gateway" angekündigt. 18,6 Mio. € hat die Bürgerschaft 2018 dafür bereitgestellt. Jeder Hamburger soll seine Behördengänge in Zukunft mit einem "Service-Konto" online erledigen können. Wie funktioniert die Plattform und was dürfen die Hamburger an neuen Möglichkeiten erwarten?

Über die neue Plattform "Digital First" werden die Hamburgerinnen und Hamburger neue und alte Online-Services der Stadt erreichen können. Als neue Services erarbeiten wir beispielsweise gerade die „Asbestmeldung“, die von Unternehmen bei Bauvorhaben abgegeben werden muss, falls eine Asbestbelastung vorliegt. Für Bürgerinnen und Bürger gibt es den Anwohnerparkausweis als neuen Online-Service. Und wir haben für dieses Jahr noch andere Angebote in der Pipeline, zum Beispiel die Themen Wohnraumschutz, Bewilligung von Sonn- und Feiertagsarbeit oder die Trassengenehmigung, die unter anderem für den Breitbandausbau relevant ist. 

Von der neuen Plattform-Technik selbst „sieht“ der Nutzer zunächst mal relativ wenig. Zwar überarbeiten wir auch die Nutzeroberflächen, vor allem aber erneuern wir auf der Plattform Funktionalitäten, über die sich Bürgerinnen und Bürger auch heute schon mit einer einmaligen Registrierung für das Service-Konto anmelden, den passenden Online-Service finden und wir den Datenverkehr zwischen den Online-Services und den jeweiligen städtischen Fachverfahren organisieren können. 


Wenn wir noch einen Stock tiefer im Maschinenraum hinabsteigen, geht es darum, dass wir mit der Plattform einen wichtigen Schritt in Richtung modularer IT gehen. Wenn ein Zahnrad hakt, müssen wir nicht gleich den ganzen Motor austauschen. Und bestimmte Funktionalitäten, wie zum Beispiel die Bezahlfunktion, werden einmal programmiert und vielfach wiederverwendet. So sparen wir Ressourcen und können Teilbereiche leichter modernisieren. Das kann uns auch bei der Umsetzung des OZG helfen. 


Kooperation mit Schleswig-Holstein und neue Dienste:

Peter Tschentscher und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther haben Ende Mai d. J. eine weitergehende Kooperation bei Digitalthemen verabredet. Im Mittelpunkt: Die Zusammenarbeit bei länderüberschreitenden Projekten. Hier werden u. a. die Themen Bildung, Daten und IT-Plattformen adressiert. Butter bei die Fische: Was soll künftig zusammen gemacht werden?

Schleswig-Holstein und Hamburg haben mit Dataport denselben IT-Dienstleister und arbeiten beim Service-Konto schon lange zusammen. Also haben wir uns verabredet, das „Interoperable Servicekonto für Norddeutschland“ weiterzuentwickeln. Darüber sollen Online-Services – also Verwaltungsdienstleistungen, die Sie übers Internet erreichen – gut zugänglich und leicht auffindbar sein. Egal, ob der für Sie relevante Service von Hamburg oder Schleswig-Holstein angeboten wird.

Außerdem müssen Online-Services so gestaltet sein, dass sie für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen intuitiv nutzbar sind. Daher werden wir in einer Entwicklungspartnerschaft die Nutzerperspektive ins Zentrum rücken und moderne technologische und methodische Ansätze wie zum Beispiel „Design Thinking“ anwenden. Schließlich erweitern wir den Zugang zum telefonischen Hamburg-Service um einen weiteren Kanal. In Hamburg projektieren wir hierzu in den kommenden zwei Jahren einen textbasierten Chatbot. Auch die hieraus gewonnen Erkenntnisse werden wir mit Schleswig Holstein in einer Kooperation teilen und vertiefen. 

Richtig verstandene Digitalisierung umfasst außerdem stets Prozessoptimierungen. Eine wichtige Grundlage im Baubereich bilden hierbei die Standards "XPlanung" und "XBau". Mit ihnen ist der Grundstein für die Etablierung digitaler Prozessketten im Bau- und Planungsbereich gelegt. Dies wollen wir nutzen und bis spätestens Ende 2018 eine Kooperationsvereinbarung abschließen und konkrete Schritte vereinbaren, die darauf abzielen, eine gemeinsame Planungsplattform zu entwickeln, Daten entsprechend auszutauschen und damit den Planungsprozess zu verbessern. Das erleichtert länderübergreifende Beteiligungsverfahren, bei denen regelmäßig die Einbeziehung der jeweils angrenzenden Gemeinden notwendig ist.

Schließlich werden wir bei der digitalen Bildung mit Blick auf eine eLearning Plattform zusammenarbeiten und entwickeln die Schulverwaltungssoftware weiter. Und im Bereich Beihilfe haben wir ganz unabhängig von der gemeinsamen Kabinettssitzung eine enge Kooperation vereinbart. 


Onlinezugangsverbesserungsgesetz und die Umsetzung:

Das Onlinezugangsverbesserungsgesetz (OZG) verpflichtet Sie, in 5 Jahren alle relevanten Bürgerservices auf kommunaler, Landes- und Bundesebene online bereitzustellen. Hand aufs Herz: Wie ist Hamburgs IT- & Digitalstrategie aufgestellt, 2022 nicht die "rote Laterne" der Republik zu tragen? Wie kann diese Mammutaufgabe gepackt werden?


Die Umsetzung des OZG ist eine Aufgabe, die alle Länder und auch den Bund vor erhebliche Herausforderungen stellt. Wenn wir das nicht umsetzungsorientiert, stringent und gemeinsam angehen, hält am Ende ganz Deutschland die rote Laterne in der Hand. Nicht nur ein einzelnes Land. 

Was sehr gut ist: Durch das Online-Zugangsgesetz wird das Thema der Nutzung von Online-Diensten ganzheitlich angegangen. Stichworte sind hier der Portalverbund mit "Online-Gateway" oder die bereits genannten interoperablen Servicekonten und zugehörigen Digitalisierungsprogramme.

Wenn wir auf Hamburg schauen wollen, sehe ich uns mit dem bestehenden Portal für Online-Dienste gut gerüstet. Außerdem wird dies von "Digital First" wie beschrieben modernisiert. "Digital First" hilft uns auch, vom Nutzer aus konzipierte Online-Services zu entwickeln. Und Dienste wie die Asbestmeldung könnten aufgrund ihres bundeseinheitlichen Charakters sogar von anderen Ländern übernommen werden. 

Den kooperativen Ansatz unterstützen wir, in dem Hamburg auf Bundesebene bei der Entwicklung des "Online-Gateways" mitarbeitet. 

HAMBURG DIGITAL VERWALTUNG:


Digitale Zuständigkeiten in der Hamburger Verwaltung:

Mit Ihnen gibt es 5 CDOs in der Verwaltung, neben der Senatskanzlei auch in der Wirtschafts- und in der Wissenschaftsbehörde, der Bildungsbehörde sowie gemeinsamen in der Stadtentwicklungs- und Umweltbehörde. Macht es Sinn, dass jede Verwaltung ihren eigenen CDO hat? Birgt dies nicht die Gefahr, das jedes Haus Digitalisierung auf eigene Faust unternimmt?

Wir haben uns in Hamburg entschieden, bei Digitalisierungsvorhaben auf zentrale Steuerung und dezentrale Umsetzung zu bauen. Das bedeutet für mich insbesondere, die Behörden zu befähigen, den Veränderungsprozess, den ich strukturiere und anstoße im Rahmen ihrer Ressortverantwortung auch umzusetzen. 

Das gilt natürlich auch für die CDOs der Behörden und die IT-Beauftragten. Die Kollegen in den Behörden sind für mich daher wichtige Partner, um unser gemeinsames Thema – nämlich die Digitalisierung – in den städtischen Einrichtungen zu verankern und voranzubringen. 

Folgerichtig ist mit dem neuen Amt auch eine zentrale Steuerung etabliert worden. Das heißt Leitplanken zu setzen und Priorisierungen festzulegen, etwa in den Bereichen IT-Planung und Controlling, Nutzerzentrierung bei Online-Services, Projektgrundsätze, zentrale IT-Architekturen oder "Digitale Stadt". Hier braucht es eine zentrale Stelle, die die Fäden in Händen hält und auch mal die Richtung vorgibt. 

Öffentliches Projektmanagement und Aktualisierung:

Ende Mai waren "fehlende Instrumente und Mechanismen im IT-Projektmanagement" im "Abendlichen Blätterwald" zu hören. Für alle IT-Projekte ab 350.000,- € gilt die "Verwaltungs-Vorschrift IT" von Dezember 2015. Wie gut ist das IT-Management in der FHH aufgestellt, gibt es eine übergeordnete Koordinierung und sind neue - agile - Methoden ein Thema?

Die Themen, die Sie ansprechen, liegen genau in meiner Zuständigkeit als CDO der Stadt. Und natürlich sind Projektmanagement und agile Methoden für uns ein Thema. Die VV IT-Projekte wird genau vor diesem Hintergrund weiterentwickelt. Neben der notwendigen Anpassung von Verwaltungsvorschriften brauchen wir aber auch eine geänderte Haltung, ein anderes „Mindset“ zum Thema Projekt- und Kostenmanagement. 

Lenkungsausschüsse müssen beispielsweise häufiger tagen und präziser prüfen, ob die Projektparameter noch stimmen. Wir planen Projekte in kleineren Schritten, um die leidvollen Erfahrungen mit Mammutprojekten in Zukunft möglichst zu vermeiden. Als zentrale Einheit stellen wir den Behörden außerdem Mitarbeiter aus unserem IT-Projektpool mit dem entsprechenden Projekt-Know-How zur Verfügung. 


Nachwuchskräfte in der IT- & Digitalverwaltung:

Zusammen mit Dataport und den 70 Mitarbeitern Ihrer Behörde in der Senatskanzlei arbeiten rd. 1.300 Mann in den Bereichen Hardware, Software und Services für die Stadt Hamburg. In der Hamburger "Welt-Presse" werden zusätzliche Kräfte angemahnt, z. B. für neue Verfahren. Kann ein duales Studium die Lösung sein? Welchen Ansatz der IT-Personalpolitik fahren Sie?

Wie es sich für so ein vielfältiges und zentrales Thema gehört, ist es bei uns Chefsache und wir verfolgen verschiedene Ansätze. So kooperieren wir sehr eng mit dem Personalamt – auch mit dem Thema duales Studium befassen wir uns. Wir haben in Hamburg seit 2004 Dataport als zentralen IT-Dienstleister etabliert. Damit ist eine Vielzahl der von Ihnen angesprochenen Skills bei unserem IT-Dienstleister vorhanden. Gleichwohl benötigen wir noch in vielen Bereichen der FHH „echte ITler“. 

Bei der Debatte kommt mir manchmal zu kurz, dass wir nicht mehr „nur“ über den klassischen IT-Techniker bzw. Informatiker sprechen. Vielmehr wandeln sich auch die Anforderungen an das Personal, das die zahlreichen Digitalisierungsvorhaben gestalten soll. Wir brauchen immer mehr IT-Manager, die sich mit den prozess- oder auch datenbezogenen Komponenten von Digitalisierungsprojekten befassen. Das ist ganz etwas anderes als klassische IT. Wenn wir dies umsetzen, können wir Prozesse neu denken und gestalten. Und eben nicht nur die Technik.

HAMBURG DIGITAL PERSPEKTIVEN:


Die Digitale und Hansestadt Hamburg in der vernetzten Welt:

Mit Ihrem Amtsantritt sind Sie für die "Digitale Stadt" verantwortlich geworden. Bei der Digitalisierung geht es um Geschäftsprozesse, Technologien und Digitale Services. Wo sehen Sie Ihre zentralen Aufgaben als CDO der Stadt und wo sehen Sie besondere Herausforderungen für die FHH - nach innen wie nach außen?

Über viele inhaltliche Aspekte haben wir ja schon gesprochen: Digital First, das OZG, IT-Personal oder Projektmanagement und -controlling. All diese Themen stehen auf meiner Agenda. Darüber hinaus ist Digitalisierung ein tiefgreifender Veränderungsprozess, den wir aus dem neuen Amt auch kommunikativ begleiten müssen, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt mitzunehmen. 

Bei den vielfältigen Vorhaben der Digitalen Stadt geht es somit um eine ganzheitliche Perspektive über die verschiedenen Themenfelder hinweg, wenn wir nicht nur die Verwaltung digitalisieren wollen, sondern auch andere Bereiche städtischen Lebens.

Wir brauchen die Brücke in die jeweilige Fachlichkeit, um Antworten auf die Frage zu finden: Wie verändern sich Schule, Universitäten, Verkehr und Mobilität oder Kultur in einer digitalisierten Welt, in der digitalen Stadt Hamburg? Auch hierfür sind wir auf Expertise und Verantwortlichkeit in den einzelnen Häusern angewiesen. Wir befassen uns auch mit neuen Technologien. Dafür brauchen wir Partner in Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um Lösungen zu finden, die unseren Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen helfen. 

Mit der Strategie zu Intelligenten Transportsystemen (ITS), der Hamburg Open Online University oder der eCulture-Agenda haben wir schon gute erste Antworten gefunden. Diese und andere Initiativen müssen wir vertiefen, untereinander koordinieren und gesamtstädtisch präsenter machen. 


Glasfaserausbau in Hamburg und CDO-Unterstützung:

71% aller Haushalte - u. a. die SAGA-Wohnungen - sind mit "Fiber to the Home" angebunden. Peter Tschentscher will einen runden Tisch mit Telekom, Vodafone & Co. einberufen, damit auch die Gewerbegebiete z. B. im Hafen - angebunden werden. Das Thema liegt in der Kultur- und Medienbehörde. Was können Sie dazu beitragen, dass es keinen "Heldentot" stirbt, wie Breitband auf dem Land?

Das Thema ist bei den Kolleginnen und Kollegen in der Behörde für Kultur und Medien gut aufgehoben und die Position des Ersten Bürgermeisters gibt ja einen guten Hinweis auf dessen Stellenwert. 

Auch wir wissen natürlich: Ohne Glasfaser keine ordentliche Digitalisierung in der Stadt. Entsprechend unterstützen wir aus meinem Amt heraus. Etwa mit der Implementierung der Trassengenehmigung in DigitalFirst. Diese Genehmigungen brauchen die jeweiligen Unternehmen für die notwendigen Tiefbauarbeiten. 

Unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie sind ein halbes Jahr als "Chefdigitalisierer" der Stadt Hamburg im Amt, waren zuvor mehr als 6 Jahre verantwortlich für IT und Strategie der BHF-Bank in Frankfurt. Hand aufs Herz: Was läuft in IT und Digitalisierung der Freien und Hansestadt intern und extern richtig gut - und wo wünschen Sie sich noch ein bisschen mehr Dynamik?

Gut ist: Wir haben in der Stadt viele spannende IT- und Digitalisierungsvorhaben und sind konsequent dabei, uns perspektivisch noch besser aufzustellen. Greifbare Beispiele dafür werden die weiteren Online-Services von "Digital First" sein, von denen ich schon einige genannt habe. Und ich merke, dass sich wirklich viele Kolleginnen und Kollegen als Unterstützer erweisen. Dort wo noch Vorbehalte und Unsicherheiten bestehen, möchte ich diese abbauen – im besten Fall vollständig. 

Zudem bin ich gespannt, welche Lösungen beim Weltkongress zu Intelligenten Transportsystemen zu sehen sein werden. Auch wenn er erst 2021 in Hamburg stattfindet wird, ist dies für uns schon heute ein wichtiges Themenfeld. Auch mit dem Thema Künstliche Intelligenz befassen wir uns – ganz verwaltungstypisch erproben wir Technologien, um Dokumente in der elektronischen Akte automatisch zu verschlagworten. 

Was könnte besser sein? Ich glaube, gerade im Zusammenspiel von Bund und Ländern, nicht zuletzt mit Blick auf die OZG-Umsetzung, brauchen wir mehr Dynamik, um rechtliche Hürden pragmatisch aus dem Weg zu räumen, die Digitalisierungsvorhaben unnötig erschweren.

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.


 Hamburg Digital Background: 

HANSEEXKLUSIV: Peter Tschentscher fordert flächendeckendes Glasfaser:
https://hh.hansevalley.de/2018/03/hanseexklusiv-peter-tschentscher-glasfaser.html

Helmut Schmidts Brief an eine "schlafende Schöne" von 1962:
www.welt.de/regionales/hamburg/article149206055/Helmut-Schmidts-Brief-an-die-schlafende-Schoene.html

Mittwoch, 2. Mai 2018

HANSEFUTURE: Hacker School Hamburg - damit Kids künftig coden können.

HAMBURG DIGITAL REPORT

Dienstag, 23. Januar 2018, am historischen Zeughausmarkt in der Neustadt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender die weit über Hamburgs Grenzen hinaus bekannte Hacker School. Mit viel Zeit und großer Freude lassen sich das Staatsoberhaupt und die First Lady die Arbeit ehrenamtlicher IT-Inspirer, integrierter Flüchtlinge mit IT-Expertise und der Organisatoren um die Ministry Group erläutern.


Großer Tag für ihr Engagement: Frank-Walter Steinmeier zu Gast.
Foto: HANSEVALLEY

Seit 2014 treffen sich in der Hacker School 2x jährlich Kids in Kursen, um gemeinsam Hardware und Software kennenzulernen. Ein ganzes Wochenende betreuen IT-Experten als ehrenamtliche Inspirer bis zu 60 Kinder zwischen 11 und 18 Jahren in bis zu 6 parallelen Sessions. Im Mittelpunkt: Sensibiisierung für die spannende IT-Welt. Ein Hamburg Digital Report: 


Samstag, 24. März d. J. im ehemaligen Hotel am Zeughausmarkt: Im Erdgeschoss des Hamburger IT-Dienstleisters Ministry Group spielen, testen und experimentieren gut 50 Kinder und Jugendliche mit digitaler Technik. In 5 Räumen führen ehrenamtliche Inspirer den jungen Nachwuchs in 6 Kursen an die Möglichkeiten der Informatik heran. In einem lichtdurchfluteten Raum mit Deckenfresken und Dielenböden aus dem Jahr 1825 nehmen Kids alte ThinkPads auseinander, lernen die Funktionsweise von Pentium-Prozessoren kennen. 2 System-Administratoren betreuen die Gruppe bei ihrer Reise durch die PC.


Begeisterte Kids bei ihrer Reise durch den PC.
Foto: Hacker School
In einem anderen Raum horchen Kids rund um einen großem Tisch einem IT-Profi zu, was man mit Software alles machen kann. Ein Monitor wirft Quellcode an die Wand. Hier geht es um Nullen und Einsen mit Googles Voice-Technologie "Paper Signals" zur Steuerung von Objekten - aus Papier. In einem weiteren Raum arbeiten 5 kleine Teams an Apps für das mobile Betriebssystem Android - und lassen sich von der Neugierde eines Online-Journalisten nicht stören. Im ganzen Haus hört man Kids lachen und fröhlich diskutieren.

"Jedes Kind soll einmal in der Hacker School gewesen sein."

Es gibt keinen Lehrplan und keine Frontalbeschallung betont Co-Founder Andreas Ollmann im Gespräch. Die Kids entscheiden sich zu Beginn für ein Thema, dass sie interessiert. Die ehrenamtlichen Inspirer entscheiden, wie sie welche Inhalte spielerisch vermitteln wollen. Von Robotersteuerung über Spieleprogrammierung bis zur Reise durch den PC reicht die Bandbreite der Themen. Zum 8. Mal treffen sich Kids und Techis an diesem Wochenende an der Ost-West-Straße unweit des Michels. Keine 4 Wochen nach Freischaltung der Online-Ameldung war das Frühjahrsangebot ausgebucht.


Von Kontorhaus und Hotel zur Hamburger Hacker School.
Foto: HANSEVALLEY
Die Hacker School ist schon lange nicht mehr unbekannt. Die jungen Teilnehmer und ihre Eltern kommen über die Website ebenso an den Zeughausmarkt, wie über die Facebook-Seite und Berichte der Kollegen von "NDR Hamburg Journal" über "RTL Regional" bis zu "SAT.1 17:30". Nicht selten machen die jungen Nachwuchs-Techis gleich mehrmals nacheinander mit. Dabei ist Organisator Andreas Ollmann durchaus ambitioniert: "Jedes Kind in Deutschland soll in seiner Schulzeit einmal in der Hacker School gewesen sein", diktiert er uns in die Feder.

"Die Teilnehmer kommen nicht über die Schule."

Alles fing vor 4 Jahren ganz klein an: Ein Einseiter lud zum Infoabend ein, verschickt über den Verteiler von Ministry. Rd. 40 Besucher folgten der Einladung, 13 Kurse konnten Anfang 2014 vom Fleck weg angeboten werden, um als Inspirer die Arbeit der Initiative zu unterstützen. Mit den 2x jährlich angebotenen Wochenenden kamen neue Unterstützer hinzu. Rd. 3 Monate braucht es, ein Wochenende mit bis zu 60 Kindern und Jugendlichen zu organisieren. Dazu gehören Termine abstimmen, Inspirer koordinieren, die Kurse planen. Rund 2 Monate vor dem Kick-off wird die Einladung freigeschaltet.

"Die Anmeldungen kommen fast ausschließlich aus den Familien, nicht über die Schulen", sagt der Hamburger IT-Unternehmer Ollmann. Die Zielsetzung ist klar: "Wir wollen den Kindern ermöglichen, sich später für einen Job in der Informatik zu entscheiden." Das ist so über die Schule heute nicht möglich, auch wenn die Staatsministerin für Digitales im Bundeskanzleramt - Dorothee Bär - Informatik flächendeckend an Deutschlands Schulen einführen will. "Wir sind Unternehmer, deshalb machen wir etwas außerhalb der Schule". ist der Bremer Ökonom stolz auf das Engagement mit seinen Co-Foundern David Cummins und Timm Peters.

"Man kann sehr früh mit der Logik für Programmierung anfangen."


First Lady Elke Büdenbender (Mi.) ist begeistert von "Micro-bits"
Foto: HANSEVALLEY
Eine Reihe von Initiativen engagiert sich bundesweit für das Thema, z. B. das "Calliope"-Projekt mit einem programmierbaren Mini-Computer, die Initiative "Chaos macht Schule" des C3 oder die "Haba Digitalwerkstatt". "Du kannst mit 6 Jahren anfangen", unterstreicht der Geschäftsführer der 60-Mann-Gruppe Ministry z. B. das Engagement der "Digitalwerkstatt". Das "Calliope"-Projekt beginnt mit Erstklässlern, während der ebenfalls in der Hacker School eingesetzte Mini-Computer "Micro-bits" erst ab der 5. Klasse zum Einsatz kommt.

In Hamburg werden die Initiativen vom Bildungsprogramm "Digitale Mündigkeit" der Körber-Stiftung koordiniert und die unterschiedlichen Organisationen zum Erfahrungsaustausch vernetzt. Dabei sind die meisten Aktivitäten im Kern ehrenamtlich, teilweise nur unterstützt durch öffentliche Förderung oder Firmensupport. Erfreulicher Weise sind u. a. mit "Chaos macht Schule", der "Code Week Hamburg", der Hacker School, der Körber-Stiftung, "Jugend hackt" sowie der "Haba Digitalwerkstatt" vergleichsweise viele Initiativen an Alster und Elbe aktiv.

Die Kids können sich ohne elterliche Einflüsse ausleben und gehen auf.

Engagiert für den IT-Nachwuchs: Unternehmer Andreas Ollmann
Foto: Hacker School
David Cummins, mit Andreas Ollmann Herz und Seele des Schülerprogramms, gibt zu Protokoll: "Unser Ziel war es, dass es mehr Erfahrungen mit IT unter Kindern und Jugendlichen gibt." Andreas Ollmann ergänzt: "Unser Ziel ist kein Zertifikat über Programmierung, sondern Begeisterung für Informatik." Der praktische Ansatz gibt den IT-Professionals Recht. Anfangs boten die Hamburger über 4 Wochen Präsenzkurse an. Dank der Inspirer hat sich der Fokus auf 2 Tage am  Wochenende verlagert. Eltern sind grundsätzlich nicht dabei. Die Kids können sich ohne elterliche Fürsorge ausleben und gehen in dem Angebot auf.

Jetzt hat das ehrenamtliche Projekt der Hamburger Hacker School die nächste Stufe gezündet. Wie beim jungen Berufsnachwuchs geht es um die Idee, Talente für die Informatik zu gewinnen. Der Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, First Lady Elke Büdenbender und Hamburgs damaligen Ersten Bürgermeister Bürgermeister Olaf Scholz hatte genau diesen Hintergrund: Mit "Hacker School Plus" bieten die Hamburger auch Geflüchteten mit IT-Kenntnissen die Chance, als Inspirer einen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt zu bekommen, um anschließend schneller und einfacher in IT-Abteilungen und -Unternehmen vermittelt werden zu können.

"Hacker School Plus": Jeder 6. Flüchtling hat einen Tech-Hintergrund

Nach einem sorgfältigen Auswahlprozess haben die jungen Flüchtlinge die Chance, als Inspirer ihre Fähigkeiten einzubringen. Im nächsten Schritt können sie oft ein Praktikum bei einem Hamburger IT-Anbieter beginnen - der Start ihrer beruflichen Laufbahn in Hamburg. "Wir wollen Leute, die was können und eine Affinität haben"; betont David Cummins die Intention von "Hacker School Plus", dem neuen Programm vom Zeughausmarkt. Andreas Ollmann erläutert: "Ich bin über Impact Dock gestolpert." Das Hamburger Innovations-Startup fand bei einer Umfrage in einer Flüchtlingsunterkunft heraus: Jeder 6. Geflüchtete hat einen Tech-Hintergrund.


IT-Profi Muhamed Lakms mit Olaf Scholz in der Hacker School
Foto: Hacker School
Das Ergebnis ist nicht verwunderlich: In Syrien gab es ein hohe Bildungsniveau mit einer großen Akademikerquote. Nicht zufällig haben viele junge Syrer auf IT gesetzt. Genau jenen bietet "Hacker School Plus" die Chance, bei uns ihren Weg zu gehen, wie der junge Syrer Muhmamed Lakms. Der Inspirer arbeitet heute als IT-Experte beim Tech-Dienstleister "Cellular" in Hamburg. Laut offizieller Angaben gibt es in Hamburg gut 50.000 Geflüchtete. Etwa 30.000 gelten als arbeitsfähig. Bei einem Verhältnis von 1:6 bis 1:10 wären das mehrere tausend zumeist junge Flüchtlinge, die mit fortgeschrittenen IT-Kenntnissen Hamburgs IT-Anbieter unterstützen könnten.

"Wir hätten mehr als 20 Kandidaten, die wir sofort vermitteln können."

Natürlich geht das nicht ohne Beantwortung der entscheidenden Fragen: Wie sieht es intellektuell und bildungsseitig aus? Welche sozialen oder sprachlichen Barrieren sind zu überwinden? Reichen die beruflichen Erfahrungen, um im Hochtechnologieland Deutschland mitzuhalten? Zusammen mit einem erfahrenen Jura-Professor aus Damaskus schaut sich das Team zunächst die Lebensläufe an. Zur Verständigung sind deutsche Sprachkenntnis auf B1 erforderlich. Gut gebildete junge Syrer sind nicht selten bereits nach kurzer Zeit auf fortgeschrittenem Niveau B2 oder C1, ergänzt durch Englischkenntnisse.

Über die Bezirke kamen die ersten Empfehlungen für Teilnehmer zu "Hacker School Plus". Im Oktober '17 startete die erste Hacker School mit drei Flüchtlingen. Das hoffnungsvolle Ergebnis des "Beta-Tests": Ein Inspirer konnte kurze Zeit später fest angestellt werden, ein weiterer IT-Experte eine Ausbildung beginnen. Ende 2017 ging das Programm live. Bei der Frühjahrssession im März d. J. waren schon 5 Inspirer dabei. Mit Unterstützung der Hamburger IT-Beratung Alphacoders findet dann der Vermittlungsprozess für die Berufslaufbahn statt.

"Auf diese Weise entstehen viele neue Chancen für alle Beteiligten."

An hoffnungsvollen Talenten fehlt es nicht: "Wir hätten mehr als 20 Kandidaten, die wir sofort vermitteln könnten" unterstreicht Andreas Ollmann, und ergänzt: "Ich glaube, es wissen einfach noch zu wenige." Obwohl viele IT-Anbieter und -Dienstleister konkreten Bedarf an Ingenieuren haben, fehlen ausreichend Unternehmen, die das Projekt aktiv nutzen. Generell freuen sich die Macher über große Offenheit, flexible Rekruting-Prozesse sowie die Vermittlung und Empfehlung. Doch wäre hier deutlich mehr möglich.


Rocken die Zukunft: Hamburger Kids bei der Hacker School.
Foto: Hacker School

Mit 350.000,- € aus dem 2016 verabschiedeten Hamburger Integrationsfonds kann der hinter der Hacker School stehende, gemeinnütze Verein i3 e. V. jetzt über 2 Jahre eine Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte finanzieren, um das Projekt weiter hochzufahren. "Auf diese Weise entstehen viele Chancen für alle Beteiligten", sagt Andreas Ollmann anläßlich des Besuchs von Frank-Walter Steinmeier am Zeughausmarkt Ende Januar d. J. " Geplant sind monatliche Sessions. Dazu Bedarf es weiterer Kandidaten und Kooperationspartner, die koordiniert werden müssen.

Das Hacker School und "Hacker School Plus" Herzensprojekte sind, zeigen die leuchtenden Augen der Schüler an diesem kühlen Samstag-Nachmittag am Zeughausmarkt. Andreas Ollmann bestätigt zum Abschied die wichtigste Erfahrung aus 4 Jahren Hacker School: "Es funktioniert nur, wenn die wichtigsten Personen, die die Kurse geben, das mit Begeisterung und Freude machen." Der Erfolg gibt dem engagierten Team der Hamburger Ministry Group Recht. Vielleicht die schönste Empfehlung, damit weitere Unternehmen dazukommen.

 Hamburg Digital Views: 

HANSESTATEMENT Dorothee Bär - die richtige Frau zur richtigen Zeit:
http://hh.hansevalley.de/2018/03/hansestatement-dorothee-baer.html

 Hamburg Digital Background: 

Hacker School + "Hacker School Plus" Hamburg:
www.hacker-school.de/

Körber-Stiftung - Bildungsprogramm "Digitale Mündigkeit":
www.koerber-stiftung.de/themen/digitale-muendigkeit

Alphacoders - IT-Personalvermittlung Hamburg:
www.alphacoders.de/

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PROGRAMME FÜR INFORMATIK IN DER SCHULE:

"Calliope" - programmierbarer Minicomputer:
https://calliope.cc/

"Chaos macht Schule" - Weiterbildungsprogramm:
https://ccc.de/schule

"Code Week Hamburg" 06.-21.10.2018:
http://hamburg.codeweek.de/

"Jugend hackt" - Programmierkurse:
https://jugendhackt.org/

Haba Digitalwerkstatt - Nachwuchsangebot:
http://www.digitalwerkstatt.de/

"Micro-bit" - programmierbarer Minicomputer:
http://microbit.org/de/

(Aufstellung in alphabetischer Reihenfolge, kein Anspruch auf Vollständigkeit, Änderungen und Irrtümer vorbehalten)