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Dienstag, 26. November 2019

HANSESTATEMENT: Eine digitale Odyssee in Rot-Grün.

HAMBURG DIGITAL WAHLEN

Hanseatische Bescheidenheit zur Digitalisierung an Alster und Elbe.
Urheber: bekannt.

"
Ich wüsste schon, wen ich dort hin ... schicke", frotzelte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Bezug auf sein Raumfahrtprogramm und den Traum vom Flug zum Mond - in einer viel beachteten Rede vor dem CDU-Bundesparteitag am 23.11.19 in Leipzig. Hamburgs Ersten Bürgermeister und SPD-Chefwahlkämpfer Peter Tschentscher meinte er eher nicht. Denn die Freie und Hansestadt beschäftigt sich vor allem mit sich selbst und hat - wie immer - die Stadt und damit sich selbst im Blick, fernab politischer Impulse für die Zukunft.

Der CSU-Chef lobte in seiner Rede den Wissenschaftsstandort Berlin - mit drei kooperierenden Universitäten als einen Exzellenzstandort für die Zukunftsthemen unserer Zeit. Der angstfreie Regierungschef kündigte an, dem Beispiel der Hauptstadt zu folgen, und Hochschulen fernab von LMU und TUM zu regionalen Themenschwerpunkten und lokalen Projektschwerpunkten - vor allem für den geplanten KI-District Bayern - zusammenzuschließen. An die unbekannte Science City Bahrenfeld dachte er offenbar nicht.

"Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete.
Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen ...
Die Kunst ist auch, die Zukunft im Blick zu haben."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Suchen wir beim parteilosen, auf SPD-Ticket laufenden Wirtschaftssenator nach der Hamburger Zukunft. Am 30. September d. J. präsentierte Michael Westhageman voller Stolz die Gründung des Articial Intelligence Center Hamburg, einem privaten Zusammenschluss aus kleinen, mittleren und größeren Unternehmen sowie Hochschulen plus Technologietransfer-Experten. Der unermüdlich die Chancen der KI hervorhebende, scheidende Senator verspricht eine unglaubliche Unterstützung i. H. v. 400.000,- € pro Jahr - für max. 2 Jahre.

In Hamburg tüdeln drei Behörden mit Informatik-Plattform (BWFG), AI-Netzwerkförderung (BWVI) und KI-Prototypen-Förderung in Medien (BKM) herum. Und was macht Bayern? Der Süden investiert 360 Mio. €. Der Freistaat will allein 100 neue Lehrstühle nur zum Thema KI schaffen, davon 22 in der mit Hamburg durchaus vergleichbaren Stadt München - in Worten: "zwei-und-zwanzig". "Die KI ist die Dampfmaschine der neuen digitalen Welt und die Basis für eine grundlegende technische und industrielle Revolution", so Markus Söder.

"Das Tempo der Entscheidungen machen nicht wir,
aber die Geschwindigkeit der Reaktionen - das entscheiden wir."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Natürlich engagiert sich der Senat mit Bürgermeister*in-Kandidatin Katharina Fegebank für den Wissenschaftsstandort. Mit der Informatik-Plattform Ahoi Digital plant die Hansestadt mit 23 Mio. € Fördermitteln von Senat und zwangsweise mit zur Kasse gegebenen Hochschulen 35 neue Informatik-Professuren (auf dann 100 Stellen) und bis zu 1.500 zusätzliche IT-Studienplätze. Womit wir bei der Frage sind, wer den längeren Atem hat. Bayern plant 1.000 neue Professuren für noch einmal zusätzlich 10.000 Informatik- und Technologie-Studienplätze, plus 400 Mio. € für die Hochschulreform.

Zukunft vs. Hafen

Zurück zur rauen Wirklichkeit der Handels- und Logistikmetropole an Alster, Bille und Elbe. Während Markus Söder am 1. Juli d. J. in München die neue Raumfahrtfakultät an der TU einweiht, verbunden mit einem Förderprogramm von 700 Mio. €, einem eigenen Universitäts-Campus und dem Ziel, in Bayern Satelliten zu bauen, baggert man an der Hammaburg nach 17 Jahren Planung und diversen Prozessen zu den geschätzten Kosten einer Elbphilharmonie (866 Mio. €) den Schlick aus dem Fluss.

Gegensätze bringen auf den Punkt, worum es geht. Daher zitieren wir einmal mehr den Bayerischen Ministerpräsidenten: "Alle 20, 30 Jahre braucht es einen großen Sprung, eine nächste Stufe der Rakete. Ich möchte, dass wir Pioniere der Zukunft sind, dass wir Mut für die Zukunft machen." Wo in Antwerpen und Rotterdam innovative Terminals schneller laden und hochautomatisierte Logistikzentren schneller drehen, investiert Bayern mit der Hightech-Agenda 2 Mrd. € in die Zukunft als KI- und SuperTech-Standort, z. B. für Robotik.

Zukunft vs. Games

Der Blick in die Hamburger Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörden lässt weder eine Strategie noch Visionen in Sachen digitaler Zukunft erkennen. Die für den Herbst erwartete neue Innovationsstrategie des Senats ist ein bis heute perfekt gehütetes Geheimnis. Schauen wir beim Senator für digitale Inhalte und Infrastruktur vorbei: Nach der Reanimation des staatlichen Branchenclusters für die Gameswirtschaft verkündet Scholz-Vertrauter Carsten Brosda zur Eröffnung der 1. Gamevention eine - zum 50 Mio. €-Paket von Bundesminister Andreas Scheuer (CSU) - ergänzende, "scharf zugespitzte" Gamesförderung für Hamburg.

Großmütig gesteht er ein, dass die Branche ohne Förderung nicht auskommt. Sein Freund Scholz hatte die vom CDU-Senat eingeführte Prototypenförderung mit bis zu 1 Mio. € zinslosem Kredit 2011 kurzerhand gestrichen. Statt auf Zukunftskurs für die so führende Gamesbranche zu gehen, sammelt der SPD-Wahlkämpfer die Hoffnungen der Branche gleich wieder ein: Eine Förderung wie in Bayern mit 3 Mio. € oder NRW mit 2,4 Mio. € werde es in Hamburg nicht geben. Klingt nach Haushaltskrümeln und Dezember-Fieber der Medenbehörde. Senatskollegin Fegebank wusste bei der Messeeröffnung davon jedenfalls (noch) nichts.

Zukunft vs. Bücherei

Bleiben wir noch einen Augenblick bei der Digitalisierung, wenn man sich im Blitzlichtgewitter oder in Kameralampen wieder einmal sonnen will. Neueste Idee der - die Dächer der Stadt im Blick behaltenden - SPD ist ein "Haus der digitalen Welt". Das medial von der Lokalpresse kolportierte Leuchtturmprojekt soll ein "Bildungs- und Zukunftsort für alle Hamburgerinnen und Hamburger" werden. "Es wird ein bundesweit einzigartiger Ort, an dem Digitalisierung erlebbar und erlernbar wird", feiern sich die Sozialdemokraten für die Schnapsidee ihres am kommenden Samstag zu verabschiedenden Wahlprogramms.  

Was heißt "digitales Haus" auf Deutsch? Ein neuer Standort für die Zentralbibliothek vom Hühnerposten, verbunden mit einer handvoll digitaler Selbstverständlichkeiten - umgesetzt von den staatlich gängelten Bücherhallen und Volkshochschulen. Das Ganze zu einer Fast-schon-so-gut-wie-Revolution an der Kaikante hochgejazzt - und fertig ist ein weiteres Stückchen "Future Hamburg". Kann ja nicht jeder mal eben 4,5 Mio. € in die KI-Entwicklung stecken, wie das arme Schleswig-Holstein. Aber wir wollten ja bei Hamburg vs. Bayern bleiben ...

"Deutscher Provinzialismus in der Hoffnung, das zieht an uns vorbei,
war schon immer gefährlich."
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Hamburg liegt unter den deutschen Städten mit den meisten Digitalexperten auf einem so mittleren Platz 3 - hinter Berlin und München, bei den meisten KI-Experten nicht einmal unter den Top 5 - noch hinter Frankfurt, Stuttgart und Köln. Nur bei den angestellten IT-Experten führt die Hansestadt knapp vor der Startuphauptstadt Berlin. Bei den angesiedelten Startups entgeht die Hansestadt nur um Haaresbreite einem peinlichen 4. Platz, durchgereicht von Stuttgart und Karlsruhe. Dafür wird Hamburg unter den Smart Cities in diesem Jahr von Köln auf den 2. Platz degradiert.

Der Senat reagiert auf Zahlen und Fakten mit eingekauften oder zahmgestellten Leuchtturmprojekten. Der heisseste Scheiss der rot-grünen Sandmännchen unter Mondfahrer Tschentscher ist der "Digital Campus Hammerbrooklyn". Nachdem die miesen Machenschaften von Art Invest aufflogen, schnappte sich Vorzeigemobilisierer Westhagemann das Terrain. Seit dem wird in den grünen Blechboxen die Zukunft der Mobilität diskutiert, alternativ die "Stadt der Zukunft" - also das geplante Büro- und Gewerbeimmobilienprojekt hinter dem Digitalpavillon. Wenigstens der Name ist digital ... 


"Ich kriege manchmal den Satz zu hören: 'Wir müssen der Fels in der Brandung sein.'
Dann stelle ich die Frage: Da, wo Du stehst, gibt's gar kein Wasser mehr?"
Markus Söder, Ministerpräsident des Freistaates Bayern

Über die Grenzen der Elbe hinweg ist die Hansestadt in jüngster Zeit auch nicht durch Digitalkompetenz in Erscheinung getreten. Bei einem Spitzentreffen der Digitalminister, Staatssekretäre und Amtschefs glänzten SPD-Staatsrat Jan Pörksen und sein Chief Digital Officer Christian Pfromm mit Abwesenheit. Während Hamburg sich nicht mit den Unions-Gastgebern aus Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein an einen Tischen setzen wollte, hatten die Genossen aus Brandenburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen kein Problem mit der "Frankfurter Erklärung" zur Zusammenarbeit der Länder.

"Wir haben da Ambitionen, auch Anschluss zu finden."
Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg

HANSEVALLEY hat in den vergangenen 3 Jahren in 1.100+ Nachrichten und mehr als 270 Interviews, Reportagen, Beiträgen und Kommentaren gezeigt, was digital in Hamburg läuft - und was nicht. SPD und Grüne haben in der vergangenen Wahlperiode nicht bewiesen, dass sie in der Lage sind, Hamburg in die digital-vernetzte Zukunft zu führen. Die oppositionellen Christdemokraten freuen sich über mehr oder weniger visionäre Straßenbahnträume, um die Stadt im Blick zu behalten. Die steckt derweil weiter im Schlick fest - statt durchzustarten.


*  *  *

Ein Meinungsbeitrag von Chefredakteur Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background:

Rede Markus Söder 23.11.19

youtu.be/s9NdPNB3uac

Frankfurter Erklärung der Länder

digitales.hessen.de/sites/digitales.hessen.de/files/Frankfurter%20Erkl%C3%A4rung%20der%20D17%20-%20beschlossen.pdf

Spieleförderung des Bundes
bmvi.de/DE/Themen/Digitales/Computerspielefoerderung/computerspielefoerderung.html

Hightech Agenda Bayern

bayern.de/hightech-agenda-bayern/#I,1,3

Raumfahrt-Fakultät TU München

sueddeutsche.de/muenchen/tu-muenchen-neue-fakultaet-luftfahrt-raumfahrt-1.4507176

Sonntag, 22. April 2018

HANSESTATEMENT: Hamburg - die Möchtegern-Hauptstadt der Besitzstandswahrer

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber + Chefredakteur Thomas Keup

Es gibt die "Bewegenden" - und es gibt die "Bewahrer". So einfach kann man das Engagement in Wirtschaft und Wissenschaft, Politik und Verwaltung in Hamburg zusammenfassen. In der über 800-jährigen Tradition von Hafen und Handel sind die Besitzstandswahrer in Netzwerken, Verwaltungen und politischer Kaste erneut in der Überzahl.


Seit mehr als 1,5 Jahren für die Digitalisierung in Hamburg unterwegs:
Herausgeber und Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Huawei

In digitalen Zeiten von Kulturwandel, Automatisierung und Erneuerung entwickeln sich die "Bewahrer" zu "Blockierern". Es wird Zeit, dass die Engagierten und die Ehrlichen das Ruder an Alster und Elbe übernehmen - und die kleinen "König*innen" aus PR-Branche und Onlinemarketing, Hafenwirtschaft und Logistiksektor auf ihre Bedeutung begrenzt werden. Ein Hamburg Digital Statement:

Mittwoch, 11.00 Uhr, auf der Halskestraße am DUSS-Terminal: Wirtschaftssenator Frank Horch überreicht Brummifahrern Franzbrötchen und eine "Logistikhelden"-Karte als Dankeschön. Die zum 3. Mal von der Logistik-Initiative mit Verkehrsbehörde, Speditionsverbänden und Handelskammer veranstaltete Aktion mit 7.000 Zimtschnecken, 64 Unternehmen an knapp einem Dutzend Orten zeigt, wie Hamburg tickt: Die mit rd. 400.000 Beschäftigten dominierende Logistikbranche in der Region feiert ... sich selbst.

So lobenswert Anerkennung und Wertschätzung für den Knochenjob sind: die über 80% osteuropäischen Fahrer mit 40.000 täglichen Fahrten in und rund um den Hafen haben die Aktion oft gar nicht nachvollziehen können. 'Logistikwas? Ok, Plundergebäck for free? Nehm' ich!' Dahinter verbergen sich eine Reihe von Fragen, z. B.: Wieviel Prozent der Trucker haben die aufmunternden Worte des Hafensenators verstanden? Welchen Sinn macht es, einmal im Jahr prekär beschäftigte Fahrer aus der Ukraine zu ehren? und: Was hat Hamburg mit künftig selbstfahrenden Trucks davon?

50 Grußworte und Ehrungen von Senatoren und Staatsräten jede Woche

In kaum einer anderen Stadt finden so viele Empfänge und Ehrungen statt, wie in Hamburg - allein 47 in der kommenden Woche, zeigt der Terminkalender der Senatoren und Staatsräte für die Presse. Wenn man im Jahr für Nachrichten, Magazinbeiträge und Interviews mehr als 400 Termine vor Ort wahrnimmt, fragt man sich: Was soll das? Mit etwas Abstand und Blick auf den Berliner Tiergarten bin ich zu dem Ergebnis gekommen: Eine Stadt, die ansonsten keine Probleme zu haben scheint, beschäftigt sich mit sich selbst - und mit Ehrenkränzen, wenn man schon keine Orden hat.

Man kann einem erkenntnisstarken Innovationssenator, einem überzeugten Mediensenator, einer engagierten Wissenschaftssenatorin und einem bemühten Schulsenator keinen Vorwurf machen. Als Präsides ihrer Behörden müssen sie die ganze Bandbreite der Interessen ihres Bereichs adressieren und berücksichtigen. Spätestens bei den Staatsräten hört die Repräsentationspflicht jedoch auf, ist die Schonzeit vorbei und fängt die Kernerarbeit für die Zukunft der Freien und Hansestadt an. 

Hamburgische Förderpolitik: Inhaltsfrei und ganz viel Spaß dabei

Fehlende Impulse der Staatsräte für ihre Ämter (z. B. in BWVI und BWFG) sind der Anfang vom Ende der Stadt. Gebrochene Versprechen (z. B. im MOVE-Projekt) und chronische Unterfinanzierung (z. B. beim Logistik-Hub) sind der Anfang vom Ende für Rot-Grün. Dauerhafte Subventionsritter und unprofessionelle Umwelt/-Pressesprecher bringen die Provinzialität kleinstädtischer Amateure ans Tageslicht. Desto länger und fokussierter ich als (kritischer) Journalist auf die Scheinaktionen schaue, desto trauriger werde ich.

Das Dilemma Hamburgsicher Selbstbeschäftigung zeigt sich in der Förderung von politisch gewollten, inhaltlichen jedoch z. T. überholten und nicht selten sinnbefreiten Initiativen - von Wirtschafts- bis Standortförderung, von Hochschul- bis Startupförderung. Da verteilt die Stadt neben Riesenetats für eine unproduktive und auch noch unprofessionell auftretende Beratertruppe von Ernst & Young gern mal 50- bis 100.000,- € Tickets als "Schmerzlinderung". Dazu ein paar einfache Fragen, die sich jede*r beantworten kann:
  • Wird ein futuristischer - als "kraftvoll" angepriesener - Messestand von Hamburg Invest auf der Hannover Messe 2018 als simple "Sammeladresse" von DESY und EXFEL, von LZN und ZAL, von HAW und TUHH sowie von Hamburg Innovation und Hamburg Invest irgendeine Strahlkraft auf den mittelmäßigen Wissenschaftsstandort Hamburg besitzen? Dazu die Selbstdarstellung bei der HIW.
  • Kann eine über Behördengrenzen so gut wie unbekannte Startup-Unit bei Hamburg Invest mit aktuell einer Mitarbeiterin und im kommenden Jahr bis zu 3! stolzen Mitarbeiter*innen, mit monatlicher Sprechstunde und einzelnen Konferenzbesuchen irgendeine Wirkung für den abgehangenen Startupstandort Hamburg erzielen? Dazu die Selbstdarstellung bei der HIW
  • Darf ein von Anfang an äußerst sinnvoller, jedoch chronisch unterfinanzierter, von den städtischen Hafenplayern HHLA und HPA bis heute wirtschaftlich im Stich gelassener Digital Hub Logistics Hamburg irgendwelche Innovationen hervorbringen, außer ein subventionierter Coworking-Space für vereinzelte Startups zu sein? Eine Selbstdarstellung gibt es bei der LIHH.
  • Kann eine fast pleite gegangene, bis heute verschwenderische und von Subventionen abhängige Transfergesellschaft TuTech mit ihren Anhängseln Hamburg Innovation und Startup Dock irgendeinen Impuls für mehr als zwei Hände voll Ausgründungen aus allen staatlichen Hamburger Hochschulen hinaus bieten? Die Fakten bei HANSEINVESTIGATION.
Wer nicht auf Grund wohlwollender Fördermittel aka "Schweigegeld" blauäugig durch die Stadt geht, kann zu dem Ergebnis kommen, dass in der Wirtschafts- und Innovationspolitik die größten Hits der 70er, 80er und 90er fortleben. Angesichts der Anstrengungen der "Startup-Hauptstadt" Berlin (Hamburg war nach der KFW-Studie nie "Startupmetropole"), der Technologie-Hauptstadt München, dem Daten-Zentrum Karlsruhe und der Security-Hochburg Darmstadt macht Hamburg im Zweifelsfall als Letzter das Licht aus.

Wollte die BWFG die Informatik eigentlich zusammenstreichen?

Millionenschwere Subventionszahlungen an die TU werden aus einer mittelgroßen Hochschule mit mittelmäßigen Perspektiven im Harburger Wohngebiet sicherlich keine Exzellenz-Hochschule nach Münchener oder Berliner Vorbild werden lassen. Auch wenn eine Informatik-Initiative "Ahoi Digital" der richtige Schritt ist (was nur durch einen überraschend argumentierenden Wissenschaftsrat möglich war) - der Dampfer in Richtung Wissenschaftsmetropole hat abgelegt - und fährt nicht 100 km Elbe aufwärts nach Hamburg.

In einem Gespräch für ein Hamburg Digital Interview bringt der Digitalunternehmer Peter Schmid von WLW in dieser Woche auf den Punkt: Hamburg hat mit der Elbphilharmonie einen internationalen Leuchtturm für Tourismus bekommen. Der Leiter der Landesfachkommission Internet & Digitale Wirtschaft im Wirtschaftsrat fordert: Hamburg braucht einen Leuchtturm für die digitale Entwicklung - inkl. Bildung und Wissenschaft, Fachkräften und Wirtschaft, Infrastruktur und der Hamburger Bürgerschaft. 

Mittelmaß in der Wirtschaftsstruktur, Mittelmaß in der Dynamik.

Ja, Hamburg ist laut Institut der Deutschen Wirtschaft Nr. 3 der digitalsten Städte und Kreise Deutschlands - nach Köln & Stuttgart und vor Berlin & München. Verantwortlich dafür sind 1. die Glasfaser-Infrastruktur und 2. der Grad der Digitalisierung in der Wirtschaft. Punkt Eins berücksichtigt die 71%-ige Versorgung der Privathaushalte. Hafenunternehmen dürfen ihren Mitarbeitern noch immer USB-Sticks mit nach Hause geben... Und Zweitens: Die Digitalisierung bei Otto, Haspa oder Jungheinrich hat sicher nichts mit Impulsen der Wirtschaftspolitik zu tun.

Wenn man das Regional-Ranking 2017 der 401 Städte und Kreise Deutschlands liest, kommt man zu diesem Ergebnis: Aktuelle Wirtschaftsstruktur? Hamburg auf Platz 18. Auf den forderen Plätzen: München und Starnberg, Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis. Dynamik in der Entwicklung? Hamburg auf Platz 108. Vorn weg: der Burgenlandkreis, der Landkreis Dahme-Spreewald und Darmstadt. Zum Mitschreiben: Dahme-Spreewald mit dem Regionalflughafen Berlin-Schönefeld und der kleinen (aber feinen) TH Wildau, die ich viele Jahre unterstützen durfte. Sorry, aber das ist peinlich - für Hamburg.

Die Freie und Wirtschaftsmetropole geht den Weg des HSV.

Es gibt Menschen in Hamburg, die sorgen sich angesichts des Abstiegs in die Mittelklasse um unsere Stadt. Dazu gehört die Unternehmensberaterin und Deutsch-Israelische Netzwerkerin Andrea Frahm, der Wirtschaftsförderer und Hamburg@work-Macher Uwe Jens Neumann, der Business Developer und 12min.me-Gründer Oliver Rößling, der Geschäftsführer und HSBA-Macher Dr. Uve Samuels und der Wissenschaftler und HWWI-Direktor Prof. Henning Vöpel. Sie alle sehen, wie an Rathausmarkt und Adolpshplatz die alten Gefechte gefochten und ansonsten der Kopf in den Sand gesteckt wird.

Und was machen die "Besitzstandwahrer*innen", um sich vor den "Revoluzzern" zu schützen? Sie schreiben justiziable Briefe, führen hinterlistige Telefonate, ignorieren Presseanfragen, lästern hinterrücks und verabreden Ausgrenzung. Man kann gar nicht so blind sein, um die selbstentlarvenden Aktivitäten nicht mitzubekommen. Wie hilflos und dümmlich wirken derartie Sandkastenspiele angesichts der Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft. Mauermentalität hat mit Stolz nichts zu tun - das ist arrogant und erbärmlich.

Hamburg wird weiter abrutschen und verlieren, wenn die ewig Gestrigen aus einer abgewanderten Medienbranche, einer vollautomatisierten Marketingindustrie, einer konsolidierten Handelssparte, einer rückwärts gewandten Logistikbranche und einer schrumpfenden Finanzwirtschaft sich weiter mit Medaillen und Franzbrötchen selbst feiern. Es wäre nich das erste Mal, das ein "Königreich" dem Untergang geweiht wäre - der König is' ja schon weg. Ein Untergang mit gerümpfter Nase, in dunkelblauem Zweireiher und goldenen Manschettenknöpfen. Man gönnt sich ja sonst nichts ...

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Wirtschaftsrat: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst nationalen Anschluss:
www.wirtschaftsrat.de/wirtschaftsrat.nsf/id/4A81E6BD8B41C27AC1258272004F2BC9/$file/WR%20HH_Digitalwirtschaft%20in%20Hamburg.pdf

IW Consult: Hamburg im Regional-Ranking auf dem Weg in die Mittelmäßigkeit:
www.iwconsult.de/leistungen-themen/branchen-und-regionen/staedteranking-2017/

Abendblatt: Wirtschaftsrat warnt vor digitalem Abstieg Hamburgs:
www.abendblatt.de/hamburg/article214070779/Wirtschaftsrat-warnt-vor-digitalem-Abstieg-Hamburgs.html

 Hamburg Digital Views: 
  
HANSERANKING: Die Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft:

HANSESTATEMENT: Peter's Hamburg - Hafenfolklore oder Hightechmetropole?

HANSESTATEMENT: Dorothee Bär - die richtige Frau zur richtigen Zeit:

Donnerstag, 11. Januar 2018

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischen Metropole.



Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

Liebe Leserinnen, liebe Leser:


Herausgeber & Chefredakteur
Thomas Keup
Am 16. November 2016 besuchte ich mit großer Freude den jährlichen Pitch-Contest "Uni Pitch" der Hamburger Hochschulen im Forum Finkenau der HAW Hamburg. Ich war begeistert,  dass eine hochschulübergreifende Veranstaltung Studentinnen und Studenten aus Hamburg die Chance gibt, ihre Ideen für ein neues Geschäft in einem renommierten Wettbewerb zu präsentieren. Ein wenig verwundert war ich über die unübersehbare Präsenz des "Startup Dock". Als merkwürdig aufgefallen war mir der komplett eingekaufte Werbemittelkatalog - von Bierdeckeln bis zu Jutebeuteln. Damals dachte ich mir noch nichts dabei. Ein gutes Jahr später bin ich schlauer.

55 Mann "Wasserkopf", 7,5 Mio. € Personaletats, 4,5 Mio. € "Luxus-Sanierung".

In Hamburg hat sich mit TuTech, der Schwesterfirma Hamburg Innovation und ihrem "Startup Dock" allein ein Verwaltungsapparat von 55 Mitarbeitern in einem für 4,5 Mio. € sanierten "Luxus-Quartier" komfortabel eingerichtet. Ich selbst konnte bei einer Startup-Recherche am 29. August vergangenen Jahres die nagelneuen, ökologisch korrekten Glaskästen der Mitarbeiter*innen in der Harburger Schloßstraße in Augenschein nehmen. Noch bevor TuTech zu einem Investigations-Thema wurde wunderte ich mich, in welch' "Saus und Braus" eine öffentlich-rechtliche Technologie-Transfergesellschaft und ihre Startup-Förderung arbeiten. Heute bin ich mehr als schlauer.

Die Geschichte zur "Steuerverschwendung an der Süder-Elbe" war ursprünglich als Sachbeitrag über die Arbeit der Technologietransfersstelle gedacht. Bis mehrere Kenner von Harburg auf mich zukamen und sagten: "Schauen Sie sich das mal näher an." Zu diesem Zeitpunkt wußte ich weder von dem exorbitanten Personalschlüssel, noch von der Beinahe-Pleite, den mich schockierenden Rügen des Rechnungshofes oder gar den unfassbaren Mieten für Startups in Harburg hintern Fußgängertunnel. Nach Gesprächen mit Hamburger Insidern über die geplante Serie bekam ich immer wieder neue Hinweise, die letzten Fakten teilweise erst 24 Stunden vor der Veröffentlichung.

Jeder Politiker und Verwaltungsbeamter konnte die Zahlen und Fakten nachlesen.

Nahezu alle Informationen in den drei Investigativ-Beiträgen sind öffentlich zugänglich, für jedermann ohne Hürden abrufbare Dokumente, jedoch nicht aus dem Hamburger Transparenzportal. Denn daran nehmen TU und TuTech aus "gutem Grund" nicht teil. Warum die Sprecher der Fraktionen in der Bürgerschaft die Berichte des Rechnungshofes, der TU Harburg und der TuTech GmbH bislang nicht zum Anlass genommen haben, nachzufassen, kann ich nur mit mangelndem Interesse, blinder Gutgläubigkeit und falsch verstandener Sympathie erklären. Hinter den Kellertüren von TuTech roch es bereits vor dem jetzigen Geschäftsführer ziemlich streng. Leider hat sich seit der Übernahme durch Martin Mahn seit 1. Oktober 2014 offensichtlich nichts verändert. 

Mein Eindruck nach den persönlichen Reaktionen renommierter Protagonist*innen an Alster und Elbe, nach dem wütenden Aufschrei eines - natürlich nicht genannten - Mitarbeiters aus der Wirtschaftsbehörde (seine einzige Äußerung zur TuTech-Kritik: 'marktschreierische Darstellungen'), nach den Aufrufen meines Impressums und meiner Facebook-Seiten: hier habe ich offensichtlich in ein Wespennest gestochen. Nach der Veröffentlichung der drei Folgen zur finanziellen Situation, zum geplanten Gründerportal und zur Startup-Förderung kamen gut informierte Vertreter mit den Worten auf mich: "Weißt Du eigentlich schon das ...?".

Die TuTech ist ein Thema - und im Gegensatz zu den Reden - leider nicht positiv.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Erfolgsbeispiele der Startup-Förderung - von Breeze bis Vilisto - nicht von durchsichtiger PR ("80% der Startups sind erfolgreich") billig verwässert werden. Das Aufwärmen der eigenen Aktivitäten in "Hamburg News" und "Harburg Aktuell" mit unbestätigter Behauptung nach Pareto-Prinzip lässt die Arbeit der Fleißigen, Ehrlichen und Engagierten in Technologietransfer, Patentverwertung und Startupförderung in ein zweifelhaftes Licht rücken. Derweil lässt sich Martin Mahn in Harburg als "Mann mit Meinung" feiern, der den Mief im Bezirk "wegwischt". Vielleicht sollte er mal vor der eigenen Haustür anfangen, bevor er den Bundesminister für digitale Infrastruktur anpöbelt.

Diese Fragen stelle ich stellvertretend an die zuständigen Fachsprecher*innen für Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft und Technologie sowie Finanzen und Haushalt:
  • Wann wird die TuTech GmbH ihren überfälligen Geschäftsbericht 2016 veröffentlichen, damit jeder die testierten Fakten nachlesen kann?
  • Sind fast 1 Mio. € Notfall-Rettung und 55 Mann Verwaltung mit 7,5 Mio. € jährlichem Personalaufwand für eine lokale Transferstelle akzeptabel?
  • Ist die Harburger Schloßstraße für Technologie-Startups im internationalen Wettbewerb ohne innerstädtische Nähe heute wirklich eine gute Adresse?
  • Sind rd. 16,- €/qm Warmmiete für betreute Startups im 2. Jahr ff. noch ein vertretbarer Mietpreis oder schon Wucher gegenüber Jungunternehmen?
  • Sind 11 Mitarbeiter für 7 geförderte Jungunternehmen im Startup Dock womöglich eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?
  • Ist der "Gründerpate" Martin Mahn angesichts der nachzulesenden Fakten noch der geeignete Steuermann für die TuTech in Harburg?
  • Wie will der Senat die Geldverschwendung in den Griff bekommen und die Effizienz von TuTech auf ein akzeptables Niveau heben?

Es ist die Aufgabe der Bürgerschaft in Koalition und demokratischer Opposition, im Auftrag der Hamburger Steuerzahler dafür zu sorgen, dem "Dukatenesel" das "Freiticket" zu entziehen. Wenn der von Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde geplante "Innovation Port Hamburg" nicht mit einem Geschmäckle von Steuerverschwendung und "Vetternwirtschaft" ans Netz gehen soll, ist jetzt die Zeit gekommen, in der Harburger Schloßstraße durchzufegen und auszumisten. Hierum wird sich in den kommenden Monaten auch das Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesrechnungshof kümmern müssen, da das "Startup Dock" mit BMWi-Geldern im Werbemittelkatalog shoppen war.

Olaf Scholz, Katharina Fegebank und Frank Horch haben Recht, Wissenschaft und Forschung, Wissenstransfer und wissensbasierte Startups in den Mittelpunkt der politischen Ambitionen für die Freie und Hansestadt zu stellen. Die digitale Transformation und die technologiebasierte Ausbildung der nächsten Generation sind das künftige Kapital, damit in Hamburg nicht mehr ein Kaffeesack nach dem anderen umfällt (wie z. B. Medien, Reederein, Banken und Versicherungen). Die Digital Hub Initiative von Bitkom und Wirtschaftsministerium zeigt: die 11 DE-Hubs neben Hamburg schlafen nicht. Niemand - und ich meine niemand - wird auf die Freie und schlafende Hansestadt warten.

Appell an weltstädtische Politik der echten Offenheit im Interesse der Zukunft.

Die Aufgabe eines Journalisten ist es, zu berichten, was ist. Eine Investigativ-Recherche über mehrere Monate, vertrauliche Gespräche und stundenlanges Studium ist sicher keine "Kuschelgeschichte".  Ja, es tut weh in Wissenschafts- und Wirtschaftsbehörde. Und es ist im Interesse der Stadt, für die ich mich aus voller Überzeugung entschieden habe und jeden Tag stark mache. Eine Stadt, die ein paar "Sümpfe trocken legen" muss, Offenheit gegenüber anderen Meinungen lernen darf und ihre etwas "provinzielle Anmutung" in der Öffentlichkeit gern ablegen kann. Als langjähriger Wahl-Berliner darf ich sagen: Dann klappt's auch mit der Weltstadt. Und das wäre plietsch!

Vielen Dank für die Bereitschaft, sich eine andere Meinung durchzulesen!

Mit  herzlichen Grüßen

Ihr


Thomas Keup
Chefredakteur

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

Mittwoch, 10. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.
www.hanseinvestigation.de

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 3:

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank erklärt am 3. März 2017 zur Eröffnung des Innovation Campus Green Technology: „Gute Ideen und innovative Gründungsansätze brauchen das richtige Umfeld, um erfolgreich sein zu können. Ich freue mich, dass wir so einen Ort mit dem ICGT geschaffen haben. Das einzigartige Konzept der kurzen Wege, schnellem Austausch und der ganzheitlichen Betreuung bietet die Chance junge Talente zu gewinnen und Hamburg als attraktiven Innovationsstandort weiter auszubauen.

Eröffnungsakt nach der Sanierung: ICGT Harburg
Foto: Presseservice TU Harburg/StartupDock

Was steckt hinter dem Innovation Campus Green Technology? Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech? Und wie werden Hamburgs Tech-Startups zur Kasse gebeten - mit wucherähnlichen Mieten? Schließlich: Was plant Martin Mahn mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEVALLEY hat sich umgeschaut, weiter recherchiert und erstaunliche Zusammenhänge gefunden. Ergebnis: In Harburg wird offesichtlich ein Startup-Ökosystem mit virtueller Plattform und subventioniertem PR-Betrieb geschaffen - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft.


HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg.

Es scheint festzustehen: Hamburg Innovation aka TuTech Innovation will auf Dauer Herr über das Gründungsthema an Hamburgs staatlichen Hochschulen werden. In der aktuellen Stellenausschreibung für "beyourpilot" steht: "Zunächst ist die Anstellung auf 5 Jahre befristet mit der Option auf Verlängerung, ggf. Entfristung." Nicht genug: Mit der Auschreibung für den "Startup Port" plant Hamburg Innovation offensichtlich auch gleich die PR für alle Hamburger Hochschulgründungen zu übernehmen. Beweis: ein ausgewiesener "Pressebereich" im Lastenheft der Onlineplattform (Punkt 20).

Unter Punkt 1.3 des Lastenheftes für "beyourpilot" ("Zukünftige Lösung") steht: "Durch die Virtualisierung bestehender Beratungsangebote soll die Schwelle zur Anfrage und Inanspruchnahme gesenkt werden." Unter 1.4 ("Langfristiges Projektziel") heißt es: "Insbesondere soll bei Mitarbeitern in Hochschulen sowie bei der Zielgruppe der Plattform – primär Wissensgründer aus dem Hochschulumfeld – die Plattform als zentrales Instrument bei der Beratung und Förderung von Gründern im Bewusstsein verankert werden." Unter 1.5 ("Ziele am Projektende") lesen wir: "Ziel ist eine von allen beteiligten Partnern und von den Mittelgebern gestützte Fortführung des Projekts nach Ende der vorgesehenen Projektdauer von bislang 60 Monaten". 

"beyourpilot" - Lock-in-Falle für Gründerförderung?


Hier baut sich anscheinend jemand auf Kosten des Stadtsäckels sein künftiges Geschäftsmodell auf, als "Gründerpate" aka "Projektkoordinator" - aber ohne Personal, weil dann virtuell. Dies wird in Punkt 4.7 ("Virtuelle Transferstellen") der Ausschreibung offensichtlich. Auch wenn alle Transferstellen der staatlichen Hochschulen eingeladen sind, ihre Leistungen über die Plattform zu erbringen. Wer betreibt künftig das Portal? Wer bestimmt laut Ausschreibung, wo die Plattform gehostet wird? Wer hat damit die Datenhoheit? Da ist er wieder, der "Fuchs im Hühnerstall" aus Harburg.

Als Feigenbaltt für die Gründeraktivitäten schickt der Harburger Martin Mahn gern seinen "Startup-Doktor" ins Rennen: Dieser berät die Harburger Uni-Startupszene mit sage und schreibe 14 Mann im hauseigenen "Startup Dock" - auf 300 qm luxussanierter Bürofläche. Nimmt man 3 dekorative Vizepräsidenten und Akademische Direktoren aus der Personalpräsentation heraus, bleiben stolze 11 Mann auf staatlichen Stellen - plus Aushilfen, plus Hund. Bei aktuell 7 geförderten Startups entfallen auf jede Gründung 1,5 Berater, plus Aushilfen plus (geteiltem) Hund. Aus Steuergeldern.

Die Startups sind nicht nur gut für den Personalschlüssel. Sie sind ersichtlich auch ein Profit-Center. So kassiert TuTech als Vermieterin von Startup-Büros nahezu Wucherpreise. Die Fakten aus gut unterrichteten Kreisen: Formal sind die Büros für EXIST-Ausgründungen mit rd. 10,- €/qm günstig, abzüglich 20% "Stammkunden-Rabatt". Der Trick: Als Vermieter lässt sich TuTech/Startup Dock 25% der Bürofläche obendrauf als Anteil für "Gemeinschaftsflächen" von den Startups bezahlen. Sprich: Küche, Klo & Co. gehen extra. Plus 5,- €/qm für Nebenkosten. Macht unterm Strich rd. 16,- € warm/qm - von jedem Startup im 2. Jahr ff. - in Harburg bei Hamburg - hinterm Fußgängertunnel.

Schaut man in das Mietkonzept, wundert man sich nicht wirklich: Für Startups stehen effektiv 578 qm Bürofläche zur Verfügung. Das "Startup Dock" belegt mit seiner Fußball-Mannschaft allein 300 qm, dazu das Institut für Entrepreneurship 200 qm und das TuTech-Büro weitere 160 qm - macht zusammen 660 qm allein für den "Wasserkopf". Dazu kommen 444 qm Meeting-Räume + 333 qm Eventfläche. Seite 4 der Drucksache 21/3101 der Hamburger Bürgerschaft zeigt, was der Spaß kostet: fast 800.000,- € im Jahr. Davon soll knapp die Hälfte durch Mieten erwirtschaftet werden. Volltreffer! Für den Steuerzahler dennoch ein Faß ohne Boden: In 5 Jahren versenkt TuTech in Harburg allein für die Immobile 3,1 Mio. €, plus Luxus-Sanierung, plus Notfall-Rettung.

"Nachhaltige Digitalisierung" - Was immer das ist?

Green Tech Campus "ICGT" in Harburg.
Foto: TuTech / J. Kilian
Bei explizierter Beschränkung der Förderungen auf "Green & Clean Technology", "Life Science" und "Nachhaltige Digitalisierung" (was auch immer das sein möge) im neuen Innovationscampus "ICGT", könnte der sorgfältige Haushälter die Frage stellen, wofür 4,5 Mio. € in eine ökologische Sanierung und Neugestaltung geflossen sind: Rechtfertigen aktuell 7 EXIST-geförderte und z. T. kräftig zur Kasse gebetene Startups mit 11 öffentlich bezahlten Beratern eine millionenschwere Immobilie und ein Beinahe-Konkurs? Mit einem EXIST-Programm, das von der Bundesregierung in diesem Jahr eingestampft wird.

Die TuTech mit ihrem "Startup Dock“ jubelt sich derweil im stadteigenen Nachrichtenportal "Hamburg News" in schwindelerregende Höhen. "Managing Director" Christian Salzmann rechnet sich in bester Pareto-Manier schön: „80 Prozent der Startups erweisen sich als Erfolg.“ Der Diplom-Soziologe und promovierte Wissenschaftsforscher vergisst leider die Einordnung: 80% von was? Von allen beratenen Tech-Startups? Von 80% der ausgesiebten EXIST-Startups? 80% von 6 Förderungen im 2016 oder 7 Förderungen in 2017? Bei aktuell 640 Startups laut Hamburger Monitor macht das den Kohl wohl auch nicht mehr fett.

Die erst 1980 in die Forschungs- und 1982 in den Lehrbetrieb gegangene Harbruger Hochschule hat gerade einmal 92 Professuren. Dahinter stehen 32 reguläre Studiengänge. 7.620 Student*innen zählt die Universität. 123 Mio. € kostet der Spaß den Hamburger Steuerzahler im Jahr. Zum Vergleich: Die Uni Hamburg hat rd. 43.000 Studenten in 174 Studiengängen mit 704 Professor*innen - einschl. UKE. Die HAW Hamburg zählt 16.800 eingeschriebene Studenten in 75 Studiengängen mit zusammen 386 Professor*innen. Was rechtfertigt einen nachgewiesen millionenschweren, laut Google-Analyse nur von 9 bis 5 überhaupt anwesenden, "Wasserkopf" in Transfer und Startup-Betreuung. 

Im vergangenen Jahr holte die TuTech im Rahmen ihres eigentlichen Geschäftszwecks - des Technologietransfers - 513 neue Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 12,8 Mio. € rein, wie der Geschäftsbericht der TU Hamburg-Harburg ausweist. Dabei rechnetete sie sich ihre Angebote so schön, dass kein anderer überhaupt eine Chance hatte, wie der Rechnungshof in seinem Bericht 2017 scharf angreift. Vielleicht sollte sich TuTech auf den eigentlichen Zweck konzentrieren und nicht versuchen, mit teuren Luftschlössern und einer handvoll Startups andere Player im Hamburger Forschungs- und Startupsystem zu übervorteilen - mit millionenschweren Steuersubventionen. 

Dazu im Hamburg Digital Magazin: 

  • Welche Fragen die Hamburger Bürgerschaft jetzt beantworten lassen sollte 
  • Wie der Senat sein hehres Ziel der Wissenschaftsmetropole retten kann
  • Wie unsere Stadt zur offenen und erfolgreichen Weltstadt werden wird 

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischen Metropole.



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 Hamburg Digital Recherche: 


HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2

HANSESTATEMENT: Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung BWFG 03.03.2017: 
www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/8292486/2017-03-03-bwfg-innovationcampus-green-technologies-icgt-eroeffnet/

Mietkonzept "Innovation Campus Green Technologies"
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/51431/haushaltsplan-2015-2016-haushaltsjahr-2016-einzelplan-3-2-der-beh%c3%b6rde-f%c3%bcr-wissenschaft-forschung-und-gleichstellung-nachbewilligung-gem%c3%a4%c3%9f.pdf

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017:
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Gründerservice Leuphana Universität Lüneburg:
www.leuphana.de/forschung/foerderung/existenzgruendung.html

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Montag, 8. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 2:

Wirtschaftssenator Frank Horch erklärt am 5. September 2017 vor der Landespressekonferenz Hamburg: "Neue Technologien und deren Kommerzialisierung in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sind der Haupttreiber von Wohlstand und künftigem Wachstum in unserer Stadt. Dazu brauchen wir Gründerinnen und Gründer, die gemeinsam mit Wissenschaft und Wirtschaft die Zukunft Hamburgs gestalten."

Wirtschaftssenator Frank Horch vor der Landespressekonferenz Hamburg
Foto: Pressearchiv Hamburg Innovation

Der Spitzenpolitiker weiter: "Hamburg hat dazu die besten Voraussetzungen: eine lebendige, stetig wachsende Start-up-Szene und namhafte Industrieunternehmen und innovative Mittelständler, die die notwendige Expertise und Ressourcenausstattung für ein funktionierendes Gründungs- und Innovations-Ökosystem mitbringen. Gründungsförderung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Baustein des Wissens- und Technologietransfers. Ich freue mich daher über die gemeinsame Initiative von Hochschulen und DESY.

Was präsentiert Frank Horch an diesem Morgen vor Hamburgs Landespresse? Was steckt hinter "beyourpilot"? Ist der "Startup Port Hamburg" womöglich dreist abgekupfert? HANSEVALLEY hat die Ausschreibung gelesen, weiter recherchiert und hinter die Kulissen geschaut. Ergebnis: In Harburg wird mit mehr als einer halben Millionen Euro ein Portal mit Formular, Adressen und offensichtlich schon mal verkauften Bestandteilen geplant - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft. 

HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg.

Harburgs vermeintlicher "Gründerpate" Martin Mahn ist 2017 durch die Förderszene an Alster und Elbe gezogen. Sein Ziel: Mitfinanzierer für eine geniale Idee: Ein von TuTech über Hamburg Innovation kontrolliertes Gründerportal. Wie der Hase bei "beyourpilot" läuft, ist in der aktuellen Stellenausschreibung für die Projektkoordinatoren nachzulesen: "Das Onlineangebot wird die Gründungsaktivitäten der genannten Einrichtungen vernetzen und Gründende sowie deren Beraterinnen und Berater in der jeweiligen Gründerservice-Einheit bei der Entwicklung der Geschäftsvorhaben mit digitalen Tools unterstützen. Offline-Angebote flankieren in den Einrichtungen vor Ort die Online-Funktionalitäten." 


Geplante Homepage für "beyourpilot"
Quelle: Pressepräsentation Hamburg Innovation

Hamburg Innovation fungiert laut öffentlicher Ausschreibung als "Projektkoordinator", übernimmt damit cleverer Weise die Federführung der auf 5 Jahre geplanten Plattform. Dazu kommen Sprechstunden und Meetups vor Ort - wie gesagt "flankierend". Von beschämenden 14 EXIST-geförderten Gründungen an Hamburger Hochschulen in 2016 wurden 6 - und damit fast die Hälfte - an der TU gestartet. Die anderen staatlichen Hochschulen liegen noch mehr unter ferner liefen. Womit feststeht, welcher "schlaue Fuchs" seine "positiven Erfahrungen" als "Erfolgsbeispiele" in den Ring wirft, nachzulesen in der aktuellen PR-Geschichte der stadteigenen "Hamburg News". Obwohl die TU Harburg gegen die Entrepreneur-Hochschule "Leuphana" in Lüneburg mit 55 EXIST-geförderten Beteiligungen im Jahr eigentlich zumachen könnte.


"beyourpilot" - Mehr als Formular & Adressbuch? 


Schauen wir uns die geplante Gründerplattform "Made in Harburg" genauer an. In der Pressemitteilung der TU Hamburg werden uns diese Elemente der "1. Ausbaustufe" im Detail verkauft:

Ein "Ideensteckbrief“: 'Wissensgründer sollen Gespräche mit den Gründungsberatern strukturiert vorbereiten können. Wichtige Fragestellungen, Terminologien u.ä. werden durch das Tool etabliert, das auf der Plattform und bei allen Plattformpartnern in den Standardprozessen eingesetzt wird.'
  • Im Klartext: Ein online bereitgestelltes Business Model Canvas-Formular zum Ausfüllen, wie die Ausschreibung mit dem Muster von Evers & Jung zeigt.
Ein "Expertenshop“: "Spezialisierte externe Fachexpertise rund um das Thema Gründungen wird auf einem „Marktplatz“ für die Wissensgründer transparent gemacht."
  • Im Klartext: Eine online durchsuchbare Datenbank mit noch zu findenden Fachleuten zu einzelnen Themen, wie das Lastenheft der Ausschreibung ausführt. 
Ein "Finanzierungskompass“: "Wissensgründer identifizieren mögliche Finanzierungsinstrumente und konkrete Förderprogramme – sowohl aus öffentlicher als auch aus privater Hand."
  • Im Klartext: Ein online zu beantwortender Fragenkatalog zum Finden regionaler und nationaler Förderprogramme, wie das Konzept von Evers & Jung zeigt.
Ein "Ressourcenfinder“: "Bietet Wissensgründern eine Übersicht zu vorhandenen Technologie- und Know-how-Ressourcen an Hamburger Wissensorganisationen und unterstützt den Zugang zu diesen."
  • Im Klartext: Die selbe Datenbank wie für den "Expertenshop", jedoch mit Adressen für Maker Spaces & Co., wie die öffentliche Ausschreibung darlegt.
Das ganze mit eigenem Event-Kalender (á la "Startup Guide Hamburg"), Startup-Meldungen (á la "HHS Net") und Startup-Porträts (wie bei HANSESTARTUPS). Konnte ja niemand wissen, dass es schon so etwas in und für Hamburg gibt - privat finanziert und regelmäßig aktualisiert - ohne einen Cent Steuergelder.


"beyourpilot" - Copycat der "Gründerplattform"?


Wer sich ein wenig in der Startup-Szene umschaut, stolpert über die von der KfW Förderbank und dem Bundeswirtschaftsministerium finanzierte, ebenfalls von der Hamburger Beratungsagentur Evens & Jung konzeptionierte und aktuell in der Beta-Phase befindliche "Gründerplattform". Recherchiert man die Module der für März 2018 annoncierten Plattform, trifft man auf diese kommunizierten Themenfelder:
  • "Einstieg & Motivation“
  • "Ideenwerkstatt“
  • "Geschäftsmodellentwicklung“
  • "Businessplan“ sowie
  • "Finanzierung & Förderung“

Beim Abgleich der Themenfelder von "beyourpilot" Hamburg mit der "Gründerplattform" Berlin werfen sich diese Fragen auf:

Kann es sein, dass im Hamburger "Ideenbrief" die gleichen Fragen erarbeitet werden, die in der KfW-"Ideenwerkstatt" durch einen strukturierten Prozess online gestellt, gewichtet und mit Persona-Beispielen beantwortet werden?

Genau das sieht der von Evers & Jung als Anlage 4.2 in die Ausschreibung aufgenommene "Ideenbrief" nach dem Vorbild des Business Model Canvas offensichtlich vor.

Kann es sein, dass in Hamburger "Expertenshop" und Ressourcenfinder" die gleichen Technologie- und Know how-Ressourcen angeboten werden, die auch in der selektiven Auswahl auf gruenderplattform.de erscheinen werden?

Genau das ist beim Lesen der Absätze im Lastenheft (Expertenshop/Beratungsfinder: Punkt 4.5 ab Seite 62, Ressourcenfinder: Punkt 4.6 ab Seite 71) schwer zu vermuten.

Kann es sein, dass im Hamburger "Finanzierungskompass" die selbe Technik steckt, die i. A. von KfW und BMWi Hilfe suchenden Startups regional herunter gebrochen passende Finanzierungsvorschläge und Förderinstrumente bereitstellt?

Genau das ist unter Punkt 1.4 des Lastenheftes auf S. 11/12 der Ausschreibung zu finden: "Außerdem sollen Finanzierungsangebobte auf lokaler wie auf Bundesebene mittels eines Finanzierungskompasses vorgestellt werden."


Gruenderplattform.de: Vorbild für ein Copycat aus Harburg?
Foto/Grafik: Hompepage Gründerplattform

Ideen-, Experten- und Finanzierungsfinder lassen sich die Partner des bundesweiten Portals gruenderplattform.de - Evers & Jung und die Berliner Agentur Business Pilot - offensichtlich bereits fürstlich vergolden. Aus unterrichteten Kreisen ist von einem "hohen einstelligen Millionenbetrag" aus Fördertöpfen die Rede - für Konzeption, Portalentwicklung und Betreuung. Dazu kommen Lizenzen für den "SmartBusinessPlan" von Evers & Jung aus Hamburg, der als lizensiertes Whitelabel-Angebot mit drin steckt.

Fragt sich, wann der Online Business Plan auch in Hamburg auftauchen könnte. Der USP von Jan Evers ist als Tool für 29,- €/Monat seit 2014 unter smartbusinessplan.de zu finden, wird Gründern über die Hamburger Sparkasse und den Finanzverbund schmackhaft gemacht, steckt in der 2007 von Jan Evers erdachten Gründungswerkstatt der Handelskammer und 38 weiteren IHKn - und als Whitelabel-Angebot eben in der neuen bundesweiten gruenderplattform.de von BMWi und Förderbank KfW. 

Und der Hamburger Senat? Nimmt die offensichtlichen Doppelungen zur Kenntnis - und sagt in der expliziten Anfrage des FDP-Fraktionschefs Michael Kruse vom 15.12.2017 ... so gut wie nichts, nachzulesen hier. Umso großzügiger scheint der Senat beim Füllhorn ausschütten zu sein: Für "beyourpilot" stellt die Wirtschaftsbehörde im Rahmen des Programms "Gründerland Hamburg" laut Ausschreibung eine Finanzierung von knapp einer halben Mio. € bereit. 500.000,- € für eine offensichtlich weitgehende Copycat-Plattform.


"beyourpilot" - mind. 580.000,- € an Steuergeldern.


Für die zur bundesweiten "Gründerplattform" ähnliche Vorarbeit bei "beyoupilot" bekam Evers & Jung bereits stolze 80.000,- €, wie eine frühere Anfrage des FDP-Abgeordneten Kruse zeigt. Wohl gemerkt: Für die "Grobkonzeption". Und die steckt samt Logo jetzt in der Ausschreibung - downzuloaden hierEin Schelm, wer auf die Idee kommen könnte, hier verkauft ein cleverer Berater das Konzept eines Businessplan-Moduls mit Service-Portal mehrmals - nämlich an Kammern, Sparkassen, Förderbanken und an die in der Selbstdarstellung große "Startupfabrik" aus Harburg. 


"beyourpilot" - bereits ein 3/4 Jahr hinter dem Plan.

Die Vergabe von Programmierung und Pflege des Hamburger Portals ist laut Ausschreibung bis zum 28.02.2018 geplant. Bis dahin müssen die Angebote gültig sein. Der rote Knopf für das "neuartige Unterstützungsangebot für Gründerinnen und Gründer" soll im 2. Halbjahr 2018 gedrückt werden, glaubt man den bislang kommunizierten Aussagen. Bei geplantem Programmieraufwand von 18 Monaten ab 01.03.2018 ist das Projekt laut Adam Riese bereits zur Ausschreibung mindestens ein 3/4 Jahr hinter dem Plan - im besten Fall. Roter Knopf? Nicht vor 2019. Auch wenn der Senat in seiner Antwort (s. o.) von "planmäßig" spricht, was auch immer das heißen mag. 


Macht "beyourpilot" die Gründungsberatung der Hochschulen überflüssig?
Foto/Grafik: Homepage Universität Hamburg 

Und die Partner? Sind die anderen Hamburger Hochschulen vom Modell der TuTech-Schwester Hamburg Innovation GmbH begeistert und geben gern ihre eigenen, bescheidenen Aktivitäten für das grosse Ganze auf? Warum hat die Universität Hamburg dann seit 1989 mit der Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer - AWiTT - eine Business-Unit mit 4 Stellen? Warum unterstützt Deutschlands größte Fachhochschule - die HAW Hamburg - dann mit einer Stabsstelle Forschung und Transfer drei Forschungs- und Transferzentren. Und warum gibt es an allen staatlichen Hochschulen EXIST-Ausgründungen?

Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech in den Plänen von Martin Mahn? Wie nimmt der Innovation Campus Green Technology Hamburgs Tech-Startups aus? Und was plant Hamburgs vermeintlicher "Gründerpate" in der Harburger Schloßstraße mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg: www.hanseinvestigation.de



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 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

HANSESTATEMENT:
Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Pressemitteilung BWVI 05.09.2017:
www.hamburg.de/bwvi/medien/9454216/2017-09-05-bwvi-beyourpilot-startup-port-hamburg/

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Lastenheft EU-Ausschreibung "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA/download?path=%2FUnterlagen%20zu%20dem%20VgV-Verfahren%20zu%20der%20TED-publication%20364608-2017&files=Anlage%204.1%20-%20LASTENHEFT.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.06.2016
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/52724/wissensbasierte-gr%C3%BCnderplattform-%E2%80%93-fehlt-es-dem-senat-an-wissen-oder-an-gr%C3%BCndern-f%C3%BCr-die-plattform-.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.12.2017
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60299/%E2%80%9Ebeyourpilot-%E2%80%93-startup-port-hamburg%E2%80%9C-%E2%80%93-wie-ist-der-aktuelle-stand-.pdf

Pressemitteilung BMWI Berlin 21.12.2017
www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/foerderrecherche,did=813798.html