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Donnerstag, 20. August 2020

HANSESTATEMENT: Willkommen in der #CancelCulture - die Inquisition der Neuzeit.

Ein HANSE DIGITAL STATEMENT
- von Thomas Keup & Gerd Kotoll -
*Update 20.08.2020*

Kaberettistin und Provokateurin: Kunstfigur Lisa Eckhart, 2018
Foto: Richard Huber, CC BY-SA 4.0

War das ein Wirbel: 'Wie konnten sie nur?' 'Mit der Begründung?' 'Und ausgerechnet hier?' 'Und dann noch dieser Kultursenator!' Die österreichische Kunstfigur Lisa Eckhart wurde mit ihrem Debütroman "Omama" vom Literaturfestival "Harbour Front" der Freien und Hansestadt kurzerhand ausgeladen - und damit ausgesperrt. Die Veranstalter der von der Großspedition "Kühne + Nagel" und dem Hamburger Kultusenator gesponserten Veranstaltungsreihe sahen sich einer kollektiven Zensur von Autoren und Locationbetreibern konfrontiert. 

"Der berüchtigte Schwarze Block der Hafenstraße schlägt also den schwarzen Humor, und er muss dafür noch nicht mal randalieren. Das heißt, dass der Mob bestimmt, wer auftreten darf und wer nicht, und dass die Feigheit regiert."
Knut Cordson, "BR Kultur Bühne", 06.08.2020

Die ehrbare Kaufmannsstadt tappte mit dem Debütantensalon ihres ach so liberalen Vorzeigeevents in die "Cancel Culture"-Falle - und Diskursraumsenator Carsten Brosda mit einer Videoschalte als Notlösung vorneweg. Zwei Autoren lehnten es laut "Zeit" ab, mit der bekannt-aneckenden Nachwuchsautorin auf einer Bühne zu lesen. Ein alternativer Soloauftritt wurde von den offenbar verängstigten Betreibern des "Nochtspeichers" abgelehnt. Begründung: Drohender Krawall aus der Hafenstraße. Folge: Die Festival-Veranstalter drängten auf einen "freiwilligen Verzicht der Teilnahme".

Die laut "Zeit" an Alster und Elbe angekommene "Cancel Culture" ist gar nicht in Hamburg angekommen. Und sie ist auch kein Phänomen heutiger Tage. Die kollektive Zensur anläßlich der Nominierung des mit 10.000,- € dotierten "besten deutschsprachigen Romandebüts" inkl. Lesung am 14. September d. J. hat in der Heimat der Pfeffersäcke seit Fälschung der Hafenurkunde vor 821 Jahren Tradition. HANSEVALLEY ist ebenfalls ein Opfer der modernen Inquisition von ungeliebten Störenfrieden. Ein Hanse Digital Statement von Thomas Keup und Gerd Kotoll:

Hat die 27-jährige gebürtige Lisa Lasselsberger antisemitische Witze gemacht? Oder schlachtet die österreichische Kabarettistin antisemitische Klischees für schale Witze aus, wie es ihr die "Zeit" vorhält? Wer die steirische Künstlerin auf der Bühne oder im Fernsehen sieht, kann zu dem Ergebnis kommen: Hier konfrontiert eine Künstlerin der Worte und Gesten die feminine "Versace"-Eleganz mit frivoler Provokation. Wie 2018 in den "WDR-Mitternachtsspitzen", für die sie noch in diesem Jahr von "Gutunmenschen" mangels fehlender Anschwärz-Alternativen gesteinigt werden sollte. Hamburgs Wochenzeitung kritisiert sie bei ihrem zweiten von vier angekündigten Bühnenprogrammen für ein scheinbares Abdriften bei den Themen - vom Bildungsbürgertum zum Antisemitismus. 

Die Germanistin mit Masterabschluss ist sicher eines nicht: dumm. Schon an der Freien Universität Berlin beschäftigte sie sich mit dem Thema "Weiblichkeit und Nationalsozialismus". Thema einer Masterarbeit? Abgelehnt! Schade eigentlich ... hätte ein interessantes Stück deutsch-österreichischer Geschichte werden können. Ein Blick in die Wikipedia hätte auch den neunmalklugen Feuilletonisten geholfen. Aber wer recherchiert schon, wenn man eine gefestigte Meinung hat ... Eine Steiermärkerin, die über Graz und Wien nach Berlin kam - und weiter nach London (oder auch Amsterdam) reiste, um den Mief ihrer Kindheit zu verarbeiten? Ein gern genommener Weg dörflich gequälter Steirer in die große, weite Welt.

"Wenn man Hamburg und den Schwarzen Block in Hamburg kennt, von dem diese Drohungen wohl ausgegangen sind, muss man die ernst nehmen".
Veranstalter "Harbour Front"-Festival
"Deutschlandfunk Kultur", 14.08.2020

Anfang August d. J. meldet der "Spiegel" aus der Hafencity, die Leitung des "Harbour Front"-Festivals "sehe sich außer Stande, im Falle einer Lesung die Sicherheit der Besucher und der Künstlerin zu gewährleisten". Und das in einer Stadt, in der laut Olaf Scholz ein G20-Gipfel mit der Leichtigkeit eines Hafensgeburtstags gemeistert werden-können-sollte. Hat die Freie und Hansestadt ein ernsthaftes Sicherheitsproblem? Sind Hamburger Schutzleute in stylischen "Colani"-Uniformen so schwach, dass schon gegen die G20-Krawalle österreichische Unterstützung der Spezialeinheit "Cobra" einspringen musste? Ist Lisa Eckhart heuer Nachhilfelehrerin für die Hamburger Kultur?

Ok, Zynismus ist ein beißender Spott, den wir uns als unabhängige Redaktion in den vergangenen rd. vier Jahren zu Eigen gemacht haben, um uns über die gesellschaftlichen Konventionen von "Pfeffersäcken" (vgl. Ehrbare Kaufleute), "Boxenschubsern" (vgl. Container-Spediteure) und  "Kleingeistern" (vgl. Hamburger in mind. x-ter Generation) hinwegzusetzen. Zum Glück haben wir seit Jahresbeginn den parteiunabhängigen Blick auf den ganzen Norden - und nicht nur auf die Hammaburg hinterm Deich. Und damit konnten wir herzhaft lachen, als wir die "Cancel Culture"-Geschichte lasen - und mit unserer eigenen Geschichte abglichen.

"Es ist unseres Erachtens sinnlos, eine Veranstaltung anzusetzen, bei der klar ist, dass sie gesprengt werden wird, und sogar Sach- und Personenschäden wahrscheinlich sind. Wir haben in den letzten Tagen bereits aus der Nachbarschaft gehört, dass sich der Protest schon formiert".
Organisatoren "Nochtspeicher" Hamburg
"Spiegel", 05.08.2020

Die Strategie der kollektiven Zensur aka "Cancel Culture" ist so simpel wie perfide: Interessenvertreter werfen einer wortgewaltigen Künstlerin vor, noch gewaltiger mit rassistischen und antisemitischen Klischees zu arbeiten - und die Falle schnappt zu. Genau das ist des Pudels Kern: Ein Angriff auf der ethisch-moralischen Ebene - der einzigen Ebene unserer Kommunikation, die nicht von Argumenten geprägt und sachlich widerlegt werden kann: keine finanziellen oder technischen, keine organisatorischen oder zwischen-/menschlichen Aspekte (vgl. ETHOS-Prinzip). Hier spielen vermeintliche Gutmenschen  - Lisa Eckhart nennt Sie "Gutunmenschen" - auf der gesellschaftlichen Ebene mit idiologisch gefestigter Moral "Ene, mene, muh ...".

Bleiben wir bei moralischen Angriffen und Ausschlüssen: Fachleute unterscheiden zwischen fünf moralischen "Totsünden": Da gibt es 

  • die öffentliche Moral mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft
  • die politische Moral mit Blick auf die Vorbildfunktion öffentlicher Vertreter (bitte nicht verwechseln mit dem Hamburger Innensenator "Andy-wir-gehen-heute-Corona-groten-Grote")
  • die juristische Moral mit gesetzlichen Verstößen
  • die religiöse Moral im Namen (christlicher) Grundwerte sowie 
  • die private Moral und Verantwortung gegenüber der Familie.

"Mit aggressiven Methoden sollen politische Widersacher zum Schweigen gebracht werden."
Malte Lehming, "Der Tagesspiegel",
Update 08.08.2020

Wurden Übeltäter im Mittelalter mit religiöser Moral gesteinigt, gehängt oder gar geköpft, landen heute vor allem Politiker auf dem Scheiterhaufen. Dabei ist ein handfester Skandal aka Shitstorm niemals Zufall - sondern in den meisten Fällen mit Neid - eigentlich mit Missgunst -, Hass, Bösartigkeit und öffentlicher Reichweite verbunden. Wie gut, dass es verlässliche soziale/Medien gibt, die niiiieeemals blutrünstig eine Hetzjagd veranstalten würden. Na gut, fast nie. Uns stellte im April 2017 ein Hamburger SPD-Hinterzimmer-Funktionär mit seiner aus "Scholz & Friends"-Zeiten geliehenen Social Media-Community und dreisten Unwahrheiten an den "Facebook"-Pranger.

"Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden."
Schrift von Rosa Luxemburg (1871-1919),
Mitbegründerin Kommunistische Partei Deutschlands

Es war die Keule öffentlicher Moral, die der "Sozi" in 2. Generation schwang: 'Wie konnte es ein Berliner Journalist wagen, kleine Hamburger "Versicherungshelden" öffentlich die Leviten zu lesen, die den "12min.me"-Startuppreis - einen eintägigen PR-Workshop - einfach schwänzten?' Um es zum Skandal hochzujazzen, half dem vierfachen holsteiner Familienvater (Nein, er ist kein Hamburger!) sein Job für einen Marketing-App-Inkubator und die verdrehte Wahrheit, Startups seien vom HANSEVALLEY-Chefrredakteur als "NMA"-Mentor enttäuscht gewesen. Und schon schnappt die Falle zu: Ein Interessenverterer (bei uns Social Media-Berater), der eine mediale Kritik an Rotzlöffeln der Startup-Szene umkehrt, um daraus als öffentlicher Wortführer eine Hetzjagd anzuzetteln. Wirklich sozial - und demokratisch ...

Die Inquisition - von Political Correctness bis Cancel Culture:
Moralischer Angriff, Schuldumkehr, Skandalisierung & Ausschluss.

AblaufBeteiligteFall Lisa EckhartFall HANSEVALLEY
Eins:Missgünstiglinge getarnt2 Autoren2 "Startup-Muttis"
Zwei:Vorwurf/SkandalisierungAntisemitismus-Witzeoffene Startup-Kritik
Drei:Täter-Opfer-UmkehrKünstlerin als "Täter"Journalist als "Täter"
Vier:Moralische Angriffreligiöse Moralöffentliche Moral

Fünf:Multiplikator/enVeranstalterInkubator-COO
Sechs:Künstliche Eskalation"Schwarzer Block"NMA-Ausschluss
Sieben:Öffentlicher Pranger"Qualitätsmedien"Soziale Medien
Acht:Offizieller AusschlussAusladungKündigung
Neun:"Im Namen der Moral""Sie muss sterben""Er soll verschwinden"
Zehn:Öffentliche HinrichtungSystemausschlussSystemausschluss

Damit haben wir einen Interessenvertreter, der seine wahren Beweggründe tarnt, sei es die Furcht, nicht mehr "King of the castle" im digitalen, verschlossenen Mittelalterdorf Hammaburg zu sein, sei es die freundliche Hilfestellung mit-für selbsternannte Startup-Muttis, die womöglich ihre Felle wegschwimmen sahen/sehen, wenn ein Journalist echte Geschichten über echte Startups schreibt. Entscheidend sind die folgenden Schritte des Dramas in zehn Szenen, die bei jedem moralischen Angriff zu einem kollektiven Ausschluss aka "Cancel Culture" führen - und mit Vorsatz die wirtschaftliche Vernichtung anstreben. An dieser Stelle wird es interessant, wie die Kaufmannsgilde in Hamburg tickt:

In drei Schritten zum Rausschmiss aus der Gesellschaft.

Wie ich bereits 2014 in einer Präsentation zum professionellen Krisenmanagement aufbereit habe (s. u.), folgt dem Angriff zumeist der Ausschluss - eine fiese Aufführung in drei Akten: 1. Akt - Abkehr vom Delinquenten und Verweigerung der Zusammenarbeit. Im Fall von Lisa Eckhart waren dies zwei vermeintlich betroffene Autoren, die mit der frech-frivolen Österreicherin nichts zu tun haben wollten. Im Fall von HANSEVALLEY kündigte mir o. g. SPD-Funktionär die Zusammenarbeit mit (s)einem Hamburger Marketing-Inkubator auf. Das ist der Steigbügel für den Systemausschluss.

In unserem Fall verwehrte Hamburgs Behörden-Inventar Jens Unrau - Chef des Medien-Referats - auf Betreiben seines Web 2.0-Kumpels anschließend die "Freundschaft". Wir verloren Medienpartnerschaften mit "Nextmedia Hamburg" und "Gamescity Hamburg". Zudem zogen zwei stadtbekannte Startup-Flüsterinnen ihre Strippen und diskreditierten uns bei "12min.me". Sina G. schrieb sogar Kunden an, um mich als Chefredakteur und PR-Spezialist schlechtzumachen. Womit die "Cancel Culture" mind. seit April 2017 in Hamburg zum Handwerkszeug von Missgünstig*innen gehört. Das ist der Anfang vom gemeingefährlichen Einsatz versteckter Dolche.

Wenn die Qualitätspresse mit dem Benzinkanister zündelt.

Im nächsten Schritt solidarisiert man sich empört mit anderen mehr oder weniger oder auch gar nicht Betroffenen: 2. Akt - Mediale Koalition gegen den Schuldigen. Hier kommen heute gern "Facebook", "Twitter" & Co. zum Einsatz, weil ja so schön anonym: 'Kann man ihn nicht zurückschicken, woher er kam?' titelte Sina G's beste Freundin Sanya S. auf "Facebook" (ja, wir haben den Post noch ...). Like vom "DPA"-Chefinnovator! Das die Hetzjagd nichts mehr mit sachlichen, fachlichen Argumenten zu tun hat, ist klar. Bei Lisa Eckhart waren es "FAZ" und "taz", "SZ" und "Zeit" mit mehr oder weniger intelligenten Kommentatoren, die als selbsternannte Qualitätsmedien ein wenig mit dem Benzinkanister rumzündelten. Kann ja Leser bringen ... man weiß ja nie.

"Lisa Eckhart muss sterben" brachte die niedergestreckte Kabarettistin die Debatte mit vier klaren Worten gegenüber dem "Spiegel" selbst auf den Punkt. Womit wir beim 3. - finalen - Akt der Hinrichtung wären: der Drohung mit Konsequenzen auf juristischer und publizistscher Ebene. In diesem Fall waren es die echten oder echt erscheinenden Drohungen der Nachbarschaft des "Nochtspeichers" - beunruhigte Community mit Angst vom schwarzem Block aus der Hafenstraße. Ja, wirklich! Damit würde das Schreckgespenst seine Wirkung zeigen - wäre es doch nicht nur eine dreiste Lüge. Die Giullotine fiel trotzdem. Aber das gibt es im liberal erscheinenden Hamburg öfter ...

Hamburg - die #CancelCulture Hauptstadt als Serienerfolg.

Da der rot-grüne Hamburger Senat mit kleinen Tickets systematisch ein Netzwerk von Vereinen und Initiativen gesponnen hat, ist es nicht verwunderlich, dass HANSEVALLEY in den vergangenen Jahren nach dem Systemausschluss immer wieder "vergessen" - oder sagen wir lieber gecancelt - wurde. Welche direkten und indirekten Drohnungen dabei eine Rolle spielten, Förderungen nicht bewilligt zu bekommen, arbeiten wir gern in weiteren Folgen der Kriminalreihe "Willkommen in der #CancelCulture Hauptstadt" auf. Wir sind sicher, so schräg kann man gar nicht denken, wie Ausgrenzung und Drohungen z. B. in "BKM" und "BW(V)I" - Insider wissen jetzt Bescheid - gelebt werden.

Lisa Eckhart nimmt die Aus-, Um- und wieder Einladung verirrter, verwirrter und vielleicht auch verklärter Hamburger Kulturveranstalter und -senatoren mit begrüßenswerter Souveränität. Gegenüber "NDR Kultur" erklärt sie, dass sich "die Lust extrem in Grenzen hält" und sie "nicht gewillt war, jemanden jetzt zu einem Schützer der Kunstfreiheit zu erklären, der sich das nicht verdient hat." Womit die Veranstalter des "Harbour Front"-Festivals ebenso raus sind, wie Hamburgs ehrbarer Videosenator Carsten Brosda und wer sich sonst noch der Empörung über die Empörung anschließen wollen-dürfen-musste. 

"Wir haben keine „Drohungen“ erhalten und das auch nicht gesagt. Wir haben Warnungen bezüglich einer Störung oder Sprengung der Veranstaltung erhalten, die uns plausibel schienen."
Organisatoren "Nochtspeicher", 
Pressemitteilung 14.08.2020

Das Gespenst der "Political Correctness" wird seit jeher gern von mehr oder weniger Betroffenen für ihre Interessen missbraucht. Die Täter-Opfer-Umkehr und der öffentliche Ausschluss von "Schuldigen" zu deren wirtschaftlicher Vernichtung mittels "Cancel Culture" funktionieren immer nach der gleichen pseucho-moralischen Methode. 

Heinrich Manns "Untertan": 'Nach oben buckeln, nach unten treten.'

Wenn wir uns dann noch in vorauseilendem Gehorsam einer Kultur des Schweigens mit Sprech- und Denkverboten unterwerfen, sind wir nicht mehr weit weg von einem neuen Unterdrückungsapparat im schlimmsten Untertanengeist - sei er Braun oder Rot. Gegen blinden Gehorsam als Nährboden haben wir alle aufzustehen.

"Wo bleiben diejenigen, die sich Sorgen machen, diese aber friedlich äußern möchten?"
Dr. Nikolas Hill, Co-Initiator "Haltung.Hamburg"
Zitat hamburg.de, 2017 

Wo war eigentlich die "demokratische Antwort" der Initiative namhafter Bürger mit dem Titel "Haltung.Hamburg" im Fall der freien Künstlerin Lisa Eckhart? Wo waren - Zitat - die #HHaltungen "Weltoffenheit, Toleranz und demokratische Grundwerte", die bekannte Hamburger noch zum G20-Gipfel für sich in Anspruch nahmen? Wo sind die öffentlichen "Diskursräume", die ein entlarvter Kultursenator in jedem Grußwort beschwört?

Hören wir bei der Patriotischen Gesellschaft von 1765 e. V. - gegründet in der Epoche der Aufklärung als "Hamburgische Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe" - auch nur beredtes Schweigen? Wir empfehlen einen Blick in die nahe Zukunft: Paris im Jahr 2022. Weitere Details unter dem Titel "Die Unterwerfung" beim "Deutschen Schauspielhaus" Hamburg.

Fortsetzung folgt: 
#CancelCulture in Zeichen von Datensammlung, Gesichtserkennung, Künstlicher Intelligenz und Überwachung von Städten. Bleiben Sie unabhängig ...

* * *

Verlagspräsentation "Lisa Eckhart" Roman "Omama"
hanser-literaturverlage.de

 Hanse Digital Chronik: 

14.08.2020 - Nochtspeicher Hamburg: Pressemitteilung "Richtigstellungen des Nochtspeichers zur Causa Lisa Eckhart"
14.08.2020 - Der Tagesspiegel: Interview "Vom Fundamentalismus der Gutunmenschen und rassistischen Omas"

11.08.2020 - NDR Kultur: Beitrag "Scharfe Kritik von Lisa Eckhart an Harbour Front"

10.08.2020 - NDR Zapp: Kommentar "Die konstruierte Debatte um Cancel Culture"

08.08.2020 - Die Zeit: Beitrag "Wie einmal die Cancel Culture nach Hamburg kam"

08.08.2020 - Der Tagesspiegel: Kommentar "Wie die Wächter über das Sagbare die Redefreiheit einschränken"

06.05.2020 - Die Zeit: Kommentar "Sich schön inkorrekt durchamüsieren"

05.08.2020 - Der Spiegel: Beitrag "Kabarettistin Lisa Eckhart von Literaturfestival ausgeladen"

07.04.2019 - Der Tagesspiegel: Porträt "Maulheldin in Versace":

 Hanse Digital Background: 

"Harbour Front" Literaturfestival Hamburg

Zsolney Verlag/Hanser Verlage: Leseprobe Lisa Eckhart "Omama"

Wikipedia Deutschland: Lisa Eckardt

Deutsches Schauspielhaus Hamburg: "Die Unterwerfung":

HANSEVALLEY: Hanse Digital Codex "HANSECODEX":

Thomas Keup: Präsentation "Crises Management"

Donnerstag, 5. Dezember 2019

HANSEPERSONALITY Andreas Moring: Ich will, dass Hamburg die Nr. 1 in Deutschland in Sachen KI wird.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW


Will Hamburg zur führenden KI-Metropole machen: Andreas Moring.
Foto: Andreas Moring

HANSEMACHINE: Hamburg. Intelligent.

Im Jahr 2030 wird jeder 4. in der Wirtschaft verdiente Euro durch Daten beeinflusst. Die Künstliche Intelligenz ist in aller Munde. Rund 1/3 aller Einsatzmöglichkeiten in Unternehmen haben in Zukunft mit Geschäftsprozessen und Produktionsketten zu tun, rd. 20% mit Marketing und Vertrieb. Die Wirtschaftsmetropole Hamburg bereitet sich auf die datengetriebene Zukunft vor.

Andreas Moring ist Experte für Innovationsmanagement, Business Modelling und Digitalisierung sowie ... Künstliche Intelligenz. Der 41-jährige Professor der ISM Hochschule Hamburg bringt das Thema KI mit seiner Initiative "WeGoFIve" in die breite Öffentlichkeit. Unser HANSEPERSONALITY ist KI-Spezialist Prof. Dr. Andreas Moring:

Ganz Hamburg spricht über KI. Ihr habt an der ISM Hamburg eine eigene Konferenz gemacht, in Hammerbrooklyn gab es gerade eine große Cluster-Konferenz zu AI und das Event-Netzwerk 12min.me hat eine eigene Eventreihe dazu gestartet. Fangen wir am Anfang an: Wo macht Künstliche Intelligenz wirklich Sinn?

KI macht immer da Sinn, wo ich definierte Prozesse automatisieren kann und wo es um Mustererkennungen geht. Je genauer Abläufe beschrieben werden können, desto schneller, einfacher und zuverlässiger kann eine KI sie lernen und dann selbstständig ausführen. Das gilt nicht nur in der Produktion, sondern zunehmend auch in den sogenannten Verwaltungsjobs. Hier wird es sogar mehr Veränderungen geben, als sich manche heute vorstellen wollen. 


Jobs werden von Maschinen übernommen werden, neue Jobs werden entstehen. Bei den meisten Jobs wird sich aber das Profil verändern: Weniger Routine, mehr in Zusammenhängen denken und mit anderen zusammenarbeiten und mehr ein System am Laufen halten und verbessern, als einzelne Jobs abzuarbeiten.

Bei den Mustererkennungen geht es um vielfältige Bereiche in Medizin, Marketing, Logistik, genauso, wie in der Finanzbranche oder im Bereich Green Tech. Denn schließlich gibt es überall Muster, typische Abläufe und Korrelationen. Einige sind leicht zu erkennen und von KI zu lernen, andere sind schwerer zu erkennen. Deswegen ist zunächst wichtig, zu definieren, was eine KI für ein Unternehmen leisten soll. Dann kann man daraus auch ableiten, nach welchen Mustern gesucht und welche gelernt werden sollen. Un diese Zieldefinition ist eine Aufgabe für den Menschen.

Künstliche Intelligenz ist nicht unbedingt ein Thema, bei dem jeder von uns sofort vor Begeisterung in die Luft springt und enthusiastisch "Hier!" ruft. Du bist Betriebs- und Volkswirt mit vielen Jahren Tech-Background. Was sind Deine ganz persönlichen Treiber, das Thema KI an der ISM und mit Deiner Firma WeGoFive voranzubringen?

Als Professor fasziniert es mich, dabei zu sein, die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten einer neuen Technologie zu erforschen und zu entdecken. Ich denke, dieser Entdeckergeist ist typisch für Wissenschaftler und Unternehmer. Als Hochschule wollen wir natürlich hier auch vorne mit dabei sein. Sowohl, was die Forschung und Projekte angeht, aber auch, weil es unsere Aufgabe ist, junge Leute fit zu machen, für die Berufswelt von heute und vor allen Dingen von Morgen.


Leider haben wir schon gegenüber München, Berlin oder auch Aachen etwas den Anschluss verloren.

Ich will mit der ISM einen Teil dazu beitragen, dass Hamburg die Nummer Eins in Deutschland in Sachen KI wird. Leider haben wir hier schon gegenüber München, Berlin oder auch Aachen etwas den Anschluss verloren. Aber das sollte gerade Ansporn sein. 
Die Initiative WeGoFive habe ich zusammen mit Sascha Dem vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufen. Hier wollen wir Wissen und Know-How zur Umsetzung von KI in Unternehmen sammeln. 

Kollaboration und Vernetzung bringen uns voran. Am besten ist es, wenn wir voneinander lernen. Mit WeGoFive wenden wir uns vor allem an mittlere und kleinere Firmen, die ganz konkret vor den Frage stehen: Wo macht KI bei mir Sinn und wie bringe ich das Ganze in mein Unternehmen und zu meinen Mitarbeitern? Denn die müssen mitmachen wollen. Dieser entscheidende Faktor wird bei aller Technik unserer Meinung nach leider noch zu sehr übersehen. 

Lass uns "Butter bei die Fische" packen: Wo stehen wir mit dem Thema aktuell - insbesondere bei wichtigen in Hamburg starken Branchen und Bereichen, wie Mobilität, Medizin, Marketing oder Personal? Und wo ist Künstliche Intelligenz schon weit fortgeschritten oder sogar marktreif?

In den Bereichen Marketing, Kommunikation, Logistik und Medizin sehen wir schon viele Anwendungen in Hamburg. Ebenfalls in Produktionsprozessen in verschiedenen Branchen und zunehmend auch Anwendungen im Human Resources Bereich in unterschiedlichen Branchen und Unternehmen. Da kann man ohne Bedenken von Marktreife sprechen. Bei Mobilität und Finanzen geht es gerade los, ebenso im Bereich Immobilienwirtschaft.

Im Bereich von Green Tech und Nachhaltigkeit sehe ich eine große Dynamik und vor allem für Hamburg realistische Möglichkeiten, zu dem KI-Standort in den Bereichen in Deutschland und Europa zu werden. 

In der Immobilienwirtschaft sehe ich sehr großes Potenzial, weil sich hier gerade der Trend zur allgemeinen Digitalisierung mit dem Fortschreiten von KI verbindet und eine besondere Dynamik gewinnt. Sowohl beim Planen, als auch beim Bauen, als auch beim Betreiben von Immobilien. Im Bereich von Green Tech und Nachhaltigkeit sehe ich ebenfalls eine große Dynamik und vor allem für Hamburg realistische Möglichkeiten, zu dem KI Standort in den Bereichen in Deutschland und Europa zu werden. 

Vor allem, wenn die Metropolregion Hamburg einbezogen wird, beispielsweise bei erneuerbaren Energien, die dann mithilfe von KI „intelligent“ gesteuert, gespeichert und verteilt werden. Diese Kooperation sollten wir sogar noch ausbauen, mit unseren Partnern im Ost- und Nordseeraum. München ist in Süddeutschland und der Ecke Europas in dieser Hinsicht sehr aktiv und erfolgreich. Wir in Hamburg können das doch auch?!

Wir müssen auch die Kehrseite der Medaille ansprechen: Müssen Menschen Angst haben, dass ihre Arbeitsplätze durch Artificial Intelligence abgeschafft werden? Und wenn ja, in welchen Branchen? Dazu ein "Deep Dive": Welche Aufgaben kann eine KI wirklich übernehmen - und wo sind die Grenzen?

Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Denn es gilt: je genauer Du Deinen Job und Deinen Tagesablauf beschreiben kannst, desto schneller und sicherer wird dieser Job von einer (intelligenten) Maschine übernommen werden. Das gilt in der Produktion, aber vor allem - wie vorhin gesagt - in der „Verwaltung“; egal ob öffentliche Verwaltung oder in privatwirtschaftlichen Unternehmen. Und es betrifft wirklich alle Branchen: 

Grenzen für den KI-Einsatz gibt es überall da, wo es auf individuelle Interaktion ankommt.

Von der Stadtreinigung über die Landwirtschaft oder Landschaftspflege über die Herstellung oder den Bau von Dingen bis in die Medizin, die Vermarktung, Finanzen, Recht und selbst Lehre oder Programmierung. Mir macht das keine Angst, denn das ist nie ein guter Ratgeber. Ich kann aber verstehen, wenn sich viele Menschen deswegen zunehmend Sorgen machen. Grenzen für den KI-Einsatz gibt es überall da, wo es auf individuelle Interaktion ankommt:

Eine KI kann eine Diagnose machen, aber das Gespräch davor und danach mit den Patienten muss der Arzt oder die Ärztin führen, wo es um Kreativität geht (das geht von Kommmunikationskampagnen, über Produktentwicklung oder strategischen Aufgaben bis hin zur Kindererziehung oder der Organisationsentwicklung) und wo unterschiedliche Domänen zusammenkommen und es deshalb eben keine eindeutigen Muster und Zusammenhänge mehr gibt (wenn sich also beispielsweise unternehmerische Interessen und politische Interessen überlappen) überall da ist der Mensch gefragt. 
 
Von Grundlagen über Deine Motivation, der Nutzen und die Folgen zu den Grenzen. In Verbindung mit Künstlicher Intelligenz steht immer wieder die Frage im Raum: Welche Entscheidungen kann man einer Maschine übertragen? Und wo sind die moralischen Grenzen von Maschinen?

Gute Frage. Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Eine eindeutige Grenze ist in jedem Falle da, wo die Würde oder die Unversehrtheit des Menschen in Gefahr sind. Alles andere kann meiner Meinung nach nicht definitiv und allumfassend festlegen. Letztlich werden wir herausfinden, wie wir mit diesen neuen Möglichkeiten umgehen wollen. Das war bei allen technischen Neuerungen in der Vergangenheit auch so. Die Würde und die Unversehrtheit sollten der moralische Kompass sein. Allerdings sollten wir hier aufpassen, dass unter der Überschrift Moral und Menschenwürde nicht alles tot diskutiert und mit Bedenken überlastet wird. 

Wenn Europa eine eigene Stimme haben und die eigenen Werte bewahren will, dann können wir nicht nur diskutieren und abwägen, sondern müssen mit dabei sein - am besten vorne.

Wie gesagt: Wir finden es nur heraus, wenn wir es machen. Und wir sollten uns auch immer klar darüber sein: In China oder Russland oder auch in den Ölstaaten wird massiv in die Entwicklung von KI investiert und da zähen solche Überlegungen zu Moral und Menschenwürde einfach nicht. Wenn Europa hier eine eigene Stimme haben und die eigenen Werte bewahren will, dann können wir nicht nur diskutieren und abwägen, sondern müssen mit dabei sein - am besten vorne. 

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage: In welchen Unternehmen oder Branchen siehst Du Hamburg beim Einsatz von KI bereits gut aufgestellt? Und wo wünscht Du Dir ein stärkeres Engagement in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik

Am besten aufgestellt sind die Bereiche Medizin und Marketing in Hamburg. Bei Logistik, Produktion und Immobilien tun die Unternehmen in Hamburg auch wirklich viel. Ein stärkeres Engagement von politischer Seite wünsche ich mir im Bereich Green Tech. Vor allem aber brauchen wir in Hamburg branchenunabhängig mehr Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Da gibt es gute Ansätze, wie beispielsweise das Artificial Intelligence Center ARIC, bei dem ich Themenpate für Mensch-Maschine-Kollaboration bin, oder an der TU Harburg oder beim Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung und es gäbe noch mehr Beispiele. 

Ich bin optimistisch, das wir das in Hamburg durchaus hinbekommen.

Da geht aber noch mehr. Es kommt nicht auf die Anzahl der Initiativen an, sondern auf die Dynamik und die Ernsthaftigkeit. Die ist bei vielen (nicht allen) Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft da, politisch könnte hier sicherlich noch mindestens eine Schippe drauf gelegt werden. Denn solche Aktivitäten brauchen ja auch immer eine Zeit, um ihre volle „Performance“ zu erreichen. Bei der schnellen internationalen Entwicklung haben wir aber eben nicht allzu viel Zeit. Ich bin aber ungeachtet dessen optimistisch, das wir das in Hamburg durchaus hinbekommen.

*  *  *
Herzlichen Dank für Deine Offenheit!
Das Interview führte Thomas Keup.

Grafik: Schäfer Shop
www.hansemachine.de

 Hamburg Digital Background: 

Prof. Dr. Andreas Moring:

Initiative WeGoFive:

Sonntag, 21. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Gunter Mengers: Ohne Werte geht es nicht - und Anstand ist immer modern!

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Vor 500 Jahren gründeten Hamburger Kaufleute die "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns" - als Gegengewicht zum "Ehrbaren Rat" der Hansestadt Hamburg. Im vergangenen Jahr entschied die Vereinigung VEEK e. V., sich von der 1665 durch die "Ehrbaren Kaufleute" gegründeten Handelskammer Hamburg zu trennen. Die 1.200 Mitglieder der weltgrößten wirtschaftsethischen Vereinigung gehen das Jahr 2018 mit Offenheit und neuen Kooperationen an. Ein Hamburg Digital Interview mit dem Vorsitzenden der "Ehrbaren Kaufleute zu Hamburg" Gunter Mengers:


VEEK-Vorsitzender Gunter Mengers bei den Familienunternehmern
Foto: HANSEVALLEY

Sehr geehrter Herr Mengers: Sie sagen: "Wir sind keine Moralapostel." und "Wir wissen, dass es nicht immer ehrbar zugeht." Schauen wir auf den zunehmenden Druck durch globalen Handel, digital-vernetzten Vertrieb und virtuelle Produkte: Was macht Ihnen digital heute wirklich Angst.

Es ist nicht die grundsätzliche Digitalisierung, die nachdenklich macht. Das ist ein Prozess, der viele Vorteile und Erleichterungen bringt. Mit der damit verbundenen Geschwindigkeit ist allerdings die Gefahr verbunden, dass Dinge nicht ausreichend durchdacht werden und wichtige Grundlagen vernachlässigt werden. Das bezieht sich einerseits auf die Umgangsformen, die manchmal stark darunter leiden, aber – aus meiner Sicht – sehr viel bedeutender ist bestimmt, bestimmte Regeln des Anstandes und der Zuverlässigkeit nicht aus den Augen zu verlieren.

Die notwendige Reaktionsgeschwindigkeit darf nicht dazu führen, dass Fairness und werteorientiertes Handels an Bedeutung verliert, weil vielleicht davon ausgegangen wird, dass bei der schnellen Umsetzung von Themen dies keiner merkt. Interessant ist in dem Zusammenhang auch die Frage, inwieweit künstliche Intelligenz derartige "Werte" berücksichtigen kann, oder soll.

Die "Ehrbaren Kaufleute" im VEEK sind alles andere, als verschlossene "Pfeffersäcke": Sie unterstützen mit 120 Mentoren aus dem Kreis Ihrer Mitglieder die jungen, internationalen Studenten der Wirtschaftshochschule HSBA, in Hamburg gut anzukommen. Wie sieht das ganz konkret aus?

Es gibt klare Vorgaben, was unter einer Mentorenschaft verstanden wird - und zwar für beide Teilnehmer. Der Mentor soll der jeweiligen Studentin oder dem Studenten behilflich sein, um sich in Hamburg einzuleben, Verbindungen schaffen zu Unternehmen, bei der beruflichen Entwicklung oder generell als Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Wenn auch unterschiedlich im Einzelfall, so kann davon ausgegangen werden, dass 3-4 Treffen im Jahr stattfinden. Das Mentoring ist sehr erfolgreich und wird außerordentlich positiv von den Teilnehmern bewertet.Wir wollen das weiter ausbauen.

Es ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Aufgabe eines Familienunternehmers, die "nächste Generation zu bilden - im Sinne des kaufmännischen Handelns". Wie können erfahrene Unternehmer in Zeiten digital-vernetzter Information und Kommunikation den Nachwuchs erfolgreich erreichen?


Gunter Mengers: "Ohne Werte geht es nicht."
Foto: HANSEVALLEY
Die Weitergabe von werteorientierten Handeln gilt natürlich nicht nur für Familienunternehmer, sondern ganz allgemein. Wir stellen fest, dass die Bereitschaft der nächsten Generation, sich mit diesen Themen zu befassen, ganz deutlich steigt. Die negativen Beispiele der letzten Zeit aus der Großindustrie machen klar: Ohne Werte geht es nicht – und Anstand ist immer modern!

Insofern kann fast von einer Renaissance der Werteorientierung gesprochen werden - ganz im Sinne "Des Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg". Das sehen wir mit Freude. Wir konnten allein im vergangenen Jahr 160 neue Damen und Herren für uns als neue Mitglieder gewinnen.

Ihre Vereinigung will sich im neuen Jahr stärker und die Vernetzung der etablierten mit der jungen Wirtschaft bemühen. Sie haben zum Jahresauftakt ein "Generationen übergreifendes Netzwerk" angekündigt. Wann und wie dürfen Startups sich freuen, etablierte Kaufleute kennenzulernen?

Wir haben vor, über verschiedene Projektgruppen – teilweise branchenbezogen - Damen und Herren zu erreichen. Dazu gehört auch die "Zielgruppe" der Startups, die sich ja auch in Hamburg stetig weiter entwickelt. Das nehmen wir jetzt zügig in Angriff und sind sicher, gute Gelegenheiten zum Gedankenaustausch bieten zu können. Da unsere Altersstruktur sehr breit angelegt ist, ergibt sich daraus ein Generationen übergreifendes Netzwerk. Eine erstklassige Grundlage für Gespräche.

Auf dem Neujahrsempfang der Familienunternehmer haben Sie in Ihrer Gastrede das Thema "Künstliche Intelligenz" angesprochen, verbunden mit der Ankündigung, sich mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen zu wollen. Was dürfen wir vom Verein VEEK erwarten?

Das wir uns mit dem Thema "Moral von Maschinen" beschäftigen wollen, ist vielleicht missverständlich verstanden worden. Darauf werden wir wohl keinen direkten Einfluss haben. Siehe dazu auch meine Anmerkung zu Ziffer 1. Aber es ist sicherlich ein sehr ernst zu nehmendes Thema, um nicht die Entschuldigung zu bekommen: Das war die "unmoralische" Entscheidung der Maschine, da konnte ich nichts machen. Wehret also den Anfängen. Frage ist nur, wer ist dafür zuständig. Die Programmierer, oder die Anwender?

Bleiben wir einen Augenblick bei Ihrer Organisation und der Unabhängigkeit von Ihrer "Tochter", der Handelskammer mit einem "rebellierenden" Präsidium. Was heißt die Unabhängigkeit für Sie - insbesondere in Bezug auf Hamburger Zukunftsthemen, wie Digitalisierung und Bildung?

Hamburger Spitzen (v.l.n.r.): Gunter Mengers (VEEK),
Tobias Bergmann (HK), Olaf Scholz (FHH)
Foto: HANSEVALLEY

Wir waren ja als VEEK auch schon bisher weitgehend eigenständig, allerdings mit traditionell engen Bindungen an die Handelskammer. In Übereinstimmung mit der Handelskammer haben wir über eine kürzliche Änderung unserer Satzung nun weitergehende Möglichkeiten, Entwicklungen ganz eigenständig zu bestimmen.

Zu guter Letzt unsere traditionelle Hamburg-Frage:

Sie haben vor den Familienunternehmern zu Jahresbeginn eine klare Botschaft gesetzt: "Gutes Verhalten kennt keine Grenzen." Sie sehen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen kaufmännischem Streben und sozialem Engagement als Lösung. Was heißt das für unsere Stadt Hamburg in 2018?

Das ist natürlich eine kaum eindeutig zu beantwortende Frage, da es eine Vielzahl von unterschiedlichen Lösungsansätzen gibt. Da muss jeder Einzelne den Willen haben in dem Sinne zu agieren. Für Hamburg ist der gute Ruf den die Kaufmannschaft genießt natürlich sehr Bedeutungsvoll. Was natürlich grenzüberschreitend gilt. Also nicht nur für Hamburg und Umgebung.


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Vielen Dank für Ihre offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Interviews: 

HANSEPERSONALITY:
Kammer-Präses Tobias Bergmann: "Dialog auf Augenhöhe."


 Hamburg Digital Background: 

Der Verein "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg" e. V.:
www.veek-hamburg.de

Jahresschlussveranstaltung 2017 "Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns":
https://youtu.be/AnpZjG7mQLo

Der VEEK e. V. in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Versammlung_Eines_Ehrbaren_Kaufmanns_zu_Hamburg

Der "Ehrbare Kaufmann" in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehrbarer_Kaufmann