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Montag, 8. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 2:

Wirtschaftssenator Frank Horch erklärt am 5. September 2017 vor der Landespressekonferenz Hamburg: "Neue Technologien und deren Kommerzialisierung in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sind der Haupttreiber von Wohlstand und künftigem Wachstum in unserer Stadt. Dazu brauchen wir Gründerinnen und Gründer, die gemeinsam mit Wissenschaft und Wirtschaft die Zukunft Hamburgs gestalten."

Wirtschaftssenator Frank Horch vor der Landespressekonferenz Hamburg
Foto: Pressearchiv Hamburg Innovation

Der Spitzenpolitiker weiter: "Hamburg hat dazu die besten Voraussetzungen: eine lebendige, stetig wachsende Start-up-Szene und namhafte Industrieunternehmen und innovative Mittelständler, die die notwendige Expertise und Ressourcenausstattung für ein funktionierendes Gründungs- und Innovations-Ökosystem mitbringen. Gründungsförderung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Baustein des Wissens- und Technologietransfers. Ich freue mich daher über die gemeinsame Initiative von Hochschulen und DESY.

Was präsentiert Frank Horch an diesem Morgen vor Hamburgs Landespresse? Was steckt hinter "beyourpilot"? Ist der "Startup Port Hamburg" womöglich dreist abgekupfert? HANSEVALLEY hat die Ausschreibung gelesen, weiter recherchiert und hinter die Kulissen geschaut. Ergebnis: In Harburg wird mit mehr als einer halben Millionen Euro ein Portal mit Formular, Adressen und offensichtlich schon mal verkauften Bestandteilen geplant - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft. 

HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg.

Harburgs vermeintlicher "Gründerpate" Martin Mahn ist 2017 durch die Förderszene an Alster und Elbe gezogen. Sein Ziel: Mitfinanzierer für eine geniale Idee: Ein von TuTech über Hamburg Innovation kontrolliertes Gründerportal. Wie der Hase bei "beyourpilot" läuft, ist in der aktuellen Stellenausschreibung für die Projektkoordinatoren nachzulesen: "Das Onlineangebot wird die Gründungsaktivitäten der genannten Einrichtungen vernetzen und Gründende sowie deren Beraterinnen und Berater in der jeweiligen Gründerservice-Einheit bei der Entwicklung der Geschäftsvorhaben mit digitalen Tools unterstützen. Offline-Angebote flankieren in den Einrichtungen vor Ort die Online-Funktionalitäten." 


Geplante Homepage für "beyourpilot"
Quelle: Pressepräsentation Hamburg Innovation

Hamburg Innovation fungiert laut öffentlicher Ausschreibung als "Projektkoordinator", übernimmt damit cleverer Weise die Federführung der auf 5 Jahre geplanten Plattform. Dazu kommen Sprechstunden und Meetups vor Ort - wie gesagt "flankierend". Von beschämenden 14 EXIST-geförderten Gründungen an Hamburger Hochschulen in 2016 wurden 6 - und damit fast die Hälfte - an der TU gestartet. Die anderen staatlichen Hochschulen liegen noch mehr unter ferner liefen. Womit feststeht, welcher "schlaue Fuchs" seine "positiven Erfahrungen" als "Erfolgsbeispiele" in den Ring wirft, nachzulesen in der aktuellen PR-Geschichte der stadteigenen "Hamburg News". Obwohl die TU Harburg gegen die Entrepreneur-Hochschule "Leuphana" in Lüneburg mit 55 EXIST-geförderten Beteiligungen im Jahr eigentlich zumachen könnte.


"beyourpilot" - Mehr als Formular & Adressbuch? 


Schauen wir uns die geplante Gründerplattform "Made in Harburg" genauer an. In der Pressemitteilung der TU Hamburg werden uns diese Elemente der "1. Ausbaustufe" im Detail verkauft:

Ein "Ideensteckbrief“: 'Wissensgründer sollen Gespräche mit den Gründungsberatern strukturiert vorbereiten können. Wichtige Fragestellungen, Terminologien u.ä. werden durch das Tool etabliert, das auf der Plattform und bei allen Plattformpartnern in den Standardprozessen eingesetzt wird.'
  • Im Klartext: Ein online bereitgestelltes Business Model Canvas-Formular zum Ausfüllen, wie die Ausschreibung mit dem Muster von Evers & Jung zeigt.
Ein "Expertenshop“: "Spezialisierte externe Fachexpertise rund um das Thema Gründungen wird auf einem „Marktplatz“ für die Wissensgründer transparent gemacht."
  • Im Klartext: Eine online durchsuchbare Datenbank mit noch zu findenden Fachleuten zu einzelnen Themen, wie das Lastenheft der Ausschreibung ausführt. 
Ein "Finanzierungskompass“: "Wissensgründer identifizieren mögliche Finanzierungsinstrumente und konkrete Förderprogramme – sowohl aus öffentlicher als auch aus privater Hand."
  • Im Klartext: Ein online zu beantwortender Fragenkatalog zum Finden regionaler und nationaler Förderprogramme, wie das Konzept von Evers & Jung zeigt.
Ein "Ressourcenfinder“: "Bietet Wissensgründern eine Übersicht zu vorhandenen Technologie- und Know-how-Ressourcen an Hamburger Wissensorganisationen und unterstützt den Zugang zu diesen."
  • Im Klartext: Die selbe Datenbank wie für den "Expertenshop", jedoch mit Adressen für Maker Spaces & Co., wie die öffentliche Ausschreibung darlegt.
Das ganze mit eigenem Event-Kalender (á la "Startup Guide Hamburg"), Startup-Meldungen (á la "HHS Net") und Startup-Porträts (wie bei HANSESTARTUPS). Konnte ja niemand wissen, dass es schon so etwas in und für Hamburg gibt - privat finanziert und regelmäßig aktualisiert - ohne einen Cent Steuergelder.


"beyourpilot" - Copycat der "Gründerplattform"?


Wer sich ein wenig in der Startup-Szene umschaut, stolpert über die von der KfW Förderbank und dem Bundeswirtschaftsministerium finanzierte, ebenfalls von der Hamburger Beratungsagentur Evens & Jung konzeptionierte und aktuell in der Beta-Phase befindliche "Gründerplattform". Recherchiert man die Module der für März 2018 annoncierten Plattform, trifft man auf diese kommunizierten Themenfelder:
  • "Einstieg & Motivation“
  • "Ideenwerkstatt“
  • "Geschäftsmodellentwicklung“
  • "Businessplan“ sowie
  • "Finanzierung & Förderung“

Beim Abgleich der Themenfelder von "beyourpilot" Hamburg mit der "Gründerplattform" Berlin werfen sich diese Fragen auf:

Kann es sein, dass im Hamburger "Ideenbrief" die gleichen Fragen erarbeitet werden, die in der KfW-"Ideenwerkstatt" durch einen strukturierten Prozess online gestellt, gewichtet und mit Persona-Beispielen beantwortet werden?

Genau das sieht der von Evers & Jung als Anlage 4.2 in die Ausschreibung aufgenommene "Ideenbrief" nach dem Vorbild des Business Model Canvas offensichtlich vor.

Kann es sein, dass in Hamburger "Expertenshop" und Ressourcenfinder" die gleichen Technologie- und Know how-Ressourcen angeboten werden, die auch in der selektiven Auswahl auf gruenderplattform.de erscheinen werden?

Genau das ist beim Lesen der Absätze im Lastenheft (Expertenshop/Beratungsfinder: Punkt 4.5 ab Seite 62, Ressourcenfinder: Punkt 4.6 ab Seite 71) schwer zu vermuten.

Kann es sein, dass im Hamburger "Finanzierungskompass" die selbe Technik steckt, die i. A. von KfW und BMWi Hilfe suchenden Startups regional herunter gebrochen passende Finanzierungsvorschläge und Förderinstrumente bereitstellt?

Genau das ist unter Punkt 1.4 des Lastenheftes auf S. 11/12 der Ausschreibung zu finden: "Außerdem sollen Finanzierungsangebobte auf lokaler wie auf Bundesebene mittels eines Finanzierungskompasses vorgestellt werden."


Gruenderplattform.de: Vorbild für ein Copycat aus Harburg?
Foto/Grafik: Hompepage Gründerplattform

Ideen-, Experten- und Finanzierungsfinder lassen sich die Partner des bundesweiten Portals gruenderplattform.de - Evers & Jung und die Berliner Agentur Business Pilot - offensichtlich bereits fürstlich vergolden. Aus unterrichteten Kreisen ist von einem "hohen einstelligen Millionenbetrag" aus Fördertöpfen die Rede - für Konzeption, Portalentwicklung und Betreuung. Dazu kommen Lizenzen für den "SmartBusinessPlan" von Evers & Jung aus Hamburg, der als lizensiertes Whitelabel-Angebot mit drin steckt.

Fragt sich, wann der Online Business Plan auch in Hamburg auftauchen könnte. Der USP von Jan Evers ist als Tool für 29,- €/Monat seit 2014 unter smartbusinessplan.de zu finden, wird Gründern über die Hamburger Sparkasse und den Finanzverbund schmackhaft gemacht, steckt in der 2007 von Jan Evers erdachten Gründungswerkstatt der Handelskammer und 38 weiteren IHKn - und als Whitelabel-Angebot eben in der neuen bundesweiten gruenderplattform.de von BMWi und Förderbank KfW. 

Und der Hamburger Senat? Nimmt die offensichtlichen Doppelungen zur Kenntnis - und sagt in der expliziten Anfrage des FDP-Fraktionschefs Michael Kruse vom 15.12.2017 ... so gut wie nichts, nachzulesen hier. Umso großzügiger scheint der Senat beim Füllhorn ausschütten zu sein: Für "beyourpilot" stellt die Wirtschaftsbehörde im Rahmen des Programms "Gründerland Hamburg" laut Ausschreibung eine Finanzierung von knapp einer halben Mio. € bereit. 500.000,- € für eine offensichtlich weitgehende Copycat-Plattform.


"beyourpilot" - mind. 580.000,- € an Steuergeldern.


Für die zur bundesweiten "Gründerplattform" ähnliche Vorarbeit bei "beyoupilot" bekam Evers & Jung bereits stolze 80.000,- €, wie eine frühere Anfrage des FDP-Abgeordneten Kruse zeigt. Wohl gemerkt: Für die "Grobkonzeption". Und die steckt samt Logo jetzt in der Ausschreibung - downzuloaden hierEin Schelm, wer auf die Idee kommen könnte, hier verkauft ein cleverer Berater das Konzept eines Businessplan-Moduls mit Service-Portal mehrmals - nämlich an Kammern, Sparkassen, Förderbanken und an die in der Selbstdarstellung große "Startupfabrik" aus Harburg. 


"beyourpilot" - bereits ein 3/4 Jahr hinter dem Plan.

Die Vergabe von Programmierung und Pflege des Hamburger Portals ist laut Ausschreibung bis zum 28.02.2018 geplant. Bis dahin müssen die Angebote gültig sein. Der rote Knopf für das "neuartige Unterstützungsangebot für Gründerinnen und Gründer" soll im 2. Halbjahr 2018 gedrückt werden, glaubt man den bislang kommunizierten Aussagen. Bei geplantem Programmieraufwand von 18 Monaten ab 01.03.2018 ist das Projekt laut Adam Riese bereits zur Ausschreibung mindestens ein 3/4 Jahr hinter dem Plan - im besten Fall. Roter Knopf? Nicht vor 2019. Auch wenn der Senat in seiner Antwort (s. o.) von "planmäßig" spricht, was auch immer das heißen mag. 


Macht "beyourpilot" die Gründungsberatung der Hochschulen überflüssig?
Foto/Grafik: Homepage Universität Hamburg 

Und die Partner? Sind die anderen Hamburger Hochschulen vom Modell der TuTech-Schwester Hamburg Innovation GmbH begeistert und geben gern ihre eigenen, bescheidenen Aktivitäten für das grosse Ganze auf? Warum hat die Universität Hamburg dann seit 1989 mit der Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer - AWiTT - eine Business-Unit mit 4 Stellen? Warum unterstützt Deutschlands größte Fachhochschule - die HAW Hamburg - dann mit einer Stabsstelle Forschung und Transfer drei Forschungs- und Transferzentren. Und warum gibt es an allen staatlichen Hochschulen EXIST-Ausgründungen?

Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech in den Plänen von Martin Mahn? Wie nimmt der Innovation Campus Green Technology Hamburgs Tech-Startups aus? Und was plant Hamburgs vermeintlicher "Gründerpate" in der Harburger Schloßstraße mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg: www.hanseinvestigation.de



*  *  *

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

HANSESTATEMENT:
Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Pressemitteilung BWVI 05.09.2017:
www.hamburg.de/bwvi/medien/9454216/2017-09-05-bwvi-beyourpilot-startup-port-hamburg/

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Lastenheft EU-Ausschreibung "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA/download?path=%2FUnterlagen%20zu%20dem%20VgV-Verfahren%20zu%20der%20TED-publication%20364608-2017&files=Anlage%204.1%20-%20LASTENHEFT.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.06.2016
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/52724/wissensbasierte-gr%C3%BCnderplattform-%E2%80%93-fehlt-es-dem-senat-an-wissen-oder-an-gr%C3%BCndern-f%C3%BCr-die-plattform-.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.12.2017
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60299/%E2%80%9Ebeyourpilot-%E2%80%93-startup-port-hamburg%E2%80%9C-%E2%80%93-wie-ist-der-aktuelle-stand-.pdf

Pressemitteilung BMWI Berlin 21.12.2017
www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/foerderrecherche,did=813798.html

Sonntag, 3. Dezember 2017

HANSEPERSONALITY Dr. Jan Evers: Die BWLer sollen aufhören uns zu sagen, wie Unternehmertum geht.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW
Ein verregneter November-Samstag in der Hamburger Altstadt. Hier an der Deichstraße treffen sich in einem alten Kontorhaus 9 Startups und Existenzgründer aus Berlin, Hamburg, Lübeck, Melle, Nürnberg und Reinstorf. Ihr gemeinsames Ziel: Die bevorstehende Gründung zum Erfolg zu führen. Die Hamburger Beratungsgesellschaft Evers & Jung hat eingeladen, ihnen mit Rat, Tat und einem neuen Tool zu helfen. 

Langjähriger Unternehmensberater: Dr. Jan Evers
Foto: Evers & Jung

Die Beratungsgesellschaft bietet den Jungunternehmen ein besonderes Angebot: Die 9 Gründer-/Team checken ihre Idee und ihr Konzept, ihren Business-Plan und ihre Finanzierung mit dem neuen "Gründerportal". Im Gegenzug coacht das erfahrene Team vom Nikolaifleet die jungen Unternehmen individuell auf ihrem ganz persönlichen Weg. Der Mann dahinter: ein erfahrener Unternehmer und fundierter Berater. Unser HANSEPERSONALITY ist Dr. Jan Evers:



Sie haben mehr als 15 Jahre Erfahrung in der Gründungsförderung. Viele Angebote, die wir heute am Markt sehen, verkaufen Beraterstunden – z. B. über Gutscheinhefte – oder haben ein anderes kommerzielles Angebot im Hintergrund. Wie sollte Gründerförderung für Sie heute aussehen?

Das Internet hat die Aufgaben der Gründungsförderung massiv verändert. Während früher Kammern und Förderbanken den Menschen erstmal beibringen mussten, wie gute Vorbereitung aussieht, lernt das der Gründer nun im Internet alleine. Er wird allerdings zugeschüttet mit Informationen, Checklisten und Tipps. Dabei gerät das Umsetzen leicht aus dem Blick. Und die Provisionsgeschäftsmodelle, die Sie zu Recht erwähnen, helfen auch nicht gerade.

Schon in unserer Studie von 2013 zu moderner Gründungsförderung im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums haben wir festgestellt: Es werden gute Tools gebraucht, mit deren Hilfe an der Gründung gearbeitet werden kann. Genau aus diesem Grund entwickeln wir momentan eine neue Gründerplattform, auf der wir die besten Tools bereitstellen. 

Die Gründerplattform haben Sie in den vergangenen 1,5 Jahren für das Bundeswirtschaftsministerium und die KfW-Förderbank entwickelt, ein Online-Programm von der Inspiration über die Geschäftsentwicklung bis zur Finanzierung. Was macht das Portal anders als alle anderen?

Unsere Plattform will Gründern ein digitales Zuhause geben. Sie ist gerade kein Portal, welches viele weiterführende Informationen und Links aneinanderreiht, sondern bietet eine durchgängige digitale Arbeitsumgebung – von der Ideenfindung mit echten Vorbildern über die Geschäftsmodell- und Businessplanentwicklung mit Hilfe technischer Assistenten bis zur Finanzierungsanfrage auf Knopfdruck.

Wir versuchen, nur die notwendigsten Informationen für den jeweils nächsten Schritt bereit zu stellen. Außerdem legen wir großen Wert auf die Erfolgsfaktoren moderner Gründungspraxis – das stetige Validieren und frühe Ausprobieren, auch bekannt als „Lean Startup“.

Sie verstehen das Portal als "Airbnb für Gründer" und zielen auf die digital-affine Nutzergruppe ab. Was machen Sie mit älteren Gründern, die nicht so online-affin sind, Ihr Angebot aber gut gebrauchen können? Die meisten Gründer in Deutschland sind nicht 25 Jahre jung.

Unser Anspruch ist schon, dass die allermeisten mit unseren digitalen Tools arbeiten können. Unsere Erfahrung mit vier Jahren smartbusinessplan.de, einem digitalen Assistenten für das Schreiben von Businessplänen, hilft uns dabei sehr. Dort gelingt es uns bereits Gründer aller Altersgruppen zu begeistern, auch die technisch nicht so versierten.

Wir sind überzeugt, dass uns das mit der neuen Plattform gelingt, indem wir unseren Nutzern dort die besten Hilfsmittel an die Hand geben. Hunderte von Wirtschaftsförderern können zudem mit der Plattform ihre Gründer vor Ort unterstützen. Wer sich mit Onlineangeboten eher schwertut, kann also auch in den lokalen Beratungsstellen angestupst oder gecoacht werden. Und KfW und BMWi sind kraftvolle Partner genau dafür.

Vor gut 10 Jahren haben Sie die Gründungswerkstatt entwickelt, die heute in 39 Industrie- und Handelskammern als Online-Tool für die Gründungsberatung zur Verfügung steht. Inwiefern unterscheidet sich die Gründungswerkstatt von der neuen "Gründerplattform" von BMWi und KfW?

Das damalige Modell war nicht als eigenständige Plattform, sondern als Betreuungssystem für die Kammern vor dem Hintergrund von damals sehr vielen Gründern konzipiert und es funktioniert bis heute gut. Heute haben wir eine völlig andere Situation: zu wenig Gründer und eine Vielzahl unterschiedlichster Anbieter im Internet.

Jetzt sorgen wir dafür, dass diese Vielzahl von Förderern mit ihren individuellen Leistungen anschlussfähig sind, wobei die Gründerperson im Driverseat sitzt und auswählt, welche Angebote oder Partner sie braucht. Außerdem umfasst die neue Plattform den gesamten Gründungsprozess und aktuelle Methoden des Entrepreneurship.

Sie haben seit 2013 den "Smart Business Plan" entwickelt, ein Online-Tool zur einfachen Erstellung eines Businessplans. Mit dem Business-Plan wie mit der neuen "Gründerplattform" verfolgen Sie den Weg "Weil einfach einfach einfach ist". Wie kommt es, dass Sie so "nutzerzentriert" entwickeln?

Das ist uns tatsächlich sehr wichtig. Zu oft geht der Nutzer verloren, wenn öffentliche oder private Akteure ihre Interessen optimieren. Wir zwingen uns durch praktische Arbeit jeden Tag aufs Neue die Unternehmerperson zu sehen. So führen wir hier in Hamburg seit über 15 Jahren mit öffentlicher Förderung die Firmenhilfe durch: eine telefonische Beratungshotline für Kleinunternehmer und Selbständige.

Und auch für die Bürgschaftsgemeinschaft haben wir fast zehn Jahre Gründer betreut. Das ist eine gute Schule. Dort tauchen immer wieder dieselben Fehler und Probleme auf. Es ist bitter zu sehen, wie vermeidbare Planungsfehler, falsche Finanzierung oder mangelnde Methodik beim Akquirieren das Unternehmerleben sauer machen.

Dies zu ändern, ist unser und mein Antrieb, und das Internet ein wunderbares Tool, unsere Erfahrungen und unsere Beratungskompetenz digital an den Mann und die Frau zu bringen.

Sie arbeiten mit Modellen von Günther Faltin (Entrepreneurship) oder Michael Faschingbauer (Effectuation). Sie sagen: "Die BWLer sollen aufhören uns zu sagen, wie Unternehmertum geht". Wie kommen Sie als promovierter Betriebswirt dahin, Betriebswirten die Gründer-Expertise abzusprechen?

Die genannten sind auch Betriebswirte wie ich und würden gleichwohl meine Skepsis teilen. Es klingt zunächst einleuchtend, Betriebswirten eine besondere Eignung für Gründungen zuzusprechen. Sie verfügen schließlich über all die Fähigkeiten, die es braucht, ein Unternehmen zu gründen: Buchhaltung, Finanzierung, Marketing, Vertrieb. 

Das Ganze beruht aber auf einem Missverständnis: Die Wirtschaft hält sich nämlich gerade nicht an die Regeln der Betriebswirtschaft, sondern umgekehrt sind Heerscharen von Betriebswirten emsig bemüht, das chaotische, kreative Wirtschaftsgeschehen zu ordnen, nachzuvollziehen und Regeln daraus abzuleiten.

Das ist gut, aber für Gründer, die sich ihren Platz im Wirtschaftssystem erkämpfen müssen, nicht die erste Adresse. Bei der Suche nach neuen Geschäftsideen und Produkten sind Betriebswirte nicht besser geeignet als jeder andere, der Lust auf Neues hat.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Sie sind seit 2001 in Hamburg mit Evers & Jung unternehmerisch im Bereich Investitionsförderung unterwegs. Was läuft in Hamburg in Sachen Gründertum heute schon richtig rund? Und wo würden Sie als Verantwortlicher nachjustieren?

Es wird viel tolle Arbeit gemacht – öffentlich wie privat. In den letzten Jahren ist viel in Bewegung geraten, mit neuen Akteuren, gerade im Start-up-Bereich, und etablierten Akteuren, die ihre Rollen neu definieren. Gerade eine stärkere Aktivität der Hochschulen, wie es die TU Hamburg vormacht, ist für eine innovationsgetriebene Metropolregion wie Hamburg extrem wichtig.

Diese Entwicklung ist spannend, aber auch herausfordernd hinsichtlich einer transparenten Vernetzung zu einem funktionalen regionalen Gründerökosystem, von dem ja am Ende vor allem der Gründer profitieren soll. Wir können auch hier noch mehr von den Lehren der Plattformökonomie lernen. Für Wissensgründer arbeiten wir ja hier mit an einer vernetzten Betreuung in den Hochschulen über die Plattform „beyourpilot“.


*  *  *

Vielen Dank für die spannenden Antworten!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Gründerplattform von BMWE und KfW:
www.gruenderplattform.de

SmartBusinessPlan von Evers & Jung mit Individee Berlin:
https://smartbusinessplan.de/

Gründerwerkstatt von Handelskammer + Handwerkskammer Hamburg: 
www.gruendungswerkstatt-hamburg.de/

"Be Your Pilot - Startup Port Hamburg" (in Planung)
https://hamburginnovation.de/pressemitteilung/beyourpilot-startup-port-hamburg/ 

ENTREPRENEURSHIP:

Prof. Günther Faltin, Hochschullehrer und Unternehmesgründer, Berlin:

https://de.wikipedia.org/wiki/Günter_Faltin

Stiftung für Entrepreneurship, Berlin:
https://www.entrepreneurship.de/about/

BUSINESS CANVAS:

Patrick Stähler, Lehrbeauftragter Leuphana, St. Gallen u. a.:

www.fluidminds.ch/ueber-uns.htm

Business Model Innovation:

http://blog.business-model-innovation.com/

EFFECTUATION:

Michael Faschingbauer, Organisationsberater und Dozent, Graz:
www.xing.com/profile/Michael_Faschingbauer

Effectuation-Prinzip:
https://de.wikipedia.org/wiki/Effectuation

Sonntag, 26. Februar 2017

HANSEPERSONALITY Senator Frank Horch: Hamburg bekommt Next Logistics Accelerator.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Exklusive Meldungen und Highlights im Überblick:

Hamburgs Startups:
  • Hamburgs Startup-Szene bekommt weiteren Branchen-Accelerator: Bis Jahresende Next Logistics Accelerator zusammen mit Skillnet geplant
  • Innovations-Wachstumsfonds wird im April in der Bürgerschaft beraten. Anschließend Ausschreibung und Auswahl des Fondsmanagements
Tech-Innovationen:
  • Hamburg bekommt einen "Digital Hub Logistics" für die Zusammenarbeit von Großunternehmen, KMUs, Wissenschaft, Investoren und Startups
  • Hamburg als Kompetenzzentrum für 3D-Metalldruck gestärkt: Laser Zentrum Nord wird zum Institut im Fraunhofer-Verbund ausgebaut
Hamburger Hafen:
  • Hamburger Hafen soll endlich Breitband bekommen: 1&1 Versatel baut auf eigene Kosten. Cluster Stenzelring wird in 1. Jahreshälfte angeschlossen
  • Hamburger Hafen wird virtualisiert: Hafenbehörde HPA prüft AR- und VR-Nutzung für Katastropheneinsatz, Planungs- und Entwicklungsvorhaben 

Zuständig für Wirtschaft, Hafen und Innovationen:
Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch
Foto: BWVI
HANSEEXKLUSIV: Das große Hamburg Digital Interview zum Digitalen Standort, zum Digitalen Hafen und zur Digitalen Zukunft. 

Im Mittelpunkt die aktuellen Themen der politischen Diskussion: Wie fördert die Wirtschaftsbehörde die wachsende Startupszene? Wann kommt der Innovations-Wachstumsfonds? 

Dazu Themen, die unter den Nägeln brennen: Wann wird der Hafen endlich mit Breitband-Internet erschlossen? Und was plant die HPA hinter verschlossenen Türen mit Augmented- und Virtual Reality?

Unser HANSEPERSONALITY ist Wirtschaftssenator Frank Horch:

 Thema Digitaler Standort 

Die Digitalisierung der Hansestadt steht im Mittelpunkt des Regierungsprogramms zur "Digitalen Stadt". Die Digitalisierung der Verwaltung mit der "Digitalen Leitstelle" und der Ausbau des IT-Standorts mit der Plattform "Ahoi Digital" sind zwei aktuelle Beispiele.

Hamburg ist Mitinitiator der "Digital Hub Initiative" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. In Hamburg soll ein "Digital Hub Logistics" mit internationaler Strahlkraft entstehen. Was kann man sich darunter vorstellen und wie ist der Stand der Dinge?

Die Logistik ist und bleibt eine der bedeutendsten Branchen unserer Stadt, unserer Region sowie der gesamten Bundesrepublik. Aber: Schon heute hat der digitale Wandel die Logistikbranche erfasst und verändert grundlegend Wertschöpfungsketten, Organisationsstrukturen, operative Prozesse, Geschäftsmodelle und sogar gesamte Unternehmen.


In dem Hub werden wir Gründer, KMUs, Wissenschaft und Forschung, Großunternehmen sowie Kapitalgeber an einem Ort zusammenbringen um die digitale Transformation der Logistikbranche zu befeuern. Wir prüfen derzeit verschiedenen Standortmöglichkeiten und sprechen mit potentiellen Partnern und Investoren. Die ersten Gespräche verliefen sehr vielversprechend.

Hamburg soll im Rahmen der "3D-Druckstrategie" beim Metalldruck vorn mitspielen. Wann kann die Wirtschaft mit konkreten Möglichkeiten rechnen?

Mit dem Laser Zentrum Nord (LZN) existiert bereits seit 2009 eine Forschungseinrichtung, die das 3D-Druckverfahren bei Metallen anwendet und Kooperationspartner für die Wirtschaft ist. Für einen - zusammen mit den Partnern Airbus und Concept Laser - entwickelten Kabinenhalter aus Titan, der bereits serienmäßig verbaut wird, wurde das LZN als einer von drei Finalisten für den Deutschen Zukunftspreis nominiert. 

Der Hamburger Senat hat das LZN in den vergangenen Jahren mit einer Förderung in Höhe von 1,16 Mio. € unterstützt. Der Senat bereitet derzeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft die Überführung des LZN in eine Fraunhofer-Einrichtung vor. Unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft würde nicht nur die Förderung dieses wichtigen Forschungsbereiches verstetigt, sondern auch ein Ausbau der Aktivitäten ermöglicht.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion - Michael Kruse - kritisiert fehlende digitale Innovationen bei den städtischen Betrieben und Beteiligungen. Wie können Sie hier nachjustieren?

Wir haben eine ganze Reihe aktueller Initiativen bei städtischen Betrieben, die ich hier der Einfachheit halber auszugsweise tabellarisch aufliste:

Beispiel 1 - HVV/Hochbahn 
  • Einführung eines elektronischen Ticketings (Mit Umsetzung ab Sommer 2017) 
  • Entwicklung und Einführung von "Check in–Be out"-Funktionen über das Smartphone
  • Echtzeitinformationen und Anschlusssicherung für Busse und Bahnen (größtenteils umgesetzt) 
  • Entwicklung einer Dispositionsplattform für Bedarfsverkehre (Ein Forschungsprojekt - gefördert im Rahmen der "Road Map Digitalisierung" durch das BMV)
  • Weiterentwicklung der HVV-App
  • Verknüpfung aller kundenrelevanten Beziehungen über eine zentrale Kundenschnittstelle
Beispiel 2 - Hamburg Airport 

Der Hamburg Airport verfolgt seit 2013 eine Digitalisierungsstrategie mit einer stetig aktualisierten Roadmap für digitale Innovationsprojekte. Unter anderem wurde seitdem umgesetzt:

Extern:

  • Einführung des kostenfreien 24h WLAN Angebots
  • Launch der mobilen "Passngr"-App "Make it your flight“ als Gemeinschaftsprojekt mit den Flughäfen Düsseldorf und München
  • Relaunch der Hamburg Airport Website in responsivem Design.
  • Launch und Test des Food-Pre-Order Konzepts „Fill-my-Fridge“, bei dem sich Passagiere individuell zusammengestellte Einkaufstüten direkt am Airport abholen konnten und
  • Start der Endkundenkommunikation über SnapChat und WhatsApp als erster deutscher Airport
Intern:
  • Gründung eines fachbereichsübergreifenden Think Tanks (#Ideenfabrik) zur Ausarbeitung und Bewertung digitaler Projektideen 
  • Entwicklung eines Facebook Messenger-Chatbots

 Thema Digitaler Hafen 

Der Hafen ist nach wie vor der Wirtschaftsmotor der Hansestadt und mit 750 Mio. € eine der wichtigsten Steuereinnahmequellen. Mit "SmartPort" will die Hafenbehörde HPA unter Aufsicht der Wirtschaftsbehörde das Hafengeschehen weitgehend digitalisieren und lässt derzeit den Hafen umfassend virtualisieren.

Wie weit ist die Virtualisierung des Hafens durch das AR-/VR-Projekt der HPA fortgeschritten und welches Ziel verfolgt Herr Meier von der Hafenbehörde?

Das smartPORT-Konzept zielt darauf ab, die Effizienz des Hamburger Hafens als wichtigen Teil der Lieferkette zu erhöhen. Dabei werden sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte berücksichtigt. Im Rahmen der Digitalisierung glauben wir, dass auch das Thema Augmented und Virtual Reality (AR und VR) eine große Rolle spielen wird. 

So führt die HPA derzeit ein Pilotprojekt zu den Themen Virtual und Augmented Reality durch, das sich noch in einer sehr frühen, internen Entwicklungsphase befindet. Hier prüft die HPA, wie man diese neuartigen Visualisierungsmöglichkeiten in die Prozessabläufe im Hafen einbeziehen und nutzen kann. Mögliche Anwendungsszenarien wären zum Beispiel Planungsaufgaben, Entwicklungsvorhaben oder auch der Einsatz im Katastrophenfall im Hafen.

Die Hafenwirtschaft fühlt sich mit ihrem Port Community System unter Druck gesetzt. Soll die Hafenbehörde künftig alle Geschäftsdaten managen dürfen?

Der Austausch von Geschäftsdaten ist ein wichtiger Baustein innerhalb der Geschäftsprozesse der an der Transport- und Logistikkette Beteiligten. Dabei müssen entlang dieser Transportkette derzeit viele Informationen mehrmals durch verschiedenen Prozessbeteiligten manuell (per E-Mail, Fax, Telefon etc.) oder per systemische Schnittstelle weitergegeben werden. In Europa arbeiten Wirtschaft und Wissenschaft daher seit Jahrzehnten daran, den „Re-Use“ dieser Daten geltend zu machen. Die initiale Richtlinie ist die Meldeformalitätsrichtlinie oder auch "National Single Window" genannt.

Europaweit gibt es Initiativen und Projekte, die daran arbeiten, die Transport- und Logistikkette durch verbesserten Austausch der Daten effizienter zu gestalten. Ein konkretes Handlungsfeld ist die Sicherheit in der maritimen Schifffahrt. Jeder eingetretene Vorfall verursacht großen volks- und betriebswirtschaftlichen Schaden. Um effiziente Prozesse zu ermöglichen und schnell geeignete Maßnahmen einleiten zu können, sind die entsprechenden Daten unverzichtbar. Dies gilt auch für öffentliche Stellen wie Port State Control, Havarie Kommando, Nautische Zentrale, Wasserschutzpolizei, Feuerwehr, etc. Je schneller z. B. Informationen über die Ladung an Bord bekannt sind, desto schneller können entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.

Welche Daten auszutauschen sind, müssen die Beteiligten gemeinsam ausarbeiten und definieren, damit Synergien und Mehrwerte entstehen können.

Die Container-Logistik steckt seit 2008 in der Krise - Hamburg muss um seine Zukunft bangen. Wo liegen künftige, digitale Geschäftsmodelle im Hafen?

Es gibt unzählige Digitalisierungsstreiber und -megatrends, die wir beobachten und für den Hamburger Hafen evaluieren. Neben dem 3D-Druck, Internet of Things oder VR und AR ist hier auch das effektive Management von Leercontainern zu nennen. All diese Dinge führen langfristig zu einer Optimierung der internen Abläufe des Hafens und wirken sich auch auf die Hinterlandanbindung aus. Um auch zukünftig neue digitale Geschäftsmodelle zu identifizieren, stehen wir im stetigen Austausch mit der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Warum haben heute nur 4% aller Internet-Anschlüsse im Hafen Breitband und wie können Sie die seit 2 Jahren bereitstehenden Fördermittel dafür aktiv nutzen?

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung ist eine funktionierende Sprach- und Datenverbindung für unsere Unternehmen unerlässlich, und daher setzt sich die HPA in Gesprächen mit Providern dafür ein, den Ausbau von Internet- und Telefonleitungen im Hafen voranzutreiben.

Erst kürzlich hat ein Treffen zwischen der Deutschen Telekom, 1&1 Versatel, der BWVI, dem Verband Hamburger Spediteure, dem Unternehmensverband Hafen Hamburg e.V., dem Verein Hamburgischer Quartiersleute und der HPA stattgefunden. In dem sehr konstruktiven Austausch zur Ist-Situation der Internet- und Telefonleitungen im Hamburger Hafen sind sich die Teilnehmer darüber einig geworden, dass eine Verbesserung notwendig ist und haben beschlossen, gemeinsam daran arbeiten. 

Zudem stellten die Deutsche Telekom und 1&1 Versatel jeweils ihre konkreten Konzepte zum Ausbau Breitbandanbindung im Hafen vor und warben um Interessenten. Der Kreis war sich zudem einig, dass das neue Förderprogramm für den Breitbandausbau in Gewerbegebieten, das von Minister Dobrindt vorgestellt wurde, eine Möglichkeit für den Hamburger Hafen sein könnte, Fördermittel für den Leitungsausbau zu erhalten und damit langfristig dessen Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Ein konkreter Antrag für Fördermittel zum Ausbau der Netzinfrastruktur für Hamburg und insbesondere auch für den Hamburger Hafen wurde mittlerweile gestellt. 

Parallel dazu hat der Provider 1&1 Versatel bereits mit diversen Unternehmen der Hafenwirtschaft Kontakt aufgenommen und teils auch Breitbandverträge unterzeichnet. Bereits für die erste Jahreshälfte 2017 plant der Telekommunikationsanbieter weite Teile des Hafen Hamburgs an ein hochmodernes Glasfasernetz anzubinden, mit dem Internet-Geschwindigkeiten von bis zu 100 Gbit/s ermöglicht werden – das ist bis zu 1.000-facher VDSL-Speed. Dabei sollen den Unternehmen keine Baukosten entstehen: Im Angebotszeitraum übernimmt 1&1 Versatel die Kosten für die Tiefbauarbeiten, den Hausanschluss sowie die Installation und das Freischalten des technischen Equipments. 

Voraussetzung für die Erschließung ist, dass sich ausreichend Unternehmen in einem Gewerbegebiet für die Anbindung an das Glasfasernetz entscheiden. Dabei wurde der Hafen in verschiedene Cluster unterteilt. Nach aktuellem Stand ist der erste Cluster (Stenzelring) bereits soweit mit Anträgen, dass er ausgebaut werden kann.

 Thema Digitale Zukunft 

Der Startup-Standort Hamburg wächst. Unternehmen, wie Deutsche See, Haspa, die HSH Nordbank, Otto und Philips engagieren sich. Hamburgs Familienunternehmer sind bereit, zukunftsweisende Startups mit Wissen und Kapital zu unterstützen und bauen eigene Standorte auf.

Hamburg unterstützt den Next Media und den Next Commerce Accelerator. Können wir in diesem Jahr mit weiteren "Branchen-Beschleunigern" rechnen?

In Hamburg haben sich in der jüngeren Vergangenheit diverse Acceleratoren herausgebildet. Wir begrüßen diese Entwicklung ausdrücklich, denn Acceleratoren bieten innovativen Startups ein Umfeld, in dem Geschäftsmodelle schneller und mit größerer Aussicht auf Erfolg umgesetzt werden können. Im Wesentlichen handelt es sich bei den Acceleratoren um private Initiativen. Mit attraktiven Standortbedingungen in Bezug auf Fachkräfte, Forschung & Entwicklung, Gründungsförderung und nicht zuletzt eine hervorragende Infrastruktur schafft der Senat die Voraussetzungen für erfolgreiche privatwirtschaftlichen Initiativen. Die vitale Entwicklung in diesem Bereich zeigt, dass wir hier auf einem guten Weg sind.

Daher freuen wir uns auch, dass es in diesem Jahr einen weiteren Accelerator geben wird. Seit dem 01.01.2017 arbeitet die Firma Skillnet, die bereits sehr erfolgreich den Next-Media-Accelerator für die Senatskanzlei realisiert hat, an der Konzeption und Umsetzung des Next-Logistics-Accelerators. Ziel ist es, bis zum 4. Quartal 2017 einen Accelerator zu implementieren, der innovative Startups aus dem Bereich Logistik bei der Unternehmensgründung und Umsetzung neuer Geschäftsmodelle begleitet. Damit ist Hamburg Vorreiter in Deutschland und unterstreicht seine Bedeutung als bedeutendster Logistikstandort in Nordeuropa.

Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hansjörg Schmidt, hat uns gegenüber angekündigt, dass der Innovations-Wachstumsfonds in Kürze kommt. Wann können Startups damit rechnen?

Die Hamburgische Investitions- und Förderbank hat im Auftrag und in Abstimmung mit der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation einen Prüfbericht erstellt und die Schlussfassung im Oktober des Jahres 2016 vorgelegt. Die Ergebnisse wurden unter Einbeziehung externer Experten erarbeitet. Die Mitteilung an die Bürgerschaft wird voraussichtlich Anfang des 2. Quartals erfolgen. Wann der Innovations-Wachstumsfonds kommt, werden die Ausschreibung und Auswahl des Fondsmanagements zeigen. Außerdem erfordert das Fundraising noch etwas Zeit, bevor die erste Investitionsentscheidung getätigt werden kann.

Erste private Initiativen vernetzen Hamburger Familienunternehmer mit erfolgversprechenden Tech-Startups. Wie können Sie dies weiter befördern?

Hamburg ist mittelständisch geprägt und mehr als 95 Prozent der Unternehmen zählen zum Mittelstand, die überwiegend Familienunternehmen bzw. inhabergeführt sind. Der Senat hat in den letzten Jahren viel unternommen, um die mittelstandsfreundlichen Rahmenbedingungen weiter zu optimieren. Beispiele hierfür sind die Stärkung der Innovationsförderung in der Hamburgischen Investitions- und Förderbank und die nachhaltige Verbesserung der Standortbedingungen für den innovativen Mittelstand im Rahmen der "InnovationsAllianz Hamburg". Wir werden diese bewährten Arbeitszusammenhänge nutzen, um die Rahmenbedingungen im Dialog mit den Stakeholdern kontinuierlich weiter zu entwickeln.


Welche Schritte sind für die geplante "Digitale Gründerplattform" bereits umgesetzt worden und wann können Startups mit der Plattform rechnen?

Die digitale Plattform wird Gründungswilligen das Gründen erleichtern, deren Produktidee wissensbasiert und innovativ ist. Auf der Plattform finden die potenziellen Gründer Antworten auf und Ansprechpartner für die drängendsten Fragen, die sich ihnen stellen. Sie finden Kontakte und können sich miteinander und mit den Institutionen vernetzen, die Angebote für sie bereithalten. Wir haben dazu mit den wichtigsten Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hamburg gesprochen und ein Konzept entwickelt, das auch Betrieb und Weiterentwicklung der Plattform umfasst, da wir nachhaltige Strukturen schaffen wollen. Wenn dies die Zustimmung aller Beteiligten findet, kann die Programmierung der Plattform bald ausgeschrieben werden und online gehen.

Vielen Dank für dieses Interview!

Das Interview führte Thomas Keup.


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