Posts mit dem Label UHH werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label UHH werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. November 2022

Quantum Innovation Capitol Hamburg: Versaut's nicht wieder ...

HANSE QUANTEN MAGAZIN
*Update 1.4 - 17.11.2022*

"Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land und nicht auf dem Wasser."
Klaus von Dohnanyi, Erster Bürgermeister Hamburgs
in seiner Bürgermeisterrede vor dem Übersee-Club am 29. November 1983

Quantenphysik verändert die Art, wie wir forschen, entwickeln und arbeiten.
Foto: Universtiy of Warwick-Marck Garlick - Verschmelzende Neutronensterne
Lizenz: CC BY SA 4.0

Der Hamburger Senat will Hamburg zur ‚Quantum Innovation Capital‘ machen. Das steht in der Tradition, Hamburg zur Digitalhauptstadt, zur KI-Hauptstadt und zur Blockchain-Hauptstadt machen zu wollen. Alle diese Ankündigungen sind bisher genau das geblieben: Ankündigungen." FDP-Landesvize Andreas Moring und bekannter Hamburger KI-Professor steckt den Finger in die Wunde und bohrt einmal mal kräftig nach - mit Recht. 

Ob Internet-Hauptstadt, Startup-Hauptstadt oder Fintech-Hauptstadt - der rot-grüne Senat der Hansestadt ist mit Overselling, Nebelkerzen und Bullshitbingo in seiner PR gern stets ganz vorn dabei ... wenn's um das Vers.uen des nächsten Technologiethemas geht. Seit der Ankündigung für einen Rymax-Quantencomputer im Dezember 2021 sind jedoch plötzlich Projekte, Kooperationen und Millionen da - für Quantencomputing "Made in Hamburg".

Thomas Keup ordnet die plötzliche Quantenwelle ein - und verrät, wer dahinter steckt:

"Hamburg hat erst relativ spät verstanden, dass ein starker Wissenschaftsstandort für eine moderne, internationale Metropole kein schmückendes Beiwerk ist, sondern die Voraussetzung für Innovation, Wirtschaftswachstum und die Lösung globaler Herausforderungen.

Die selbt-/kritischen Worte kommen von niemand geringerem, als dem ehemaligen Ersten Bürgermeister und heutigen SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz - der Hamburger Gesellschaft ins aller werteste Krämerseelen-Stammbuch geschrieben am 28. November 2017 im Rahmen seiner "Bürgermeisterrede" zum Wissenschaftsstandort vor dem alt-ehrwürdigen Übersee-Club an der Binnenalster.

Seit den wahren Worten des ansonsten ziemlich "vergesslichen" Warburg-Freundes Scholz sind weitere, geschlagene fünf Jahre vergangen. Seit der mahnenden Forderung seitens Hamburgs Grandseigneur und Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi zum Thema Wissenschaftsstandort aus gleichem Anlass an gleicher Stelle sogar geschlagene 29 Jahre (s. o.). Womit Hamburg eher nicht zu den fort-schrittlichen Millionenstädten Deutschlands zählt - im Vergleich zu Berlin und München.

*Update*
Immerhin: Die Stadt zählt rd. 120.000 Studenten in mehr als 20 staatlichen und privaten Hochschulen. 12.000 Forscher sollen laut Eigen-PR an Alster und Elbe arbeiten - in Universitäten wie HCU, HSU, UHH und TUHH sowie Forschungseinrichtungen wie DESY, DKRZ, Fraunhofer CAN, CML und IAPT, ZAL und XFEL. Dazu kommen rd. 40.000 IT-Angestellte in den Hamburger Groß- und Familienunternehmen sowie bis zu 10.000 IT- und IT-nahe Unternehmen. Eine Grundlage, die bis heute nicht wirklich dazu genutzt wurde, der Stadt eine neue Zukunftsperspektive fernab von Hafen und Handel zu geben.

Eine neue Runde Techshit-Bingo des Senats?

Plötzlich werden führende Hamburger Innovatoren aus ihrem jahrzehntelangen Schlaf der Gerechten gerissen, weil plötzlich was ganz anders ist ... Erwarten die kritischen Geister der Stadt im Normalfall bei jeder neuen Runde Techshit-Bingo des Senats mit 100%er Sicherheit ein paar zehntausende Euro erbettelt aus Bundes- oder EU-Mitteln, ein überflüssiges Cluster-Netzwerk für die üblichen Subventionsritter in der Wexstraße, am Adolfsplatz und in Harburg sowie bestenfalls einen Mini-Was auch immer-Showroom, fließen plötzlich Millionensummen in acht- bis neunstelliger Höhe.

Fördermillionen sind noch kein Grund, an Alster und Elbe Jubelschreie auszustoßen. Schließlich beherrschen Möchtergern-Millionen-Verschieber und Coronamittel-Sparhans Andreas Dressel wie seine Senatskollegen das Geschäft mit fremden Federn bis in die Perfektion. Jüngstes Beispiel: Der Schrei nach Bundesmitteln für den verschlickten, in Europa zusehends abgeschlagenen Hafen - nachdem man Millionen von "Cosco" für die Terminal-Beteiligung einsackt und die Kooperation mit Bremen und Wilhelmshaven dankend abgewunken hat. Danke Angela Titzrath, dass Sie es als "Hafenmanagerin" endgültig verbocken!

"Hamburg Quantum Innovation Capital" ... echt jetzt?

Wenn der Senat für den Aufbau einer "Quantum Innovation Capital" (kleiner gings leider wieder nicht ... Die Red.) von 34,1 Mio. € satte 25,1 Mio. € aus dem Hamburger Stadtsäckel finanziert, reiben sich interessierte Beobachter noch etwas verschlafen ungläubig die Augen. Wenn über rd. ein Jahr Projekte für insgesamt sechs Quantencomputer in den beiden Technologiegrundlagen Rymax und Ionenfallen mit 10 und 50 Qubit in Hamburg angesiedelt werden und allein dafür 237,5 Mio. € Forschungsmittel bereitgestellt werden, sind wir in einer anderen Kategorie, als im Alster-dorf üblich. 

Das beweist sich auch in der zentralen Ansiedlung von fünf der sechs aktuellen Projekte unter dem Dach des neuen DLR-Innovationszentrums auf dem Campus des ebenfalls beteiligten Chip-Herstellers "NXP" an der Troplowitzstraße in Hamburg-Lokstedt. Dort werden tatsächlich gerade Büros und Labore für die Projekte errichtet - und nicht wie bei "Hamburg Innovation" in Harburg für die nächsten Fördermillionen nur die Werbemittel mit neuen Sprüchen bestellt (vgl. "Startup Dock" vs. "Startup Port" vs. "Be your Pilot" vs. "AI Startup Hub"). 

"Hamburg Quantum Computing School" ... Bingo!

Neben plötzlich für ein Technologiethema bereitstehenden millionenschweren Landes-, Bundes- und Europamitteln staunen Hamburgs Volkswirte, Wissenschaftler und Profi-Netzwerker nicht schlecht, was unter Forschern plötzlich möglich ist: Da bauen die scheinbar übermächtige Universität und die chronisch unterbewertete Technische Universität allein mit 19 Mio. € gemeinsam eine "Hamburg Quantum Computing School" für Doktoranten und ihre Projekte auf.(Verzeiht ihnen nochmal das Bullshitbingo! Sie können einfach nicht anders. Die Red.

Um zu verstehen, warum Hamburg bei dieser Technologierevolution wirklich Gas geben muss, auch wenn es noch bis Frühjahr kommenden Jahres dauern wird, bis die Landesmittel zugeteilt und die Projekte angeschoben sind, reicht das Lesen der jüngsten Pressemitteilung des Hamburger Senats anlässlich der Präsentation des 34,1 Mio. € großen Füllhorns. Da bringt Innovationssenator Michael Westhagemann fachlich-sachlich zitierfähig auf den Punkt:

"Die Quantentechnologien werden die Art und Weise, wie wir rechnen, kommunizieren und wahrnehmen, verändern und damit auch die Cybersicherheit, die Entdeckung neuer Medikamente und die Bewältigung des Klimawandels.

Kluge Worte eines Informatikers und langjährigen Industriemanagers, der zu Beginn seiner Amtszeit noch dadurch auffiel, über seine eigenen Witze zu lachen. Das Interessante: Der bislang als "Westwasserstoffman" bekannte, parteilose Senator hat offenbar über den Hamburger Tellerrand hinaus geschaut. Beispiel Bayern: Das "Munich Quantum Valley" von LUM, TUM & Co. hat aus der Hightech-Agenda des Freistaates allein 300 Mio. € bekommen - plus 80 Mio. eingeworbener Bundesmittel für Projekte. 

Da der Freistaat bereits in den Themen Hightech, Smartcity und Startups bewiesen hat und beweist, bayerisch bescheiden zu klotzen (s. u.), statt hamburgisch großkotzig zu kleckern (s. o.), sind verantwortliche Landesminister und -senatoren für Digitalisierung, Technologien und Innovationen in den armen Nordländern gut beraten, jetzt ihren Allerwertesten zu bewegen und mit allen verfügbaren Fördermitteln ihre Forschungsstandorte fit zu machen für die nächste Stufe der technologischen Entwicklung - und die heißt Quantencomputing.    

Der Wettbewerb norddeutscher Regionen ist eingeläutet.

In Norddeutschland ist das "Quantum Valley Lower Saxony" um die Leibniz-Universität Hannover, die Technische Universität und die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig führender Quantencomputing-Standort. Dazu zählt u. a. der Bau eines 50 Qubit-Ionenfallen-Computers in der Metropolregion Hannover bis 2026 - dank 25 Mio. € Mitteln aus dem Landeshaushalt und der Volkwagen-Stiftung. Dazu kommen 30 Mio. € Bundesmittel für die ATIQ-Initiative für die Entwicklung von Demonstratoren auf Basis der Ionenfallen-Technologie und ein bereits aufgebautes Exzellenzcluster namens "QuantumFrontiers".

Nach Künstlicher Intelligenz (mit den DFKI-Standorten Bremen, Lübeck und Niedersachen inkl. Oldenburg und Osnabrück) ist der norddeutsche Wettbewerb um die Zukunftschancen auf Basis der nächsten Technologiestufe dank Hannover in vollem Gange. Wenn Hamburg jetzt nicht klotzt, wird es erst wieder mit Bionik an Alster und Elbe ähnliche Meta-Chancen geben, einen Wissenschaftsstandort im Interesse der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung upzugraden. KI hat man ja versemmelt. Das weiß ein selbstbewußter und keiner Parteidisziplin in Hamburg-Wandsbek unterworfener Innovationssenator (... das ist er tatsächlich!).

BaWü, Berlin, Hamburg, Bayern, Hessen oder Bremen?

*Update*
Um zu verstehen, wie intensiv der Wettbewerb der führenden Forschungsregionen in Deutschland und weltweit ist, hilft eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts der Wirtschaft (IW). Danach ist Baden-Württemberg international nach dem TASICI-Score mit 84,9 Punkten eine starke Nr. 3 unter den innovativen Wissenschaftsstandorten - direkt hinter Massachusetts u. a. mit Harvard Universität und MIT in Boston und dem Digital-Hotspot Kalifornieren v. a. mit der Standford Universität. Auf Freiburg, Karlsruhe und Stuttgart folgt Berlin mit dem Wissenschaftsverbund aus Charité, FUB, HUB und TUB auf Platz Nr. 4 und 80,3 Punkten. 

Hamburg hat eine Chance - wenn es sich um seine Forschung kümmert.
Grafik: ITIF

*Update*
Interessant: Auf Platz 6 kommt mit 73,5 Punkten ... Hamburg! Wer hätte das gedacht. Die Elbmetropole punktet im Bereich Wissensgesellschaft und Einkommen sogar auf einem beachtlichen 2. Platz - direkt hinter Berlin. Dabei ist man an Alster und Elbe im Norden nicht allein auf weiter Flur. Erzrivale Bremen schafft es dank einer aktiven Universität, einem eigenen DFKI-Standort und zukunftsweisenden Schwerpunkten wie Robotik und Raumfahrt auf einen guten 10. Platz mit 58,9 Punkten. Zwischen Hamburg und Bremen tummeln sich so finanzstarke und digital aktive Länder wie Bayern und Hessen. Berücksichtigt wurden bei der transatlantischen Vergleichsanalyse u. a. die Faktoren Patentaktivitäten, Forschungsausgaben und qualifizierte Fachkräfte (siehe Hamburg).

*Update*
Weil wir gerade über zukunftsweisende Forschungsstandorte sprechen: Die "Berlin University Alliance" aus Charité, FUB, HUB und TUB hat nach fünf Jahren die Vertiefung ihrer Kooperation mit der rennomierten Oxford-Universität bekanntgegeben. Zur "Oxford Berlin Research Partnership" gehört die Zusammenarbeit von mittlerweile 1.000 Wissenschaftlern, der Austausch von Forschern und das Seed-Funding für hoffnungsvolle Projekte mit bereits 12 Mio. €. Ach ja: Zu den Schwerpunkten der Partnerschaft gehört auch das Thema Quantencomputing. Nur mal so, um zu erahnen, woher der Wind weht. Wäre doch mal eine Chance für Hamburg: Eine globale Kooperation von UHH, UKE und TUHH mit einem international führenden Standort. Motto: "Teile und herrsche" ...  

Highspeed-Rechnen statt Rechenschieber in Kontoren.

Westhagemann gibt der Freien und Hansestadt eine unerwartet echte Chance, langfristig von stinkenden Frachtern und innovationsresistenten Pfeffersäcken in dunkelblauen Zweireihern mit Goldknöpfchen wegzukommen, denn in der verschlickten Schlangengrube Hafenwirtschaft kann man wirklich keinen Blumentopf mehr gewinnen (von der Tonnage-Steuer mal abgesehen ...). Westhagemann lenkt Hamburg mit Sparringspartnerin Katharina Fegebank auf langfristig wirtschaftlichen Erfolgskurs mit Themen, wie Medikamentenentwicklung oder Materialwirtschaft. 

In seiner zweiten Amtsperiode als Wirtschafts- und Innovationssenator scheint sich der gebürtige Beckumer im Hamburger Politik- und Pfeffersack-Sumpf freigeschwommen zu haben. Mit seiner Wasserstoff-Initiative für Hamburg und Norddeutschland hat er sein Gesellenstück abgeliefert - auch wenn's niemand mehr hören kann ... Mit "Mutti" als Zweiter Bürgermeisterin und Grüner Wissenschaftssenatorin bildet der parteilose Quanten-Promotor eine interessante Koalition für die Zukunft der Hammaburg. 

„Quantentechnologie ist die Schlüsseltechnologie unserer Zeit. Mit ihr werden wir Lösungen für die komplexen Herausforderungen von heute und morgen finden können – vom Klimawandel über Logistikfragen bis hin zur Impfstoffentwicklung."
Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin,
Landespressekonferenz Hamburg, 25.10.2022

Mit der renommierten Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung am UKE, der international anerkannten Arbeit am Klimarechenzentrum und der Logistikforschung des Fraunhofer CML im Harburger Hafen inkl. Anschluss an das Fraunhofer-Netzwerk für Quantencomputing hat die alte Hafenstadt hohe Kompetenzen in immer wichtiger werdenden Themenfeldern. Es wäre nur "so mittel" klug, mit Quantencomputing nicht die Stärken zu stärken - und stattdessen auf Schlickbaggern zu setzen und im Jahr wie bislang 300 Mio. € und mehr an Steuergeldern im Hafen zu versenken (was sowieso nichts mehr bringt).

Das aktuelle Thesenpapier des "Hamburg Konvent" der Zeit-Stiftung fasst das so zusammen: "Wir werden in Deutschland, und für Hamburg gilt dies im Besonderen, unseren Lebensstandard, unsere Art zu leben, im Einklang mit Klimaschutz, nur erhalten, wenn wir die Fähigkeit stärken, die uns hierzulande seit langem auszeichnet: technologisch anderen in der Welt ein Stück voraus zu sein." Die drei klugen Köpfe hinter der Headline "Was Hamburg kann" sind niemand geringeres als Prof. Michael Göring, Nikolas Hill und Prof. Henning Vöpel. Visionäre, die wissen, wie man aus dem Schlick rauskommt.

Ein Boston an der Elbe: Köpfe statt Container?

Die drei Fast-schon-Nest-Beschmutzer werden in ihrem über zwei Jahre erarbeiteten Thesenpapier an die Abgeordneten der Bürgerschaft konkret: "Wir sollten noch stärker als bisher in Köpfe statt in Container investieren - nicht nur, aber vor allem und damit einen Umschlagplatz des Wissens und der Innovation für die globale Wissensökonomie begründen." Die Grundidee: Mehr Investitionen in die Hochschulen. So machen die kritischen Geister Hamburg die Rechnung auf: Die Stadt investiert in ihre Universität gerade mal 16.400,- € je Studienplatz und Jahr . An der Isar sind es dank Hightech-Fokus für die TUM mit 37.500,- € mehr als doppelt soviel. 

Bevor Katharina-ich kanns doch längst-Fegebank jetzt mit ihrer Großbaustelle "Science City Bahrenfeld" um die Ecke kommt, pointiert das Thesenpapier das Dilemma - u. a. nach einer halbherzigen und misslungenen Informatik-Initiave "Ahoi Digital" (auch wenn TUHH-Präsident und Hausgewächs Andreas Timm-Giel sie versucht, schönzureden): "Gebraucht werden aber für die Zukunft Konzepte in noch ganz anderer Dimension, von erheblich größerer Breite: Es geht nicht allein um staatlich subventionierte Wissenschaftseinrichtungen. Sie sollten vielmehr der Humus sein für privatwirtschaftliches Engagement, wie wir es bisher nicht kennen an der Elbe." 

Startup-Business statt Steuergelder-Sumpf Süderelbe

Als Beispiel könnte das millionenschwere Engagement von Quandt-Erbin Susanne Klatten und der BMW-Stiftung für "UnternehmerTUM" an der TU München dienen - seit nunmehr 20 Jahren. Die Fakten des "Isar Silicon Valley" nach Vorbild der Standford Universität in Palo Alto: Nr. 1 der Startup-Schmieden in der EU, mehr als 6.000 Interessenten über Gründungen informiert und beraten, mehr als 1.000 Gründungen begleitet, mehr als 500 Teams betreut, jedes Jahr im Schnitt 80 neue Gründungen. Und jetzt kommt's: Eingeworbenes Investment in 2021: 3,5 Mrd. €. In ganz München sind es 4,4 Mrd. € - rd. die Hälfte von Berlin.

Wir hören schon die Nörgeleien der Klapperschlangen aus dem Subenventionssumpf in Harburg rund um "TUTech Innovation", "Hamburg Innovation" und "Subenventions-Innovation". Da Fakten schwerer wiegen, als Selbstfertigungs-Argumentationen um die eigene Unfähigkeit hier die Zahlen: "UnternehmerTUM" verbrennt kein Geld, sondern druckt es. Für die gerade wach gewordenen Pfeffersäcke: 40 Mio. € Umsatz/Jahr, 50 Mio. € auf der hohen Kante, vier eigene Investmentsfonds in den vergangenen zehn Jahren. Das wär doch mal was, liebe Kaufleute ... Nicht immer nur Steuergelder an der Süder-Elbe versickern lassen. Wenn man mutig wäre.

Quantencomputer: Hamburg oder Hannover? Das ist die Frage.

Bei all den neuen Chancen ist ein blass wirkender Bundesrats-/Grußonkel aka Erster Bürgermeister Peter Tschentscher weitgehend außen vor - ebenso wie die restliche, von den Hamburger Wählern mittlerweile als wenig zukunftsweisend enttarnte SPD (siehe jüngste Umfrageergebnisse). Bleibt die Hoffnung, dass die Förderung der Entwicklung und Anwendung des Quantencomputings in Hamburg langfristig gesetzt wird - und nicht doch wieder Teelichter als Leuchttürme verhökert werden (vgl. Digitalisierung, KI, Blockchain, Startups etc. etc.). 

"Wir sollten uns nichts vormachen, uns nicht in trügerisches Sicherheit wiegen. Wir, diese Stadt als Ganzes, ist derzeit international nicht ausreichend attraktiv. Hamburg bezeichnet sich zwar oft als "Tor zur Welt". Nicht nur die Mutter von Karl Lagerfeld aber pflegte, wie er gern erzählte, dann zu sagen, dass Hamburg eben nur das Tor, aber nicht die Welt sei. Wir teilen diese Beobachtung auch heute noch".
Prof. Michael Göring, Nikolas Hill und Prof. Henning Vöpel,
Autoren des Thesenpapiers "Das kann Hamburg" des "Hamburg Konvent" der Zeit-Stiftung,
Hamburg, 01.11.2022

Für das Hanse Quanten Magazin HANSEQUANTUM ist das Vers.uen des Zukunftsthemas Quantencomputing an Alster und Elbe auch kein Problem: Dann etabliert halt sich das junge "Quantum Valley Lower Saxony" in Hannover und Braunschweig mit millonenschwerer Unterstützung von Land und Volkswagen-Stiftung zum einzig ernsthaften Wettbewerber Norddeutschlands zu den gesetzten Quantenzentren in München (LMU, TUM, Fraunhofer) und Eningen (IBM mit Fraunhofer). Darüber berichten wir dann auch sehr gern.

*  *  *

 Hanse Digital Background: 

Zeit-Stiftung: Bericht des Hamburg Konvent: Was wird aus der Hansestadt?

Hamburg Konvent: Thesenpapier "Das kann Hamburg" (PDF-Download)
yumpu.com/

HANSESTATEMENT:
Das digitale Wolkenkuckucksheim. Wer hat hier die letzten 5 Jahre eigentlich regiert?

hansevalley.de/

HANSESTATEMENT: Die Digitalisierung wartet nicht auf Hamburg.
hansevalley.de/

HANSEEXKLUSIV Klaus von Dohnanyi: "Alles bleibt anders."
hansevalley.de/

 Hanse Digital Presse: 

09.11.2022
Martin Kliesch übernimmt Stiftungsprofessur für Quantum Inspired and Quantum Optimization an der TU Hamburg
tuhh.de/

27.10.2022: 
Auftragsvergabe in Höhe von 208,5 Millionen Euro im Rahmen der DLR Quantencomputing-Initiative
dlr.de/

25.10.2022:
Senat beschließt 34 Millionen Euro starkes Maßnahmenpaket
10.10.2022:
Förderung für sichere und zuverlässige Übertragung von Quantendaten
uni-hamburg.de/

20.09.2022:
4,9 Millionen Euro für die Berechnung von Strömungen
uni-hamburg.de/

11.05.2022:
Initiative Quantum Innovation Capital erfolgreich gestartet
hamburg.de/

03.12.2022:
Forschende der Universität Hamburg bauen Quantencomputer

 Hanse Digital Service: 

Quantencomputing in Norddeutschland:

Hamburg Quantum Innovation Capital c/o ARIC

Quantum Valley Lower Saxony, Hannover + Braunschweig

Quantencomputing Süddeutschland:

Kompetenzzentrum Quantencomputing Baden-Württemberg

Munich Quantum Valley (MQV)

Quantencomputing bundesweit:

DLR Quantencomputing-Initiative

Fraunhofer Kompetenznetzwerk Quantencomputing

(in alphabetischer Reihenfolge)

Sonntag, 21. Februar 2021

HANSEINVESTIGATION: Hamburger Senat lässt Informatik-Studiengänge ausbluten.

HANSE DIGITAL INVESTIGATION
* 3. Update 24.02.2021 *

Schluss mit lustig: Die Informatik der UHH geht auf die Barrikaden.
Grafik: Universität Hamburg

Genderstudies werden an der Universität Hamburg groß geschrieben - ganz zur Freude des rot-grünen Senats mit Wissenschafts- und Frauensenatorin Katharina Fegebank. Die Informatik am größten IT-Fachbereich aller Hamburger Hochschulen lässt man jetzt dagegen ausbluten. Zuvor verordnete die Fegebank-Behörde bereits der Technischen Universität in Harburg, ihr Defizit gefälligst selbst auszugleichen. 

Neben fehlenden Professuren zu Zukunftsthemen wie Digitale Transformation und Ethik in Data Science, verunsicherten Studenten und weniger Studienplätzen hat die grüne Wissenschaftsbehörde das erste handfeste Opfer zu verantworten: Auf Grund fehlender Anschlussfinanzierung und unterfinanzierter Hochschulen wird die Hamburger Informatik-Initiative "Ahoi Digital" zu Grabe getragen.

Aktuelle Zahlen, Daten und Fakten sowie Hintergründe und Einordnungen zum Schlusslicht des Informatikstudiums in Deutschland von Chefredakteur Thomas Keup:

Die Ausbildung von jungen Informatikern für die digital-vernetzte Zukunft der Wirtschaft droht in der Freien und Hansestadt einen schweren Rückschlag zu erleiden. Sieben bestehende und geplante Professuren für Informatik an der Universität Hamburg werden durch den umstrittenen Präsidenten Dieter Lenzen kurzfristig ersatzlos gestrichen. Informatik-Studenten müssen sich jetzt Sorgen über Ihr Studium an der Universität machen, die Zahl der Studienplätze für Erstsemester wird sinken.

Ein Informatik-Lehrstuhl wird laut Experten mit rd. 100.000,- € pro Jahr berechnet, was jährliche Einsparungen von fast einer dreiviertel Million Euro bedeutet. Die mit 23 von 74 Hamburger Informatik-Professuren größte IT-Ausbildungsstätte an Alster und Elbe droht mit der aktuellen Rotstift-Politik - wie zuvor bereits die TU in Harburg - auszubluten. Schon jetzt beklagen wissenschaftliche Mitarbeiter fehlende Lehrkräfte und mangelhafte Lehrinhalte. Aus Kreisen der UHH-Informatik wird ein jahrelanges Verschleppen von Berufungen ans Informatikum kritisiert, so die "Eimsbütteler Nachrichten".

2 betroffene "Ahoi Digital"-Professuren, 1 "ITMC"-Stiftungsprofessur

Von den Streichungen auf Grund eines jährlichen - auf den Seiten des Informatik-Bereichs diskutierten - Hochschul-Defizits i. H. v. 20 Mio. € sind allein 13 neu geplante Professuren im Rahmen der Informatik-Initiative "Ahoi Digital" betroffen, ebenso wie eine neu geplante Stiftungsprofessur des von rd. 20 Partnern aus Hamburger Wirtschaft und Verwaltung unterstützten Fachbereichs "IT-Management und -Consulting - ITMC" in Stellingen.

In einer aktuellen Mitteilung schlüsseln die Betroffenen des Fachbereichs Informatik die Auswirkungen der Sparmaßnahmen auf: Durch die Streichung der drei neu geplanten "Ahoi Digital"-Professuren inkl. der "ITMC"-Stiftungsprofessur "Digitale Transformation und Technochange" sind allein 100 künftige Informatik-Studenten direkt betroffen. Durch den Abbau von vier bestehenden Professuren ist die weitere Hochschul-Ausbildung von bis zu 150 Studenten gefährdet. Das sind allein fast 25 % der allgemeinen Informatik-Studienplätze pro Jahr an der Universität Hamburg.

Auslöser für den Sparkurs des Präsidiums ist die Unsicherheit bei der weiteren Finanzierung der Hochschule. Als mögliche Maßnahmen werden auf den Seiten des Fachbereichs Informatik - wie jetzt geschehen - die Nichtberufung von Professoren oder die Nichtbesetzung frei werdender Stellen genannt. Anfang Februar d. J. lobte sich die Fegebank-Behörde noch für die mit insgesamt acht Hamburger Wissenschaftseinrichtungen geschlossenen "Zukunftsverträge" und einer jährlichen Steigerung des Grundbudgets der Einrichtungen von über 3 %.

Februar 2017: Der Informatik-Verantwortlichen von HAW, HCU, TUHH und HCU
freuen Sie über die Unterstützung für mehr Professuren + Studienplätze.
Foto: BWFG Hamburg

Die Anfang 2017 mit großem Aufwand und 32,9 Mio. € Budget - davon allein 13,6 Mio. € aus Hochschulmitteln - als "Informatik-Allianz" gegründete Initiative "Ahoi Digital" der Hamburger Hochschulen HAW, HCU, TUHH und UHH steht mit dem Kahlschlag der Informatik an der Uni vor dem Aus. Die Anschubfinanzierung der Wissenschaftsbehörde lief Ende vergangenen Jahres aus, die Hochschulen müssen "Ahoi Digital"-Professuren seit Jahresbeginn 2021 selbst stemmen. Mit der Plattform sollten bis zu 1.500 neue Studienplätze in den Informatik-Fächern sowie bis zu 35 neue Professuren, 10 Junior-Professuren und 37 Stellen für neue Wissenschaftsmitarbeiter an den vier beteiligten Hochschulen geschaffen werden.

Zu den Themenschwerpunkten der Universität Hamburg gehörten im Rahmen der Landesinitiative der Bereich "Cognitive/Learning Systems" für Robotik, Logistik und Medizin (zusammen mit dem UKE) sowie "Information Governance Technologies" für die digitale Verwaltung (mit der TU in Harburg und dem Hans-Bredow-Institut). "Ahoi Digital" sollte sich insgesamt um die vier Themenfelder "Cross-Modal Learning“, "Cyber-physikalische Systeme und Smarte Systeme“, "Information Governance Technologies“ und "Data Science“ kümmern. Das Ziel, Hamburgs Informatik mit den drei Säulen Lehre, Forschung und Transfer auf Spitzenniveau zu bringen, ist damit weitgehend gescheitert.

Politik und Wirtschaft warnen vor Verlust der Zukunftsfähigkeit.

Wie die Hamburger CDU-Fraktion am Montag zur aktuellen Lage mitteilte, praktiziert die Uni der Hansestadt einen noch umfassenderen Kahlschlag quer durch die MINT-Fächer und darüber hinaus: "Über 1.500 Studienplätze sollen abgebaut werden, davon fast 150 in der Informatik, 174 in Mathematik, minus 220 in der BWL, minus 36 in Jura sowie Einstellung aller Arbeitsgemeinschaften. Auch die Lehramtsstudiengänge trifft es deutlich, hier vor allem in Biologie, Mathe und Physik." Die norddeutsche Metropole droht, ins wissenschaftliche Mittelalter zurückzufallen.

Wohlstand und Attraktivität Hamburgs sind nicht selbstverständlich, sondern das Ergebnis klugen und vorausschauenden Wirtschaftens: Dieses kann in der Zukunft nicht allein auf Hafen, Handel oder Tourismus beruhen. Wir brauchen weitere Standbeine. Ganz vorrangig gehört dazu die Wissenschaft als Innovationstreiber und Anstoßgeber für künftiges unternehmerisches Handeln“, pointiert Dr. Hubert Baltes, Vorsitzender der Landesfachkommission "Wachstum & Innovation“ des Wirtschaftsrates in Hamburg.

Hamburger Persönlichen intervenieren gegen den Kahlschlag.

Auf Grund der aktuellen Entwicklungen intervenieren zahlreiche Hamburger Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in einer konzertierten Aktion gegen das Zusammenstreichen der Informatik an der städtischen Universität und das ersatzlose Streichen der Stiftungsprofessur für Digitale Transformation. Das HANSEVALLEY vorliegende Schreiben unterzeichneten die "ITMC"-Kuratoriumsmitglieder Karsten Kirsch ("Direkt Gruppe"), Michael Müller-Wünsch ("Otto Group"), Sebastian Saxe (vorm. "HPA"), Dirk Weske ("PPI AG") und Tobias Zierau ("BPC AG").

Der Vorsitzende des "ITMC"-Kuratoriums und frühere Chief Digital Officer der Hamburger Wirtschaftsbehörde und der Hafenverwaltung "HPA" - Sebastian Saxe - erklärte gegenüber HANSEVALLEY: "Ohne Forschung und Lehre gäbe es keine Menschen, die neue Erfindungen oder neue Ideen in die Praxis umsetzen. Statt 'Ahoi Aufbruch' steht 'Ahoi, wir gehen unter' auf der Tagesordnung! Wir dürfen Hamburgs Informatiklandschaft nicht schwächen, sondern müssen diese weiter stärken."

IT-Executive Club, ThIS The Interface Society  und die Rotary-Clubs.

Der "IT-Executive Club" im Digitalcluster "Hamburg@work" mit mehr als 150 IT- und Digital-Experten sowie Vertretung von mehr als 40.000 angestellten IT-Experten in Hamburger und norddeutschen Unternehmen richtete sich mit einer Petition an Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Wirtschaftssenator Michael Westhagemann, die Streichungen zu verhindern.

Auch der renommierte Digital-Thinktank "ThIS - The Interface Society" interveniert gegen das Ausbluten der Informatik an der UHH. "ThIS" will in den kommenden Tagen Stellungnahmen Hamburger Persönlichkeiten zum Informatik-Kahlschlag auf der Website digitale-zukunft.hamburg veröffentlichen. Darüber hinaus wurden alle 23 Hamburger Clubs des norddeutschen "Rotary"-Districs 1890 mit rd. 1.200 namhaften Mitgliedern über die Entwicklung informiert.

Sinnbild für das Ausbluten der Informatik an der TU in Harburg.
Foto: HANSEVALLEY

Im Oktober 2020 wurde bereits an der TU in Harburg bekannt, dass die Technische Universität auf Anordnung der Wissenschaftsbehörde das erwartete Defizit von 10,5 Mio. € im laufenden Jahr selbst ausgleichen muss. Im Januar d. J. hatten Vertreter des Studentenparlaments, der Studentenvertretung und des Akademischen Senats an der Technischen Universität Hamburg einen befürchteten Kahlschlag veröffentlicht.

Der öffentliche Brandbrief spricht von sieben Wachstumsprofessuren, die gestrichen werden - darunter eine Ethik-Professur als Grundstein für den neuen Studiengang Data Science, ein Lehrstuhl in Computational Biomechanics und drei Professuren, die essenziell für den digitalen Maschinenbau sind. Auch in Harburg droht die Informatik auszubluten, da die Theoretische Informatik als auch der Bereich Bildverarbeitungssysteme nicht nachbesetzt werden sollen. Um den Forderungen der Behörde nachzukommen, müssen auch südlich der Elbe laufende Berufungsverfahren abgebrochen werden - z. B. jetzt selbst zu finanzierende "Ahoi Digital"-Professuren in der Informatik.

Hamburg trägt die rote Laterne der Informatik-Ausbildung im Land.

Laut des letzten "Länderchecks Informatik" des "Stifterverbandes" liegt die norddeutsche Millionenmetropole mit 3,9 % Anteil Informatikern bei allen Studienanfängern auf dem letzten Platz der Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 7,7 %). Auch bei den Informatikstudiengängen trägt die Freie und Hansestadt mit 4,1 % an den grundständigen Studiengängen die rote Laterne aller Länder. Der Bundesdurchschnitt liegt hier bei 7,8 %. Dahinter steht die insgesamt schwache Anzahl von 74 Hamburger Informatik-Professuren. Zum Vergleich: In der Startupmetropole Berlin mit dem Hochschulverbund aus FUB, HUB und TUB gibt es rd. 190 Informatik-Professuren, in der Technologiemetropole München mit den beiden Spitzenuniversitäten LMU und TUM 150 IT-Lehrstühle.

Nach der Absage des - mit 100 Mio. € geplanten und von den Fraktionen der rot-grünen Regierung wie der bürgerlichen Opposition Anfang 2016 beschlossenen - "Innovations-Wachstums-Fonds" für Tech-Startups in der Skalierungs- und Internationalisierungsphase sind die aktuellen Sparmaßnahmen an Universität Hamburg und Technischer Universität und das Einstampfen der Informatik-Initiative "Ahoi Digital" weitere Rückschläge, die in den traditionellen Dienstleistungsbranchen Handel und Logistik verankerte Wirtschaftsmetropole Hamburg mit Wissenschaft und Innovationen auf Zukunftskurs zu bringen.

Als weitere Unsicherheit gilt die bereits rd. ein halbes Jahr in Verzug geratene Einführung des "Hamburger Digitalbonus" mit bis zu 17.000,- € Zuschuss zur Digitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Die Handelskammer hat die in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein mit 10.000,- bis 50.000,- € praktizierte KMU-Förderung direkt nach der Bürgerschaftswahl gegenüber dem alten und neuen Wirtschaftssenator Michael Westhagemann eingefordert.

Wird vom Bremer Senat auch nach der Corona-Krise nicht im Stich gelassen:
Die Universität Bremen mit mehr als 40 Jahren KI-Kompetenz.
Foto: Michael Ihle

Im Hilferuf an die 23 Hamburger "Rotary"-Clubs vom 16. Februar d. J. werden die Zukunftsinvestitionen der Freien Hansestadt Bremen für die Zeit nach der Corona-Pandemie als beispielhafter Kurs für die Informatik in Norddeutschland vorgestellt. So investiert die Wesermetropole im Rahmen des 181 Mio. € umfassenden Paketes aus dem "Bremen Fonds" allein Maßnahmen zur digitalen Transformation i. H. v. 60 Mio. €. Dazu gehören u. a. umfassende Investitionen in die KI-Forschung mit der Universität Bremen, dem "DFKI"-Standort, dem "AI-Center for Space Robotics" und dem "AI-Center for Health Care" (nachzulesen im Hanse KI Magazin unter hansemachine.de).

Die ausführliche Meldung des Fachbereichs Informatik der Universität Hamburg inkl. der aktuellen Diskussion kann hier nachgelesen werden. Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Informatik an der UHH gibt es auf den Seiten des Fachbereichs. Hintergrundinfos zur Informatik an den vier staatlichen Hamburger Hochschulen HAW, HCU, TUHH und UHH sind hier zu finden.

*  *  *

 Hanse Digital Background: 

HANSEINVESTIGATION:
Startup-Förderung in Hamburg Teil 2 - Die Stunde der Wahrheit!

HANSEINVESTIGATION:

Startup-Förderung in Hamburg Teil 1 - Wer sagt hier die Unwahrheit?

HANSESTATEMENT: 

HANSEPOLITICS: 

 Hanse Digital Service: 

HANSEINVESTIGATION - Das Hanse Investigativ Magazin:
www.hanseinvestigation.de

HANSEMACHINE - Das Hanse KI Magazin:
www.hansemachine.de

HANSESCIENCE - Die Hanse Digital Scientists:
www.hansescience.de

HANSESTARTUPS - Das Hanse Startup Magazin:
www.hansestartups.de

Sonntag, 13. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Tilo Böhmann: Digitalisierung ist richtig umparken im Kopf.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Informatik und Wirtschaftsinformatik, Data Science und Mensch-Maschine-Interaktion: 2.400 Studierende werden aktuell an der Universität Hamburg zu Tech-Profis ausgebildet. Jährlich kommen 400 Erstsemester hinzu. Mit 5 Bachelor-, 5 Master- und Lehramtsstudiengängen ist der Fachbereich Informatik der Universität Hamburg die größte Ausbildungsstätte für den Tech-Nachwuchs an Alster und Elbe. 


Vorreiter mit Hamburgs Informatikplattform "ahoi.digital": Tilo Böhmann
Foto: Universität Hamburg

"Wir leisten gute Arbeit, aber keiner redet darüber", sagt Prof. Dr. Tilo Böhmann. Der stv. Leiter des Fachbereichs, Leiter des Arbeitsbereichs IT-Management und Mit-Initiator der Informatikplattform "Ahoi Digital" spricht aus, was dem interessierten Beobachter auffällt. Mit Besuch von Olaf Scholz auf dem Campus in Stellingen hat sich seit 2014 der "Schlafende IT-Riese" auf den Weg gemacht. Unser HANSEPERSONALITY ist Prof. Dr. Tilo Böhmann:

Die Universität Hamburg ist der größte Informatik-Ausbilder rund um die Alster. Aber: Gute Lehre gibt es sicher an zahlreichen Hamburger Hochschulen. Gehen wir ans Eingemachte: Welche außergewöhnlichen Forschungsschwerpunkte setzen Sie auf dem Campus in Stellingen? Und warum?

Im Fachbereich Informatik der Universität Hamburg bieten wir die volle Breite der Informatik, was Studierenden umfassende Wahlmöglichkeiten für ihre individuellen Schwerpunkte gibt. Für uns als Fachbereich gilt: wir sind begeistert von den technischen Möglichkeiten der Informatik, gestalten aber menschenzentriert und mit der gesellschaftlichen Verantwortung klar im Blick. Aktive Partner aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung bieten Studierenden und Forschenden tolle Möglichkeiten, gemeinsam an digitaler Innovation und Transformation zu arbeiten.


Kognitive Systeme mit Neurowissenschaften und Psychologie


Bei aller Breite in der Ausbildung haben die Forscherinnen und Forscher in der Informatik der Universität klare gemeinsame Forschungsschwerpunkte. Seit vielen Jahren geht es bei uns um das hoch aktuelle Thema der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens. In diesem Bereich, den wir “Kognitive Systeme” nennen, arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus der Informatik eng mit den Neurowissenschaften und der Psychologie zusammen, um Lernprozesse im Menschen besser zu verstehen und daraus bessere lernende Systeme in der Informatik zu gestalten.

Lösungen für Datensouveränität, wenn Daten das neue Öl sind

Ein zweiter Schwerpunkt ist “Information Governance Technologies”. Hier geht es um technische Lösungen für Datensouveränität - eine zentrale Zukunftsherausforderung, wenn Daten das neue Öl sind und immer mehr IT in die Cloud geht. Auch hier arbeiten wir Interdisziplinär, z.B. unter engem Einbezug ethischer und juristischer Kompetenz an zukunftsweisenden Lösungen. Als Drittes entwickeln wir zusammen mit anderen Disziplinen an der Universität und Hochschulen die Kompetenz im Bereich “Data Science” als neues Querschnittsfeld, das sowohl in Wissenschaft als auch Wirtschaft große Bedeutung hat.

In Forschung und Lehre profitieren wir von den Möglichkeiten einer Volluniversität, so dass wir auf vielen Gebieten interdisziplinär forschen können. Genauso wichtig ist aber auch die Zusammenarbeit mit den Informatik-Partnern von ahoi.digital. Gemeinsam arbeiten wir, gerne auch zusammen mit unseren aktiven Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung, an Lösungen für die Zukunft.

Der Hamburger Senat spricht gern übe die im Februar 2017 angekündigte Informatikplattform "Ahoi Digital". Bis zum Ende der Legislaturperiode sollen bis zu 35 neue Informatik-Professuren an Hafencity Universsität, HAW Hamburg, Uni Hamburg und TU Harburg sowie bis zu 1.500 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Wie kann das dem IT-Standort Hamburg nützen?

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats und auch unsere Analysen aus dem Initiatorenkreis von ahoi.digital zeigen klar: dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen. In Berlin und München sind das bislang fast doppelt so viele Professuren. Daher sind wir äußerst froh, dass wir durch den deutlichen Zuwachs an Professuren mehr Studierende ausbilden können und mit erheblich mehr Rückenwind Forschungsschwerpunkte ausbauen können. 

"Dem IT- und Digitalstandort Hamburg fehlen Köpfe in den Hochschulen"

Wir wollen hart daran arbeiten, dass mehr Menschen Kompetenzen in Informatik als neuer Schlüsseldisziplin erwerben können. Wenn die Köpfe fehlen, bleiben Chancen ungenutzt oder Lösungen hinter ihren Möglichkeiten zurück. Man kann heute nicht die Lösungen für Morgen mit der Informatik von Gestern gestalten. Daher müssen aus meiner Sicht mehr Informatikerinnen und Informatiker in Hamburg her. 

Alt-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi hat erstmals in seiner Übersee-Club-Rede 1983 auf den Punkt gebracht: Die Zukunft Hamburgs liegt auf dem Land - und nicht im Wasser. Sind die Aktivitäten des Hamburger Senats mit Begutachtung durch den Wissenschaftsrat 2015, der Einführung eines MINT-Forschungsrats 2016 und "Ahoi Digital" im Jahr 2017 nicht viel zu spät - und viel zu langsam?

Ich persönlich erlebe eine richtige Aufbruchsstimmung in der Wissenschaft in Hamburg und auch gerade im Thema der Digitalisierung. Den Zeitpunkt der Entwicklung mögen andere beurteilen, entscheidend ist aus meiner Sicht, dass etwas passiert. Und so arbeiten wir mit Hochdruck an der Umsetzung von ahoi.digital. 

"Universität nicht als verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich"

Ich nehme auch wahr, dass gerade Wissenschaft und Stadt ihre wechselseitigen Einschätzungen ändern. Als ich 2010 an die Universität Hamburg berufen wurde, begegnete mir manchmal die Erwartung aus Politik und Wirtschaft, die Universität solle sich als eine Art verlängerte Werkbank der Wirtschaft nützlich machen. Eine solche Erwartung wird aus meiner Sicht der Wissenschaft und ihrer eigenständigen Kraft im Erkenntnis- und Innovationsprozess überhaupt nicht gerecht. 

Heute gibt es sehr erfolgreiche Beispiele der Co-Innovation, wo mit vereinten Kräften Lösungen für die Zukunft erdacht und erprobt werden. Diese Begegnung auf Augenhöhe erlebe ich beispielsweise konkret in unserem Netzwerk IT-Management und -Consulting, wo wir gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung danach fragen, wie Wege der digitalen Transformation gelingen können, damit Arbeit und Wertschöpfung aus Hamburg erfolgreich in die digitale Zukunft geführt werden können. 

Die Landesfachkomission Internet & Digitale Wirtschaft des Hamburger Wirtschaftsrats fordert einen echten Leuchturm für die Digitalwirtschaft an Alster und Elbe, statt "Klein-klein". Was halten Sie von der Idee einer eigenständigen "Digital Society University" - mit internationaler Strahlkraft, um Hamburg aus dem "Technologie-Tiefschlaf" herauszuholen?

Der Weg von ahoi.digital, die vorhandenen Stärken in Kooperation massiv auszubauen, ist aus meiner Sicht Erfolg versprechend und schon ein solcher Leuchtturm. Neue Wissenschaftsinstitutionen brauchen eine lange Zeit, bis sie wirklich voll funktionsfähig sind. Auch gilt aus meiner Sicht: die Bedeutung von Digitalisierung, Data Science und Informatik ist in meiner persönlichen Einschätzung an allen staatlichen Hamburger Hochschulen klar erkannt. Deshalb kommt ahoi.digital gerade recht, um diesen Rückenwind aufzugreifen und in Aktion umzusetzen. 

"Weitere Anstrengungen im Bereich Co-Innovation und Technologietransfer erforderlich"

Allerdings darf man meiner Meinung nach auch jetzt nicht nachlassen oder sich ausruhen. Weitere Anstrengungen sind - und das sagt auch das ahoi.digital-Konzept - im Bereich der Co-Innovation und des Technologietransfers erforderlich. Hier kann man noch besser werden, um die Forscherinnen und Forscher der Hochschulen mit den Innovatoren in Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu verzahnen. Wir haben dafür gute Voraussetzungen, können aber hier noch bessere Brücken bauen, damit die erforderliche Informatik-Kompetenz auch in allen relevanten Bereichen ankommt. Dafür braucht es auch attraktive Orte, an denen diese Co-Innovation besonders leicht entstehen kann. 

Sie sind Gründungsmitglied der "Interface Society - This!" von BWVI- und HPA-Chief Digital Officer Dr. Sebastian Saxe. Was macht aus Ihrer Sicht die Hamburger Perspektive für Digitalisierungsthemen aus - insbesondere auf Grund des besonderen Wirtschaftsprofils unserer Stadt? Wo sehen Sie die Tech-Zukunft Hamburgs?

Zunächst freue ich mich sehr, dass Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sich mit uns gemeinsam auf den Weg machen, um Impulse für die Digitalisierung aus Hamburg zu geben. Die "Interface Society" drückt schon im Namen aus, dass in der Digitalisierung Neues an sich neu formenden Schnittstellen zwischen bislang unverbundenen Bereichen entsteht. Ich persönlich glaube, dass Hamburg eine besondere Chance im Bereich einer menschenzentrierten Digitalisierung hat. 

"Schnittstelle zu Menschen eine Herausforderung für Produkte und Dienstleistungen"

Wir haben mit Medien und Kultur starke Bereiche in der Stadt, bei denen menschliches Erleben und schöpferische Interaktion im Mittelpunkt stehen. Diese menschenzentrierte Perspektive strahlt aus, nicht zuletzt, weil wir gewohnt sind, unsere digitalen Alltagsinteraktionen als einfach und gebrauchstauglich, vielleicht sogar als inspirierend und kreativ zu erleben. Diese Erwartung tragen wir zunehmend in alle Lebensbereiche hinein und damit wird die Schnittstelle zu uns Menschen eine Herausforderung für viele Produkte und Dienstleistungen, z. B. bei neuen Wegen in der Mobilität, Luftfahrt, im Handel oder in der Gesundheitswirtschaft. 

Will man diesen Weg beschreiten, braucht es aber gleichzeitig ein neues Verständnis für verantwortliches Handeln in der Digitalisierung. Ein einfaches laissez-faire wird der großen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der Digitalisierung aus meiner Sicht nicht mehr gerecht. Eine Verständigung dazu will die Interface Society fördern.

Von Deutschlands neuer Digitalstaatssekretärin Dorothee Bär über Hamburgs bürgerlicher Opposition bis zu den Organisatoren der Hamburger Hacker School steht die Forderung im Raum, Informatik als Pflichtfach einzuführen? Was halten Sie davon - und was bringt es z. B. kreativen Schülern, einen Rasberry Pi zu programmieren?

Ich persönlich stütze die Forderung nach einem Pflichtfach Informatik nachdrücklich. Für mich ist aber das Motiv dafür nicht etwa die Idee, alle Schülerinnen und Schüler zu Programmierern zu machen. Vielmehr geht es aus meiner Sicht darum, dass alle Kinder und Jugendlichen einmal die Rolle der Nutzerin oder des Nutzers von Informationstechnologie verlassen. 

"Technologien drücken menschliche Möglichkeiten zur Gestaltung aus"

Es gilt, die Black-Box der Technologie öffnen und zu sehen, dass diese Technologien von Menschen gestaltbar sind und wie diese gestaltet werden können. Dazu gehört sicher auch die konkrete Programmiererfahrung. Um es sehr frei nach Kant zu sagen: Es geht um dem Ausgang des Menschen aus einer – zumindest in Teilen – selbstverschuldeten Technologieunmündigkeit. Für mich ist Informatik im Zeitalter der Digitalisierung ein zutiefst aufklärerisches Fach und gehört unbedingt in den Kanon der Allgemeinbildung.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Schauen wir zusammen über Wissenschaft, Forschung und Lehre hinaus in Wirtschaft, Verwaltung und Stadtleben: Wo ist unsere Stadt aus Ihrer Sicht digital schon richtig zukunftsweisend aufgestellt? Und wo sollte Hamburg kräftig an Tempo zulegen?

Aus meiner Sicht sind viele Weichen grundsätzlich schon in die richtige Richtung gestellt. Nun kommt es auf die beharrliche Umsetzung und gelingende Kooperation an. Dabei werden wir gut beraten sein, auf die Stärken der Stadt und ihrer Netzwerke zu schauen. Jedoch sollten wir mehr daran arbeiten, dass das, was wir in und für Hamburg für richtig halten, auch politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich Spuren legt für die nationale und europäische Debatte. 

Ein Digitalisierungsrat für die Freie und Hansestadt Hamburg

Gerade wegen der vielen Aktivitäten im Bereich der Digitalisierung wäre ein Digitalisierungsrat nach schwedischem Vorbild eine Option für Hamburg. Dieser könnte helfen, aus Hamburger Sicht zentrale Themen zu identifizieren und zu transportieren sowie Profilstärken weiter zu entwickeln. Damit könnte uns noch besser gelingen, Hamburg im besten Sinne als „Pfadfinder“ für die Digitalisierung zu positionieren. 

*  *  *

Vielen Dank für die tiefen Einblicke!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Universität Hamburg - Fachbereich Informatik

Universität Hamburg - Arbeitsbereich IT-Management und -consulting

Ahoi Digital - Informatikplattform der Hamburger Hochschulen

The Interface Society (ThIS) - Expertenrat der Digitalisierung e.V.

Wirtschaftsrat: Hamburgs Digitalwirtschaft verpasst nationalen Anschluss

Montag, 8. Januar 2018

HANSEINVESTIGATION: Ein Startup Port für Hamburg.


Unabhängig. Unmanipuliert. Ungewollt.

Die millionenschwere Steuerverschwendung
an der Süder-Elbe - Teil 2:

Wirtschaftssenator Frank Horch erklärt am 5. September 2017 vor der Landespressekonferenz Hamburg: "Neue Technologien und deren Kommerzialisierung in marktfähige Produkte, Verfahren und Dienstleistungen sind der Haupttreiber von Wohlstand und künftigem Wachstum in unserer Stadt. Dazu brauchen wir Gründerinnen und Gründer, die gemeinsam mit Wissenschaft und Wirtschaft die Zukunft Hamburgs gestalten."

Wirtschaftssenator Frank Horch vor der Landespressekonferenz Hamburg
Foto: Pressearchiv Hamburg Innovation

Der Spitzenpolitiker weiter: "Hamburg hat dazu die besten Voraussetzungen: eine lebendige, stetig wachsende Start-up-Szene und namhafte Industrieunternehmen und innovative Mittelständler, die die notwendige Expertise und Ressourcenausstattung für ein funktionierendes Gründungs- und Innovations-Ökosystem mitbringen. Gründungsförderung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist ein wichtiger Baustein des Wissens- und Technologietransfers. Ich freue mich daher über die gemeinsame Initiative von Hochschulen und DESY.

Was präsentiert Frank Horch an diesem Morgen vor Hamburgs Landespresse? Was steckt hinter "beyourpilot"? Ist der "Startup Port Hamburg" womöglich dreist abgekupfert? HANSEVALLEY hat die Ausschreibung gelesen, weiter recherchiert und hinter die Kulissen geschaut. Ergebnis: In Harburg wird mit mehr als einer halben Millionen Euro ein Portal mit Formular, Adressen und offensichtlich schon mal verkauften Bestandteilen geplant - vor den Augen von Senat und Bürgerschaft. 

HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 2: Ein Startup Port für Hamburg.

Harburgs vermeintlicher "Gründerpate" Martin Mahn ist 2017 durch die Förderszene an Alster und Elbe gezogen. Sein Ziel: Mitfinanzierer für eine geniale Idee: Ein von TuTech über Hamburg Innovation kontrolliertes Gründerportal. Wie der Hase bei "beyourpilot" läuft, ist in der aktuellen Stellenausschreibung für die Projektkoordinatoren nachzulesen: "Das Onlineangebot wird die Gründungsaktivitäten der genannten Einrichtungen vernetzen und Gründende sowie deren Beraterinnen und Berater in der jeweiligen Gründerservice-Einheit bei der Entwicklung der Geschäftsvorhaben mit digitalen Tools unterstützen. Offline-Angebote flankieren in den Einrichtungen vor Ort die Online-Funktionalitäten." 


Geplante Homepage für "beyourpilot"
Quelle: Pressepräsentation Hamburg Innovation

Hamburg Innovation fungiert laut öffentlicher Ausschreibung als "Projektkoordinator", übernimmt damit cleverer Weise die Federführung der auf 5 Jahre geplanten Plattform. Dazu kommen Sprechstunden und Meetups vor Ort - wie gesagt "flankierend". Von beschämenden 14 EXIST-geförderten Gründungen an Hamburger Hochschulen in 2016 wurden 6 - und damit fast die Hälfte - an der TU gestartet. Die anderen staatlichen Hochschulen liegen noch mehr unter ferner liefen. Womit feststeht, welcher "schlaue Fuchs" seine "positiven Erfahrungen" als "Erfolgsbeispiele" in den Ring wirft, nachzulesen in der aktuellen PR-Geschichte der stadteigenen "Hamburg News". Obwohl die TU Harburg gegen die Entrepreneur-Hochschule "Leuphana" in Lüneburg mit 55 EXIST-geförderten Beteiligungen im Jahr eigentlich zumachen könnte.


"beyourpilot" - Mehr als Formular & Adressbuch? 


Schauen wir uns die geplante Gründerplattform "Made in Harburg" genauer an. In der Pressemitteilung der TU Hamburg werden uns diese Elemente der "1. Ausbaustufe" im Detail verkauft:

Ein "Ideensteckbrief“: 'Wissensgründer sollen Gespräche mit den Gründungsberatern strukturiert vorbereiten können. Wichtige Fragestellungen, Terminologien u.ä. werden durch das Tool etabliert, das auf der Plattform und bei allen Plattformpartnern in den Standardprozessen eingesetzt wird.'
  • Im Klartext: Ein online bereitgestelltes Business Model Canvas-Formular zum Ausfüllen, wie die Ausschreibung mit dem Muster von Evers & Jung zeigt.
Ein "Expertenshop“: "Spezialisierte externe Fachexpertise rund um das Thema Gründungen wird auf einem „Marktplatz“ für die Wissensgründer transparent gemacht."
  • Im Klartext: Eine online durchsuchbare Datenbank mit noch zu findenden Fachleuten zu einzelnen Themen, wie das Lastenheft der Ausschreibung ausführt. 
Ein "Finanzierungskompass“: "Wissensgründer identifizieren mögliche Finanzierungsinstrumente und konkrete Förderprogramme – sowohl aus öffentlicher als auch aus privater Hand."
  • Im Klartext: Ein online zu beantwortender Fragenkatalog zum Finden regionaler und nationaler Förderprogramme, wie das Konzept von Evers & Jung zeigt.
Ein "Ressourcenfinder“: "Bietet Wissensgründern eine Übersicht zu vorhandenen Technologie- und Know-how-Ressourcen an Hamburger Wissensorganisationen und unterstützt den Zugang zu diesen."
  • Im Klartext: Die selbe Datenbank wie für den "Expertenshop", jedoch mit Adressen für Maker Spaces & Co., wie die öffentliche Ausschreibung darlegt.
Das ganze mit eigenem Event-Kalender (á la "Startup Guide Hamburg"), Startup-Meldungen (á la "HHS Net") und Startup-Porträts (wie bei HANSESTARTUPS). Konnte ja niemand wissen, dass es schon so etwas in und für Hamburg gibt - privat finanziert und regelmäßig aktualisiert - ohne einen Cent Steuergelder.


"beyourpilot" - Copycat der "Gründerplattform"?


Wer sich ein wenig in der Startup-Szene umschaut, stolpert über die von der KfW Förderbank und dem Bundeswirtschaftsministerium finanzierte, ebenfalls von der Hamburger Beratungsagentur Evens & Jung konzeptionierte und aktuell in der Beta-Phase befindliche "Gründerplattform". Recherchiert man die Module der für März 2018 annoncierten Plattform, trifft man auf diese kommunizierten Themenfelder:
  • "Einstieg & Motivation“
  • "Ideenwerkstatt“
  • "Geschäftsmodellentwicklung“
  • "Businessplan“ sowie
  • "Finanzierung & Förderung“

Beim Abgleich der Themenfelder von "beyourpilot" Hamburg mit der "Gründerplattform" Berlin werfen sich diese Fragen auf:

Kann es sein, dass im Hamburger "Ideenbrief" die gleichen Fragen erarbeitet werden, die in der KfW-"Ideenwerkstatt" durch einen strukturierten Prozess online gestellt, gewichtet und mit Persona-Beispielen beantwortet werden?

Genau das sieht der von Evers & Jung als Anlage 4.2 in die Ausschreibung aufgenommene "Ideenbrief" nach dem Vorbild des Business Model Canvas offensichtlich vor.

Kann es sein, dass in Hamburger "Expertenshop" und Ressourcenfinder" die gleichen Technologie- und Know how-Ressourcen angeboten werden, die auch in der selektiven Auswahl auf gruenderplattform.de erscheinen werden?

Genau das ist beim Lesen der Absätze im Lastenheft (Expertenshop/Beratungsfinder: Punkt 4.5 ab Seite 62, Ressourcenfinder: Punkt 4.6 ab Seite 71) schwer zu vermuten.

Kann es sein, dass im Hamburger "Finanzierungskompass" die selbe Technik steckt, die i. A. von KfW und BMWi Hilfe suchenden Startups regional herunter gebrochen passende Finanzierungsvorschläge und Förderinstrumente bereitstellt?

Genau das ist unter Punkt 1.4 des Lastenheftes auf S. 11/12 der Ausschreibung zu finden: "Außerdem sollen Finanzierungsangebobte auf lokaler wie auf Bundesebene mittels eines Finanzierungskompasses vorgestellt werden."


Gruenderplattform.de: Vorbild für ein Copycat aus Harburg?
Foto/Grafik: Hompepage Gründerplattform

Ideen-, Experten- und Finanzierungsfinder lassen sich die Partner des bundesweiten Portals gruenderplattform.de - Evers & Jung und die Berliner Agentur Business Pilot - offensichtlich bereits fürstlich vergolden. Aus unterrichteten Kreisen ist von einem "hohen einstelligen Millionenbetrag" aus Fördertöpfen die Rede - für Konzeption, Portalentwicklung und Betreuung. Dazu kommen Lizenzen für den "SmartBusinessPlan" von Evers & Jung aus Hamburg, der als lizensiertes Whitelabel-Angebot mit drin steckt.

Fragt sich, wann der Online Business Plan auch in Hamburg auftauchen könnte. Der USP von Jan Evers ist als Tool für 29,- €/Monat seit 2014 unter smartbusinessplan.de zu finden, wird Gründern über die Hamburger Sparkasse und den Finanzverbund schmackhaft gemacht, steckt in der 2007 von Jan Evers erdachten Gründungswerkstatt der Handelskammer und 38 weiteren IHKn - und als Whitelabel-Angebot eben in der neuen bundesweiten gruenderplattform.de von BMWi und Förderbank KfW. 

Und der Hamburger Senat? Nimmt die offensichtlichen Doppelungen zur Kenntnis - und sagt in der expliziten Anfrage des FDP-Fraktionschefs Michael Kruse vom 15.12.2017 ... so gut wie nichts, nachzulesen hier. Umso großzügiger scheint der Senat beim Füllhorn ausschütten zu sein: Für "beyourpilot" stellt die Wirtschaftsbehörde im Rahmen des Programms "Gründerland Hamburg" laut Ausschreibung eine Finanzierung von knapp einer halben Mio. € bereit. 500.000,- € für eine offensichtlich weitgehende Copycat-Plattform.


"beyourpilot" - mind. 580.000,- € an Steuergeldern.


Für die zur bundesweiten "Gründerplattform" ähnliche Vorarbeit bei "beyoupilot" bekam Evers & Jung bereits stolze 80.000,- €, wie eine frühere Anfrage des FDP-Abgeordneten Kruse zeigt. Wohl gemerkt: Für die "Grobkonzeption". Und die steckt samt Logo jetzt in der Ausschreibung - downzuloaden hierEin Schelm, wer auf die Idee kommen könnte, hier verkauft ein cleverer Berater das Konzept eines Businessplan-Moduls mit Service-Portal mehrmals - nämlich an Kammern, Sparkassen, Förderbanken und an die in der Selbstdarstellung große "Startupfabrik" aus Harburg. 


"beyourpilot" - bereits ein 3/4 Jahr hinter dem Plan.

Die Vergabe von Programmierung und Pflege des Hamburger Portals ist laut Ausschreibung bis zum 28.02.2018 geplant. Bis dahin müssen die Angebote gültig sein. Der rote Knopf für das "neuartige Unterstützungsangebot für Gründerinnen und Gründer" soll im 2. Halbjahr 2018 gedrückt werden, glaubt man den bislang kommunizierten Aussagen. Bei geplantem Programmieraufwand von 18 Monaten ab 01.03.2018 ist das Projekt laut Adam Riese bereits zur Ausschreibung mindestens ein 3/4 Jahr hinter dem Plan - im besten Fall. Roter Knopf? Nicht vor 2019. Auch wenn der Senat in seiner Antwort (s. o.) von "planmäßig" spricht, was auch immer das heißen mag. 


Macht "beyourpilot" die Gründungsberatung der Hochschulen überflüssig?
Foto/Grafik: Homepage Universität Hamburg 

Und die Partner? Sind die anderen Hamburger Hochschulen vom Modell der TuTech-Schwester Hamburg Innovation GmbH begeistert und geben gern ihre eigenen, bescheidenen Aktivitäten für das grosse Ganze auf? Warum hat die Universität Hamburg dann seit 1989 mit der Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer - AWiTT - eine Business-Unit mit 4 Stellen? Warum unterstützt Deutschlands größte Fachhochschule - die HAW Hamburg - dann mit einer Stabsstelle Forschung und Transfer drei Forschungs- und Transferzentren. Und warum gibt es an allen staatlichen Hochschulen EXIST-Ausgründungen?

Welche Rolle spielt das lautstarke "Startup Dock" von TuTech in den Plänen von Martin Mahn? Wie nimmt der Innovation Campus Green Technology Hamburgs Tech-Startups aus? Und was plant Hamburgs vermeintlicher "Gründerpate" in der Harburger Schloßstraße mit "Virtuellen Transferstellen"? HANSEINVESTIGATION: Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3: Die Startup-Abzocke von Harburg: www.hanseinvestigation.de



*  *  *

 Hamburg Digital Recherche: 

HANSEINVESTIGATION: Der Fuchs im Hühnerstall. 
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 1

HANSEINVESTIGATION: Die Startup-Abzocke von Harburg.
Die millionenschwere Steuerverschwendung an der Süder-Elbe - Teil 3

HANSESTATEMENT:
Von Harburger Subventionsrittern zur hanseatischer Metropole.

 Hamburg Digital Background: 

Dummi-Präsentation "beyourpilot":
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA?path=%2FPressematerial#pdfviewer

Pressemitteilung BWVI 05.09.2017:
www.hamburg.de/bwvi/medien/9454216/2017-09-05-bwvi-beyourpilot-startup-port-hamburg/

Unterlagen Vergabeverfahren "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA

Lastenheft EU-Ausschreibung "beyourpilot" 31.10.2017
https://hamburginnovation.de/oc/index.php/s/K4BgQpMRQFuxxmA/download?path=%2FUnterlagen%20zu%20dem%20VgV-Verfahren%20zu%20der%20TED-publication%20364608-2017&files=Anlage%204.1%20-%20LASTENHEFT.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.06.2016
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/52724/wissensbasierte-gr%C3%BCnderplattform-%E2%80%93-fehlt-es-dem-senat-an-wissen-oder-an-gr%C3%BCndern-f%C3%BCr-die-plattform-.pdf

Kleine Anfrage des Abgeordneten Michael Kruse 15.12.2017
www.buergerschaft-hh.de/ParlDok/dokument/60299/%E2%80%9Ebeyourpilot-%E2%80%93-startup-port-hamburg%E2%80%9C-%E2%80%93-wie-ist-der-aktuelle-stand-.pdf

Pressemitteilung BMWI Berlin 21.12.2017
www.foerderdatenbank.de/Foerder-DB/Navigation/foerderrecherche,did=813798.html