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Mittwoch, 6. November 2019

HANSEPOLITICS: Hamburg sucht den Impfpass - und Peter Tschentscher vorne weg ...

HAMBURG DIGITAL STATEMENT


Mit gutem Beispiel vorn: Mit Papier zum Impfstatus: Gesundheitssenatorin
Prüfer-Storcks und Hamburgs Erster Bürgermeister Tschentscher (v.l.n.r.)
Foto: Senatskanzlei Hamburg

Impfen? Ja, impfen! Da kann es ernsthaft keine zwei Meinungen geben.

So sehen das auch Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, und seine Gesundheitssenatorin, Cornelia Prüfer-Storcks - und lassen sich deswegen werbewirksam per Hausbesuch im Rathaus wie Privatpatienten impfen, um mit gutem Beispiel voran zu gehen. Vorbildlich! Möchte man meinen.

Tatsächlich muss man sich aber fragen, warum der Regierungschef eines deutschen Bundeslandes offenbar bisher doch Lücken in seinem Impfstatus hatte. Und, ebenso offenbar, ist er nicht der Einzige in seinem Kabinett. Wie viele Senatsmitglieder sind wohl noch ohne umfassenden Impfschutz unterwegs?

Vorbildlich wäre es gewesen, wenn eine Impfung ausweislich des dazugehörigen Passes nicht notwendig gewesen wäre. Dass es nicht so ist, erschreckt nicht nur, weil es um den Ersten Bürgermeister Hamburgs geht, der nicht richtig geschützt war-ist-gewesen wäre!? Vor allem irritiert es, weil Peter Tschentscher auch Arzt ist, und es dann eigentlich besser wissen müsste.

Wieder einmal gilt: Gut gemeint ist nicht immer gut PR-mäßig gemacht.


Deutschland sucht den Impfpass ... in Papier

Mit diesem Slogan versucht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) seit 2012 die Bevölkerung für die Aktualisierung ihres Impfstatus zu sensibilisieren. Zuletzt steigende Zahlen von Maserninfektionen zeugen vom mäßigen Erfolg dieser Aktion.

Dabei gibt es bereits funktionierende digitale Lösungen, die das Suchen des Impfpasses unnötig machen, weil die relevanten Daten griffbereit immer dabei sind. Denn das eigene Smartphone wird selten lange gesucht - nicht nur wegen aktueller WhatsApp-Nachrichten.

Mit den von Hamburger Krankenkassen frühzeitig eingeführten mobilen Patientenakten "Smart Health" der HEK und "TK-Safe" der Techniker Krankenkasse sowie "Vivy" der DAK und zahlreicher BKKn hat man heute und in Zukunft mit wenigen Klicks Klarheit über den eigenen Impfstatus - auch ohne medienwirksam in Szene gesetzte Senatoren.

Vorbildlich wäre es gewesen, auch die Information über die digitalen Möglichkeiten für einen möglichst vollständigen Schutz – um im Bild zu bleiben – einzuimpfen. Aber vielleicht braucht die Hamburger Politik noch ein bisschen Nachhilfe, dass digital-vernetzt bei jedem selbst anfangen sollte.

Redakteur: Gerd Kotoll
*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Pressemitteilung Gesundheitsbehörde Hamburg, 05.11.2019
https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/13167132/2019-11-05-bgv-senatsimpfen/

Sonntag, 20. Mai 2018

HANSEPERSONALITY Erik Händeler: Wohlstand ist in Zukunft, sich besser auszutauschen.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Was kommt nach der Digitalisierung? Wer löst die dominierenden Plattformen ab? Welches Metathema begleitet uns in der Zukunft? Wo liegen die künftigen Geschäftsmodelle? Diese Fragen stehen für Zukunftsforscher ganz oben auf der Tagesordnung.


Blickt krittisch und hoffnungsvoll in die Zukunft: Visionär Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Welcher Produktionsfaktor ist heute am Knappsten, und lässt sich nicht einfach ersetzen? Und welche Erfahrungen helfen uns, den nächsten Aufschwung erfolgreich zu begleiten. Ein ganz besonderes Hamburg Digital Interview mit dem Zukunftsforscher Erik Händeler:

Bis zu 40% der Arbeitsplätze in der westlichen Welt können durch Technologien - sprich die allumfassende Digitalisierung des Arbeitslebens - wegfallen. Sie sagen: Das ist Unsinn und uns wird die Arbeit nicht ausgehen. Dann könnte ich aufhören, über Digitalisierung zu schreiben, oder?

Nein! Weil erst durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze möglich werden, die vorher nicht ausreichend rentabel waren. Als die Dampfmaschine Bergwerke entwässerte und mehr Erz und Kohle hochschaffte, waren Eisen und Energie erst billig genug für unzählige neue Anwendungen. Die Digitalisierung ist ein Prozess, der jetzt schon Jahrzehnte läuft. Nur weil Computer Telefongespräche vermitteln, konnte Telefonieren so billig werden und neue Anwendungen ermöglichen. 

"Es reicht nicht, Technik A durch Technik B zu ersetzen, sich bequem zurückzulehnen und so weiter zu machen wie bisher."

Arbeit ist, Probleme zu lösen. Und weil wir immer Probleme haben werden, geht uns auch die bezahlte Arbeit nicht aus. Die Arbeit wandelt sich: Sie wächst in die gedachte Welt hinein: Nach Wissen suchen, das mein aktuelles Problem löst; etwas durchdenken und analysieren, um eine Entscheidung vorzubereiten; Inhalte aufbereiten und vermitteln; beraten, entwickeln, organisieren. Wir werden auch für einfachere Leute Arbeit haben, die höher Ausgebildete bei Routinen entlasten.


Nimmt kein Blatt vor den Mund: Publizist Erik Händeler
Foto: Wolfgang List

Sie stellen sich namhaften Wirtschaftswissenschaftlern entgegen und sagen: Es gibt einen 6. Kondratieff-Zyklus, mit dem die aktuellen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft begründet werden können. Dann müssten die täglichen Nachrichten neu geschrieben werden?

Die Zukunft entsteht an den Knappheiten. Als die englischen Unternehmer im 18. Jahrhundert nicht mehr hinterherkamen, Bergwerke zu entwässern und Spinnräder anzutreiben, haben sie den wissenschaftlichen Mitarbeiter der Uni Edinburgh, James Watt, beauftragt, einen Dampfmaschine rentabel zu machen. Als der Mangel an Transport weiteres Wachstum verhinderte, musste die Eisenbahn gebaut werden. 

Als die Wissensflut explodierte und wir mit Zettelkästen nicht mehr hinterherkamen, musste der Computer vorangetrieben und weiterentwickelt werden. Alle diese grundlegenden Innovationen benötigten auch eine bestimmte Infrastruktur und bestimmte Organisationsmuster und Verhaltensweisen, um die aufgestaute Knappheit zu überwinden und die Wirtschaft stark wachsen zu lassen. 

"Nachdem der Computer sich weitgehend ausgebreitet hat, müssen wir den nächsten Aufschwung in der Knappheit von heute suchen."

Diese 40 bis 60 Jahre langen Strukturzyklen hat Schumpeter nach Nikolai Kondratieff benannt, der sie in den 20er Jahren in Aufsätzen beschrieb, übrigens auch auf deutsch. Damals hatten Dampfmaschine, Eisenbahn und der elektrische Strom lange Konjunkturzyklen getragen. Aus dieser Sicht stellt sich die Frage: Was ist jetzt knapp? In der Wissensgesellschaft wird die Arbeit so komplex, dass wir viel mehr als früher angewiesen sind auf das Wissen anderer. 

Auf diese Zusammenarbeit sind wir nicht vorbereitet, weil wir entweder bedingungslosen Gehorsam oder Ellenbogenindividualismus kennen, nicht die Universalethik, in der sich jeder nach seinen Gaben entfaltet, diese aber für das Gesamtwohl einsetzt und Respekt hat vor den berechtigten Interessen der anderen. 

Wenn Innovationen grundsätzlich wegen knapper Ressourcen entwickelt und eingeführt werden - und das war unter Hamburgs Kaufleuten auch immer so, warum sind Sie der Überzeugung, dass Gesundheit zum neuen "Flaschenhals" wird, und nicht die Energie?

Wenn Sie einen Mittelständler fragen: Was ist Dein größtes Problem? Dann wird er Ihnen nicht "Energie" nennen, außer er produziert Zement. Das größte Problem sind die Personalthemen: nicht die richtigen Leute finden, schon wieder einen Arbeitsgerichtsprozess führen, Kommunikationsschwierigkeiten. Und vor allem die Lohnnebenkosten: Dahinter stecken die Kosten für Pflege, Arbeitslosigkeit und Krankheitsreparatur, und die haben alle mit einem Mangel an Gesundheit zu tun, der im Lebensstil entsteht und in der Arbeitsweise. 

Der 6. Kondratieff-Zyklus: Information und Gesundheit
Grafik: Erik Händeler

Gleichzeitig hängt der Wohlstand vom produktiven Umgang mit Wissen ab, das berührt die seelischen Schichten, deswegen rückt psycho-soziale Gesundheit in der Vordergrund. Wenn jemand seelisch so verletzt ist, dass er Machtbeweise braucht oder Statusbesitz, um sich selbst für wichtig und wertvoll zu erachten, dann ist das unproduktiv. Der Wachstumseffekt ist nicht das zusätzliche Geld, sondern die höhere Produktivität und die längere produktive Lebensarbeitszeit. 

"Gesundheit wird Wachsuntsmotor, wenn wir den Stress aus dem Arbeitsleben nehmen und bei weniger Arbeitslast flexibler viel länger arbeiten."



Wenn jemand nicht mit Ende 50 Jahren halbtot frühverrentet werden muss, sondern bei weniger Arbeitslast mit Freude und weniger Arbeitszeit bis 67 oder 70 mitarbeitet, dann ist diese zusätzliche produktive Lebensarbeitszeit der Wachstumseffekt.

Wir haben heute eine Arbeitswelt, in der wir 20 Jahre in Bildung, Ausbildung und soziale Fähigkeiten investieren, um die Menschen 30 bis 35 Jahre später in Frühverrentung, Vorruhestand und "Hartz 4" zu schicken. Was muss sich aus Ihrer Sicht in unserem Arbeitssystem ändern?


Sieht Gesundheit als Schlüsselfaktor: Erik Händeler
Foto: Günther Lintl
Wie gesagt: Die zusätzlichen produktiven Lebensarbeitsjahre schaffen den Wohlstand. Wenn wir im Schnitt alle 90 werden, können wir nicht mehr mit 60 in Rente gehen Die ist eh hochtoxisch, sagen mir Ärzte. Wenn man eingebettet bleibt in die Entwicklungen, in den Kollegenkreis, weiter milde gefordert wird, mehr Pausen hat, dann trägt es zu meinem Wohlbefinden bei. 


"Psychosoziale Gesundheit, kooperative Streit- und Arbeitskultur, neue Organisationsformen der Arbeit. Auf die dafür nötigen Erfolgsmuster sind wir noch nicht ausreichend vorbereitet."

Das ganze Geheimnis ist, das wir weniger arbeiten werden, um länger arbeiten zu können. Die meisten Träume lassen sich nicht verwirklichen, wenn man in Rente ist, dafür muss man vorher Gelegenheit bekommen und in der Arbeit ein halbes Jahr aussetzen.

Sie sagen: Die nichtlineare Wissensarbeit mit unstrukturierten Informationen wird unseren künftigen Wohlstand ermöglichen. Planen und Entwickeln, Beraten, Organisieren und Probleme lösen stehen im Fokus - und damit das Einordnen von Wissen. Wie sieht das konkret aus?

Nehmen Sie an: Am Freitag Nachmittag geht eine Maschine kaputt, der zuständige Ingenieur soll sie reparieren. Wenn er es alleine versucht, wird es Montag und er hat den Fehler vielleicht immer noch nicht gefunden. Wenn er aber erst einmal herumtelefoniert, wer ihm helfen könnte, und jemand gibt ihm einen Tipp auf einen Spezialisten, der ihm die entscheidende Information gibt, dann hat er die Maschine am Freitag Nachmittag repariert und sie können weiter produzieren. 

"Die Arbeit wird künftig in Netzwerken organisiert werden, die nach tagesaktuellen Kompetenzen zusammengestellt werden."

Wohlstand ist in Zukunft nicht, noch härter zu arbeiten, sondern sich besser auszutauschen. Wenn wir ein Problem haben, haben wir nicht die Zeit, fünf Fachbücher durchzulesen. Wir müssen jemanden fragen können, der das getan hat, und in einer Minute erklären kann, was die Lösung ist. Wenn wir dann im Team von Spezialisten sind, wird die Fähigkeit entscheidend für den Wohlstand, unterschiedliche Kompetenzen zusammenzufügen, ohne sich in Seilschaften, Ego- oder Gruppenkriege zu verzetteln, sondern von der Sache und vom Gesamtwohl auszugehen. 

Wir werden Berufe bekommen, die 80 Prozent ihrer Zeit lesen, lernen und aktuell bleiben, während sie 20 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden, um ihr tiefes Nischenwissen in den verbliebenen Rumpfmannschaften der Firmen anzubringen.

Geht den Ursachen auf den Grund: Zukunftsforscher Händeler
Foto: Erik Händeler

Die Produktivität einer Gesellschaft hängt immer von der Realwirtschaft ab, also nicht von Aktienkursen oder Zinsentwicklung. Wovon hängt dann die Produktivität in der Wissensgesellschaft ab, sprich, was ist der reale, entscheidende Erfolgsfaktor, den Standorte ausmachen werden?

Kapital können Sie überall auf dem Globus leihen, und sei es in Saudi-Arabien; eine Maschine kann jeder überall kaufen, Wissen vom Internet herunterziehen, sich einen Spezialisten in Paris mieten, seine Produkte weltweit vermarkten. Der einzige entscheidende Unterscheid wird die Fähigkeit der Menschen vor Ort, mit Wissen produktiv umzugehen.

"Mit Befehlen kann man Wissensträger einschüchtern, aber sie werden ihr Bestes dann schön für sich behalten."

Und das ist immer Umgang mit anderen Menschen die man unterschiedlich gerne mag, kennt oder mit denen man unterschiedlich viele berechtigte Interessensgegensätze hat. Die Kultur des Zusammenwirkens entscheidet den weltweiten Standortwettbewerb. Das hat auch mit den religiösen Wurzeln in der Geistesgeschichte zu tun.

Unsere Hamburg-Frage:

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier - und der ehrbare Hamburger Kaufmann ist dies seit nunmehr 800 Jahren. Welche Botschaft haben Sie an Hamburger Familienunternehmer und Politiker, damit die Wirtschaftshauptstadt Deutschlands auch in Zukunft erfolgreich bestehen kann?

Geht über den Eigennutz hinaus. Seid ehrlich über Eure Ziele und Eure Motivation, Streitet nicht zur Vernichtung des anderen, sondern um der Sache willen bezogen auf ein Projekt. Denkt langfristig. Produktiver Umgang mit Wissen benötigt Versöhnungsbereitschaft – wir werden es uns nicht leisten können, nicht mehr miteinander zu reden, wenn wir zerstritten sind. Leider streiten wir oft nicht, weil wir entweder schlecht streiten würden oder weil wir Status oder Positionen nicht in Frage stellen wollen. 

"Der einzig entscheidende Standortfaktor wird sein, wie groß die Fähigkeit der Menschen vor Ort ist, mit Informationen umzugehen."

Der Mensch möchte sich nicht ändern und will vor allem nur selbst bestätigt werden. Das ist zunehmend eine Wachstumsbremse. Ich bin da aber ein fröhlicher Marktwirtschaftler: Wer sich nicht an die neuen Regeln des produktiven Umgangs von Wissen zwischen Menschen anpasst, der ist halt weniger produktiv, bis der Buchhalter kommt und sagt: 'Oh, wir haben ein Problem …'


* * *

Herzlichen Dank für den visionären Ausblick!
Das Interview führte Thomas Keup

 Hamburg Digital Background: 

Vorstellung Erik Händeler mit Vortrag:
https://youtu.be/ELWXuIJUxfQ

Erik Händeler: Wie uns trotz Digitalisierung die Arbeit niemals ausgeht:
https://youtu.be/6nGnzoXOTBM

Fachbuch Erik Händeler: "Die Geschichte der Zukunft":
http://www.erik-haendeler.de/seiten/buch/zukunft.htm

"Wenn der Zyklus die Krise erklärt", SZ 2013:
www.erik-haendeler.de/download/sueddeutsche_zeitung_17-09-2013.pdf

Kondratieff-Zyklen in der Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kondratjew-Zyklus

Sonntag, 7. Januar 2018

HANSEPERSONALITY Marco Siebener: Ein gemeinsamer Rahmen für "E-Health (in) Hamburg".



HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

10.000 PC-Arbeitsplätze, 1.900 WLAN-Access-Points, mehr als 100 Fachanwendungen. Beeindruckende Zahlen aus einem IT-Großbetrieb: dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Mit elektronischer Patientenakte auf Rädern und Touchscreen-Internet-PC am Patientenbett hat HANSEVALLEY im November 2017 das UKE als beispielhaftes Klinikum kennengelernt.


IT-Chef und IT-Stratege des UKE: Marco Siebener.
Foto: UKE
Der Herr über 2 moderne Rechenzentren, 1.900 Server und mehr als 130 Mitarbeiter ist der IT-Chef, IT-Stratege und Chief Information Officer. Ein besonderes Hamburg Digital Interview zum Jahresauftakt aus dem IT-Herzen der Hamburger Universitätsmedizin mit HANSEPERSONALITY Marco Siebener:

Lieber Marco Siebener: Sie sind Leiter des Geschäftsbereichs IT mit 5 Abteilungen und zugleich als CIO verantwortlich für die IT-Strategie am UKE. Geben Sie uns einen Überblick: Wie groß ist Ihr Geschäftsbereich und wo liegt der Schwerpunkt ihres Tagesgeschäfts?

Der Geschäftsbereich IT ist der zentrale IT-Dienstleister des UKE und damit für den operativen Betrieb der IT- Infrastruktur und Anwendungen eines digitalisierten Uniklinikums verantwortlich. Zudem ist die IT ein wichtiger strategischer Erfolgsfaktor in der bisherigen und auch in der zukünftigen Fortentwicklung des UKE. 

Der Geschäftsbereich IT ist mit seinen über 130 Mitarbeitern der größte Geschäftsbereich am UKE - mit einem recht starken Fokus auf die IT-Systeme in der medizinischen Versorgung, von der elektronischen Patientenakte, über die Diagnostiksysteme in der Radiologie oder auch den Laboren bis hin zu Logistik oder auch Abrechnungssystemen. Dem stärksten Wachstum unterliegt aber derzeit der Bereich der Forschungs-IT. Hier sind wir im Aufbau einer medizinischen Forschungsplattform für unsere Wissenschaftler/innen.

Ihr Klinikum hatte im Jahr 2016 insgesamt 430.000 Patienten, davon rd. 95.000 stationäre Patienten. Wieviele Datensätze müssen Sie verwalten und wieviele Mitarbeiter aus medizinischer Versorgung, pflegerischer Betreuung und kaufmännischem Management greifen auf Ihre Systeme zu? 

Das UKE hat über 10.000 Mitarbeiter und ist damit einer der größten Arbeitgeber in Hamburg. Für diese große Anzahl von Mitarbeitern stehen auch fast 10.000 IT-Arbeitsplätze zur Verfügung. Wir betreiben mehrere Hundert unterschiedliche IT-Anwendungen in 2 Rechenzentren auf über 1.900 Servern. In unserer elektronischen Patientenakte liegen über 30 Mio. Datensätze. 

Das Universitätsklinikum gilt eine der modernsten Kliniken in Sachen IT zu sein. Bei Ihnen in Eppendorf läuft kein Patient mehr mit einer Krankenakte unter dem Arm zum Röntgen. Wo setzt das UKE besondere Schwerpunkte im Kontext fortschrittlicher Technologien und Systeme?
Live-Einsatz in der UKE-Hautklinik:
Die elektronische Patientenakte auf Rädern.
Foto: HANSEVALLEY



Ja, wir sind eine sehr fortschrittliche Klinik bei der Digitalisierung und es gibt diese Krankenakte nur noch elektronisch. Damit können alle an der Behandlung beteiligten Ärzte/innen und die Pflege jederzeit und auch parallel auf alle relevanten Informationen zugreifen und auch dokumentieren. Auch im Falle von erneuten Behandlungen sind diese Daten verfügbar und müssen nicht erst mühsam aus einem Archiv gesucht werden. Das ist für die Qualität und auch die Sicherheit der Versorgung ein wichtiger Beitrag, den die IT hier leisten kann.

Besondere Schwerpunkte im Sinne von Technologien setzen wir derzeit im u. a. im Bereich des sogenannten Asset Trackings, also dem Orten von z. B. medizintechnische Geräten über unser nahezu flächendeckendes WLAN sowie im Bereich Unified Communications - für Video- bzw. Online-Konferenzen u. a. im Bereich der Fall- bzw. Tumorkonferenzen. Ebenfalls ein wichtiges Thema sind für uns die Entscheidungsunterstützungssysteme (Clinical Deciscion Support), die auf Basis von Algorithmen bzw. Regelwerken die medizinischen Informationen z. B. Laborwerte prüfen und Hinweise und Warnungen für Risiken geben. 


Bereits im Einsatz und üblich sind diese Systeme z. B. bei den Interaktionsprüfungen hinsichtlich Nebenwirkungen von Medikamenten. Zudem beschäftigen wir uns mit der Anwendung von NLP (Natural Language Processing) auf die medizinische Dokumentation, also dem Erkennen und Verstehen von häufig nicht strukturierten, medizinischen Texten. Ziel ist es, diese in strukturierte Informationen umzuwandeln und damit für die weitere Nutzung u. a. für die Forschung zu erschließen.

Sie arbeiten mit dem Siemens Klinik-System "Soarian Clinical" und einer elektronischen Patientenakte auf Basis von "Soarian Health Archive". Vor mehr als 6 Jahren wurde das UKE durch die Bundesbehörde BSI für ihre Sicherheit ausgezeichnet. Wie kann man bei verteilten genutzten Daten wirklich sicher sein? 

Geschlossener Kreislauf der medizinischen Unterstützung am UKE.
Grafik: UKE
Das UKE hat sich als eine der ersten Kliniken in Deutschland bereits 2011 vom BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) nach dem s. g. "BSI Grundschutz" prüfen und zertifizieren lassen. Hierbei steht die Sicherheit unserer elektronischen Patientenakte im Fokus. 

Ein konkretes Beispiel, wie wir die Patientendaten schützen ist die Tatsache, dass Sie hier im UKE an einem klinischen Arbeitsplatz keinen direkten Zugang zum Internet haben, nichts herunterladen können, nichts installieren und auch keine USB-Sticks verwenden können. Wir haben den Bereich der Krankenversorgung technisch getrennt von den Verwaltungsnetzen oder auch den Forschungsbereichen.

Seit 2016 sind Sie kommissarischer  Leiter der UKE-IT, seit diesem Jahr hauptverantwortlich für alle Bits & Bytes auf dem UKE-Campus an der Martinistraße. Welche persönlichen Schwerpunkte bzw. Akzente setzen Sie als CIO und IT-Chef in Strategie und operativem Betrieb? 

Meine persönlichen Schwerpunkte liegen neben dem sicheren, effizienten und zuverlässigen Betrieb unserer IT-Services vor allem in der strategischen Weiterentwicklung der IT am UKE. Besondere Schwerpunkte sind hierbei der bereits genannte Ausbau der Forschungs-IT und der weiteren Verbesserung und Ausweitung unseres Leistungsangebotes durch E-Health - bis hin zur direkten Einbindung des Patienten in unsere Versorgungsprozesse, egal wo der Patient sich gerade befindet.

Das Uniklinikum hat eine elektronische Patientenakte, ihre Krankenhaus-Apotheke arbeitet weitgehend digital vernetzt und Sie kooperieren u. a. mit der Techniker Krankenkasse mit dem Ziel einer gemeinsame Patientenakte. Wie gut ist das UKE für die digitale Zukunft aufgestellt? 

Unsere elektronische Patientenakte ist sozusagen unsere sehr gute Basis für die weitere digitale Zukunft der Gesundheitsversorgung in Hamburg. Die Digitalisierung endet aber heute leider meist noch an den Grenzen unseres Campus in Eppendorf. Leider wird hier häufig dann doch wieder ausgedruckt oder auch gefaxt in der Kommunikation mit anderen Kliniken und Niedergelassenen. Wir haben zwar hier auch Kooperationspartner mit denen wir elektronisch kommunizieren, aber leider ist dies heute noch die Ausnahme. 

Hier sind dann für uns Partner wie die Techniker Krankenkasse wichtig, die mit ihrer Initiative einer elektronischen Gesundheitsakte für ihre Versicherten weitere "digitale Brücken" bauen und vor allem den Patienten bzw. Versicherten involvieren. Wir sehen in dieser Initiative einen wichtigeren weiteren Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland und freuen uns darauf, bald den ersten TK-Versicherten Patienten-Dokumente in ihre persönliche Akte übermitteln zu können.

Sie kooperieren mit der Technike Krankenkasse und dem TK-Accelerator, schauen sich neue E-Health-Startups an und starten gemeinsame Projekte. Wie wichtig sind für Sie innovative Startups und was ist besonders wichtig bei der Zusammenarbeit? 

Eine der modernsten Kliniken in Deutschland: Das UKE
Foto: HANSEVALLEY
Wir sehen hier viel Potenzial und beschäftigen uns immer wieder mit neuen spannenden Ansätzen, die von den Health Startups entwickelt werden. Meine persönliche Erfahrung ist leider ein bisschen "durchwachsen“, da häufig mit doch etwas "einfachen" Vorstellungen agiert wird und einem dann doch eher eine frühe "Alpha"-Version einer Lösung präsentiert wird, die noch weit weg davon ist, sie wirklich in der Klinik einzusetzen. 

Dafür sind die Anforderungen und auch das Risiko, die durch Fehler passieren können zu groß, um mal eben schnell eine - entschuldigen Sie bitten diesen Ausdruck - "Bastellösung" zu installieren und zu nutzen. Mit einzelnen Startups haben wir diesen Weg in die Klinik aber bereits gemeistert und wir sind davon überzeugt, dass dies auch in einem gegenseitigen Nutzen ist.

Die exklusive HANSEVALLEY Hamburg-Frage:

Sie sind langjähriger IT-Experte, u. a. bei den Hamburger Asklepios-Kliniken und seit 2015 am UKE engagiert. Was läuft in der Digitalsierung des Gesundheitswesens in Hamburg richtig gut? Und wo haben Sie Wünsche, z. B. an die Gesundheitsbehörde, das Branchencluster oder Krankenkassen? 

Wir haben in Hamburg starke Akteure im Gesundheitswesen, sowohl auf der Klinik-Seite, den Krankenkassen und Versicherungen als auch der Industrie. Alle beschäftigen sich aktiv mit der Digitalisierung und es gibt eine Vielzahl von einzelnen Initiativen, auch auf Seiten der Stadt. Mein Wunsch wäre hier eine weitere Bündelung dieser Initiativen und einen gemeinsamen Rahmen für "E-Health (in) Hamburg“ zu schaffen, um hieraus auch gemeinsame Ansätze und Projekte für das zukünftige „digitalere“ Gesundheitswesen zu schaffen.


* * *

Herzlichen Dank für die offenen Worte!
Das Interview führte Thomas Keup.

 Hamburg Digital Background: 

Informationstechnologien am UKE:
www.uke.de/organisationsstruktur/gesch%C3%A4ftsbereiche/informationstechnologie/%C3%BCber-uns/index.html

E-Health an Norddeutschen Krankenhäusern (ab S. 8):
http://docplayer.org/53372946-Digital-vernetzt-wie-krankenhaeuser-und-krankenkassen-kuenftig-das-e-health-potenzial-ausschoepfen-wollen.html

Kooperationsportal LSN Xchange:
www.lsnxchange.de/

Unternehmensdatenbank eHDa Hamburg (im Aufbau):
www.ehealth-hamburg.de/kontakt-und-service/ehda-die-unternehmensdatenbank/