Posts mit dem Label Familienunternehmen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Familienunternehmen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. Juni 2018

HANSECHAMPION Kabs: Von der Polsterwelt zu moebel.de

HAMBURG DIGITAL REPORT

Autonome Navigation in Limousinen, KI-Fotochips in Smartphones, automatische Chatbots in der Verwaltung: Es gibt eigentlich nichts, was nich der digitalen Transformation unterworfen ist. Ob Konsumgüter, Luxusgüter oder Dienstleistungen - digitale Kundenzugänge, detaillierte Datenauswertung und Plattform-Geschäftsmodelle greifen um sich. Doch in unserem Zuhause gibt es Dinge, denen digital recht egal ist: Sessel, Sofas und Betten interessieren Chips und Elektronik bislang wenig.


Familientradition in 2. Generation: Kabs Polsterwelt
Foto: HANSEVALLEY

Bei Norddeutschlands Polstermöbel-Spezialist Kabs ist man da gar nicht so sicher. Der "MediaMarkt" unter den Polstermöblern hat erkannt: Was man verschicken kann, wird verschickt. Sich nur auf seine Filialen von Kiel bis Osnabrück und Schwerin bis Bremen zu verlassen, könnte in Zeiten von Amazon, Ikea, Otto und Tchibo brenzlig werden. Mit moebel.de hat das Familienunternehmen einen eigenen Weg ins Netz genommen. Ein Hamburg Digital Report:

'Das Internet ist nichts für uns'. 'Wir haben unseren Laden hier vor Ort'. 'Die letzte technische Innovation war das Faxgerät.' Die Statements stammen von Unternehmern der Möbelbranche. Gut 10 Jahre ist das her. Das unternehmerische Understatement bringt die Kultur einer Branche auf den Punkt, die in der Vergangenheit gern mal ein Nickerchen extra gemacht hat. Was daraus wird, sieht man mitten in Hamburg am eigenen Leib:

Altona, Große Bergstraße. Es ist die einstige Möbelmeile an der Elbe. Polstermöbelgeschäft reihte sich an Küchenstudio, Bettenspezialist präsentierte sich neben Teppichfachgeschäft. Die einstige Shoppingstraße ist abgerutscht: Döner-Bude grüßt Discounter. Lediglich das dutzende Möbelhaus aus Schweden hält dem Traditionsstandort die Stange, lockt mit günstigen Teelichtern und Fleischbällchen die Nachbarschaft an. Der Rest - trauriger Absturz.


In Hamburg Zuhause, in Europa aktiv: Robert Kabs
Foto: Kabs

Möbelhandel: Traditionsbranche und stationäre Verankerung

2018: Die Hamburger Möbelmeile ist kein Einzelfall, sondern Normalität in Deutschlands Großstädten: Berlin-Tiergarten, Genthiner Straße unweit des Schöneberger Rotlichtviertels. Die Stammhäuser von Deutschlands Möbelriesen Höffner und der Eignerfamilie Krieger sind ins Gewerbegebiet nach Schönefeld gezogen. Lediglich Exklusivanbieter Hübner lässt auf eigenem Hochhaus die Flagge wehen. Die (West-)Berliner Möbelmeile - abgestürzt wie in Hamburg-Altona.

Die Entwicklung ist kein Zufall. Fast alle 15.000 Möbler sind Familienbetriebe - einschließlich der Riesen IKEA (Kamprad), Höffner/Kraft/Walther/Skonto (Krieger) und XXXL/Lutz/Mömax/Poco (Seifert). Die Branche hat eine Welle der Konsoldierung überrollt. Die großen Drei mach rd. 30% des stationären Umsatzes aus. Die Branche stagniert, es herrscht Verdrängungsmentalität. Die Online-Riesen kommen: Amazon, IKEA, Otto Group und Tchibo setzen aufs Netz. Die Firmenenkel haben das verstanden. Sie gehen online.

"Moebel.de ist überparteilich und unabhängig."

Kabs-Firmengruppe in der Neustadt
Foto: HANSEVALLEY
"Wenn wir den stationären Möbelhandel nicht überzeugen können, kümmern wir uns um die, die schon im Internet sind", fasst Familienunternehmer Robert Kabs den Trend seiner Branche zusammen. Der gebürtige Wandsbeker lernt früh, wie die Branche tickt. Mit seinem acht Jahre älteren Bruder Jens fährt er in einem alten Hanomag die Möbel der väterlichen Betriebe an der Zollstraße und am Barmbeker Luftschutzbunker aus, damals Anfang der Neunziger. Heute ist Kabs mit rd. 300 Mitarbeitern und 12 Filialen einer der 3 großen Polstermöbel-Spezialisten in der Republik - und die Nr. 1 der Online-Möbelpreisvergleiche.

Einer der ersten Partner seiner Produksuchmaschine moebel.de ist otto.de - 2007, nach dem Relaunch des Portals. Robert Kabs hat "grundsätzlich Lust auf etwas Neues", sichert sich schon im Jahr 2000 die Domain moebel.de. "Irgendwas in diesem Internet will ich machen", ist sein Gedanke. Und fragt sich: "Was passt zu uns?" Nach dem ersten Anlauf baut der Winterhuder Traditionsunternehmer seine Plattform um, entwickelt die größte Produktsuchmaschine für Möbel. Und ist stolz auf sie: "moebel.de ist überparteilich und unabhängig."

Suche beim Spezialisten statt unsortierter Ergebnisse

Seinen Anspruch unterfüttert der gelernte Haspa-Bankkaufmann: "Wenn ich ein spezielles Thema habe, gehe ich auch lieber zum Facharzt, als zum Allgemeinmediziner." Auf seiner Suchmaschine werden mir genau die 10 passenden Sofa angeboten - aus 1 Millionen möglichen Varianten. "Unsere heiilge Kuh ist der Sortieralgorithmus",  verrät der 45-Jährige das Geheimnis von Datenanalyse und Vorauswahl. 250 Partner vertrauen moebel.de, mehr als 3 Mio. Produkte sind auf dem Portal, 5 Mio. Besucher surfen Monat für Monat bei den Hamburgern vorbei.


"moebel.de ist überparteilich und unabhängig"
Screenshot: HANSEVALLEY

Seit vergangenem Jahr sind auch die stationären Einzelhändler mit an Board. Der Grund ist einfach: Die Customer Journey beim Möbelkauf hat sich verändert. 80% aller Kunden informieren sich zunächst im Netz, bevor sie einen Fuß in ein Möbelhaus setzen. Für Robert Kabs eine echte Chance - und die Notwendigkeit zur qualifizierten Beratung vor Ort. Mit seinem Fachmarkt-Konzept für Polstermöbel bietet er seinen Kunden die Wahl - in 12 Möbelhäusern oder online. Seine Suchmaschine mit knapp 100 Mitarbeitern ist nun auch nach Frankreich expandiert, als meubles.fr.


moebel.de-App mit neuer Fotosuche
Screenshot: HANSEVALLEY
moebel.de - online, mobil, europaweit unterwegs.

Vor 5 Jahren hat Kabs moebel.de auf Wachstum und Internationalität ausgerichtet, zunächst durch Umwandlung in eine AG und die Beteiligung der größten deutschen Privatsenderfamilie ProSiebenSat1. Im Sommer 2014 holt sich der strategische Partner mit einem attraktiven Media-for-Equitiy-Deal aus München die Mehrheit. Damit kann moebel.de seine Reichweite erhöhen, den Traffic befeuern, die Attraktivität für die Suchmanschinenpartner ausbauen. Was als Idee für ein unbestimmtes Online-Business begann, ist eine Hausnummer im deutschen Möbelhandel geworden - ohne sich mit den Online-Händlern zu kanibalisieren. 

Die jüngste Entwicklung des cleveren Möbelhändlers mit seiner Firmenzentrale in der Neustadt ist eine App zur mobilen Produktsuche - ob vom heimischen Sofa oder aus dem 40.000 qm Glaspalast eines XXL-Möbelgiganten. Per Smartphone-Kamera können Interessenten Produkte finden und sich für einen Besuch vor Ort oder im Online-Shop entscheiden. Dabei sind die Suchergebnisse nicht nach dem für die Händler attraktivsten Angebot selektiert. Als neutraler Anbieter geht es nicht zuletzt um Relevanz: "Auf moebel.de geht keiner aus lange Weile", bringt es der Unternehmer auf den Punkt. Und das sind immer mehr.

 Hamburg Digital Background: 

Möbel-Suchmaschine moebel.de
www.moebel.de

Kabs Polsterwelt
www.kabs.de

Onlineshop Homesofa
www.homesofa.de

Mittwoch, 4. April 2018

HANSERANKING: Die digitalen Tops + Flops der Hamburger Wirtschaft

HAMBURG DIGITAL RANKING



Hamburg zwischen Hafenfolklore, Logistikhub und digitaler Zukunft.
Foto: mediaserver.hamburg.de / Hermes Logistik

Nur 20% der kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind digital unterwegs. Nur 30% der großen Unternehmen sind in der digitalen Zukunft angekommen. So das Ergebnis des Digital-Atlas Deutschland im Auftrag von Google Germany, erarbeitet vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Wie gut sind Hamburgs Unternehmen aufgestellt? Wer brilliert mit Erfolg versprechender Strategie? Und wer entwickelt sich zum Totalausfall an Kaikante und in der Kaufmannsgilde?

Welche Unternehmen haben ein ernstes Erkenntnisproblem? Welche Familienbetriebe leiden am beliebten Umsetzungsproblem? Und welche Hamburger Konzerne besitzen ein kritisches Kommunikationsproblem? Das Hamburg Digital Ranking bietet einen aktuellen Überblick über TOP und FLOP, über Spitzenreiter, Aufsteiger, Fragezeichen und (unsportliche) Absteiger. HANSERANKING - so sind Hamburgs Unternehmen heute digital aufgestellt:


 TOP OF THE TOPS: Die digitalen Spitzenreiter 

TOP Nr. 1 - Die Hamburger Otto Group

Die Familie Otto baut seit über 5 Jahren an der Zukunft - mit einem strategisch agierenden Familienerben, einem Tech-Startup als Concept Proof, eigenem Corporate Inkubator, Company Builder und VC-Investmentarm, nachhaltigem Kulturwandel und Exzellenz mit eigener Task Force für E-Commerce, mehr als 300 Mann in Business Intelligence und Plattformstrategie. Der 50.000 Mann-Tanker hat Kurs auf die digital-vernetzte Zukunft.
Gesamturteil: Kulturwandel 4.1 - hier geht die Familie vorne weg.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEMOBILITY: Das Mobile Lab und die mobile Zukunft der Otto Group.


Die Handelsriese Otto Group im größten Wandel aller Zeiten.
Foto: HANSEVALLEY

TOP Nr. 2 - Die Hamburger Hafenbehörde HPA

Dank eines visionären Informatikers ist die Hamburg Port Authority technologisch im Hafen weit vorn. Unter dem Dach der "Smart Port"-Initiative treibt das IT- und Digitalteam Innovationen zu Lande, zu Wasser und in der Luft - von Nautischer Zentrale über Katatrophenschutz bis zum 5G-Projekt zur Vernetzung des Hafens. Bei der HPA hat man auch keine Angst vor einem chinesischen Digitalterminal auf Steinwerder für Alibaba.
Gesamturteil: Innovationsfaktor 4.0 - der Hafen ist auf dem Weg.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEPERSONALITY Dr. Sebastian Saxe: Erfolgsfaktoren für Digitalen Hafen und Digitale Stadt.

TOP Nr. 3 - Die Hamburger Sparkasse, HASPA

Ein Vorstandschef mit Weitblick und 25 Mio. € Investitionen in digitale Services bis 2020 zeigen: die Haspa kleckert nicht. Die Übernahme von "Heute in Hamburg" mit mehr als 200.000 Fans war ein Meilenstein für den künftigen Erfolg der Bank. In der Digital-Unit baut die Sparkasse ein neues Geschäftsmodell auf, erreicht die Kunden per App in den Stadtteilen. Lobenswert: Die "Beerdigung" des missglückten Mobile-Kontos "Yomo".
Gesamturteil: Execution 4.0 - wer weiter will, geht eigene Wege. 

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEVISION: Gut für die Haspa. Gut für Hamburg.


 TOP oder FLOP: Die digitalen Aufsteiger 

2+ Mio. Container fahren künftig First-, Business- oder Economy-Class.
Foto: Hapag-Lloyd

TOP Nr. 4 - Die Containerreederei Hapag-Lloyd


Mit einem wettbewerbsfreudigen Vorstandschef ist die gemütliche Zeit am Ballindamm beendet. Beginnend mit einer Restrukturierung werden jetzt weltweit alle Kühlcontainer mit Sensoren und Sendern ausgestattet, Boxen dank Daten künftig wie in der Luftfahrt priorisiert verladen und gelöscht. Ein 10-köpfiges Team arbeitet an digitalen Produkten und Dienstleistungen, um die HLAG mit Echtzeit-Services zum Qualitätsführer zu entwickeln.
Gesamturteil: Execution 3.5 - so wird's was auf den Weltmeeren.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEPERSONALITY Dr. Ralf Belusa: Alles wird digitalisiert, was digitalisiert werden kann.

TOP Nr. 5 - Der Bootsausstatter A. W. Niemeyer

Das führende Handelshaus hat 1998 einen ersten Onlineshop gestartet, erzielt jedoch 3/4 seines Umsatzes in den Filialen. Nach drei Jahren in der Umsetzungsfalle hat AWN mit Hanse Ventures einen starken Gesellschafter und 30 Online-Experten im Haus, die Niemeyer in die digitale Zukunft katapultieren. Ein ungewöhnlicher wie konsequenter Weg, aus der Sackgasse zu kommen. Eine echte Aufsteiger-Story Made in Hamburg.
Gesamturteil: Strategie 3.5 - mit starkem Partner aus der Sackgasse.

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSECHAMPION A. W. Niemeyer: "Wir wollen die Welt."


 TOP ODER FLOP: Die digitalen Fragezeichen 

Wie wird aus analoger Container-Abwicklung ein digitales Business-Modell?
Foto: HHLA / Thies Rätzke

FLOP Nr. 6 - Der Hamburger Busbetrieb VHH


Die VHH-Busse waren Vorreiter bei mobilem Internet in Hamburg. Dann zog die große Schwester HOCHBAHN mit Vollgas vorbei. Lediglich die Linien 3 und 31 sind mit Wifi versorgt, alle anderen gucken in die Röhre. Mittlerweile sind alle 1.000 Busse der HOCHBAHN mit WLAN ausgerüstet. Die ebenfalls zur Stadt gehörenden VHH-Busse können dringend ein digitales Upgrade auf die Zukunft gebrauchen.
Gesamturteil: Execution 2.0 - als Tiger gestartet, als Bettvorleger gelandet.

FLOP Nr. 7 - Der Terminalbetrieber HHLA

Die gebetsmühlenartig wiederholte Botschaft vom digitalen Player im Hamburger Hafen kann niemanden mehr vom Hocker reißen. Größter Hemmschuh: Gewerkschaften und widerwillige IT'er. Bei der Unterstützung des Digital Hub Logisitics Hamburg zeigt die HHLA aktuell offensichtlich wenig Entschlossenheit. Von der Beteiligung bis zum Speicher für den Hub ist öffentlich leider nicht viel zu sehen. Aber wir schauen gern noch ein zweites Mal hin.
Gesamturteil: Strategie 1.9 - weniger Angst, mehr Handeln ist gefragt.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSEPERSONALITY Angela TItzrath: Pressestelle enthält Antworten leider seit Monaten vor.

 TOP OF THE FLOPS: Die digitalen Verlierer 


Zick-Zack-Kurs hinter schicker Fassade: Nur noch für ältere Kunndinnen attraktiv.
Foto: Beiersdorf

FLOP Nr. 8 - Der Werbevermarkter Weischer

Der Werbevermarkter kann zwar Spots und Anzeigen schalten, die Innovationsabteilung ist jedoch geprägt von einer wenig erfahrenen Werberin. Die "Manager Digital Revolution" verkauft vermeintliche Innovationen von Kreativ- und Techagenturen aus Hamburg, eine Strategie für die digitale Zukunft der Altonaer Werbefirma ist derzeit nicht erkennbar, Kommunikation findet daher auch erst gar nicht statt. Ist womöglich auch besser so.
Gesamturteil: Innovationsfaktor 0.9 - für einen Vermarkter traurig.

FLOP Nr. 9 - Der Chemiefabrikant Beiersdorf

Der Körperpflegehersteller macht mit Hire & Fire seiner Chief Digital Officer von sich reden. Mindestens drei leitende Innovationsmanager mussten bereits ihren Hut nehmen. Grund: Bei Beiersdorf steuert eine Unternehmerfamilie ohne sichtbaren Weitblick den Konzern. Ehemalige Mitarbeiter geben auf die digitale Zukunft der Eimsbütteler Dosenabfüller nicht viel. Da wundert es nicht, dass eine als unfair eingestufte PR-Chefin Maulkörbe erlässt.
Gesamturteil: Kulturwandel 0.9 - so ruiniert man sich am schnellsten.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSEPERSONALITY Martin Böhm: Antworten von Beiersdorf-Pressesprecherin leider verboten worden.


Traum vom schnellen Reichtum: 7 von 10 Startups scheitern in den ersten 2 Jahren.
Foto: HANSEVALLEY

FLOP Nr. 10 - Der Marketing-Inkubator NMA


Man kann die Geldverschwendung von DPA, Senat & Partnern bestenfalls als Marketing-Inkubator titulieren. Die Startups kommen z. T. nur mit einer Idee ins Programm, werden mit schwachen Konditionen abgespeist, eine Betreuung nach dem Demo Day findet so gut wie nicht statt. Kluge Startups haben dankend abgelehnt, Experten über NMA-Pitches den Kopf geschüttelt, die NxA-Methode ist stadtweit bekannt - und wird offen kritisch diskutiert.
Gesamturteil: Execution 0.9 - hier kommt sicher kein Unicorn (groß) raus.

 Hamburg Digital Statement: 
HANSESTATEMENT: Hamburg, #daswarsmitmedien, oder?


HANSERANKING - aus der Praxis für die Praxis.

Das Hamburg Digital Ranking basiert auf mehr als 400 Vor-Ort-Recherchen in Unternehmen und Institutionen, über 500 Hamburg Digital Nachrichten und mehr als 180 Hamburg Digital Reports aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung sowie mehr als 50 exklusiven Interviews mit Unternehmern und Innovationsmanagern sowie Politikern und Experten. Das HANSERANKING erhebt trotz sorgfältiger Recherche und Informationen aus erster Hand keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 


Manchmal reicht es nicht aus, jung und unerfahren zu sein ...
Foto: Urheber anonym

HANSEVALLEY wünscht interessante Einblicke und hilfreiche Erkenntnisse für den eigenen Weg in die digital-vernetzte Zukunft. Die Redaktion freut sich auf spannende Vorschläge für HANSECHAMPIONS aus Industrie und Mittelstand an Alster und Elbe - per E-Mail an hamburg@hansevalley.de oder persönlich auf einem von mehr als 150 Vor-Ort-Terminen rund um Adolphsplatz und Rathausmarkt zu Digitalisierung und Transformation in 2018.

 Redaktioneller Hinweis: 

Dieser Artikel steht in keinem Zusammenhang mit der in Hamburg ansässigen Online Marketing Agentur Hanseranking GmbH. Die Hanseranking GmbH ist eine Full-Service-Agentur und berät zu Strategieentwicklung und Umsetzung von Online Marketing Maßnahmen. Weitere Informationen gibt es im Netz unter www.hanseranking.de

 Hamburg Digital Empfehlung: 
HANSEVISION: Von ehrbarer Kaufmannssiedlung zur Digitalen Metropole Hamburg.


*  *  *

Sonntag, 25. Juni 2017

HANSESTATEMENT: Perspektiven für Erwachsene in der digitalen Hansestadt.

Ein HAMBURG DIGITAL STATEMENT von
Herausgeber & Chefredakteur Thomas Keup

In der vergangenen Woche wurde viel über Hamburg geschrieben. Der "Spiegel" kürte unsere Stadt zur Hauptstadt. Das "Manager Magazin" hielt dagegen, Hamburg sei keine Perle. Und die Startup-Zeitung "Berlin Valley" griff mit einem Frikadellen-Brötchen daneben. Wie ist Hamburg wirklich? Wo schlummern echte Chancen? Und was können wir uns sparen?

Rolltreppe zur Plaza in der Elbphilharmonie Hamburg
Foto: Dirk@Flickr, Lizenz: CC-BY-NC-ND 2.0
Wir sprechen regelmäßig mit Existenzgründern, Unternehmern und Interessenvertretern. Dabei treibt uns der Wunsch für ein "New Hamburg" - über Promotion und Politik hinaus. Wir sehen in Hamburg Entwicklungen, die mehr als hoffnungsvoll sind. Eine gute Gelegenheit, Hype und heisse Luft gegen Pragmatismus und Perspektiven einzutauschen. Ein Hamburg Digital Statement:


HANSEVALLEY-Chefredakteur Thomas Keup
Foto: Stefan Kny
Es scheint so, als sei man sich an einigen Stellen unserer Stadt nach wie vor genug, denn die aktuelle Lage an Alster und Elbe wirkt immer noch sicher - im Vergleich zu einem abgebrannten Ruhrgebiet und einer niemals wieder aufgebauten Industriestadt Berlin. Für die Herausforderungen der Digitalisierung ist jedoch eine Zukunftsvision gefragt, wie sie mit der Metropole Hamburg als "Wachsende Stadt" von 2001 bis 2008 bereits einmal gelebt wurde - der Grundlage für heutige Leuchttürme, wie Elbphilharmonie und Hafencity.

In den folgenden Absätzen beleuchte ich ausgewählte Themen, wie Mentalität und Kultur, Startups und Mittelstand, Hafen und Digitalisierung sowie Politik und Perspektiven, wie sie sich mir in Gesprächen mit Insidern und der Recherche vor Ort darstellen. Es ist eine Momentaufnahme ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte mit den folgenden "Perspektiven für Erwachsene" jedoch einen positiven Impuls setzen.


Digitale Kooperationen statt alter Klassenkampf.

Statt über goldene Manschettenknöpfe und 1.000 Hamburger Stiftungen zu philosophieren, sollten wir konstruktiv überlegen, wie Hamburg in ein hanseatisches Morgen geführt werden kann. Dazu zählt z. B. die neue "Hamburger Plattform" zur kulturellen Vernetzung der Kreativwirtschaft mit anderen Branchen, die begonnene Vernetzung junger und etablierter Firmen durch Interessenvertretungen und vielleicht auch die von HANSEVALLEY initiierte Hamburg Digital Community mit mehr als 100 Corporate-Innovatoren.

Wir sollten noch stärker auf den Zukunftsfaktor Wissenschaft setzen. Das Engagement von Bucerius Law School, HSBA und Kühne Logistics University, die Digitalthemen in Think Tanks, Digital Labs, Professuren, Studiengängen und Kooperationen voranzutreiben, ist genau richtig. Die Initiativen für die praktische Forschung an 3D-Druck und Industrie 4.0 durch DLR und Fraunhofer bieten erfolgversprechende Perspektiven. Zudem ist Exzellenz auch in Hochschulausgründungen gefragt. Hier zeigt uns Lüneburg, wie es geht.

Regionale Startupcity ohne globale Strahlkraft.
Titelblatt Sonderbeilage Hamburg
Startup-Zeitung "Berlin Valley"

Beheizbare Einlegesohlen für Kiezarbeiterinnen, Schwangerschaftsslips für werdende Startupmuttis, elektrische Fahrradanhänger für den Kleinkindtransport und koffeingeschwängerte Gummibärchen als Grundnahrungsmittel dürften womöglich einen Pivot erfordern, um in einer digital-vernetzten Hansestadt Sinn zu stiften. Die Leistungen engagierter Gründer haben z. Zt. doch nur die Strahlkraft, wie der Schiffsanleger in Wilhelmshaven für den Welthandel.


Die Erklärung eines nicht immer tiefenentspannt wirkenden "Leitartiklers" in der Werbebeilage der regionalen Startup-Zeitung "Berlin Valley" zeigt eine vermeintliche Qualität des Mikrokosmos zwischen Schanzenviertel und Harburger Hafen: Wer die Worte ernst nimmt könnte den Eindruck gewinnen, der USP des Ökosystems bestünde aus einem Bahnticket nach Berlin. Vielleicht spielt ja der Wunsch, zu etwas Größerem berufen zu sein, in der Aussage ein wenig mit.

Offene Familienunternehmen statt VC-Wetten.

Die Stärke interessanter Hamburger Startups liegt im B2B-Sektor. Die Förderung dieser Jungunternehmen zusammen mit etablierten Playern dürfte die größten Chancen haben, neue Ideen, kluge Köpfe und interessante Produkte für die Wirtschaftshauptstadt zu generieren - fernab der Kategorie "Küche, Kirche, Kinder" und eines irrealen VC-Wettzirkus. Zahlreiche Akteure arbeiten daran, die neuen Brücken zwischen lösungsorientiertem Nachwuchs und regionalen, aufgeschlossenen Akteuren zu bauen.

So wichtig die US-Internet-Riesen Dropbox, Facebook, Google, Snap, Twitch, Twitter und Yelp für den Arbeitsmarkt in Marketing und Management des "Elbvalley" Hamburg sind, für die Entwicklung der sich wandelnden Metropole spielen vor allem zukunftsgewandte Familienunternehmer und innovationsbereite Großunternehmen eine entscheidende Rolle. Und die haben den Ruf gehört, sich um den Kulturwandel und die Zukunft zu kümmern, wie uns ein Verbandsvertreter bestätigt.

Tabuthema Hafenlogistik und digitale Wahrheiten.


HHLA-Terminals Buchardkai (vorn) und Tollerort (hinten)
Foto: HHLA / Thies Rätzke
Der Hafen steht seit der Finanzkrise 2008 unter Druck. Unter dem Dach manch einer Reederei brennt es mittlerweile lichterloh. Die Krise der Containerschifffahrt schlägt sich in den Bürgschaften für die HSH Nordbank nieder. Der weltweite Wettbeweb des Containergeschäfts, die hausgemachten Probleme der Elbvertiefung, die Verschiebung der Handelsströme und die Verschiebung der Produktion an dezentrale Standorte durch additiven Druck erhöhen das Risiko.

So wichtig die Logistik für Hafenstadt und Metropolregion ist, so sicher ist es zugleich, dass der wirtschaftliche Motor künftig nicht mehr in erster Linie im Hamburger Hafen schlagen wird, so sehr der Wunsch die Politik noch dominiert. Die Initiativen von "Digital Hub Logistics" über "Digital-Space Hammerbrooklyn" bis "Nationalem Maritimen Zentrum" sollten nicht dazu verleiten, die Lage zu verklären und an der einen oder anderen Stelle mit Startups zu verniedlichen.

Digitale Produktion und ein digitalisierter Hafen.

Wir haben HHLA-Chefin Angela Titzrath gefragt, ob sie sich bereits auf eine "Hamburger Hafen-, Logistik- und Produktions-AG" vorbereitet. Die Zukunft der internationalen Dienstleistungen in der Freien und Hansestadt wird mit neuen, zukunftsweisenden Technologien und damit verbundenen, industriellen Kernen einhergehen. Von der Seefahrerromantik wird außer Schiffsankern, Signalhörnern und mehr oder weniger umweltfreundlichen Kreuzfahrern nicht mehr viel bleiben.

Mit Industrie 4.0 und digitalisierten Dienstleistungen in der Logistikregion, mit 3D-Druck und digitaler Produktion am Luftfahrtstandort, mit Next Reality und digitalen Dienstleistungen in der Medienhauptstadt sowie mit E-Health und digitalen Dienstleistungen in der Gesundheitsmetropole hat unsere Stadt gleich 4 chancenreiche Wege, die Zukunft zu meistern - auch wenn viele Teilbranchen und Firmen, Mitarbeiter und Arbeitsplätze von erheblichen Umbrüchen betroffen sein werden.

Die ehrbare Zukunft der digitalen Hansestadt.


Handelskammer Innovation Campus mit HSBA
Foto: HANSEVALLEY
Der womöglich größte Schatz und die vielleicht wahre Chance der Freien und Hansestadt ist der größte Kritikpunkt der "Kammer-Rebellen": der ehrbare Kaufmann. Es geht um faires, mitmenschliches Handeln - zugleich die größte Kritik an der digitalen Plattform-Ökonomie. Die 500-jährige Tradition entwickelt sich zum Alleinstellungsmerkmal, dass durch Hardware, Software und Services nicht so leicht abgelöst werden kann.

Die Hamburger Wirtschaftshochschule HSBA lehrt ihren rd. 900 Studierenden den ethischen Grundsatz der Fairness. Damit könnte Sie neben der Vereinigung Eines Ehrbaren Kaufmanns einen entscheidenden Grundstein legen, den Hamburg als Wirtschaftsmetropole von New York und Singapur unterscheidet, als "Second City" von Barcelona und Mailand abhebt und als deutsche Metropole von Berlin, Köln und München differenziert.

Die Protagonisten in Rathaus, Kammer und Kontoren sollten sich bewusst sein, dass es in der vernetzten Welt keine schützende Hammaburg mehr gibt. Ein langjähriger Unternehmer sieht Hamburg bereits auf dem Weg in "Berliner Verhältnisse" - einer Touristenmetropole ohne zukunftsweisende Wirtschaft. Wir sollten die Fehler West-Berliner Subventionspolitiker vermeiden, und unsere Stadt mutig in die digitale Wirtschaftszukunft führen.

Dies ist eine Aufgabe engagierter Politiker in Koalition und bürgerlicher Opposition, wie in Kammern und Verbänden. Ein "Weiter so" einzelner Protagonisten aus der Internet-Hochburg vergangener Tage dürfte angesichts der zu erwartenden Sturmflut nicht ausreichen. Vielleicht ist es an der Zeit, dass eine neue Generation Pragmatiker neue Partnerschaften für ein digitales Hamburg entwickeln.


Ihr Hamburg Digital Marketing _____________________________________________


Willkommen bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Wirtschaftsmagazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.
Werden auch Sie Partner von HANSEVALLEY - dem Hamburg Digital Magazin:
  • Nutzen Sie die tägliche Reichweite der erfolgreichen HANSENEWS.
  • Erreichen Sie den Mittelstand mit unseren HANSECHAMPIONS.
  • Vernetzen Sie sich mit Ihren neuen Kunden bei NEXTHANSE.
Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:
Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten!

Sonntag, 9. April 2017

HANSEPERSONALITY Prof. Dr. Günther Strunk: Familienunternehmen + Startups? Es geht um Unternehmertum!

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

Startups haben große digitale Ideen, die oftmals nicht fliegen. Mittelständler haben ein erfolgreiches Geschäft. das in der digitalen Welt droht, abzustürzen. Beide haben ein Problem, was ihr Geschäft angeht. Und beide sind in Hamburg zu Hause.


Prof. Dr. Günther Strunk, Leiter des HIF
Foto: Günther Strunk
Eine der interessantesten Fragen zur Lösung lautet: “Wie kommen Hamburgs "Pfeffersäcke" mit Hamburgs "Jungspunden" zusammen?” Mitte Februar trafen sich an der Leuphana-Universität in Lüneburg erstmals 60 Startupgründer und Familienunternehmer zum branchenübergreifenden Kennenlernen.

Die Zukunftswerkstatt Familienunternehmen ist der Auftakt zu einer Reihe von Aktivitäten, um "Pfeffersäcke" und "Jungspunde" an einen Tisch zu bekommen. Der Kopf dahinter ist Leiter des Hamburger Instituts für Familienunternehmen. Unser HANSEPERSONALITY ist Prof. Dr. Günther Strunk.


Die Zukunftswerkstatt unter dem Titel “Familienunternehmen meets Startups” hat im Vorfeld für interessierte Blicke in der Hamburger Tech- und Startup-Szene gesorgt. Wie ist aus Ihrer Sicht das erste Treffen Hamburger Familienunternehmer und Startups verlaufen? Und welche Erfahrungen nehmen Sie für künftige Events mit?

Aller Anfang ist schwer, aber das Interesse und der Zuspruch der Startup-Szene hat uns trotz der Kurzfristigkeit der Einladung überzeugt. Bei den Familienunternehmen ist sicherlich noch mehr Aufklärungsarbeit von Nöten, um die Bedeutung solcher Zusammentreffen klar zu machen und das aktive Mitwirken hieran zu verdeutlichen.



Die Zukunftswerkstatt Familienunternehmen lud zum
Austausch mit Hamburger Tech-Startups
Grafik: HHIF
Die anwesenden Familienunternehmen waren wie auch die Startups von der Veranstaltung überzeugt und würden gerne auch zu zukünftigen Events kommen. Für die Zukunft heißt dies: Familienunternehmer noch gezielter ansprechen, konkrete Fragestellungen formulieren und vielleicht beim nächsten Event nicht nur die tolle Unterstützung der Leuphana Universität geniessen, sondern einmal die kurzen Wege in Hamburg.

Die Stadt Hamburg beabsichtigt mit Unterstützung der Förderbank IFB im Rahmen des geplanten “Innovations-Wachstums-Fonds” privates Kapital Hamburger Family Offices in schnellwachsende Startups zu investieren. Was halten Sie von der Idee und kann das Konzept aufgehen, privates Kapital für Startups zu gewinnen?


Family Offices als die Vermögensverwalter von vermögenden Privatpersonen, die quasi als Finanzinvestoren Startups das nötige Kapital zur Verfügung stellen, sind wichtig und gut. Besser ist es aber, potente Familienunternehmen als strategische Investoren zu gewinnen, die sich nicht nur mit Kapital sondern auch mit Ressourcen einbringen und als Influencer notwendige “Türen” öffnen. 

Wir sollten uns nicht an der Startup-Szene in den USA mit ihren gewaltigen Kapitalmöglichkeiten orientieren. Deutschland hat mit den Familienunternehmen vermutlich viel mehr für die Startups zu bieten. Wenn man es gut macht: “Statt Geld für die Gründer eine Perspektive und die Chance auf eigene Prosperität und eigenes Vermögen der Gründer”.

DailyDeal-Gründer und Earlybird-Partner Fabian Heilemann sagt bei uns im Interview, dass er mit seinem VC-Fonds “auch große Wetten eingehen und einige gewinnen muss”. Können Millionen-Wetten auf unerfahrene Gründer und fehlende Erfahrung langfristig aufgehen - oder gewinnt am Ende die Bank?

Ich verfüge nicht über die Erfahrung von Fabian Heilemann, aber man wird schon nachdenklich, wenn man, damit das Investment auch aufgeht, glauben muss, dass das Startup mit den 20-jährigen Gründern ohne Branchenkenntnis in der Lage ist, das Problem der Branche zu identifizieren, die technische Lösung gefunden zu haben, die disruptiv eine langjährig existierende Branche “aus den Angeln” hebt und dann auch noch dasjenige ist, das aus der technischen Idee ein funktionierendes und erfolgreiches Produkt zu bilden in der Lage ist.

Im Sinne einer Selbsterfahrung von Investoren oder einer anektotischen Evidenz drängt sich der Eindruck auf, dass Investments in Startups nur Sinn machen, wenn man ein risikodiversifiziertes Portfolio an Beteiligungen schafft. Dieser Portfoliogedanke entspricht mehr der Denke der Finanzinvestoren, denn der langfristig orientierter strategischer Investoren.

Familienunternehmer haben langjährige Erfahrung mit Kunden, Partnern und den Veränderungen am Markt - dazu die finanziellen Möglichkeiten, das eigene Geschäft auf die nächste Stufe zu heben. Wie können erfahrene Hamburger Firmeninhaber jungen Gründern ganz konkret helfen, das Geschäft zum Fliegen zu bringen?

Familienunternehmen sind hinsichtlich ihrer Investitionen zumeist keinen Analysten oder den Kapitalmärkten Rechenschaft schuldig und können daher in Ruhe strategische Überlegungen umsetzen und hierbei trotz hyperaktiver und höchst kompetitiver Märkte auch für Startups einen verlässlichen Ruhepol bilden. 

Aber auch das gesamte Know how zum Aufbau eines “echten” Unternehmens mit zahlreichen Mitarbeitern, mit internen Spezialisierungen sowie entsprechend strukturierten Ressourcen kann dem Startup helfen, höchst effizient auf die nächste notwendige Entwicklungsstufe der Unternehmensbildung zu kommen. Welche tatsächliche Ausgestaltung und rechtliche Form solche Arten der Zusammenarbeit annehmen ist sicherlich wichtig, darf aber nicht überbewertet werden, da es hierfür ausgezeichnete “Handwerker” (z. B. Rechtsanwälte und Steuerberater) gibt.

Jungunternehmer kennen sich mit digital-vernetzten Möglichkeiten aus und besitzen das Engagement und den Durchsetzungswillen, ihr Unternehmen auch gegen größere Widrigkeiten aufzubauen. Welche Stärken können Startup-Gründer in eine Partnerschaft mit etablierten Familienunternehmern einbringen?

Im positiven Sinne die Unbekümmertheit, alles zunächst zu hinterfragen und danach vielleicht in Frage zu stellen. Dies oftmals nicht in einer besserwisserischen Art, sondern anhand eigener Erfahrungen mit selbsterlebten Situationen der vollständigen Änderung des Geschäftsmodells (Pivoteffekt). 

Der Umgang mit Fehlern, unbestritten entscheidend für eine positive Innovationskultur in Unternehmen, ist den Gründern anders als vielen Familienunternehmen geläufig und kann die Unternehmenskultur der Familienunternehmen bereichern. Ähnliches gilt sicherlich auch für die interne Kommunikation und ein stückweit auch für die Überwindung von Hierarchien. Positiv kann dies nur wirken, wenn sich die Familienunternehmen hierauf einlassen.

In Startups finden wir viele Elite-Absolventen mit weißen Hemden - aber wenig Respekt gegenüber Partnern, in Wirtschaftsclubs dagegen erfahrene Unternehmer mit goldener Clubnadel - aber wenig Innovationsfreude. Welche Grundlagen sind entscheidend, damit “Jungspunde” und “Old Boys” miteinander erfolgreich arbeiten können?


Viele hübsche Vorurteile, daher eine tatsächlich einfache Frage. Es geht, wie immer im Leben, um Respekt gegenüber dem anderen, Achtung vor dessen Leistung, egal ob schon Lebensleistung oder erst am Anfang des Berufslebens. Auch ist es kaum wahrscheinlich, dass Menschen ohne Empathie erfolgreich auf andere Menschen zugehen können. 

Die Gemeinsamkeiten von Familienunternehmen und Startups sind jedoch so groß, dass man sich eigentlich verstehen muss, denn es geht um Unternehmertum, es geht um das Eingehen von Risiken, es geht um Gestaltungswillen, es geht letztlich darum für eine “Sache zu brennen”. Die beiden Unternehmertypen haben vielmehr gemein, als sie glauben. Dagegen hilft nur miteinander reden, vielleicht moderiert durch so etwas wie das HIF oder Hansevalley. Auch wir sind gefordert. Keiner kann sich auf den Standpunkt zurückziehen, der andere müsse einmal anfangen - für alle gilt: Es ist eine Bringschuld.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Wie gut ist unsere Stadt aufgestellt, um mit innovationsbereiten Familienunternehmern und engagierten Techgründern in Zeiten der Digitalisierung die nächste Stufe der geschäftlichen Entwicklung zu erreichen und eine gute Zukunft zu ermöglichen?

Hamburg - bitte auch in seiner Eigenschaft als Metropolregion - hat ein unglaubliches Netzwerk aus kompetenten und engagierten Personen und Unternehmen, die durch die Politik gut unterstützt werden. Die Wirtschaftsbehörde unter der Leitung des “Praktikers” Horch, aber auch die Handelskammer machen einen guten Job, müssen sich aber zukünftig klarer auf strategische Investoren und Zusammenarbeiten konzentrieren, denn auf reine Kapitalgeber für Startups. 

Die Wissenschaft, z. B. mit Frank Steinicke von der Uni Hamburg, aber auch Burkhard Funk von der Leuphana Universität sind “tolle Anstifter” zum Gründen an den Hochschulen. Was - nicht nur in Hamburg - fehlt, ist ein Mittler zwischen Hochschulausbildung und Unternehmenswirklichkeit, also die Begleitung des Weges von der Idee über die Marktbeurteilung hin zu einem “echten” Unternehmen. Diese Aufgabe können, so zeigt es zumindest die Vergangenheit, nicht nur staatliche Institutionen übernehmen, sondern auch dies muss sich privat über den Markt organisieren.

Vielen Dank für die klaren Worte!

Das Interview führte Thomas Keup.

*  *  *

 Hamburg Digital Background: 

Hamburger Institut für Familienunternehmer


Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:


Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!

Sonntag, 19. Februar 2017

HANSEPERSONALITY Hansjörg Schmidt: In Hamburg liegen alle Karten auf dem Tisch.

HAMBURG DIGITAL INTERVIEW

+++ Innovations-Wachstumsfonds nimmt Gestalt an +++ Fonds-Management soll Family Offices ins Boot holen +++  SPD-Digital-Sprecher kündigt baldige Vorstellung des Fonds-Konzepts an +++ Bürgerschaft wird über Hamburger Startup-Wachstumsfonds diskutieren +++

Digital-Sprecher der SPD und IT-Unternehmer:

Hansjörg Schmidt
Starke Branchen, wie Schifffahrt, Logistik und Medien geben an Elbe und Alster den Ton an. Senat und Handelskammer sind aktive Player bei Standortsicherung und Wirtschaftsförderung. Nun übernimmt Digitalisierung die Führung.

Wie kann die Handelsmetropole ihre führende Wirtschaftsrolle sichern? Wie kann die Medienindustrie zum führenden Branchenschlepper werden? Und wie kann die Hamburger Sozialdemokratie ihre größte Herausforderung seit der industriellen Revolution meistern?


Wir fühlen dem Digital-Experten der führenden Regierungsppartei auf den Zahn: die SPD, Bildung, Startups und Investments - unser HANSEPERSONALITY ist Hansjörg Schmidt - Fachsprecher für Medien, Netzpolitik, digitale Wirtschaft, Technologie und Innovation der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft:


Du bist Informatiker und Mitgründer eines Hamburger Softwareanbieter. Was war Deine persönliche Motivation, in die Politik zu gehen und für die SPD zu kandidieren?

Ich bin in Horn in einer SAGA-Siedlung aufgewachsen. Da lernt man früh, dass eine bessere Welt nicht von alleine entsteht. Man muss mit anpacken, damit sich was ändert. Ich habe mich schon immer engagiert. Als Schulsprecher bin ich dann an die SPD geraten und so nahm das Schicksal seinen Lauf.

Ich war eines der jüngsten Mitglieder der Bezirksversammlung in Hamburg und habe als Fraktionsvorsitzender in Hamburg-Mitte die Geschicke im Bezirk gelenkt. Seit 2011 bin ich in der Bürgerschaft. Mir ging es schon immer darum, keine Wolkenkuckucksheime zu bauen, sondern konkret den Menschen zu helfen.

Immer mehr Bereiche unseres Leben werden digitalisiert und Arbeitsplätze veränderten sich. Kann die SPD von heute die Partei der Digitalisierung sein, und wenn ja, wie?

Sämtliche Parteien tun sich immer noch schwer mit konkreten Antworten auf die Fragen, die die Digitalisierung aufwirft.

Ich zähle ja zur Generation C-64, hatte schon im Alter von 10 Jahren meinen ersten Computer und habe auch durch meinen beruflichen Background als IT-Unternehmer früh Diskussionen über die Digitalisierung angestoßen. Mich hat die Behäbigkeit der Politik hierbei immer geärgert. Deshalb habe ich den Altvorderen in meiner Partei schon früher immer gesagt, dass die SPD die erste Partei war, die eine Antwort auf die Industrialisierung geliefert hat und es wäre fatal, wenn sie die letzte Partei wäre, die eine Antwort auf die Digitalisierung liefert.

Aber in den letzten Jahren hat sich vieles bewegt. Die SPD hat sich ein digitales Grundsatzprogramm gegeben (#DigitalLeben), an dem ich mitgewirkt habe. Hier stehen viele richtige Dinge drin. Nun gilt es, dieses auch in die Tat umzusetzen. Dabei hilft es, dass wir an vielen Regierungen auf Landesebene und nicht zuletzt auf Bundesebene beteiligt sind. Ich denke, dass das Thema Digitalisierung auch eine große Rolle im anstehenden Bundestagswahlkampf spielen wird.

Die 4 staatlichen Hochschulen haben gerade beschlossen, Hamburg zu einem führenden IT-Hochschulstandort zu machen. Reicht das aus, um Hamburg im Bildungsbereich fit zu machen?

Unser Senat hat gerade die Informatik-Plattform "ahoi.digital" auf den Weg gebracht. Diese bettet sich ein in den Rahmen der Gesamtstrategie "Digitale Stadt", um Hamburg zum Spitzenstandort für Informatik auszubauen. Dafür sollen 35 neue Professuren und bis zu 1.500 neue Studienplätze geschaffen werden. Das ist ein großer Schritt.

Im Schulbereich geht mir die Entwicklung persönlich nicht schnell genug. Medienkompetenz und informatorische Grundausbildung ist ein Thema, das in der Bildungspolitik noch viel stärker in den Fokus gerückt werden müsste. Aber man muss auch sehen, dass der Schulbetrieb insgesamt vor großen Herausforderungen steht, Stichwort Inklusion und Integration. Dabei würde die Digitalisierung gerade bei diesen beiden Themen enorm helfen.

Hamburg hat in den letzten Jahren über eine Milliarde Euro in den Schulbau gesteckt. Hier wurde auch vielerorts die digitale Infrastruktur in den Schulen auf Vordermann gebracht. Aber am Ende zählen die Inhalte. Hier stehen noch viele Aufgaben an.

Der Startup-Standort Hamburg wächst, ist aber meilenweit von Berlin und der dortigen Szene entfernt. Wie beurteilst Du die Startup-Szene an der Elbe und was fehlt aus Deiner Sicht noch?

Der Vergleich mit Berlin langweilt die Meisten doch nur noch. Hamburg belegt beim Gründungsgeschehen insgesamt einen Spitzenplatz in Deutschland, da müssen wir uns vor niemanden verstecken! Unsere Start-Up-Szene zeichnet sich durch sehr gute Vernetzung und einer sehr großen Ernsthaftigkeit aus. Hier wird halt nicht viel Bohei gemacht, sondern an Geschäftsideen gearbeitet, die sich schnell am Markt behaupten müssen. Wolf Lotter von brand eins hat mal gesagt: "Hamburg ist Kreativwirtschaft für Erwachsene". Gleichwohl müssten wir aber dennoch öfter mal die Erfolgsgeschichten besser vermarkten. Da steht uns unser hanseatisches Understatement gern mal im Weg.

Neben der stärkeren internationalen Ausrichtung der Start-Up-Szene müssen wir auch an einer noch stärkeren Vernetzung mit den traditionellen Wirtschaftszweigen arbeiten. Das Buzzword "Industrie 4.0" ist hier ein gutes Beispiel. Um hier gute Produkte und Services an den Start zu bringen, braucht die Industrie die kreativen Querdenker aus der Start-Up-Szene. Denn hier geht es nicht darum, Prozesse zu optimieren, sondern diese auch mal komplett anders zu denken. Deshalb haben wir dieses Thema auch als neues Handlungsfeld in den "Masterplan Industrie" der Stadt aufgenommen und wollen die Cluster stärker für Start-Ups öffnen.

Finanzierung ist eines der Schlüsselthemen. Der Senat hat einen Innovations-Wachstumsfonds angekündigt. Wann es geht damit in 2017 weiter und wie managt die Stadt das 100 Mio. €-Projekt?

Die Bürgerschaftsfraktionen von SPD und Grünen haben mit dem Wachstumfonds ein wichtiges Thema adressiert. An Venture Capital in der Frühphase gibt es mittlerweile viele Angebote. Etablierte Unternehmen kommen am Kapitalmarkt für neue Investitionen auch relativ leicht an Geld. Wenn man aber als Start-Up eine Geschäftsidee hat, die an Traktion gewinnt, braucht man meist viel Geld für den Aufbau von Marketing- und Vertriebsstrukturen und den Aufbau weiterer Ressourcen. Hier ergibt sich für die Start-Ups eine Finanzierungslücke, die der Wachstumsfonds schließen soll.

Wir haben deshalb den Senat beauftragt, ein Konzept für so einen Fonds zu entwerfen. Im letzten Jahr gab es dann viele Gespräche mit Experten aus der Finanz- und Start-Up-Szene und man hat verschiedene Modelle evaluiert. Das daraus entstandene Konzept wird nun bald in der Bürgerschaft behandelt.

Ein viel diskutiertes Thema ist die Beteiligung von Hamburger Stiftungen und ihren Family Offices an Startups. Wo liegt aus Deiner Sicht der Schlüssel zum Erfolg, das alte Hamburger Kapital zu aktivieren?

Das ist ja eine Frage, die wir bei der Erstellung des Konzepts für den Fonds gestellt hatten. Ich habe schon früher als Bezirksabgeordneter gesagt, dass es für die wohlhabenden Hamburger sinnvoll wäre, einen Teil der Gelder lieber in die klugen Köpfe der Start-Up-Szene zu stecken, als in weitere leerstehende Bürogebäude. Hier bieten sich häufig interessante und lukrative Investitionsmöglichkeiten. Dem steht aber die Risikoaversität dieses Klientels entgegen. Also brauchen sie jemanden, der ihnen den Weg zu den Investitionen ebnet. Auch hier soll das Management des neuen Fonds einspringen.

Zu guter Letzt unsere Hamburg-Frage: Was macht aus Deiner Sicht Hamburg fit für die Zukunft - gesellschaftlich, kulturell, wirtschaftlich und politisch? Was macht Dich hoffnungsvoll für Hamburg und seine Digitalisierung?

In Hamburg liegen alle Karten auf dem Tisch: Eine erfolgreiche und diversifizierte Wirtschaft, eine kreative Szene und ein starker finanzieller Background. Hamburg war und ist schon immer eine weltoffene Stadt, die mit der ganzen Welt handelt und ein Anziehungspunkt für kluge und hochmotivierte Köpfe ist. Wenn wir diese Karten geschickt ausspielen, dann werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein. Wenn ich mir die Entwicklungen in Wirtschaft und Politik anschaue, dann bin ich da äußerst zuversichtlich, dass uns dies auch gelingen wird.


Vielen Dank für die Bürgersprechstunde!
Das Interview führte Thomas Keup.

* * *

 Außerdem im Hamburg Digital Magazin: 

HANSEPOLITICS: Hamburgs Wirtschaftscluster werden für Startups geöffnet!


 Hamburg Digital Background: 

Persönliche Website des Abgeordneten:
www.hansjoerg-schmidt.de

Facebook-Seite des Abgeordneten:
www.facebook.com/HansjoergSchmidt/

Übersicht der Hamburgischen Bürgerschaft:
www.hamburgische-buergerschaft.de/abgeordnete/4411772/schmidt-hansjoerg/

Vita, Arbeitsschwerpunkte und Kontaktdaten:
www.spd-fraktion-hamburg.de/wir-ueber-uns/abgeordnete/hamburg/g/157.html

Wikipedia-Eintrag über Hansjörg Schmidt:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hansj%C3%B6rg_Schmidt



Ihr Hamburg Digital Marketing _______________________________________

WILLKOMMEN bei HANSVALLEY - dem erfolgreichen Hamburg Digital Magazin:
  • HANSEVALLEY wird gelesen - in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.
  • HANSEVALLEY wird zitiert - in Medien, Pressearbeit und Marketing. 
  • HANSEVALLEY wird gefragt - von Entscheidern, Kammer und Senat.

Nutzen Sie echten Journalismus - mit Editorial Marketing, Redaktion + Distribution:
  • Platzieren Sie überzeugende Botschaften - für Ihre digitalen Positionen.
  • Gewinnen Sie erstklassige Mitarbeiter - für Ihre digitale Zukunft.
  • Begrüßen Sie passende Teilnehmer - auf Ihren Digitalevents.

Sprechen wir über Ihre besonderen Chancen in einem exklusiven Umfeld:

Fragen Sie nach den aktuellen Willkommensangeboten
für HANSEPARTNER, Netzwerk- und Redaktionspartner!